Schlagwort-Archive: UBS

Medialer Meilismus

Der Aktenvernichter ist wieder in der Schweiz. Der Sonntagsblick begrüsste den adretten Herrn mit Seesack und Sonnenbrille gleich mal am Flughafen, Telezüri begleitete den US-amerikanischen Doppelbürger anschliessend zu Schawinskis Radio 1, Newsnetz lud zum Interview, Blick zum Portrait.

Dabei erzählt der Post-UBSler allen die gleiche Story: Ich habe zu Recht gehandelt, ich bin nicht so böse wie alle meinen und ich hätte gerne wieder eine Arbeit. Die Medien verwursteln Meilis Aussagen anschliessend zu: Er denkt er hätte zu Recht gehandelt, nun hasst er Amerika wie er einst die Schweiz gehasst hat und dieser Mann findet nie wieder Arbeit, denn das Böse klebt an ihm wie einst das Pech an Hexen.

Drängt sich diese Frage nur mir auf, oder warum lässt sich dieser Mann so zerfleischen? Am Geld alleine kann’s nicht liegen. Meili hat keine Exklusivverträge abgeschlossen. Einen neuen Job wird er so auch nicht finden. Von Rache oder gar Rehabilitation kann nach dieser Erniedrigungstour sowieso keine Rede mehr sein. Was also soll dieser mediale Meilismus?

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WW: Der Kult der Indiskretion

Manchmal verstehe ich den Roger Köppel einfach nicht. Der Chefredaktor der Weltwoche war tatsächlich im Besitz brisanter Informationen in Sachen Sesselrücken bei der UBS, entnehmen wir heute dem Edito der WW. Warum er die Informationen nicht veröffentlicht hat?

  • Die WW „ergötzt sich nicht am Kult der Indiskretion“
  • Kolateralwirkung dieser Information auf die Privatwirtschaft und Verlust von Arbeitsplätzen
  • Die WW führt keine Kampagnen gegen die Privatwirtschaft sondern gegen den Staat.
  • Gespräche zwischen Verwaltungsräten sind nicht von öffentlichem Interesse

(da konnte ich nicht mehr weiter schreiben, weil ich Lachen musste).

Ich geh jetzt und analysiere die Relativitätstheorie mit einem Pferd. Wenn Roger recht hat, muss es auch möglich sein mit Tieren über die Krümmung von Raum und Zeit zu diskutieren.

Der Bund: aus alt mach neu

Manchmal sind neue Geschichten auch einfach aufgewärmter Kaffee.

Heute titelt der Bund: „Avenir Suisse will Bundesvertreter in UBS-Verwaltungsrat“ – und erläutert, wie Böris Zürcher, Chefökonom von Avenir Suisse seine Forderung verstanden wissen will.

Blöd, dass dieselbe Forderung bereits vor einem Monat in den Medien war. So titelten die Agenturen: „Bund in den Verwaltungsrat der UBS – Auch die wirtschaftsnahe Denkfabrik Avenir Suisse fordert grösseren staatlichen Einfluss auf die Konzernspitze der UBS„.

In diesen Momenten frage ich mich, was daran so schwer sein soll nachzuprüfen, ob die Geschichte schon mal gelaufen ist. In diesem Falle kann man sagen: Gratulation an Avenir Suisse – Asche auf das Haupt der Wirtschaftsredaktion des Bundes.

Idiot des Tages: Kaspar Villiger

Welch Ironie der Geschichte. Ausgerechnet der Mann der den folgenden Satz als erster gesagt und geprägt hat wie kein anderer, soll nun die UBS retten:

„Das Bankgeheimnis ist nicht verhandelbar“

Nun, Herr Villiger, da bin ich ja mal gespannt, wie sie das anstellen wollen.

Frühjahrsputz mit Mohammed Grübel

Im Leben kann es manchmal schnell gehen. Eben noch lamentierte Marcel Rohner im Club des Schweizer Fernsehens, nun lässt ihn der UBS-Verwaltungsrat fallen. Sein Nachfolger wird, oho, Oswald Grübel. Der pensionierte „I’ll be back“-Mann im Bankenbusiness.

Von den Zeitungen wird Grübel als Manager gefeiertder die CS vor dem Schlimmsten bewahrt“ hat. Hauptsächlich ihm sei es zu verdanken, dass die Schweizer Grossbank nicht ganz so stark zur Kasse gebeten wurde, wie die direkte Konkurrentin. Dass auch Grübel die Krise völlig falsch eingeschätzt hat, wird heute nicht mal von der NZZ erwähnt. Noch im Oktober 2008 empfahl er den Lesern der Handelszeitung: „Kaufen sie jetzt„, „der Markt wird um 30% steigen“ und „die Schweiz wird als Gewinnerin aus der Krise hervorgehen„. Ein Thor wer ihm glaubte.

Dieser zu Recht pensionierte Prophet soll nun also die UBS aus der „Vertrauenskrise“ führen, wie der Verwaltungsrat meint. Grübel gilt gemeinhin als Hardliner. Als einer, der einen Betrieb auch mal komplett umkrempeln kann. So gesehen ist das „UBS-Memo“ von heute früh die Ankündigung eines rigorosen Frühjahrsputzes. Damit dürfte wieder etwas Ruhe bei der UBS einkehren. Zumindest solange Mohammed Grübel ausschliesslich den Putzeimer fest in der Hand hält.

Bye Bye Bankgeheimnis – Wie man Redaktionen stresst

Das Bankgeheimnis ist nicht verhandelbar

Kaspar Villiger, Schweizer Finanzminister 1996 – 2003


Was gestern Nachmittag als Gerücht im Bundeshaus kursierte, wurde am Abend wahr. Der Bundesrat kam zu einer ausserordentlichen Sitzung zusammen. Die Gründe: UBS, USA, Steuerstreit, Bankgeheimnis.


In den Redaktionen klingelten die Alarmglocken, die Tagesschau schaltete gar für kurze Zeit live ins Bundeshaus, obwohl noch gar niemand wusste, um was es ging. Es war eine interessante Nacht für Journalisten. Eine der spannendsten seit langem. Manch einer war so nervös, dass der Schuss gar zu früh abging. So vermeldete der Le Temps kurz vor Mitternacht, nebst vielen richtigen Fakten, dass der Bundesrat das Notrecht angewendet hätte. Eine Behauptung die in dieser Form nicht zutraf.

Vieles war bisher Spekulation, jetzt lichtet sich der Nebel langsam. Und es wird klar: Zum ersten Mal in der Geschichte der Schweiz wurde das Bankgeheimnis gelüftet, zumindest unter „normalen Umständen“ wenn man den zweiten Weltkrieg und seine Folgen mal aussen vorlässt.


Heute wird viel geschrieben und noch mehr gesagt werden. Aber, neben der Tatsache, dass die Schweiz damit in die Liga der „wir mögen die Amerikaner nicht sonderlich“-Staaten abrutscht, brennen heute vor allem zwei Fragen unter den Nägeln:


  • Wie wurde das Bankgeheimnis ausser Kraft gesetzt ohne dass der Bundesrat das Notrecht ausrufen musste?

  • Und wenn den USA das bisher Unmögliche gelingen konnte, wer sollte andere daran hindern dasselbe zu tun?

Ein grosses Kompliment gebührt hier der Neuen Zürcher Zeitung. Die Printausgabe bot bereits heute ausführliche, gar korrekte Berichterstattung bis in die Details. Keine Ahnung, wie die das vor Mitternacht hingekriegt haben, aber es ist eine beeindruckende Leistung. Wenn auch teilweise im Konjunktiv formuliert, waren praktisch alle Annahmen richtig. Dasselbe gilt für den Le Temps:

Nicht der Bundesrat umgeht das Bankgeheimnis. Die Regierung überlässt diesen Schritt der FINMA, der Finanzmarktaufsicht.


NZZ: Die Behörde soll sich auf die Artikel 25 und 26 des Bankengesetzes berufen, die ihr bei Insolvenzgefahr einer Bank die Möglichkeit einräumen, Schutzmassnahmen zu verfügen. Dass sich die Finma zu diesem Schritt durchgerungen hat, lässt sich als Zeichen dafür interpretieren, dass die UBS in dem seit Monaten schwelenden Streit mit den amerikanischen Steuerbehörden in Bedrängnis geraten ist und der Disput auf ihre operative Geschäftstätigkeit durchschlägt.


Die Begründung (Die Beispielsweise im Tages Anzeiger heute mit Artikel 23 untermauert wird, was falsch ist) lässt viel Raum für Spekulationen und Fragen: Wie hoch war der Druck der USA tatsächlich? Wie oder mit was haben die USA gedroht? Wann kamen die Artikel 25 und 26 des Bankgesetzes bisher zur Anwendung und wieso? Ist das zulässig, unter diesen Umständen gar legal? Lässt sich dieser Entschluss für die Kunden vor Bundesgericht anfechten?


Für das Wallstreetjournal zumindest scheint der Fall heute morgen klar zu sein. Das Schweizer Bankgeheimnis ist am Arsch:


The agreement marks the first time Swiss financial regulators have allowed one of their banks to reveal the identity of account holders normally held secret under centuries of Swiss banking tradition. Some Swiss lawmakers have opposed the move, claiming it would destroy the Swiss banking industry. Even before the U.S. agreement, many of the world’s wealthy who have relied on Swiss banks have been spooked enough to move assets to other jurisdictions, according to lawyers and prosecutors.


Was uns zur zweiten und wichtigeren Frage bringt. Wer folgt als nächstes? Deutschland? Deeee – EU – tschland?

Es ist absehbar, dass sich heute sowohl der Bundesrat, sowie Peter Kurrer und Marcel Rohner hinter der Tatsache verstecken werden, dass es sich nur um einen kleinen Teil der Kundendaten handeln wird. Wörter wie „selektiv“ und „unter besonderen Umständen“ werden heute fallen wie Regentropfen während der Monsunzeit.

Imagedesaster Schweiz: Warum die Finanzkrise dem Ruf schadet

Die internationale Finanzkrise wird für die Schweiz immer mehr zu einer Image-Krise.

Dachten wir zuerst noch, die sichere Insel inmitten stürmischer Finanzsee zu sein, wissen wir heute: weit gefehlt.

Dann torpedieren wir (und verschiedene CH-Parteien von SP bis FDP) das eigene Rettungsboot mit der Aussage, eine Auslagerung der Auffang-Gesellschaft für die UBS auf die Caymann-Island komme einer Steuerflucht gleich.

Am selben Tag trötet DB-Chef Joe (Seppi) Ackermann: wer als Bank die Hilfe der Deutschen Regierung in Anspruch nehme, solle sich gefälligst schämen – nicht ohne später reuig zurück zu krebsen. Wie konnte er auch anders, gehörte der Schweizer doch zu den vehementesten Befürwortern der ersten Stunde.

Und nun beschimpfen uns die Deutschen einmal mehr als Steuerparadis – notabene ohne triftigen Grund. Warum jetzt ausgerechnet die Schweiz Schuld sein soll an der Deutschen Misere leuchtet überhaupt nicht ein. Schuldige gibt es derzeit ja wohl genug.

Trotzdem sind solche Vorwürfe alles andere als nützlich, wenn es um die Stabilisierung des Finanzstandorts Schweiz geht. Es kann nun wirklich nicht angehen, dass die einzige falsche Erkenntnis, die wir aus der gegenwärtigen Krise ziehen, ist, dass Frau Eveline Widmer-Schlumpf eine hervorragende Bundesrätin sein soll.