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Ein kümmerlicher Nachtrag

Tom Kummer ist als Thema mittlerweile zwar etwas „verkümmert“. Trotzdem lässt mich die Sache nicht los, denn nun hat sich auch die WOZ zu Wort gemeldet (via).

Nach Hossli überarbeitet nun auch Carlos Hanimann den Kummer-Text akribisch und kommt zum Schluss:

Wenn Kummer schreibt, verlieren Schreibende die Nerven: Aus Ungenauigkeit wird Betrug, aus einer Metapher ein gefälschtes Zitat.

Das ist zwar lustig zu lesen. Wirkt dann allerdings etwas doof, wenn Hanimann ein paar Zeilen weiter findet, Kummer hätte eine zweite Chance erhalten weil er..

..ein guter Schreiber ist. Weil es mit Kummer und den Fakten so eine Sache ist, sollte er über die Super Bowl schreiben ­- ein TV-Ereignis, das vor allem Show und Inszenierung ist. Und wer kennt sich damit besser aus als Kummer?

Die WOZ braucht einen Mann für den Show-Effekt? Einen Mann, der..

..bis heute kein Faktenjournalist geworden ist. Deshalb ist er nicht Bundeshausjournalist (keine Angst: Er wird es auch nicht werden!).

Nun ist’s nicht mehr lustig, sondern doof.
Und dann legt Hanimann noch einmal richtig nach.

Die WOZ ist eine Zeitung, die für Fakten steht, Genauigkeit (vgl. Korrigenda auf Seite 14), preisgekrönte Reportagen, Interviews und Recherchen. Tom Kummer aber lesen wir nicht wegen der Fakten, sondern wegen des Spasses an temporeicher Schreibe.

Fazit: Die WOZ las ich bisher, weil ich FAKTEN und GENAUIGKEIT schätze.
Weil die WOZ-Redaktion bisher leider nur von korrekten und genauen, dummerweise aber spröden Journis durchsetzt war (das war ein Witz, für einmal aber von mir, gemerkt?), haben sie nun den Kummer geholt, damit es auch einen Grund gibt, die WOZ nicht nur zu BEWUNDERN sondern auch zu LESEN (das war ein Seitenhieb auf Nick Lüthi. Auch so ein dummer Witz von mir, gemerkt?)

Kummer is back – Wie der grösste Lügner der Schweiz eine zweite Chance erhielt

Tom Kummer, der wohl beste Journalist Lügner den die Schweiz je hatte, ist offenbar wieder zurück im Business. Für die WOZ durfte er diese Woche aus den USA, wo Kummer seit dem GAU lebt, über den Superbowl berichten.
Die WOZ scheint Kummer offensichtlich zu vertrauen. Sicherlich keine einfache Entscheidung, in Anbetracht der Tatsachen, dass Kummers letzte Kunden (Poschardt & Kämmerling) genau aus diesem Grund ihren damaligen Job verloren haben und die BZ bereits mit einem ähnlichen Comeback schlechte Erfahrungen gemacht hatte.

Insofern gratuliere ich der Zeitung „Sonntag“ (bzw. Peter Hossli) zur Idee, Kummers Text auf Fehler und Unstimmigkeiten zu überprüfen. Blöd nur, dass sie etwas schludrig umgesetzt wurde. Die Zitate beispielsweise hätte man mit einem einfachen Telefonanruf kontrollieren können, auch ein Archiv und Google sind nicht allwissend. Naja, Hossli wird seine Gründe gehabt haben, wieso er es nicht tat.

Aber zumindest in Ansätzen wird klar, dass Kummer nach wie vor eher unkonventionelle Recherche-Methoden benutzt. Hossli schreibt in diesem Zusammenhang gar wieder von Lüge.

Die WOZ bestreitet die Vorwürfe in einer ersten Stellungnahme. Kummer selbst war offenbar nicht zu erreichen. Da bin ich ja mal gespannt, ob Kummer in den nächsten WOZ-Ausgaben wieder als Autor auftaucht. Ich denke mal eher nicht.