Schlagwort-Archive: Sonntagszeitung

Die-Da-Dunkel

Heute haben sich wohl einige Menschen die Augen gerieben. Dunkel schien die Zukunft der Sonntagszeitung. Nun wird sie Spieler (was für ein mieses Sprachspiel).

Mal abgesehen davon, dass dies wirklich ein überraschender Entscheid ist, sich bei Springer Schweiz zu bedienen. Warum finde ich nirgends ein Tele24-Archiv? Jetzt, wo mir zum ersten Mal bewusst wird, dass ich tatsächlich auch eine Sendung sehen möchte?

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Medienlese: Der moderne Schlägertrupp des Web 2.0

Der 1. Mai naht. Und wir sind vorbereitet, müsste man meinen. Zumindest seit uns der Ole als krawallsüchtige Halbwissende bezeichnet hat. Denn wir haben es gewagt, die teilweise Einstellung von Medienlese.com nicht ganz so tragisch zu nehmen, wie „die überwältigende Mehrheit der User„. Mehr noch, wir waren erstaunt, wie konservativ ein der Selbstdefinition nach modernes Web 2.0-Publikum doch auf die Einstellung eines Web 2.o-Formats reagiert. Und mit welch radikalen Methoden eine Interaktive Seite gegen mediale Kritiker vorgeht.

Bisweilen wirkt die Erkenntnis wie ein Hohn. An dieser Web-Reaktion war nichts Modernes, da war keine Aufgeschlossenheit, keine Akzeptant der Realität. Im Gegenteil, letzten Endes reagierte ein kleiner Teil der User wie der harte Kern der Abonnenten des Bundes. Wenn selbst die Macher bereit sind, auf „alte“ Methoden und Nörgeleien einer so-90ies Industrie zurück zu greifen, wie ernst kann man deren Medienkritik sowie deren Forderungen nach neuen Verhältnissen und Flexibilität noch nehmen?

Natürlich bedauern wir es, wenn Menschen ihren Job verlieren. Das machen wir grundsätzlich immer. Deswegen auf Kritik zu verzichten, halten wir allerdings für putinistisch. Nachdem bereits unsere Trackbacks von Medienlese gezielt gelöscht wurden, betraf dies nun auch die Kommentarspalten. Die Kommentare der Betreiber von hosenindosen.com waren zu keinem Zeitpunkt verletzend, hetzend oder diskriminierend. Deswegen verurteilen wir das Vorgehen von Medienlese in den letzten Tage mit aller Schärfe. Glücklicherweise sind wir nicht die Einzigen.

Selbstverständlich kann jede/r Page-BetreiberIn selbst entscheiden, was er/sie tun und lassen will. Nur manchmal hat eine Löschung offenbar System. In einer Diskussion, die hier stattfand und von Sonntagszeitungsredaktor David Bauer mittels Provokation innitiert wurde, ging es um die zunächst sachliche Feststellung, dass der Journalist einen relativ unkritischen, vorhersagbaren Artikel zur Schliessung von Medienlese.com geschrieben hatte. Dieselbe Diskussion fand übrigens auch hier statt. Interessanterweise entwickelte sich die Diskussion in eine Richtung, in der verschiedene User von Bauer wissen wollten, warum er seine geschäftliche Tätigkeit für Medienlese im Artikel mit keinem Wort erwähnt habe. Diese Diskussion wurde, mit Ausnahme von Bauers Replik, mit Hinweis auf Verschwörungstheorien mehr oder weniger zensiert. PR scheint man bei Medienlese offenbar nicht zu mögen. Zumindest nicht, wenn sie die eigenen Mitarbeiter und die Ehemaligen betrifft. Denn in diesem Licht wirkt das fehlende Nachhaken mittels kritischen Fragen im Falle Peter Hogenkamps doch etwas unglücklich. Das wird jeder MAZ-Dozent bestätigen.

Die letzten Worte überlassen wir fairerweise einer von Medienlese.com zensierten Userin, deren Auffassung wir in diesem Fall zu 100% teilen.

Ich werd ja sehr selten rausgeschmissen mit meinem Kommentar, aber diesmal bin ich echt sauer. Mit so einem fast schon ehrenrührigen Kommentar (Verschwörungstheorie wattn S..) rausgegickt zu werden… Im übrigen ist es allerdings problematisch wenn ein Journalist seine Interessen nicht offenlegt – jede Journalistenschule, erste Woche, hätte sowas einem um die Ohren gehauen…

Medienlese: Der Nachruf von Dumk Opf

Eigentlich müssten wir uns freuen. Medienlese.com wird Ende April mit grosser Wahrscheinlichkeit eingestellt. Es sei denn, ja es sei denn, es finden sich tatsächlich ein paar zahlungswillige Nasen, die bereit sind mindestens 15 Euro zu zahlen. In diesem Falle wird wohl ein Teil des Dienstes bis Ende Jahr weitergeführt. Und ich zünde im grossen Sankt Peter eine Kerze an. Oder vielleicht auch gleich den Pfarrer, je nachdem.

Wie gesagt, eigentlich müssten wir und freuen. Nicht nur, weil wir hier immer wieder darauf hingewiesen haben, das Medienlese genauso Blödsinn verzapft wie „reguläre“ Medien, sondern auch, weil die Autoren und Kommentatoren nicht immer wussten, wovon sie schreiben. Wir müssten uns freuen. Tun wir aber nicht. Denn Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Und wir begrüssen grundsätzlich jede und jeden, der sich auf kritische Art mit den Medien auseinandersetzen will.

Eigentlich hätten wir auch einfach die Fresse halten können und stillschweigend zuschauen, wie Peter Hogenkamp sein Blogwerk-Prestigeprojekt einstampft. Wären wir, wie oft propagiert, tatsächlich Zeitungsjournalisten, könnten wir uns etwas Schadenfreude wohl nicht verkneifen. Ausgerechnet das Blog, das seit der Gründung den Tod des gedruckten Blattes und den Sieg der Onlinemedien propagiert, muss mangels Rentabilität aufgeben. Hinter vorgehaltener Hand grinst wohl sogar der .CH-Onlineredaktor, obwohl sein Medium keine Zukunft hat. Immerhin aber schreibt er noch.

Warum also halten wir die nicht einfach die Schnauze? Ganz einfach. Stirbt der eine, plündert der andere den Nachlass. Am Sonntag wird in der SOZ (Sonntagszeitung) ein Artikel mit Hogenkamp-Feature erscheinen. Und das Schöne daran ist, dass ich den betreffenden Text nicht einmal gelesen haben muss um zu wissen, was drin steht.

Moment, es wird noch besser. Ich muss ihn nicht nur nicht gelesen haben, ich kann auch jetzt schon sagen, dass es Blödsinn sein wird. Und das liegt für einmal nicht nur am Autor, obwohl das schon Grund genug wäre. Der Journalist, nennen wir ihn Dumk Opf, wird die Geschichte mit Aussagen  von Hogenkamp untermalen, in denen er noch einmal zur Rentabilität Stellung nehmen wird. Dabei wird er einmal mehr darauf hinweisen, dass mit Blogs nur wenig Geld zu verdienen und die Wirtschaftskrise auch fürs Web 2.0 ein harter Brocken ist. Im besten Falle schwingt zwischen den Zeilen noch etwas Schadenfreude mit. Das aber, so glaube ich, wird’s dann auch gewesen sein.

Was müsste man statt dessen tun? Man müsste den Herrn Hogenkamp mal am Kragen packen und etwas schütteln. Wir übernehmen das auch gerne selber, so sich der Peter freiwillig stellt (das kannst du so machen, wie du das immer machst, indem du dich in den Kommentaren zur Verfügung stellst). Wir sind keine Dumk Öpfe, denen man eine Wirtschaftskrise vorschieben kann und die dann anerkennend nicken und die Stirne in wissende Falten legen. Wir würden zum Beispiel gerne wissen, warum ausgerechnet Blogwerk es wagen würde, von Usern Geld anzunehmen um ein Blog weiter zu betreiben, das ausgerechnet die Unrentabilität und Dysfunktionalität „älterer“ Systeme anprangert. Warum ein Blog, dass sich selbst als Zukunft gefeiert hat, keine Zukunft mehr sieht. Und wir wüssten gerne, warum jemand der mit soviel Idealismus gestartet ist, ausgerechnet seine Prestige-Sparte aufgibt. Und dann hätten wir gerne noch ein wenig Auskunft zu Finanzen und Zahlen. Sind diese vier Nasen wirklich so teuer, dass sich der Betrieb nicht lohnt, obwohl Medienlese längst zu den meistgelesenen Blogs der Schweiz gehört? Und warum sägt man nicht stattdessen einen anderen Ast ab, wie zum Beispiel das eben erst gegründete Startwerk? Das hat doch nicht am Ende auch damit zu tun, dass der Chef da selbst mit tut, oder? Nein, um Gotteswillen (2. Kerze im St. Peter), so einfach ist die Welt nun auch nicht.

Diese Antworten werden wir natürlich nicht kriegen. Und so freuen wir uns halt auf Dumk Opfs bieders Gähn-Werk am Sonntag. Diese Art Nachruf, zumindest da sind wir uns wohl alle einig, hat Medienlese wirklich nicht verdient.

P.s. Wir könnten hier wie Peter Turi den Leuten an der Beerdigung von Medienlese ein schäbiges Übernahmeangebot unterbreiten. Tun wir aber nicht. Wir brauchen kritische Leute. Früh aufstehen alleine genügt nicht.

Journalisten, die neuen Billigstlohnarbeiter

Bei Karl Lüönd hatte ich immer den Eindruck, der Mann sei irgendwie ein Leben lang Journalist geblieben. In seiner Art zu denken, in seiner Art zu handeln, selbst dann noch als er längst Chefredaktor und Verleger war. Eine Qualität Lüönds besteht darin, Rentabilität und journalistischen Anspruch nicht als Gegensätze zu verstehen. Zudem fehlt Lüönd die Gabe, aufgeregt von „Trends“, „Gadgets“ und „Hits“ zu schwärmen. Dafür ist er mit seinen 64ig Jahren einfach zu alt. Vielleicht liegt aber eben auch gerade darin eine Qualität. Denn der Urner hat sehr wohl verstanden, welche Herausforderungen auf anspruchsvollen, integeren Journalismus warten.

Liest man dieses Interview, dann wird man fast schon optimistisch, obwohl die Perspektiven düster sind. Den Medien geht es wie den meisten globalen Konzernen in der Wirtschaftskrise. Sie haben sich im internationalen Geschäft verspekuliert. Nun müssen sie zu ihren Kernkompetenzen, der regionalen Berichterstattung, der Wirtschaft oder der Politik zurück kehren. Lüönd hat vermutlich auch recht, wenn er sagt, dass der Trend nicht unbedingt hin zu Kurznews geht, sondern mehr dahin, dass Journalisten den Rezipienten gezielt dann mit Infos versorgen müssen, wenn er Zeit hat.

Gratis- und Sonntagszeitung bewirtschaften eine Zeitlücke: die Gratiszeitung die tote Pendelzeit; die Sonntagszeitung die langweiligen Stunden am Sonntagmorgen, in denen das Eheleben Pause macht.“

So gesehen ist das Internet kein Fluch für Zeitungen, sondern ein Segen. Kombiniert man, jetzt mal rein hypothetisch, Applikationen wie Post Personal News mit iPhone und Kindle Freeware App., steht dieser Methode nicht mehr viel im Wege. Ich lese die Regionalnews meiner Heimatgemeinde,  den Wirtschaftsbund der NZZ und die politische Berichterstattung des Bundes. Und das auf dem Weg zur Arbeit auf meinem iPhone. Klasse.

Lüönds Überlegungen zielen ferner darauf hin, dass Redaktionen noch schrumpfen können und müssen, wenn sie überleben wollen. Zum anderen sollten sie aber auch gleichzeitig ihre Kernkompetenz ausbauen. Das heisst, es wird wieder mehr „richtige“ Journalisten mit Fachgebieten geben und weniger Redaktionsassistenten, die sowohl News posten, zusammenfassen als auch Online-Kommentare verwalten. Diese Funktion wird, daran glaube ich fest, in naher Zukunft, ähnlich einem Call-Center in Indien, ausgelagert. Es macht keinen Sinn, dass alle dasselbe tun. Immer und immer wieder. Und dabei erst noch jede Menge Fehler machen. Redaktionen sollen sich ihre Pakete bei einem qualitativen Dienstleister einkaufen können, wenn es denn schon eine „ganze“ Zeitung sein muss. Jeder der einen Internetanschluss besitzt weiss, dass diese Utopie eh nicht mehr existiert. Kein einzelnes Produkt deckt mein kumuliertes Informationsbedürfnis ab. Auch nicht die New York Times.

Ich würde Fixkosten in variable Kosten umzuwandeln versuchen. Wenn ich Hunger habe und Fleisch will, kaufe ich ein Steak. Redaktionen kaufen immer noch ganze Kühe: Wollen sie eine bestimmte Kompetenz, schaffen sie dafür eine Stelle mit fixen Lohnkosten, statt diese Kompetenz bei freien Journalisten einzukaufen, die nur dann etwas kosten, wenn sie etwas schreiben. Wenn derzeit gespart wird, werden als erstes die Honorare für freie Journalisten gekürzt, weil es dagegen wenig Widerstand gibt. Entlässt eine Zeitung aber drei fest angestellte Journalisten, gilt das schon als Krise und kommt in die anderen Zeitungen“.

Ob man nun mit variablen oder fixen Pensen auf solche Situation reagiert ist eigentlich egal. Auch Freie werden so mehr oder weniger zu regelmässigen „Festen“, die allerdings, wie das Beispiel Deutschland zeigt, um die Früchte der Gesamtarbeitsverträge geprellt werden. Da müssen die Mediengewerkschaften wohl oder übel in naher Zukunft über die Bücher. Ansonsten geht der Medienkanibalissmus ungehindert weiter. Und dann werden Journalisten zu reinen Informationsverarbeitern. Oder anders gesagt: Zu Billiglohnarbeitern. Denn reine, global zugängliche Information ist wie die Aktie von GM- nichts mehr wert.