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Abteilung Erpressung und Bestechung Teil II

Ich habe mich auf diese Reaktion gefreut. Das erinnert mich immer daran, wie ich als kleiner Junge mal ein brütendes Huhn mit einem Ast gestupst habe. War das eine Aufruhr!

Jeder Feind ist der Schlimmste, wenn er neu zum Feind wird. Das gilt für Hühner und wohl auch für Journalisten.

„Ich habe mein ganzes Leben gegen Monopole gekämpft. Das Monopol von Lebrument ist wahrscheinlich das hässlichste von allen. Und es wird mit jedem Tag hässlicher.“

Der Herr Schellenberg sollte dem Herr Lebrument fairerweise mal eine Flasche Champagner schicken.

back to the future

Was bisher geschah:

Mai, Juni und Juli 2009 waren verrückte Monate. In der Schweizer Medienlandschaft haben sich einige radikale Umbauten vollzogen. Es waren Bewegungen, die auch an uns nicht spurlos vorübergingen. Bis auf eine Person haben sämtliche Mitglieder der radikalen Splittergruppe Hose&Dose ihren Job verloren. Einige freiwillig, andere unter Protest. Sassen wir anhin in Verlagshäusern wie TA-Media, Ringier, NZZ und SRG, mussten wir uns neu orientieren.

 Die Gute Nachricht ist: Anfang 2010 haben alle Gruppenmitglieder (mit einer Ausnahme) wieder einen Job gefunden. Wir sitzen nun wieder bei der SRG, bei Ringier, der TA-Media und der NZZ. Einfach in einer etwas anderen Konstellation. Es war ein unnötiges Sesselrücken – allerdings mit einem Vorteil: die rechte Hand versteht nun etwas besser, was die linke tut.

Auch unsere Ausnahme wird glücklich werden. Bis anhin arbeitslos, hat sich diese Person einer Geschlechtsumwandlung unterzogen und wird dank Quotenregelung im Konvergenzprojekt der SRG schon bald eine Führungsposition einnehmen. Entsprechende Bewerbungen sind in Arbeit.

Da wir nun alle wieder fett Kohle verdienen, die wir für die drei „D“s, für Drogen, Drinks und Anti-Depressiva ausgeben können, suchen wir nach einem tieferen Sinn im Leben.

Aufgrund der vielen, bewegenden Leserreaktionen und Mails (insgesamt: 2) haben wir uns zu einer Reunion entschlossen. Es kann nicht angehen, dass wir das Bloggen aufgeben, nur aus dem simplen Grund weil unsere Existenz bedroht war.

Gefreut haben wir uns auch über die vielen Kommentare, die sich nach unserem Verbleib erkundigt (insgesamt: 3), unsere Arbeit gelobt (insgesamt: 0) und konstruktive Kritik eingebracht haben (insgesamt: -1). Hier ein repräsentatives Beispiel:

Wer sich auch immer hinter diesem läppischen Blog versteckt, es muss ein Dummkopf höherer Potenz sein, schlimmer noch: ein fürchterlicher Langweiler. Was ums Gottes Willen motiviert Leute, für so einen Quatsch so viel Zeit zu verschiessen!? Das Geschreibsel hier ist so fürchterlich bekloppt, da kommt nicht mal Mitleid auf. Get a life!

Es sind Leser wie Joshua Applepee, die uns klar gemacht haben, dass Hose&Dose in dieser Welt nach wie vor benötigt werden. Dabei geht es nicht nur um korrekte Rechtschreibung. Es geht um Erziehung, um Vorbilder und um den Glauben an mögliche Versionen des Richtigen.

Wir sind wieder da.

Grämt euch.

Armin der Grosse, Roger der Schnelle

Eines muss man Roger Schawinski lassen. Er ist schnell, verdammt schnell. Kaum hatte Armin Walpen, Chefdirigent der SRG, SSR, Idée Suisse das Wort Rücktritt ausgesprochen, da stand der Kommentar seines Kontrahenten auch schon online. Ein Narr wer denkt, Schawi hatte diesen „Grabstein“ schon lange vorfabriziert.

Ein Narr übrigens auch, wer glaubt, mit den angekündigten Sparmassnahmen werde das Budget der SRG irgendwann wieder ausgeglichen. Ein Lohn- und Investitionsstop kann die Ausgaben in bestem Fall auf heutigem Niveau halten. Die Schulden verschwinden aber ohne Zustupf nicht – und den wird es in absehbarer Zeit nicht geben. Auch wird die Wirtschaftskrise weiter anhalten. Logisch also, dass Szenario „Priorität 2“ ab 2010/2011 zum Zuge kommt. Auch Szenario „Priorität 3“ dürfte mehr oder weniger beschlossene Sache sein, auch wenn uns jetzt noch nicht ganz klar ist, wie man einen Radiosender wie die DRS-Musikwelle ohne Proteste und Aufgabe der ehrgeizigen DAB-isierungspläne der Schweiz realisieren will.

Hat übrigens jemand bemerkt, dass Szenario „Priorität 2“ bereits die Abschaltung des Jugendsender „Virus“, eine Reduktion der Programme bei HD-Suisse, Wegfall von Sponsoring (u.a. Filmfestival Locarno, Estival Jazz u.a.) sowie eine „publizistische Neuausrichtung der italienischsprachigen Radioprogramme“ vorsieht?

Cara mia.

Von Nichtthemen auf Frontseiten

Wir sind aus verständlichen Gründen immer etwas misstrauisch, wenn eine Zeitung auf der Titelseite behauptet, sie kenne das Resultat einer Wahl auf Behördenebene bereits vor dem eigentlichen Wahltag. In diesem Falle aber hatte die Berner Zeitung recht.

Iso Rechsteiner soll also dereinst Walter Rüegg beerben, der sich als Radiodirektor und damit Herr über Sender wie DRS1-4 schnellstmöglich pensionieren lassen will. Das wäre eigentlich noch kein Aufheben wert, befände sich die SRG momentan nicht in einer besonderen Situation.

1. Konvergenz: Was Konvergenz heisst, kann man derzeit sehr gut am Standort Genf beobachten. Dort sind Radio und Fernsehen mittlerweile praktisch unter demselben Dach versammelt, dementsprechend gut werden die Synergien geplant und in Zukunft hoffentlich auch genutzt. Was in der Romandie zumindest einigermassen reibungslos ging, dürfte hier noch einigen Staub aufwirbeln. Nicht zuletzt, weil der Konvergenzprozess nach einem Superdirektorium Radio/TV verlangt. Mit der TV-Chefin Ingrid Deltenre, der Favoritin von SRG-Direktor Armin Walpen steht zwar bereits eine Kandidatin bereit, diese ist aber in Radiokreisen höchst umstritten. Iso Rechsteiner soll hier also den altersmüden Walter Rüegg ersetzen und dem Radio wieder etwas mehr Gewicht verleihen.

2. Iso Rechsteiner: Der ehemalige Regional- und Wissenschaftsredaktor von Radio DRS ist auch intern keine unumstrittene Figur. Wer sich für Rechsteiners Karriere interessiert, die er geradezu turbomässig durchzog, der lese dies hier. Tatsache aber ist: Rechsteiner ist für die Radioleute momentan die beste Karte  im Konvergenzpoker gegen Ingrid Deltenre und Armin Walpen. Allerdings ist nach wie vor nicht klar, wo Rechsteiner in der Konvergenz-Debatte überhaupt steht und ob er dereinst auch gewillt wäre, die Interessen von Radio DRS so zu vertreten, wie sich das Walter Rüegg wünscht.

3. Die Regionalräte: Die Wahl von Iso Rechsteiner ist rechtlich gesehen noch keine Wahl sondern lediglich ein Vorschlag. Nun liegt es an den so genannten Regionalräten, diese Wahl abzusegnen oder auch zu kippen. Die Räte fühlen sich durch diese Turbo-Nomination allerdings (zu Recht auch) übergangen und erwägen deshalb, diesen Wahlvorschlag abzulehnen, wie u.a. in der SOZ oder der AZ am Sonntag zu lesen war. Allerdings könnte dies ein Eigentor werden, schliesslich müsste Rechsteiner als Rüegg-Nachfolger auch die Interessen der Regionalräte vertreten.

Die Diskussion ist kompliziert und komplex. Und als Zeitungsleser fragt man sich: „muss ich das überhaupt wissen“ und „was geht mich das an“?
Eigentlich handelt es sich hier um einen internen Machtkampf zwischen Radio und Fernsehen, zwischen Armin Walpen, Ingrid Deltenre, der SRG und Schweizer Radio DRS. Der Zuhörer und -Schauer zahlt zwar die Zeche und kriegt das Resultat vor die Löffel geknallt, bestimmen oder gar mitreden darf er aber weder bei der Konvergenzdebatte, noch bei der Wahl eines Superdirektoriums, noch bei der Nachfolge eines allfälligen Radiodirektors. Eigentlich ist dies einer Demokratie mit TV- und Radiomeinungsmonopol in Berlusconi-Manier unwürdig.

Daher könnte man dem hochgespielten Nachfolgekampf in den Medien auch entgegnen: What the fuck.

Mediale Zukunft: „Tages Bund Zeitungs Anzeiger“

Wie könnte die mediale Zukunft dereinst aussehen? Wie fühlt sich das morgen an, wenn drei grosse Zeitungen demselben Verlag gehören? Steht dann überall auch dasselbe drinn? „Nein“ sagt die Ta-Media. Man bekenne sich zur Qualität und zur Eigenständigkeit der einzelnen (Regional-) Redaktionen. In Tat und Wahrheit kann man aber bereits jetzt beobachten, wie sich ein Meinungsmonopol auswirken kann.

Die Sportberichterstattung bei Bund und Berner Zeitung ist schon seit längerem identisch. Das heisst: die Bundredaktion verfügt über keine eigene Sportredaktion mehr, sehr wohl aber Tages Anzeiger und Berner Zeitung. Und trotzdem teilen sich alle drei Zeitungen schon jetzt die gleichen Texte und Autoren. Wer heute beispielsweise nach Meinungen und Berichterstattung zu Roger Federers grossem Sieg in Madrid sucht, findet dreimal denselben Text von René Stauffer als Aufmacher im Sportbund – bei Tages Anzeiger, Berner Zeitung und Bund. Solche Dinge sind Anzeichen für das, was uns dereinst erwartet. Nicht nur bei Zeitungsverlagen sondern auch beim Schweizer Fernsehen und Radio DRS. Bei der SRG nennt sich dieser Prozess Konvergenz, bei der Ta-Media Kostenoptimierung, Effizienzsteigerung und Regionalisierung. De Fakto aber bedeutet dies, das immer weniger Journalisten immer mehr Macht in die Hände fällt. Die Produkte tragen verschiedene Namen, aber die Inhalte gleichen sich an.

Konvergenz führt in diesem Sinne zu einer Scheinvielfalt. Die Zeitungen als „Berner Zeitung“ und „Bund“ und „Tages Anzeiger“ anzubieten ist eigentlich Betrug. Sie mögen anders heissen, auf kurz oder lang aber sind sie bis auf den Regionalteil und Textlänge bzw. Bilderauswahl deckungsgleich. Derselbe Prozess gilt auch für die Informations- und Kulturangebote der SRG. Dagegen lässt sich einwenden, es gäbe in der Schweiz sowieso zu viele Journalisten und Medienerzeugnisse. Diese Argumentation ist zulässig, wenn man grosse Meinungsvielfalt und hohe Divergenz als lästig  oder überflüssig empfindet, aber die Frage stellt sich trotzdem: Warum fusionieren die Verlage ihre Blätter nicht zu einer einzigen Zeitung mit individuellen Regionalteilen?

Hurra, Hurra die Weltwoche brennt

Was ist bloss aus der guten, alten Weltwoche geworden? Es ist allem für sich schon irritierend, das derzeit mehr Wirtschaftsbosse, Parteifunktionäre und Populisten im Blatt schreiben als reguläre Journalisten. Doch diese Woche steht das Blatt-Konzept ganz Kopf.
Da schreibt Daniela Niederberger (normalerweise zuständig für Familienpolitik und Kriminalistik) ein fast schon rührend lobendes und einfühlsames Portrait von SRG-Mann und Arena-Moderator Reto Brennwald (O-Ton Köppel: Der Feind ist der Staat und seine Regulierungswut) und Zimmi doppelt mit einer „Die Privatwirtschaft ist der Tod des unabhängigen Journalismus“-Kolumne nach.

Mal abgsehen davon, dass ich im grossen und ganzen Zimmermanns Meinung teile und weder Eisenhut noch Strehle um ihre undefinierte Henkerrolle beneide, was soll das Herr Köppel?

Es kann nicht sein, dass Liebe und Hochzeit ein Blattkonzept aufweichen. Kaum ist der Chefe mal aus dem Haus, machen die Redaktoren was sie wollen.

Köppel vs. Walpen vs. Hartmeier

Folgende Frage beschäftigt mich derzeit: Was ist eigentlich blöder?  Mit Roger Köppel über AC/DC zu sprechen oder mit Peter Hartmeier über Armin Walpen?

Beide Texte haben klar ihre debilen Stärken. Während Hartmeier und Walpen heute auf einer ganzen Seite im TA mit nichtssagender, gähnender Länge bestechen, überzeugte Köppel gestern mit rockigen SVP Analogien, die sich in AC/DC wiederfinden.

Wenn ich bedenke, wie viele Bäume man mit etwas Nachdenken hätte retten können..

Kollegenschelte Teil II

Nicht nur bei Ringier wird mediale Selbstreferentialität derzeit gross geschrieben. Auch die Berner Zeitung kommentiert gerne, was die Konkurrenz so treibt. Pflichtbewusst wird die Meldung dann von Newsnetz aufgenommen und an alle angeschlossenen Medien verteilt.

Es ist ein alter Hut, dass sich SRG-Boss Armin Walpen und Medienguru Roger „Icordo“ Schawinski nicht ausstehen können. Walpen besitzt die Seele einer Mimose, Schawinski das überblähte Ego eines römischen Imperators. Wenn der Streit erstmal vom Zaune gebrochen ist, fallen beide in das mentale Stadium eines Zehnjährigen zurück.

Vergangenes Wochenende kanzelte Walpen Schawinskis Alter mit „jenseits der biologischen Grenze“ ab, worauf Schawinski per Blog mit folgenden Sätzen konterte: „Für einen lebenslangen Apparatschik ist die drohende Pensionierung mehr als nur der Beginn der Bedeutungslosigkeit.“

Da streiten sich also zwei mehr oder weniger mächtige und schon etwas betagtere Herren auf erbärmlichem Niveau und unterhalten mit ihrem Gehabe eine  neidische, betagte und nostalgische Elite. Schön, dass David Vonplon die hämische Randnotiz der Berner Zeitung gleich zu einer ganzen Story aufgeblasen hat. Das ist Journalismus der hohen Schule.

Kurt W. Zimmermann: Wie man sich Freunde macht

Eben noch hat uns Zimmi-Chefe Roger Köppel erklärt, dass die Wirtschaft gut und der Staat böse sei. Und das hat der Zimmi wohl auch gelesen und beschlossen fortan in seinen Kolumnen auf den Staat zu schiessen. Diese Woche ist es die SRG, nächste Woche die, öh, SRG und übernächste Woche muss es wohl auch die SRG sein. Etwas anderes hat der Staat derzeit ja nicht zu bieten.

Die SRG, das einzige Medienunternehmen in der Schweiz, dem die Wirtschaftskrise am Arsch vorbei geht, hat einen schweren Stand. Man muss keine Leute entlassen, keine Programme kürzen und keine Produkte einstellen. Am besten würde man in dieser Situation einfach schweigen. Aber auch das geht nicht, denn schliesslich wird momentan darüber beraten, ob TV und Radio in Zürich künftig ein gemeinsames Bett teilen sollen, oder ob das Radio föderalistisch und das Fernsehen zentralistisch bleibt. Dumm aber auch, dass Armin Walpen ausgerechnet jetzt mit einer Gebührenforderung losquackt. Als SRG-Mitarbeiter würde ich meine Dart-Scheibe mit Walpens Konterfei schmücken.

Zurück zu Zimmi. Was macht man also, wenn man gegen den Staat schiessen muss? Richtig. Man holt die alten Argumente hervor. Der Staat kassiert Gebühren und gleichzeitig Werbegelder. Der Staat ist übermächtig. Und, der Staat betreibt ein unverhältnismässiges Lobbying. Nun, geschätzter Kollege Kurt W. Zimmermann. Das wissen wir alles. Und nur weil sie es sagen, wird es nicht besser. Sicherlich, damit machen sie sich ausnahmsweise keine zusätzlichen Feinde, sondern blasen in ein Horn, in das schon alle anderen geblasen haben. Aber viel spannender wäre doch die Frage, wie viele Journalisten ein Magazin wie die Weltwoche noch entlassen kann, bevor der Begriff „Magazin“ illegitim wird?

Gerade sie müssten das doch wissen – und würden sich damit, nebenbei gesagt, auch mal ein paar Freunde schaffen. Mich zum Beispiel.

Gegen Zürich – für Medienvielfalt

Es ist schon sehr bedauerlich. Da gibt Medienminister Moritz Leuenberger endlich mal ein brauchbares, interessantes Interview und dann läuft die Geschichte nicht über die Agenturen. Um mal ein wenig Stimmung gegen die TA-Media zu machen und nicht nur immer zu plaudern, betreibe ich schamlosen Content-Klau beim Tages Anzeiger.
Wer also immer noch glaubt, die privaten Medien erhalten in der Wirtschaftskrise staatliche Unterstützung, Energy erhalte irgendwie, irgendwo, irgendwann eine Konzession, wer glaubt die SRG müsse Radio und Fernsehen in Zukunft zusammen legen und Frau Deltendre die mediale Allmacht geben, nach der sie sich so sehnt, der lese:

Sie haben vor Wochenfrist den Kauf von Edipresse durch Tamedia kritisiert.

Nicht kritisiert. Ich habe nur darauf aufmerksam gemacht, dass jede Macht die Gefahr des Missbrauchs birgt – der sich in diesem Fall insbesondere gegen die Meinungsvielfalt richten könnte. Ich hoffe aber und bin mir auch sicher, dass Tamedia mit dieser Situation verantwortungsvoll umgehen kann.

Der Schaffhauser Verleger Norbert Neininger fordert unterdessen panisch Staatshilfe für die kleinen Blätter.

Vergebens. Wir haben keinerlei solche Projekte in Planung, und ich denke auch nicht daran, so etwas anzureissen.

Sie sprechen von Meinungsvielfalt – und legen die Hände in den Schoss.

Es gibt keinen Anlass zu glauben, dass der medienpolitische Wettbewerb gefährdet sei. Die Meinungsvielfalt kann trotz grosser Zeitungskonzerne gewährleistet sein. Ausserdem stehen auch die elektronischen Medien in medienpolitischer Konkurrenz zur Zeitung und wirken korrigierend. Wer das Printmonopol in einer Region fürchtet, kann sich noch immer über Radio und Internet informieren. Solange die demokratische Meinungsbildung nicht durch ein echtes Monopol gefährdet wird, gibt es keinen Anlass zu intervenieren.

Was die Meinungsbildung in Ihren Augen aber gewiss gefährdet, ist der Umstand, dass die Medien mehr auf Unterhaltung setzen.

Nur weil ich ab und an einzelne Unterhaltungssendungen im Fernsehen kritisiere, dürfen Sie mich nicht auf einen Unterhaltungsmuffel reduzieren. Ich betone immer wieder, wie wichtig die Unterhaltung in der Medien- und Gesellschaftspolitik ist. Es gibt aber natürlich einzelne Unterhaltungssendungen, die keinen aufklärerischen Wert haben. Da gibt es diese Sendung «Deal or . . .». Entschuldigung, ich weiss gar nicht, wie sie vollständig heisst, weil ich immer sofort wieder abschalte.

Den Moderator dieser Sendung wird man vielleicht bald auch auf Radio DRS hören.

Ich sage nichts zu einzelnen Personen.

Nicht nötig. Stichwort: «Konvergenz» – Radio und TV sollen mehr kooperieren.

Konvergenz ist ein interessantes Projekt mit Chancen und Risiken. Die Chancen sehe ich vor allem im Onlinebereich. Nicht jedes Radio- und Fernsehprogramm muss seinen eigenen Internetauftritt haben. Bei den Anschaffungen, im Gebäudebereich oder bei der Technik kann man Synergien ebenfalls besser nutzen. Der Bund hat ja 2006 selber überprüft, ob die SRG-Gebühren richtig verwendet werden. Und es hat sich gezeigt, dass in diesen Bereichen Einsparpotenzial vorhanden ist.

Und Ihre Risikoanalyse deckt sich mit derjenigen der Bedenkenträger beim Radio?

Publizistisch birgt Konvergenz Risiken. Darum habe ich der SRG-Spitze mit aller Klarheit gesagt, dass ich zunächst die strukturellen Entscheide fällen würde und Personalentscheide erst nachher vornähme.

Hat SRG-Direktor Armin Walpen das Projekt zu sehr forciert?

Umstrukturierungen müssen von den Konsumenten und den Mitarbeitenden akzeptiert werden. Diese Erfahrungen habe ich in meinem Departement bei der Liberalisierung von Post- und Strommarkt gemacht. Bei Tempo und personellen Fragen ist grösste Vorsicht geboten.

Sie haben Herrn Walpen zurückgepfiffen.

Nein. Ich habe lediglich klar gesagt, was aus meiner Sicht Priorität haben muss. Die formelle Kompetenz über das weitere Vorgehen liegt selbstverständlich beim SRG-Verwaltungsrat. Diese Entscheide haben aber sehr grosse politische und emotionale Auswirkungen, und diese wiederum werden an mich zurückgetragen. Also ist es nur recht, dass ich als Medienminister die SRG-Spitze auf die politischen Dimensionen aufmerksam mache.

SF-Direktorin Ingrid Deltenre will die Zusammenführung selber managen.

Noch einmal: Ich finde die personellen Entscheide sind nach den strukturellen zu treffen. Und die strukturellen Fragen sind noch lange nicht geklärt. Da gibt es noch sehr viel Detailarbeit zu leisten.

Und diese Arbeit sollte in Ihren Augen besser nicht von der ambitionierten Fernsehdirektorin geleistet werden?

Ich äussere mich nur zum Prozess, nicht zu Personen. Es würde die Akzeptanz bei allen Betroffenen sicher erhöhen, wenn diese Arbeit jemand machen würde, der nachher nicht der Superintendant oder die Superintendantin ist und darum auch nicht seine eigenen Interessen in die Restrukturierung einbringen kann. Das könnte eine externe Person sein oder jemand, der nachher nicht für die Umsetzung des Projekts verantwortlich ist.

Radiodirektor Walter Rüegg etwa.

Solche Fragen muss der Verwaltungsrat klären. Jedenfalls fände ich die Idee eines Übergangschefs prüfenswert.

Die Gefahr einer Zentralisierung der SRG-Macht in Zürich besteht unabhängig von der Superintendanten-Frage.

Eines muss klar sein und ist gesetzlich vorgegeben: Die Sprachregionen müssen ihre Autonomie behalten. Konvergenz über den Röstigraben hinweg kommt nicht in Frage. Schon die Konzentrationen in den Sprachregionen sind heikel. In der Westschweiz beispielsweise ist es wichtig, dass dieses Projekt nicht zu einer Medienkonzentration in einer einzigen Stadt führt, nämlich Genf.

In der Deutschschweiz ist es ähnlich.

Natürlich. Das Fernsehen ist schon heute sehr Zürich-lastig. Ist das Wetter toll, zeigt man die Flaniermeile am Zürichsee, ist das Wetter lausig, zeigt man den verdrossenen Schwan auf dem Zürichsee. Da fragen sich die Basler und Berner schon, ob die Schweiz nur aus dem Zürichsee besteht. Es gilt zu vermeiden, dass das ganze Radio auch noch von Zürich aus gelenkt wird.

Der Berner Gemeinderat verlangt, dass die Informationsabteilung des Fernsehens in Bern gemacht wird.

Solche Forderungen beleben die Diskussionskultur im Lande, und man soll sie ernsthaft diskutieren. Der Entscheid liegt aber bei der SRG. Immerhin würde das ja auch ziemlich teuer.

Radio Energy möchte eine Übergangsfrequenz, bis der digitale Sendestandard ein Überleben sichert. Das wäre technisch machbar. Haben Sie das wider besseres Wissen abgestritten?

Überhaupt nicht. Es gab und gibt keine freie Frequenz für die Abdeckung des Raums Zürich/Glarus. Wenn man für das ganze Gebiet – wie dies Energy immer noch fordert – Frequenzen freiräumen wollte, dann müssten Radio DRS und zahlreiche private Veranstalter Frequenzen abgeben, die nötigen Umstellungsarbeiten bräuchten zwei Jahre und müssten erst noch vom Ausland genehmigt werden.

Aber eine UKW-Frequenz für Energy und seine Fans in der Stadt Zürich wäre mit Frequenztauschen sehr wohl möglich.

Moment jetzt. Frequenzen sind ja nicht frei handelbar. Ein solcher Abtausch hätte Auswirkungen auf die anderen Veranstalter, und auch dies müsste mit dem Ausland koordiniert werden. Zudem wäre die technische Umsetzung frühestens nach sechs Monaten möglich. Und ich erinnere daran, dass sich Energy nie mit dem kleinen Raum Zürich begnügen wollte. Aber falls ein solcher Vorschlag käme, würden wir ihn genau anschauen.

Also stehen die Chancen gut?

Nein. Ein solches Gesuch betrifft immer auch andere Player. Andere Stationen müssten ihre Frequenzen hergeben oder bekämen zumindest eine zusätzliche wirtschaftliche Konkurrenz. Sie könnten sich rechtlich dagegen wehren. Dazu kommt noch etwas: Der Gesamtbundesrat müsste ein neues Versorgungsgebiet schaffen. Kurz: Es ist zwar theoretisch machbar, aber nicht realistisch.