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.CH – das Anna-Meyer-Syndrom

Eigentlich wäre es noch interessant einen Countdown auf dieser Seite zu installieren. Einen kleinen Zähler oben in der linken Ecke, der die Tage zählt, bis die Gratiszeitung .CH dicht macht. Ich gebe dem Blatt noch bis Ende Sommer. Das Umsatzloch während der langen Ferien dürfte die dünne Kapitaldecke zum Einstürzen bringen.

Sollte es dereinst soweit sein, ist dies nicht etwa der Verdienst von „News“ oder der TA-Media. Die beiden Blätter zielen in Sachen Zielpublikum und Inhalte längst völlig aneinander vorbei. .CH hat sich in einem überfüllten Zeitungsmarkt schlicht falsch positioniert und anschliessend selbst durch Ineffizienz und Unoriginalität zu Grunde gerichtet.
Dass Verdrängungsstrategien aber durchaus erfolgreich und effizient sein können, zeigt ein aktuelles und lesenswertes Beispiel aus Frankreich.
Was wir daraus lernen? Wer eine ernsthafte Konkurrenz sein will muss:

  • schnell reagieren
  • entweder identische oder bessere Produkte anbieten
  • dort präsent sein wo die Konkurrenz präsent ist
  • immer wieder anpassungsfähig sein

So gesehen torpediert sich die TA-Media im besten Falle selbst mit ihren Produkten. Ich nenne dies fortan: das Anna-Maier-Syndrom.

Idiot des Tages: Matthias Hagemann

Es ist nun wirklich nicht so, dass ich aktiv nach Idioten suche. Aber wenn einer derart an Wunder glaubt, drängt sich das Thema einfach auf. Als Angestellter der Basler Zeitung würde ich mir spätestens jetzt Gedanken um die mentale Gesundheit meines Chefs machen.

Zur Hölle mit TA-Media

Für viele kam die Meldung überraschend, für uns nicht wirklich.

Leider geht der lang gehegte Wunsch der TA-Media nun in Erfüllung. Mit der Übernahme von Edipresse streckt der Zürcher Verlag seinen Fühler bis weit über die französische Grenze. Sollte die WEKO dereinst die Übernahme absegnen, entsteht ein Print-Monopol das von Genf bis weit ins Mittelland hineinreicht. Das sind Zustände wie wir sie aus China oder Russland kennen. Nur damit klar ist, von welchen Dimensionen wir hier sprechen. Die TA-Media übernimmt dereinst u.a.:

  • Le Matin (die mit Abstand beste Boulevardzeitung der Schweiz derzeit)
  • Tribune de Geneve
  • 24 Heures
  • Le Temps (Teilbeteiligung) (Die mit Abstand beste Qualitätszeitung der Schweiz derzeit)

Im Internet betrifft dies zudem u.a.:

  • Swissfriends
  • Homegate (Teilbeteiligung)

Zugegeben, das Ganze ging etwas gar schnell. Und ich habe fest damit gerechnet, dass die BAZ-Bastion vor Edipresse fällt. Für das Endergebnis aber ist die Reihenfolge nicht ausschlaggebend. In der Schweiz entsteht ein zweiter Monopolist, der in Dimension Volumen und Macht der SRG ohne Probleme das Wasser reichen kann. Nur, dass der Staat hier nicht regulierend eingreifen kann. Der Umstand, dass die TA-Media lediglich das Inlandgeschaft der Edipresse schluckt, ist leider ein weiterer geschickter Schachzug, zu dem man den Medienmanagern zähneknirschend gratulieren muss.

Übrigens, das ist meine neue Mail-Signatur:

Dose E.S.K
Medienprophetor
Konsumiere Medien mit Verstand 127
8000 Boykottiert 20min
CH-Boykottiert Newsnetz
DoseESK@gotohelltamedia.ch

Wenn der Messias keine Wunder mehr vollbringt..

Wenn Schweizer Verlagsleiter an Podiumsgesprächen über das Medium „Internet“ und die Zukunft der Zeitungsbranche sprechen, fällt mindestens einmal das magische Wort „Spiegelonline“. Wie Excalibur trohnt SPON jeweils über dem geknickten Haupt der Zeitungsbranche, bereit mit seinem Glanz Morgan Le20Minuten und mit ihr das Übel der neuen Welt zu vertreiben. SPON sei die Zukunft, SPON sei der Beweis, SPON sei der Messias, der uns aus der Anzeige-Misere führen werde, in welche uns Gratiszeitungen, Wirtschaftskrise und das Web 2.0 gerissen haben.

Was mich jeweils erstaunt: Selbst gestern, letzte Woche oder letzten Monat war SPON noch immer der unwiderlegbare Beweis dafür, dass es auch in Krisenzeiten mit investigativem Journalismus vorwärts gehen kann. Wenn ich solche Aussagen höre, frage ich mich: Wie schlimm muss es eigentlich noch kommen, damit diese Lüge endlich enttarnt wird? Mal ganz abgesehen davon, dass weder Wanner, Ringier noch die TA-Media die Mittel, die Qualität und das Publikum von SPON zur Verfügung haben, häufen sich in letzter Zeit die Meldungen, dass es auch beim Spiegel nicht mehr all zu rosig aussieht. Der Kioskverkauf ist eingebrochen, der Anzeigenumsatz ging in den letzten Monaten markant zurück und gestern beweinte auch Ove Saffe, Verlagsleiter beim Spiegel zum ersten Mal die Wirtschaftskrise mit den Worten: „Es wird noch viel schlimmer werden, als wir es uns bisher vorstellen können„. Und er ergänzte: „Wir müssen in Zukunft mit deutlich weniger Geld auskommen, ohne dabei an der journalistischen Qualität des Blattes zu sparen„. Wenn selbst der Messias mit Floskeln um sich schmeisst, müssten die Jünger langsam Angst kriegen.

Wer also immer noch glaubt, der berner Bund habe im Moment eine Zukunft, Vogt-Schild plane einen raschen Einstieg in Bern oder die Basler Zeitung werde auch nächstes Jahr noch unabhängig erscheinen, der sollte endlich aufwachen. Wenn selbst der Messias beim Gehen übers Wasser einsinkt, wäre es Zeit für ein neues Weltbild und eine neue Religion.

TA-Media – Dank Krise zum Monopolisten?

Nun reichts. Ich boykottiere die TA-Media.

Warum ich das fortan mache? Hier die Geschichte dazu: Heute hat mich der Bund überrascht. Mit einer Doppelseite Schwerpunkt „Medien“. Darin wird teilweise detailliert aufgelistet, welcher Verlag wie hart unter der aktuellen Wirtschaftskrise leidet und wie die Verantwortlichen reagieren – inklusive Publigroupe, die in der Schweizer Medienlandschaft eine doch relativ wichtige Rolle spielt. Das Dossier ist allerdings vorerst nur gedruckt erhältlich.

Nebst dem üblichen „Ringier auf brechendem Ast, NZZ wird neu strukturiert und Mittellandzeitung sowie BAZ von Tamedia bedroht“-Blabla findet man aber auch ein paar anregende, gar aufregende Gedanken, die zum Kotzen animieren (tschuldigung).

Publigroupe:
Die Werbe-Gruppe hält nach wie vor verschiedene Aktienanteile an Verlagen, so zum Beispiel bei der Basler Zeitung (37%!), der Südostschweiz (25%) oder der NZZ-Gruppe (25%). Da Publigroupe weltweit operiert und massive Verluste einfährt, muss sie ihre Anteile in der Schweiz verkaufen. Das ist vorerst vor allem für die BAZ ein Problem. Der Verlag könnte seine Aktien zwar zurück kaufen, aber dazu fehlt derzeit das Kapital. Die Vermutung, dass die TA-Media hier zuschlägt, ist nicht von der Hand zu weisen.

Edipresse:
Kämpft seit einiger Zeit in der Romandie mit „le matin bleu“ gegen „20minutes“. Für den Sommer hat Edipresse eine längere Erscheinungs-Pause angekündigt. Der Kampf scheint viel Geld und Energie zu kosten. Ein Deal zwischen Edipresse&Tamedia wäre für beide von Vorteil. Die Tamedia könnte damit endlich an den Genfersee vorstossen.


TA-Media:

Die angeführten Beispiele legen den Verdacht nahe: In der Schweiz wird die Wirtschaftskrise zum Türöffner für die TA-Media. Von Genf über Basel bis nach Bern.
Der Tages Anzeiger hat seit 1999 zwar 24% an Auflage eingebüsst, dies wird aber mit den Gewinnen von „20Minuten“ kompensiert. Allerdings schreibt auch „News“ rote Zahlen. Gerüchte sprechen darum von Stelleneinsparungen von bis zu 25% und einem Konzept, dass die ach so gepriesene Publikumsgunst entscheiden lässt, was beispielsweise künftig wo im Tages Anzeiger stehen soll. Sprich, entscheidend für die Neuorientierung des Tages Anzeigers wird das Prinzip „Online First“ und „Hits“ bei Newsnetz. Dasselbe gilt logischweise für die Berner Zeitung und den ganzen Rattenschwanz der Espace Media.

Das Konzept wird bei vielen ausländischen Zeitungen zwar bereits praktiziert und von diversen, selbst ernannten „modernen Journalisten“ als Zukunft gepredigt, aber davor kann nur gewarnt werden. Erstens würde der Druck weiter zunehmen, unfertige und lausig recherchierte Stories ins Netz zu jagen. Zweitens geht dieser Druck auf Kosten der Qualität und Sorgfalt. Drittens besteht die Gefahr, dass Sex&Boulevard zu „relevanten“ Tagesthemen werden, sich somit das Agenda-Setting weiter in Richtung Trivialität verschiebt. Und viertens besteht eine grosse Wahrscheinlichkeit, das Netz-User und Zeitungsleser in vielen Fällen keine homogene Rezipientenschicht darstellen. Sprich: Wer Blogs und Feeds liest, ist mit grosser Sicherheit kein Zeitungsabonnent. Diese Online-Einschaltquoten bringen so angewendet rein gar nichts und sind die abstruse Erfindung einiger Auflage-geiler Blattmacher.

Jetzt reichts! Meine Reaktion ist klar: TA-Media-Boykott. Angefangen von 20 Minuten über News zu Newsnetz. Und ich lade jeden und jede, der oder die sich gegen diese Art von faktischem Meinungsmonopol und User-dominated-Shit wehren will herzlich dazu ein, mitzumachen.