Schlagwort-Archive: Telefon

Wir wollen Recherchen!

Hier noch ein kleiner Hinweis in Sachen Agenda-Setting und Recherche. Gestern berichtete der Spiegel, dass EU-Abgeordnete künftig trotz Wirtschaftskrise Business-Class fliegen dürfen. Bisher war’s Economy.
Nicht weiter schlimm? Denkste. Wie schnell reist ein Ausschauss mal eben nach Polen, Ungarn oder Italien um zu sehen, wie angekündigte Regeln umgesetzt oder bestehende Vorschriften umgangen werden? Die deutschen Steuerzahler, die diesen Blödsinn berappen müssen, kleben zurecht an der Decke. Ich schätze im übrigen Europa wird’s nicht anders sein.

Da fragt man sich doch gleich, wie machen’s eigentlich die Schweizer Parlamentarier? Ich erinnere mich da an einen Artikel aus der NZZ, 2005 erschienen, der einen Bundesbeschluss über Flugregelungen öffentlich machte. Parlamentarier dürfen für Flugreisen unter drei Stunden nur Holzklasse buchen. Allerdings gibt es da kleine Unterschiede, wie eine kleine Recherche zeigt. Werden Parlamentarier eingeladen, von anderen Politikern oder Organisationen beispielsweise, übernehmen diese einen Teil oder gleich die ganze Rechnung, Flug inklusive.

Zwar gibt es Regelungen, die besagen, dass Parlamentarier solche Angebote nur annehmen dürfen, wenn sie die Reisekosten selber zahlen (BAZ 8.10.08), doch offenbar wird hier immer wieder mal gerne geschummelt, wie derselbe Artikel zeigt.

Vielleicht wäre es an der Zeit, den Parlamentariern wieder mal etwas auf die Spesenabrechnung zu schielen, statt harmlose Konsumentenskandälchen à la Versteckte Musicstar-Telefon-Gebühren aufzudecken.

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Tageskommentar: Ypsilanti’s 7 Minuten

Nun schreiten sie zur Tat, die SPD und mit ihr die Walküre Andrea Ypsilanti. Der Radiosender, der mit seinem Telefonscherz die Hessische Frontfrau in Verlegenheit  brachte, hat nun eine Klage am Hals.

«Es sei Strafantrag gegen die Verantwortlichen bei der zuständigen Staatsanwaltschaft in Hannover gestellt worden, teilte die Landtagsfraktion der Sozialdemokraten am Mittwoch mit. Die Anzeige richte sich gegen den Sender und die Verantwortlichen für die Veröffentlichung im Netz.»

(Auszug FAZonline)

Was für ein absolut erfolgloser, ja gerade zu erbärmlicher Versuch jemanden für den entstandenen Image-Schaden zu bestrafen. Die Genossen haben offensichtlich nicht nur den Humor, sondern auch den Verstand verloren. Nun drischt die Partei blind auf einen kleinen Radiosender ein, in der Hoffnung mögliche Nachahmer in sämtlichen Radiostationen des Landes zu verschrecken. Dabei war das Gespräch (wie erwähnt) alles andere als brisant. Es ist und bleibt ein relativ harmloses, vielleicht sogar langweiliges Politgeplänkel auf tiefem Niveau, angereichert mit den branchenüblichen Drohgebärden (Linke nageln).
Hätte die Partei nicht mit Klage gedroht, wäre die Sache schnell vergessen gewesen. Andrea nahm’s persönlich, drohte postwendend Youtube, dem Radio und anschliessend pauschal allen Medien und verlieh dem Gespräch damit die Brisanz, die eigentlich immer gefehlt hat. Sollte Frau Ypsilanti ihre Politik in Hessen in Zukunft nach dem selben Motto gestalten, kann man den hessischen Linken nur eines raten: Rennt solange ihr noch könnt.

Ypsilanti’s 7 Minuten

Wie berichtet, fehlt es Hessens SPD-Star Andrea Ypsilanti offensichtlich an Humor. Und was Andrea vormacht ist der hessischen SPD Befehl. Denn Humorlosigkeit heisst nun die Partei-Devise. Die SPDdroht dem verantwortlichen Radiosender und den übrigen Medien mit straf- und zivilrechtlichen Schritten.

«Die SPD werde von allen Medien, die aus dem Gespräch zitierten, ebenfalls eine Unterlassungserklärung verlangen». (Auszug Spiegelonline).

Gerne stellen wir darum die gekürzte Abschrift des Telefonats hier Online:

Ypsilanti: Hier Ypsilanti
Müntefering: Ja Grüß Dich, wie ist die Lage?
Ypsilanti: Die ist ruhig, ausser unsere Jusos. Die sind heute morgen etwas aus dem Rahmen gefallen. Die sind momentan nicht so kontrollierbar.
(…)
Müntefering: Die Lage in Hessen ist für mich suboptimal. Das könnte ich mir besser vorstellen.
Ypsilanti:Wo ist denn das Problem an deiner Stelle?
Müntefering: An meiner Stelle ist das Problem, dass das mit den Linken unter Kontrolle kommt.
Ypsilanti:Wir haben gestern ein erstes Gespräch mit ihnen gehabt. Wir wollen sie schon ziemlich genau nageln.
Müntefering: Das ist gut! Und ausserdem haben wir alle überlegt, (…) wir brauchen natürlich starke Frauen in der Partei. Grad auch in der Führungsebene. Und ich fände es jedenfalls gut, wenn du mit dabei wärst.
Ypsilanti:Was heisst das?
Müntefering: Dass wir das in Hessen machen.
Ypsilanti:Das heisst, ich soll Hessen dem Koch überlassen?
Müntefering: Ja
Ypsilanti:Ne, das kannst du nicht machen
Müntefering: strategisch
Ypsilanti:Ne, das kann ich nicht
Müntefering: Du weisst, wir haben Bedarf in der Partei
Ypsilanti:Ich weiss, aber Franz das geht nicht. Ich wär verrat und verkoppt, ich bräucht in Hessen überhaupt nicht mehr aufzutauchen.
Müntefering: Ich sag dir nur eins, wir haben ne interessante Position und ich sag dir auch, wenn einer Heil heisst, ist er nicht heilig. Wenn du weisst was ich meine.
Ypsilanti:Ich weiss was du meinst.

Wir stellen fest: Das Gespräch beinhaltet kaum brisante Punkte, ausser dem regulären Polit-blabla. Das alles wäre kein weiteres Aufheben wert, würde Frau Ypsilanti nicht ein solches Drama verantstalten. Gerne weisen wir an dieser Stelle darum auch noch mal darauf hin, dass das ganze Gespräch hier als Torrent erhältlich ist.

Wer wissen will, wie die Ulknudel aussieht, die als „Münte“ mit Andrea telefoniert hat, findet das Video-Interview hier.
Wir haben geschlossen und wünschen Frau Ypsilanti viel Erfolg beim Versuch, das unmögliche zu schaffen.