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Die Schweizer Illustrierte im Bundeshaus

Mal abgesehen davon, dass der Ringier-Verlag bei den Sozialplan-Verhandlungen im Zusammenhang mit den ständig wiederkehrenden „Massenentlassungen“ (Zitat: Personalkommission) etwas asoziales zusammenwurstelt; weiss jemand, für was die SI einen Bundeshausredaktor braucht?

Wir sind alle keine regelmässigen SI-Leser. Aber wenn wir die SI-Site durchstöbern, können wir uns nur schwer vorstellen, was Sascha Buchbinder (der nebenbei zum Besseren gehört, was der Tages Anzeiger im Zuge der ständig wiederkehrenden „Massenentlassungen“ entmassenlassen hat) dereinst im Bundeshaus tun soll?!

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Abt. Wiederholungstäter

Noch Fragen?

Hau den Roschee

 Die Weltwoche zu kloppen macht Spass. Zumindest dem Gros der Schweizer Journalisten. Es ist ja auch reichlich einfach. Wer nach Argumenten sucht, verbringt einfach mal einen Abend in einer Bar. Sagen wir in Zürich, irgendwo im Kreis 4 oder 5. Dort wo die Kreativen rumhängen, die Künstler, Grafiker und Werber, die Schreiber und Denker. Die Weltwoche sei ein Naziblatt und Roschee der heimliche Chefideologe der SVP, hört man da. Die Weltwoche sei fremdenfeindlich, schreibe absichtlich was nicht ist, nur um aufzufallen.

Richtig ist: Die Weltwoche polarisiert und provoziert, so wie der Blick es gerne täte und doch nicht hinkriegt. Die Weltwoche betreibt eine Art stumpfen Boulevard mit intellektuellem Anstrich. Und das macht sie richtig gut – völlig egal welche Meinung das Blatt dabei vertritt. Gäbe es keinen Markt für dieses Produkt, wäre Roschee schon lange verschwunden. Als statistische Beweisführung reicht diese Abstimmung.

Heute nun äussert sich der Kulturchef des Tages Anzeigers  zur „Männerriege der «Weltwoche» unter dem intellektuellen Vorturner Roger Köppel“ – der Satz gefällt mir ausgezeichnet.

Roger Köppel treibt ein gefährliches Spiel mit den zivilisatorischen Errungenschaften und Werten unserer Gesellschaft. Das Prinzip, dem sich seine Gefolgschaft gehorsamst unterwirft, ist denkbar einfach: Die Ausnahme bestimmt nicht die Regel, nein, sie ist sie! Wo es Missbrauch gibt, kann es nur Missbrauch geben. Für den Nachweis braucht es nur einen Fall – und dieser findet sich immer. Die Welt ist, was ein Fall ist! Chefideologe Roger Köppel, der überall ideologisches Denken wittert ausser bei sich selber, weiss um die verführerische Kraft des von Ressentiments geleiteten Denkens. Diesen Quell des kollektiven Unmuts zapft er geschickt an.

Stimmt. In anderen Worten: Es ist einfach nur gut gemachter Boulevard. Ich weiss nicht, ob sich Guido Kalberer bewusst ist, welch positive Würdigung er Roger Köppel hier zugeschrieben hat.

Die dritte Geschichte auf dem Cover handelt vom «netten Muslim mit der Bombe». Alles passt perfekt zusammen und bedient eine simple Ikonografie des Schreckens. Was für ein delikater Luxus, in einem Land zu leben, das, von historischer Unbill und Unglück weitgehend verschont, sich solche Horrorspielereien erlauben kann. Ein Wunder, dass es uns überhaupt noch gibt: ein keimfreier Sandkasten für grosse Kinder mitten in Europa.

Der einzige, den solche Texte tief treffen, ist vermutlich Frank A. Meyer. Diese Art Würdigung von höchster Stelle blieb dem Blick Chef-Ideologen bisher immer verwehrt.

Wirtschaftskrise+Sparmassnahmen=Preiserhöhung

In den letzten Tagen war es an der journalistischen Front vergleichsweise ruhig. Dafür kommt´s nun um so dicker. Den Anfang machte NZZ-CEO A.P. Stähli mit seiner Ankündigung, man wolle die Abopreise erhöhen und in Sachen Internet zumindest teilweise von „free“ auf „paid“ wechseln. Einerseits muss man vor dieser Entscheidung den Hut ziehen, schliesslich haben wir in den letzten Wochen zur Genüge miterlebt, wie es ist, wenn das Management aus Renditegründen (oder roten Zahlen / siehe NZZ) auf Kosten des Personals spart. Im Falle der NZZ muss jetzt also zuerst einmal der Leser bluten. Soweit ich mich erinnern kann ist das in der aktuellen „es muss noch billiger produziert werden“-Phase ein Novum (Der Bund sei hier ausgenommen, denn dabei handelt es nach dem Zusammenschluss mit dem Tages Anzeiger um eine „neue“ Zeitung, zudem war der Bund vergleichsweise billig). Man darf gespannt sein, wie die Abonnenten auf diese Erhöhung reagieren werden.

Für eine Qualitätszeitung ist dies derzeit aber leider einer der wenigen gangbaren Wege aus der aktuellen Krise. Entweder das, oder man definiert das Redaktionsstatut neu. Eine Massnahme, zu der sich auch der Tages Anzeiger früher oder später genötigt sehen wird, auch wenn mir Jean-Martin Büttner hier widersprechen würde.

Die NZZ ist übrigens nicht die einzige, die etwas gar laut über etwaige Preiserhöhungen nachdenkt. Auch die SRG plant derlei, behauptet zumindest die Weltwoche. Während die NZZ selbständig entscheiden kann, hat der Bundesrat bei der SRG das letzte Wort. Und es dauerte keine 12 Stunden (!), da mischte sich auch schon die SVP ein. Allerdings wäre bei dieser These durchaus Vorsicht angebracht. Die WW hat sich in den letzten Wochen geradezu auf Armin Walpen und die SRG eingeschossen. Sätze wie:

Tatsache ist: Generaldirektor Walpen will die Radio- und TV-Gebühren um fünf Prozent erhöhen. So steht es im Finanzierungsplan, den er am 22. Juni in den SRG-Verwaltungsrat bringen wird.

Klingen zwar plakativ und logisch, entsprechen aber selten der Wahrheit. Walpen ist zwar auch nur ein Mensch, allerdings kein kompletter Vollidiot.

Die Entlassungen enttäuschen die Abonnenten – Leserbriefe und so..

Es ist schön zu sehen, dass doch noch so etwas wie eine „Debatte“ in den Leserbriefspalten des Tages Anzeigers stattfinden kann. Dumm halt, dass es nur noch spärlich geschieht. Mittlerweile ist es wohl aber bereits soweit, dass man froh sein kann, dass so etwas überhaupt passiert.

Da der Tages Anzeiger seine Leserbriefe online nicht zugänglich macht, müssen wir die Debatte hier 1 zu 1 abdrucken. Man merke: Die Leser machen sich sehr wohl Gedanken um ihre Zeitung (TA vom Freitag 12.).

«Die Entlassungen enttäuschen die Abonnenten»

Wohin steuert der Tagi? Als langjähriger Leser bin ich zunehmend verwirrt. Vor drei Jahren hat Tamedia mit Pauken und Trompeten die Regionalstrategie verkündet, jetzt rudert man wieder zurück, lässt aber verlauten, dass die Regionalisierung damit gestärkt werde. Der Verlag baut auf einen Schlag Dutzende von Stellen ab, verspricht aber gleichzeitig, der Tagi werde jetzt «noch besser». In seinen Kommentaren profiliert sich der Tagi durch seine Kritik an rücksichtslosen Managern, nun sickert aber immer mehr durch, wie rücksichtslos Tamedia beim Personalabbau vorgegangen ist. Glaubt Tamedia ernsthaft, sie erhöhe mit solchen Floskeln und Methoden den Ruf des Tagi als unabhängige Qualitätszeitung?
TOBIAS STRAUMANN, ZÜRICH

Existenzielle Bedrohung. Der Tagi begleitet mich seit vielen Jahren, und ich habe der liberalen Kultur des Unternehmens naiv vertraut. Ich nahm die verschiedenen Meinungen und die politischen Auseinandersetzungen der schreibenden Arbeitnehmenden mit Zufriedenheit zur Kenntnis und nahm an, dass die obersten Chefs und Besitzer der Zeitung menschlich ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auch bei einmal auftretenden Schwierigkeiten nicht gleich fortschicken würden, so wie andere Unternehmen dies tun. Dem ist leider nicht so. Es wurde echt treuen und engagierten Journalisten und Journalistinnen, die über Jahre die Qualität der Zeitung erfolgreich geprägt und gewinnbringend aufrechterhalten haben, gekündigt. Es seien finanzielle Gründe, die die Entscheidungsträger zu diesem notwendigen Entschluss gedrängt hätten. Ein für viele sehr schmerzhafter Entschluss, weil Kündigungen verletzen und unwiderruflich sind und weil diese für die Journalisten und Journalistinnen des «Tages-Anzeigers» echt und nicht scheinbar existenziell bedrohlich sind. Die zahlreichen Entlassungen enttäuschen die Abonnenten und Abonnentinnen. Wer will denn nun den «Tages-Anzeiger» noch vor der Haustür oder im Briefkasten?
GERDA STILLI, ZÜRICH

Verstümmelung von Ressorts. Die wirtschaftliche Situation des Tagi sei so schlecht, dass rigoros gespart und auch bei der Redaktion «abgebaut» werden müsse, liess Tamedia die Öffentlichkeit vor einigen Wochen wissen. Mit der Entlassung von rund einem Viertel der Redaktion werden aber nicht nur Kosten vermindert, sondern auch journalistische Leistungen abgebaut.
Damit verspielen Herausgeberschaft und Chefredaktion das eigentliche Kapital ihrer Zeitung – sie opfern über lange Jahre aufgebaute journalistische Kompetenz und Glaubwürdigkeit auf dem Altar der Wirtschaftlichkeit. Besonders die Entlassungen von Auslandskorrespondenten und in den Bereichen Kultur sowie Wissen und Leben kommen einer regelrechten Verstümmelung dieser Ressorts gleich. Dabei scheinen die Verantwortlichen aus dem Blick zu verlieren, dass es die kompetente Berichterstattung, Analyse und Kommentierung vielfältiger Themen sind, die LeserInnen an ihre Zeitung binden. Streichen sie diese zusammen, geht der wichtigste Anreiz verloren, den Tagi weiterhin zu abonnieren. Ich werde mir jedenfalls sehr gut überlegen, ob sich mein Abo weiterhin lohnt.
STEFAN SANDMEIER, WINTERTHUR

Alles nur Image? Der «Tages-Anzeiger» profiliert sich mit Anprangerungen von Ungerechtigkeiten und Gesetzesverstössen der Mächtigen zu Lasten des einzelnen machtlosen Bürgers. Mit diesen medialen Stellungnahmen zugunsten der Schwächeren hat sich der «Tages-Anzeiger» ein linksliberales Image erworben, verstärkt nun auch durch den Beizug von Res Strehle als Chefredaktor, auch er bekannt durch soziale Positionierungen. Wenn man nun aber hört, wie mit den verdienten Mitarbeitern umgesprungen wurde, stellt man mit Empörung fest, dass dem äusseren Schein kein echtes inneres Engagement zugrunde liegt, dass die Feigenblätter und der Lack abblättern. 32 Millionen Franken für die Aktionäre einerseits, Massenentlassungen mit entsprechenden Folgen für die einzelnen Arbeitnehmer andererseits.
Daniel Suter, bald 60-jährig, seit 22 Jahren beim «Tages-Anzeiger», bekannt unter anderem durch seine klugen, kritischen Kolumnen, wird als Präsident der Personalkommission entlassen, ohne ein Wort des Dankes, ohne Angebot einer Frühpensionierung. Es ist offensichtlich, dass sein Engagement als Personalvertreter für die Rechte der Belegschaft bestraft werden musste, zwei Tage nach seiner öffentlichen Kritik an den Tamedia-Verantwortlichen.
URSULA KOHLBACHER, ZÜRICH

Gewinnstreben. Angesichts der Massenentlassung in der Redaktion des «Tages-Anzeigers» machen folgende Gedanken von Paul Parin sehr nachdenklich und ohnmächtig. Als Leser empfinde ich es besonders stossend, dass sich die Unternehmensleitung meines Hausblatts sich in exorbitanter Weise dem Gewinnstreben verschrieben hat und mit einer übereilten Hauruckaktion die Glaubwürdigkeit des «Tages-Anzeigers» aufs Spiel setzt. Paul Parin äussert sich zum Thema Macht und Medien in der jüngsten Ausgabe des «Tages-Anzeiger-Magazins» vom Samstag, 30. Mai. Ihm schwebt dabei eine Institution vor, die den Mächtigen wieder die Macht entzieht. Laut Parin sollten eigentlich die Medien diese Rolle übernehmen. Diese seien jedoch selber süchtig nach der Macht. Hm, wie wahr, wenn man sich die jüngsten Ereignisse im Hause Tamedia vor Augen führt.
SONYA ZÜND, ZÜRICH

Quid pro quo

Schön, dass endlich auch einmal eine Gewerkschafterin der Meinung ist, dass Verhalten der TA-Media sei einer Demokratie unwürdig. Nichts Bahnbrechendes. Aber immerhin. Erstaunlich allerdings, wie sich der Verlag immer wieder rauszuwinden versucht.

Wir haben einen Drittel unserer Leser verloren. Es ist daher verständlich, dass wir auch die Redaktion restrukturieren mussten“ – um einen Drittel, wohlgemerkt.

Quid pro quo.

P R I Z E F I G H T E R

„I’m a don’t-do-it-wrong-do-it-righter“

Bei der SRG geht es derzeit Schlag auf Schlag. Radio-Boss Walter Rüegg geht in Pension, Iso Rechsteiner wird demnächst wohl sein Erbe antreten. SF-Ingrid geht zwar nicht in Pension, aber  so ähnlich. Sie wechselt irgendwo hin nach Europa zu irgendwas mit Broadcast. Das ist zumindest so eine Art Vorruhestand. Ihr Nachfolger wird „Wiederholungstäter“ Ueli Haldimann.

Und was macht SRG-Superdirektor Armin Walpen?

Das Gleiche wie immer. Er muss den Kopf hinhalten. Eigentlich könnte man sagen, bei der SRG herrscht Krieg. Die Weltwoche kritisiert bereits im Wochenrythmus aus vollen Rohren (heute: Walpen ist der geborene Beamte / Walpen weiss nicht, wie man Business macht).

Gleichzeitig wird Ingrid Deltenre von Kurt Felix postum zur Ritterin geschlagen. Das verstehen wir zwar nicht ganz, da wir aber davon ausgehen, dass Kurt Felix einst mehr vom TV-machen verstand als wir, kanzeln wir diesen Ausrutscher als ewiggestrig ab.

Im Tages Anzeiger/Bund zündet Toni Brunner die Lunte für den Angriff auf Ueli Haldimann. Er hat auch allen Grund dazu. Haldimann und die SVP mögen sich nicht sonderlich. Sollte der TV-Mann demnächst tatsächlich für die versteckte Kamera und Miss Argovia im Kassensturz verurteilt werden, wird sowieso nix mit Deltenre-Nachfolge.

Und wer ist der lachende Dritte dieser Medienschlacht? Es ist Ruedi Matter, derzeit Chefredaktor der Abteilung Information von Schweizer Radio DRS. Anfragen werden nicht kommentiert, Stellungnahmen lehnt er als irrelevant ab. Matter wartet brav, bis Haldimann und Rechsteiner die erste Angriffswelle abgefangen haben und in Flammen aufgehen. Geht es dann dereinst wirklich ernst zur Sache (und um die Wahl des Superintendanten), schliesslich reden wir ja momentan nur von Übergangslösungen, dann steht Super-Ruedi garantiert bereit.

Ernsthafte Konkurrenz hat der Mann, der sich vor allem als Chef von NTV einen Namen gemacht hat, nicht. Er kennt Radio und TV aus dem FF, zudem ist er sowohl Beamter, als auch Manager und Journalist. Dagegen sehen andere alt aus. Catherine Mühlemann macht Kinderfernsehen. Und von ehemaligen Sat 1 (Unterhaltungs-)Chefs reden wir erst gar nicht. Nein, Ruedi ist schlauer und gefährlicher. Ruedi ist ein Prizefighter. Die Wahl ist gelaufen, bevor sie begonnen hat.

Well if you need me
I’m right here
No matter what
I’m always near
Yeah I’ve been through a lot and you can’t scare me
We’ll go on baby if you just dare me
I’ll break through any wall
Just give me a call

I’m a dine-at-nighter
I’m a prizefighter

(Eels – Prizefighter)