Schlagwort-Archive: TA-Media

back to the future

Was bisher geschah:

Mai, Juni und Juli 2009 waren verrückte Monate. In der Schweizer Medienlandschaft haben sich einige radikale Umbauten vollzogen. Es waren Bewegungen, die auch an uns nicht spurlos vorübergingen. Bis auf eine Person haben sämtliche Mitglieder der radikalen Splittergruppe Hose&Dose ihren Job verloren. Einige freiwillig, andere unter Protest. Sassen wir anhin in Verlagshäusern wie TA-Media, Ringier, NZZ und SRG, mussten wir uns neu orientieren.

 Die Gute Nachricht ist: Anfang 2010 haben alle Gruppenmitglieder (mit einer Ausnahme) wieder einen Job gefunden. Wir sitzen nun wieder bei der SRG, bei Ringier, der TA-Media und der NZZ. Einfach in einer etwas anderen Konstellation. Es war ein unnötiges Sesselrücken – allerdings mit einem Vorteil: die rechte Hand versteht nun etwas besser, was die linke tut.

Auch unsere Ausnahme wird glücklich werden. Bis anhin arbeitslos, hat sich diese Person einer Geschlechtsumwandlung unterzogen und wird dank Quotenregelung im Konvergenzprojekt der SRG schon bald eine Führungsposition einnehmen. Entsprechende Bewerbungen sind in Arbeit.

Da wir nun alle wieder fett Kohle verdienen, die wir für die drei „D“s, für Drogen, Drinks und Anti-Depressiva ausgeben können, suchen wir nach einem tieferen Sinn im Leben.

Aufgrund der vielen, bewegenden Leserreaktionen und Mails (insgesamt: 2) haben wir uns zu einer Reunion entschlossen. Es kann nicht angehen, dass wir das Bloggen aufgeben, nur aus dem simplen Grund weil unsere Existenz bedroht war.

Gefreut haben wir uns auch über die vielen Kommentare, die sich nach unserem Verbleib erkundigt (insgesamt: 3), unsere Arbeit gelobt (insgesamt: 0) und konstruktive Kritik eingebracht haben (insgesamt: -1). Hier ein repräsentatives Beispiel:

Wer sich auch immer hinter diesem läppischen Blog versteckt, es muss ein Dummkopf höherer Potenz sein, schlimmer noch: ein fürchterlicher Langweiler. Was ums Gottes Willen motiviert Leute, für so einen Quatsch so viel Zeit zu verschiessen!? Das Geschreibsel hier ist so fürchterlich bekloppt, da kommt nicht mal Mitleid auf. Get a life!

Es sind Leser wie Joshua Applepee, die uns klar gemacht haben, dass Hose&Dose in dieser Welt nach wie vor benötigt werden. Dabei geht es nicht nur um korrekte Rechtschreibung. Es geht um Erziehung, um Vorbilder und um den Glauben an mögliche Versionen des Richtigen.

Wir sind wieder da.

Grämt euch.

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Von Journalisten und Köchen

Wir haben uns lange überlegt, ob wir die Vorgänge in- und um die bei der TA-Media ausgesprochenen Entlassungen kommentieren sollen. Ugugu hat einmal kurz darauf aufmerksam gemacht, dass es dabei unter aller Sau zugeht. Wobei das noch milde ausgedrückt ist. Ein Solidaritätsplan innerhalb der Tagi-Redaktion wurde kategorisch abgelehnt, 60-jährige Mitarbeiter, die seit über 20 Jahren zum Team gehören werden mit Hinweis auf Frühpensionierung in die Wüste geschickt (obwohl die Rente zu diesem Zeitpunkt deutlich unter dem Existenzminimum liegt). So gesehen ist die TA-Media nicht besser, als ein x-beliebiger Industriebetrieb, der seine Belegschaft aus Rentabilitätsgründen auf die Strasse stellt. Einzig mit dem Unterschied halt, dass die TA-Media für sich in Anspruch nimmt, mehr zu sein als ein normaler Industriebetrieb. Unter anderem will man dort ja die „beste Zeitung der Schweiz“ herstellen.Die Frage nach dem „wie (bitte)?“ ist berechtigt.

Es steht ausser Frage, dass es nie einfach ist, einen Stellenabbau durchzuführen. Irgendjemand muss gehen. Und es ist meistens irgendwie der Falsche. Auch bin ich skeptisch was anschliessendes „Abrechnen“ mit der eigenen Branche in fremden Titeln betrifft (selbst wenn es sich dabei um den von uns sehr geschätzten Daniel Suter und die WOZ handelt). Es ist nicht nötig, die Details weiter zu erläutern. Wer nach entsprechenden Missständen sucht, wird auch in unserem eigenen Archiv fündig..

Nein, was uns am Verlauf der Dinge irritiert, ist mit welch kühler und selbstgefälliger Ignoranz der derzeitige Medienwandel von den Rezipienten ertragen wird. Selbstverständlich geht es dabei auch um die Angestellten und ihr Schicksal, nicht zuletzt aber handelt es sich bei einer Zeitung auch um eine Dienstleistung, für die wir bezahlen. Oder wie würde ein Kunde reagieren, wenn seine Lieblingspizzeria eine Pizza plötzlich mit deutlich schlechteren und teils gar weniger Zutaten servieren würde als bis anhin? Dies notabene ohne Preissenkung und mit dem Hinweis auf Personalreduktion aus Rentabilitätsgründen?

Richtig, der Kunde würde protestieren.

Das dieser Rezipienten-Protest ausbleibt hat vermutlich mehrere Gründe. Beruhigend ist keiner davon. Sei es, dass die Rezipienten an einer Überinformierung leiden, dass sie nicht wissen, was auf sie zukommt, sei es, dass Journalisten gemeinhin als Schmarotzer, Linke und überprivilegierte Halbwissende gelten, die schon lange den Kontakt zur Realität verloren haben. Denn all diese Gründe verdecken den Blick auf das Wesentliche. Die Welt wird immer komplexer, zusammenhängender und dadurch unübersichtlicher. Stellt die Pizzeria Nahrung für Menschen zur Verfügung, welche zu faul zum Kochen sind, kümmert sich der Journalist um die Informationsaufnahme derjenigen, die zu faul sind um selbst nach Sri Lanka, ins EU-Parlament oder ins Bundeshaus zu reisen.

Gute Köche verfügen vor allem über eines: Erfahrung. Dasselbe gilt für gute Journalisten. Um zu wissen, ob eine Massnahme tatsächlich so toll ist, wie der (Europa-/Bundes-/Regierungs-/Regional-) Rat in seiner Pressekonferenz erläutert, ist es nötig zu wissen, welch ähnlichen Massnahmen in den letzten Jahren mit welchem Erfolg und welchen Versprechungen durchgeführt wurden. Für dieses Wissen und diese Erfahrung bezahlen wir mit einem Zeitungsabonnement.

Von 20 Minuten verlange ich diesen Service nicht. Gratiszeitungen sind ein guter Pool um angehende Talente auszubilden und anzubinden. Um ihnen formale und stilistische Grundfertigkeiten beizubringen, und einen brauchbaren Rucksack in Form eines Kontaktnetzes mitzugeben. Darum sind solche Produkte auch gratis und die Mitarbeiter in aller Regel jung. Vielleicht leuchtet das dem einen oder anderen Zeitungsleser und Zeitungsmacher auch ein. Es würde mich freuen, in Zukunft wenigstens den einen oder anderen brauchbaren Leserbrief zu finden, der sich nicht nur darüber aufregen mag, dass der Artikel lausig geschrieben oder unvollständig ist. Sondern der sich fragt, ob diese Art Kritik wirklich gerechtfertigt ist und warum einem Daniel Suter solche Fehler eben gerade nicht passieren würden.

Das hier ist meine Art für die in 22 Jahren geleistete Arbeit danke zu sagen, Daniel Suter. Zu sagen, dass wir den Stellenabbau bedauern, die Art und Weise wie alles passiert ist. Und es ist unsere Art zu zeigen, dass wir sehr wohl wissen, dass ein guter Journalist mehr ist als ein selbstgefälliger Halbwissender. Zumindest dann, wenn er seine Sporen mal abverdient hat.

dasmagazin.ch – der unmündige User

Es ist kaum zwei Jahre her, da lancierte dasmagazin.ch mit grossem Brimborium die Web 2.0-Taktik. Wir erinnern uns: User-Accounts, User-Texte und Kommentare – alles Dinge, die helfen sollten „bessere Beiträge (im Heft) zu publizieren„, wie die Redaktion damals glauben machen wollte. Es war Interaktivität und „online journalismus“ wie er in jedem zweiten Durchschnittslehrbuch steht.

Gestern nun hat dasmagazin.ch eine Kehrtwende vollzogen. Die Kommentare und Texte der User mussten weichen, wie einige Blogger bereits verwundert festgestellt haben. Persoenlich.com war so nett bei Chefredaktor Finn Canonica nachzufragen. Und die Antworten erstaunen. Der Hauptgrund, so Canonica sei, dass man schlicht zu wenig Zeit und Personal habe, „um die Diskussionen auf unserer Webseite zu begleiten.“ Und nicht nur das, offenbar macht man sich beim kümmerlichen Rest, der von der anspruchsvolleren Tagespresse übrig blieb gar Gedanken darüber, wie mündig die Masse der Rezipienten heutzutage überhaupt noch ist: „Kommentare zu Artikeln auf dem Web sind manchmal sehr „dahingerotzt“, oft wird gar nicht auf den Artikel eingegangen. Die User nutzen die Gelegenheit, um irgendwelchen sonstigen Ballast loszuwerden.“

Lustig auch, dass Caonica im Interview dennoch betonen muss, dass ihm Meinung und Kritik wichtig sei. Er wünscht sich dieser aber künftig wieder in Form des guten alten Leserbriefs (Eine Technik die seit über 100 Jahren praktiziert wird). So ist offensichtlich gewährleistet, dass Inhalte nicht einfach „dahingerotzt“ werden.

(Ich mach hier eine kurze Pause, damit genug Zeit bleibt zum Lachen)

Interessant auch Canonicas Meinung zu Content und Internet: „Ich persönlich bin skeptisch geworden gegenüber den journalistischen Möglichkeiten im Internet. Das Gerede um die Möglichkeiten des Citizen Journalism begreife ich nicht. Wir sollten uns allmählich Gedanken machen, ob es klug ist, qualitativ hochstehende Inhalte kostenlos anzubieten.“

Es geht also bei weitem nicht nur um die Abkehr von Web 2.0, sondern auch darum, ob die breite Masse überhaupt fähig ist, selbst  brauchbaren Inhalt beizusteuern. Das lässt sich auch so interpretieren: Forum, Interaktion und User-Accounts finden sich in Zukunft weiterhin bei 20minuten.ch. Dort tummelt sich der Pöbel, dort hat es Platz für Leute die „Ballast“ loswerden möchten, denn dort verfügt man offenslicht über genug Personal um Debile zu korrigieren.

Der Apple fällt nicht weit vom Werbestamm

Ich bin durchaus empfänglich für Humor. Ich lache gerne mal, wenn jemand einen lustigen Witz erzählt. Manchmal lache ich auch nur aus Höflichkeit. In Ausnahmefällen gar aus Mitleid. Nur in seltenen Fällen bleibt mir das Lachen im Hals stecken. Zum Beispiel dann, wenn eine Geschichte wie eine satirische Abhandlung beginnt, später aber in bitterem Ernst endet.

Thomas Zaugg hat so eine Geschichte geschrieben. Eine dieser Storys, die nach Zynik klingen, zumindest im ersten Abschnitt. Beim Weiterlesen aber dreht die Häme in bedingungslosen, unreflektierten Zuspruch. Dem Leser wird klar, da war keine Zynik, keine Häme. Das war bitterer ernst. Selten, aber wirklich selten habe ich eine ungeniertere Publireportage gelesen. Eine Reportage, die nicht nur Adresse, Öffnungsdatum und Inventar zu ikonischen Ereignissen stilisiert, sondern auch das Angebot inklusive Preise anbetet.

Er wird gross, ganz gross, sagt die Apple-Pressechefin Schweiz, er wird zwei Etagen haben und fast siebzig Jobs schaffen. Er wird eine grosse «Genius Bar» haben, wo Apple-Profis fast jedes Apple-Problem lösen, und zwar gratis. Es wird Workshops zu Apple-Produkten geben, und auch die kosten nichts. Und Personal-Shopping wird angeboten, das heisst, der Kunde wird persönlich beraten.
Das Store-Erlebnis solle ein Fünfsternehotel-Erlebnis sein, sagt Steve Cano, Senior Director Apple Retail International, am Telefon.
Apple erwartet ein Grossereignis. Erwartet, wie in allen Stores, einen «Switcher»-Ansturm, Heimatlose, die von PC auf Mac wechseln. Erwartet, dass Macianer, wie einstmals in Genf, campieren werden vor der Eröffnung. Glaubt man Steve Cano, so wird Zürich nach dem 22. Mai nicht mehr dasselbe sein. Die Bahnhofstrasse, ein Pilgerweg? Zweifler, schweigt und lest weiter.

Ich hoffe, Apple ist wenigstens so dankbar und ernennt Zaugg zum ersten offiziellen Mitarbeiter des Monats. Schön mit Foto über der Apple-Eingangspforte, dem begehrten Zutritt zum  beschworenen Paradis.

Hängt die Verleger

Es fühlt sich ehrlich gesagt an wie der Gang zum Henker.
Heute um 14.30 Uhr beginnt im Zürcher Kongresshaus die Generalversammlung der TA-Media. Alle Konzepte sind auf dem Tisch, die Entscheide liegen in der Schublade. Nun müssen diese Beschlüsse noch die GV überstehen und dann kann man beim Tages Anzeiger und beim Bund endlich reinen Tisch machen. Es wird allerdings auch Zeit. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Es fällt schwer, sich für einen Job zu motivieren, den man in drei Monaten vielleicht nicht mehr hat. Wer beim Tages Anzeiger jetzt noch flüchten kann, der tut es.

Beim Berner Bund ist die Situation eher noch schlechter. Dort geht es nicht nur um Rationalisierung, sondern gleich um die Elimination. Nun steht es 5 vor 12. Das wissen auch die Leute vom Unterstützungskomitee „rettet den Bund“. Die unter Zeitdruck entstandene Online-Umfrage zur Zukunft des Bundes ist nicht mehr als ein hilfloser Strohhalm, in der Hoffnung vor der anstehenden GV noch einmal etwas Wirbel zu machen.
Immerhin, bei der Aargauer Zeitung ist man darauf eingegangen. Mehr noch. Dort verleiht man der plumpen Onlineumfrage gar die Weihen einer „nach wissenschaftlichen Kriterien nicht repräsentativen“ Studie. Das ist natürlich völliger Blödsinn. Die „Studie“ *hüstel* kam viel zu spät, war nur online zugänglich und vertritt mit grosser Wahrscheinlichkeit keinen relevanten Teil der Bund-Abonnenten. Diese Studie ist reine Berner Image-Politur und daher entsprechend irrelevant. Leider.

Wer nun denkt, die Redakteurinnen und Redakteure der TA-Media seien die einzigen, die mit Damokles-Schwert als Nackenstütze rumwatscheln, der täuscht sich. Es ist auf jeder grösseren schweizer Redaktion derzeit unangenehm. Verdammt unangenehm. Die Tatsache, dass demnächst mindestens 50 weitere qualifizierte Journalisten auf der Strasse stehen, lässt jeden unbequemen Angestellten zusammen zucken. Für Redaktionsleiter, Chefredakteure und Verleger ist es derzeit ein Leichtes eigene Forderungen durchzudrücken. An Ersatz mangelt es nicht.

Ich kenne mittlerweile mehr arbeitslose Journalisten als solche, die noch arbeiten dürfen. Und langsam aber sicher werde ich sauer. Ich nenne das den „CR“-Terror, diese gezielte Einschüchterung und Manipulation seitens der Chefetage. Das ist, in meinen Augen, unter jeder Sau. Die entlassenen Angestellten leiden ja wohl genug. Es wäre nun gerade an den Chefs die noch verbliebenen Mitarbeiter zu motivieren und das beste aus Ihnen herauszuholen, statt mit einer an die Ruchlosigkeit eines Vatermörders Brutus erinnernden Härte die eigenen Interessen durchzudrücken.

Michael Ringiers kurze Weitsicht

Nun erwischts also auch die Neue Luzerner Zeitung. 20 Stellen werden gestrichen. Das macht, kumuliert man diese Zahl mit den ausgesprochenen Kündigungen von Anfang Woche bei .CH, 81 Verlags-Stellen, die definitiv verschwinden. Das sind ne ganze Menge. Und jeder Journalist, der noch regulär arbeitet, hofft sein Chef möge etwas weit- und umsichtiger handeln und damit solch harte Konsequenzen vermeiden.

Hannes Britschgi hat nicht ganz unrecht, wenn er die Familie Coninx als den einst sozialsten Arbeitgeber für Journalisten bezeichnet. Seit Knall-hart am Drücker ist, hat der Wind aber gedreht. Wie lange dass Britschgis Angestellte allerdings den jetzt neu „sozialsten“ Arbeitgeber geniessen dürfen, ist fraglich, wenn wir lesen, was Verleger Michael Ringier für mögliche um- und weitsichtige Zukunftsszenarien prognostiziert.

Ich hätte nicht gedacht, dass der Tag kommen wird, an dem ich  mit Klaus J. Stöhlker zumindest in Ansätzen einer Meinung sein werde. Und doch ist dieser Moment heute gekommen, denn Stöhlker schreibt: Der “Mittelland Zeitung” verdanken wir die Aussage des Zürcher Grossverlegers: “Mit 18 musste ich die NZZ lesen (Anm. freiwillig hat er es nicht getan) – wir hatten nichts anderes. Warum habe ich sie gelesen? Damit ich wenigstens über das Sportgeschehen informiert war. Ich habe mich damals sicher nicht für den Auslandteil interessiert.” Dreimal Tusch für die Interviewer Olivier Baumann und Christian Dorer. Unter gebildeten Kreisen liest man mit 18 den Auslandteil, aber Tennisspieler? Wer meint, dies sei ein Ausrutscher, wird im gleichen Interview von Michael Ringier belehrt: “Es liest ohnehin niemand drei verschiedene Tageszeitungen, um sich eine Meinung zu bilden.” Herr Verleger, wer will sich eine Meinung bilden, liest er nur eine Zeitung? Mit wem verkehren Sie? Der “MZ” sei Dank für dieses Interview. Ich kenne es nur deshalb, weil ich täglich mehr als drei Zeitungen lese, um mir eine Meinung zu bilden.


Bis auf den Punkt des „wer sich eine Meinung bilden will, muss heute mehrere Zeitungen lesen“ stimme ich Stöhlker zu. Doch dazu ein anderes Mal mehr, denn heute scheint tatsächlich mein Tag der grossen Übereinstimmungen zu sein. Nicht nur finde ich das Nachhaken der AZ u.a. bei Nick Lüthi (Klartext) richtig und gut durchdacht, mir gefallen auch Lüthis Gedankengänge. Wer sich das skizzierte Szenario und die möglichen Konsequenzen für den Ringier-Verlag durch den Kopf gehen lässt, der muss sich tatsächlich fragen, wie lange Hannes Britschgi beim jetzt noch sozialsten Arbeitgeber für Journalisten arbeiten wird.

Denn wenn der Verleger so denkt, können sich die Angestellten Mühe geben so viel sie wollen. Das nützt dann auch nix mehr.

 

Kollegenschelte Teil I

Es ist schon erstaunlich, wie selbstreferentiell Medienerzeugnisse derzeit berichten. Auf der einen Seite ist es verständlich, wenn der Blick am Abend gross posaunt, man werde aufgrund des Erfolgs (ja, das ist ein Widerspruch – dazu ein andermal mehr) expandieren. Allerdings ist diese Meldung als Zeitungs-Geschichte fragwürdig. Diejenigen die es betrifft, lesen nichts davon und den anderen kann das egal sein.

Viel dümmer jedoch ist, wenn das zum gleichen Konzern gehörende Mutterblatt Blick von einem geplatzten Werbedeal der Konkurrenz berichtet. Welcher Leser interessiert sich ernsthaft dafür, ob die Migros in Zukunft noch bei 20Minuten inserieren wird oder nicht?

Natürlich, für den Ringier-Verlag ist das die beste Meldung seit der Erfindung von Gutenbergs Druckpresse. Migros verfügt über den grössten Werbe-Etat der Schweiz. Daher sind Migros-feindliche Artikel sowohl bei der TA-Media als auch bei Ringier de Fakto verboten. Schön, dass es 20Minuten trotz aufdringlich freundlicher Berichterstattung schafft, den Werbepartner über die Anzeigenabteilung zu verprellen. Wie das allerdings gelaufen ist, kann mir auch der Blick in dieser Top-Meldung nicht erklären.

Der Grund: Zwischen der Migros und « 20 Minuten » herrscht dicke Luft. Wegen der Tarife für die Werbung. Die Migros verweist auf die Fairness, die zwischen Geschäftspartnern eingehalten werden müsse: «Da wir dies zurzeit in der Geschäftsbeziehung mit « 20 Minuten » nicht empfinden, haben wir uns entschieden, auf eine Zusammenarbeit bis auf weiteres zu verzichten.» Bei der Besitzerin von « 20 Minuten », dem Verlagshaus Tamedia, wehrt man sich gegen den Vorwurf: «Wir haben der Migros ein Angebot unterbreitet, das besser ist als die Angebote für alle anderen Unternehmen in der Schweiz.»