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ARD vs. SF: Niedergang in Bildern

Angesichts der aktuellen Wirtschaftsdaten in eine Depression zu verfallen, ist nicht sehr schwer. Wer sich täglich zusätzlich die ARD-Tagesthemen rein zieht, müsste eigentlich als Suizid gefährdet gelten. Was die deutschen Tagesschau-Redaktorinnen und -Redaktoren derzeit an Untergangsszenarien heraufbeschwören passt auf kein Analytiker-Sofa. Da lobe ich mir die Tagesschau des Schweizer Fernsehens, sowie die Informationssendungen von Radio DRS. Hier konzentriert man sich in letzter Zeit erster Linie auf Diskussionen und Abstimmungen im Parlament als Aufmacher. Anschliessend blickt man mit einer Mischung aus Sorge und Verwunderung auf die Ereignisse im Ausland. Das dürfte mit ein Grund sein, warum wir hier in der Schweiz noch immer das Gefühl haben, die „Wirtschaftskrise“ sei zu meistern, wenn wir es alle nur stark genug glauben. Das dem nicht so ist, beweisen die Tagestehemen. Und angesichts solcher Sendungen bewundere ich die Deutschen gar. In der Schweiz wären bei diesen Themen längst Tumulte und Plünderungen ausgebrochen.

Das bisher extremste Beispiel: ARD-Tagesthemen vom 20.5.2006

Aufmacher: Hertie macht dich. Eine grosse deutsche Traditionswarenhauskette muss die Tore schliessen, weil ein britischer Investor nicht bereit war die Mietzinsen für die Kaufhäuser zu senken. Die Begründung: Man könne die Ladenfläche zu einem besseren Preis an weitere Interessenten vermieten. Wer diese Interessenten sind, wurde nicht gesagt. 54 Fillialen werden geschlossen, 2600 Mitarbeiter sind betroffen, davon grösstenteils Frauen über 40.
(Zum Vergleich: Man stelle sich vor, Migros müsste dicht machen, weil ein britischer Investor mit der Marge nicht zufrieden ist.)

2. Thema: Opel. Die Geschichte ist bekannt, es geht um das Hick-Haki zwischen Fiat und Magna. Auch hier geht es um Arbeitsplätze, Steuermillionen und Insolvenz.
(Zum Vergleich: Da gibt’s nix vergleichbares. Wir haben kein ähnliches Unternehmen, das ähnlich viele Leute beschäftigt. Es sei denn, Novartis und Roche müssten samt Zulieferer um ihre Zukunft bangen).

3. Thema: Wir bleiben in der Autobranche: Diesmal geht es um die Zulieferer Schaeffler und Continental. Schaeffler hatte sich bei der Übernahme von Conti verschuldet, zu hoch wie sich jetzt zeigt. Da auch Conti tief in den roten Zahlen steckt, versucht man es nun mit einer Ausgliederung. Auch hier geht es um Arbeitsplätze.
(Zum Vergleich: Wohl verfügt die Schweiz über Zulieferer der Autoindustrie, allerdings nicht in derselben Grösse und schon gar nicht in derselben Situation).

4. Thema: Die Bundesregierung verlängert das so genannte „Kurzarbeitergeld“. Bisher dürften Arbeitgeber 18 Monate lang Kurzarbeit bezahlen, nun gelten neu 24 Monate. Betroffen sind etwa 2 Millionen Menschen.
(Zum Vergleich: In der Schweiz wurde die Kurzarbeitszeit zwar auch verlängert, allerdings bei weitem nicht im Deutschen Massstab (wenn ich das richtig im Kopf habe von 6 auf 12 Monate).

Zu diesem Zeitpunkt habe ich bereits eine ausgeprägte Depression. Wir befinden wir uns leider erst bei Minute 3:30

5. Thema: Staatsverschuldung. Der Bund muss im laufenden Jahr weitere 10,7 Milliarden Euro an Neuverschuldung aufnehmen. Die Neuverschuldung in Deutschland beträgt neu rund 47 Milliarden Euro.
(Zum Vergleich: In der Schweiz wird derzeit über ein weitere Konjunkturprogramm diskutiert. Über eine Neuverschuldung oder gar Gesamtverschuldung der Schweiz wurde meines Wissens nach in letzter Zeit nichts bekannt.)

6. Thema: Evangelischer Kirchentag eröffnet: „Mensch wo bist du?“ – lautet das Motto. Das Ziel: man will eine Debatte zur Wirtschaftskrise anstossen. Bewaffnet mit Blockflöte und Gitarre trafen sich rund 70´000 Menschen in Bremen und lauschten den Worten von Bundespräsident Horst Köhler, der da sagte: „Menschen müssen in schweren Zeiten zusammenhalten“
(Zum Vergleich: Ja was macht eigentlich unser Bundespräsident so?)

Stimmungsbarometer Deutschland: Weltungergang
Und das in gerade mal fünf Minuten. Das soll erst mal einer nachmachen.

Weekend-Journalism Award

Hosenindosenmedia.corp proudly presents:

The first „Weekend-Journalism Award Switzerland May 2009“

And the nominees are:

The Tages Anzeiger


Wie eine 12-Jährige im Internet ihr Sackgeld verlor

Welches Mädchen möchte nicht Gutscheine von H gewinnen? Gila aus Winterthur verspielte so im Internet 10 Franken. Nun geht die Lotteriekommission gegen die Abzocker vor.

Ja, wer kennt sie nicht, die weltweit erhältlichen Gutscheine von „H“?

The Tagesschau from the swiss görman television

Betrugsabkommen: SP fordert Gespräch mit EU

Das erste Abkommen, das Betrug zwischen einzelnen Ländern offiziell erlaubt.

The Newsnetz:

Die Tage von Demjanjuk in den USA sind gezählt

Die Abschiebung des mutmasslichen NS-Verbrechers John Demjanjuk nach Deutschland steht womöglich in Kürze bevor.

Ja was denn nun? Gezählt oder nur womöglich gezählt?

The Basler Zeitung:

Schweinegrippe: 900 Fälle mehr in den USA als in Mexiko

Die Schweinegrippe ist weiter auf dem Vormarsch. In den USA hat sie 44 von 50 Einzelstaaten erfasst. Und auch in China ist sie augetreten.

Au.

Lieber Osterhase..

Heute habe ich in deinem Nest (?) folgende Kuriositäten entdeckt. Es sind merkwürdige Satzkonstellationen, die ich mir irgendwie auch nicht eklären kann. So schreibt die NZZ in einem Lead:

Klage gegen Ford, GM, Daimler und wegen Oerlikon Bührle zugelassen

Was ist der Unterschied zwischen „wegen“ und „gegen“? Zumindest in diesem Zusammenhang ist mir das völlig schleierhaft. Noch mysteriöser finde ich lediglich den Titel der Tagesschau über folgendem Beitrag:

USA rüsten gegen Seeräuber

Ja, was rüsten die Amis denn? Kartoffeln? Gegen Seeräuber? Wenn man die Dinger hart genug werfen kann, vielleicht – aber es gäbe sicherlich wirksamere Methoden. Du siehst, lieber Osterhase, ich bin heute etwas überfordert. Und als ich nach Gründen für das Neu-Deutsch der Online-Medien Ausschau hielt, fiel mir plötzlich folgender Artikel in der NZZ am Sonntag auf:

Uni-Prüfung als Massenanlass in Messehalle

Ist dass der Grund für den Qualitätsverlust in den Medien? Das Bologna-System? Da bedauert man es ja schon fast etwas, dass man nicht BWL studiert. Mogeln war noch nie so einfach. Grundsätzlich ist es jedoch zu begrüssen, dass die Medien endlich mal auf die Missstände des Bologna-Systems aufmerksam werden. Und, so wünsche ich es mir zumindest von dir, Osterhase, vielleicht begreifen auch die Leser, welch bürokratisches Monster sie mit ihren Steuergeldern finanzieren. Wenn BWL-Studentinnen und Studenten ihre Prüfungen bereits in der Messehalle in Oerlikon absolvieren müssen, weil es einfach zu viele davon gibt, um sie an der Uni unterzubringen, die Sicherheitschecks und die Miete mehr verschlingt als eine Professur pro Jahr kostet, dann wäre es an der Zeit zu handeln.

Wie das geht, lieber Osterhase, haben mir gestern morgen die Kollegen in Pattaya vorgeführt. Was als Studenten-Party begann, artete in einer Handfesten Demonstration aus. Die thailändische Regierung verhängte den Notstand, sagte den ASEAN-Gipfel ab und schickte Prügeltruppen auf Streife. Und was machten die Studenten? Zusammen mit den Journalisten verspeisten sie das Gala-Diner, welches eigentlich für die ASEAN-Regierungsschefs vorgesehen war.

In diesem Sinne,

frohe Ostern

„Fringe“ am Leutschenbach

Manchmal geschehen am Leutschenbach merkwürdige Dinge, die dann, ein paar Tage später, einen noch merkwürdigeren Widerhall in den Medien finden.

Tatsache ist: Gianluca Galgani gibt seinen Job als Italien-Korrespondent ab. Warum er das tut, ist nicht bekannt. Wer die Nachfolge dereinst antritt übrigens auch nicht.

Soweit so uninteressant. Die Zeitung „Sonntag“ weiss nun aber zu berichten, dass Tagesschau-Sprecherin Béatrice Müller auf Galgani folgen werde. Dazu liefert sie ein paar hib- und stichfeste Beweise wie: Müller besitzt ein Ferienhaus in der Toscana, sie spricht fliessend italienisch und ihr Ehemann Heiner Hug liebe Italien.

Nicht nur führt der „Sonntag“ mit dieser Behauptung sämtliche Bewerbungskriterien ad absurdum, der Blick ist auch noch so blöd und lässt sich darauf ein.

Heute zieht das Boulevard-Blatt mit der Geschichte „Geht Miss Tagesschau wirklich nach Rom?“ nach. Eine halbe Seite lang wird praktisch Wort für Wort wiederholt, was der „Sonntag“ schon gepredigt hat. Einzig der letzte Abschnitt enthält eine Neuigkeit: „Kollegen gegenüber habe Müller kein Interesse an der Stelle gezeigt„.

Mal abgesehen davon, dass es nun wirklich alles andere als relevant ist, ob Béatrice Müller nach Italien geht oder nicht: wen interessiert so was eigentlich? Wenn die Béatrice wenigstens noch singen würde, oder strippen oder kiffen. Aber so?

Post Personal News – Ein teurer Spass

Dass die Post im Zeitungsmarkt mit mauscheln will, ist bekannt. Nicht klar war mir allerdings, wie genau die Post dies anstellen will. Da die Printmedien aus verständlichen Gründen einen grösseren Bogen um das Thema machen, hat mir die Tagesschau gestern etwas ausgeholfen.

Was heisst hier etwas. Der Beitrag war gut.  (An Stefan Tabacznik habe ich im Normalfall nicht viel auszusetzen)

Sendung (Wie immer bei SF funzt der Link nicht): Personal News vom 2.2.2009

Die Idee der Post ist folgende: Aus einem Angebot an Zeitungsseiten stellt sich der Rezipient seine persönliche, so genannte „personal news“-Zeitung zusammen. Das heisst : beispielsweise Inland vom Tages Anzeiger, Regionalteil der Südostschweiz und dazu den Wirtschaftsteil der Washington Post. Klingt gut? Leider nur vordergründig.
Erstens beteiligen sich nur wenige Zeitungen an dem Projekt (20). Davon stammt die Mehrheit aus dem Ausland. NZZ, Bund oder Basler Zeitung sucht man beispielsweise vergeblich. Dafür kriege ich das Zofinger Tagblatt. Juhui.
Zudem lässt sich die Zeitung elektronisch wie auch „druckfrisch“ ordern. Das bedeutet: Die Post druckt die einzelnen Angebote und lässt sie anschliessend ausliefern. Dummerweise arbeitet das genannte Druckzentrum laut Tagesschau bereits mit 100 Exemplaren am Limit, so dass sich eine Kapazitätssteigerung auf die Lieferkosten auswirken dürfte.

Das ganze läuft als Versuch, hört man hier und da, und soll bis Ende Februar erste Ergebnisse liefern. Manchmal heisst es, die maximale Teilnehmerzahl sei bereits erschöpft und liege bei 100 Personen, dann wiederum liest man von über 300 Abonnenten, die der Service bereits haben soll.

Bestellen kann man den Wisch allerdings immer noch. Ich habs probiert. Und dann gemerkt, dass die „personal news“ weit teurer ist, als jede Tageszeitung, die ich am Kiosk kaufen kann.
So gesehen, ist das Projekt in meinen Augen gelaufen. Auf Wiedersehen.

SF Tagesschau – Neutrale Berichterstattung?

Liebes Schweizer Fernsehen,
Lieber Heiner Hug

Wer sich in der Schweiz per TV über die (Schweizer) Newslage informieren will, der guckt im Normalfall die Tagesschau des Schweizer Fernsehens. Ich weiss zwar, dass das SF einen enormen Marktanteil hat und mir ist genau so bekannt, dass die Tagesschau die meist gesehene Informationssendung der Sender SF1 und SF2 ist, allerdings fehlen mir dazu die Zahlen (wie sie etwa die ARD als ÖR-Sender brav zur Verfügung stellt).

So gebe ich mich denn geschlagen und glaube den jeweils im Kontext genannten Zahlen und gehe davon aus, dass im Schnitt gut 1 Million Menschen das SF News-Angebot um 19:30 nutzt (das im Vergleich zu den deutschen Tagesthemen übrigens nicht immer pünktlich beginnt, aber das kriegt ihr dann auch noch hin..). So freue ich mich jeden Abend auf eine unabhängige, neutrale und faire Berichterstattung durch das kompetente Newsteam von Herrn Hug. Diese Erwartungshaltung wird nicht nur konstant enttäuscht, manchmal frage ich mich, welcher News-Produzent den SF-VJs eigentlich die Beiträge abnimmt. Nein, es müsste heissen: Ob ein News-Produzent (…)

Nehmen wir die gestrige Sendung (9.9.2008) als Beispiel.
Daraus den Beitrag von Pascal Kraus und Gion-Duri Vincenz über die geplante Studie zur Häufigkeit von Krebserkrankungen bei Kleinkindern in der Nähe von Schweizer Atomkraftwerken (Leibstadt, Beznau I&II, Gösgen, Mühleberg – 5Km-Umkreis). Dauer: Knapp 2 Minuten

Beitrag AKW vom 9.9.2008

Der Beitrag beginnt mit bedrohlich klingender Musik.

Beiträge im Newsteil der Tagesschau beginnen NICHT mit Musik. Es sei denn sie handeln von einer brennenden Ballettänzerin, die während der Vorstellung plötzlich in Flammen aufging. Falls nicht, tanzt Blocher im nächsten Interview zur Türe herein – zu Tango.

Danach die Feststellung, dass es in Deutschland eine ähnliche Studie gegeben habe, welche ein erhöhtes Krebsrisiko für Kinder in AKW-Nähe festgestellt habe.

Richtig wäre: Eine umstrittene Studie in Deutschland, die unter anderem zu heftigen Diskussionen über Strahlung in AKW-Nähe im deutschen Bundestag geführt hat.

Immer noch bedrohliche Musik – dann grosses Bild Leibstadt.

Ich habe verstanden: AKWs sind böse. b-ö-s-e.

Dann ist die Musik plötzlich weg (hu?) und Frau Kuehni, die Projektleiterin der Schweizer Studie, erklärt mir, welche Parameter in der Schweizer Studie abgeändert wurden.

Frau Kuehni hat offenbar keine Musik verdient. Sie ist NICHT böse.

Wenn Frau Kuehni nicht gerade für eine halbe Sekunde den Reporter anstarrt, blickt sie direkt in die Kamera.

Das ist nur ein kleines Detail für Freaks. Aber mir macht so etwas Angst.

Dann die Aussage: Auch in Deutschland könne durch die Studie ein Zusammenhang zwischen Erhöhter Krebserkrankung und AKW-Nähe nicht nachgewiesen werden.

Ja was denn nun? Da hat mir doch Frau Stauber in der Anmoderation etwas ganz anderes erzählt? Wollen die mich für dumm verkaufen?

Dann wird die Unabhängigkeit der Studie kurz aufgezeigt und die AKW-Betreiber dürfen vor der Kamera erzählen, dass sie nichts damit zu tun haben.

Uh, da bin ich aber beruhigt. Sonst würden die Strompreise vermutlich noch höher steigen.

Dann wieder bedrohliche Musik und ein Bild eines Kühlturms. Dazu die Aussage: Deutschland entscheidet bereits nächsten Monat (man haben die ein Tempo) ob sie auf dem Gebiet weiterforschen sollen, oder nicht.

Fazit: AKWs sind böse, die Deutschen schlauer und schneller wie die Schweizer und Frau Kuehni macht mir Angst.

Ein wirklich gelungenes Stück Schweizer News-Arbeit. Da passt es ja, dass Herr Haldimann sich selber auf die Schultern klopft.