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Das Schweizer Nachrichtenmonopol

Die SDA schluckt die AP Schweiz, die eben erst im Dezember von der Deutschen DDP übernommen wurde. Klingt unspektakulär? Mag sein. Doch eine Ausgabe der, sagen wir mal: Bernerzeitung zeigt: es ist alles andere als das.

Schon heute besteht diese Zeitung zu einem Grossteil aus Agenturmeldungen. Künftig wird das nicht anders, sondern nur einheitlicher sein, schliesslich stammen dann alle Meldungen von der gleichen Agentur. In der Schweiz gibt es in Zukunft nämlich nur noch einen helvetischen Nachrichtenlieferanten.

Damit sind die Schweizer Medien genau dort, wo sie schon vor hundert Jahren nicht sein wollten. Bei einer monopolistischen, einseitigen Berichterstattung.

„Ende des 19. Jahrhunderts beherrschten in der Schweiz zwei große europäische Nachrichtenagenturen den Schweizer Markt: Havas und Wolff. Da ein unabhängiger Informationsaustausch aufgrund dieser Sachlage nicht zu garantieren war, schlossen sich Verleger und Redaktoren der großen Schweizer Zeitungen 1894 zusammen und gründeten die Depeschenagentur. Am 1. Januar 1895 nahm die Agentur ihren Dienst mit acht Redaktoren auf. Quelle Wikipedia.“

 Richtig geil ist der Deal auch für all jene Zeitungen und Verlage, die im Zuge von Sparmassnahmen auf die Dienste der SDA verzichtet haben.  So holt man sich den ungeliebten Kostenfresser durch die Hintertür wieder in die Redaktion – mächtiger als je zuvor. Preisverhandlungen und Wettbewerb hallen höchstens noch als Echo aus vergangenen Tagen durch die Gänge.

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Die Logik des Abschreibens

Heute lernen wir etwas über abgeschriebene Artikel. Es nennt sich „Logik“ und ist ein relativ häufig zu beobachtendes Phänomen.

Der Journalist liest einen Artikel, in der NY Times, im Guardian oder in der Washington Post, übersetzt den „Plot“ und bastelt daraus eine eigene Geschichte – so geschehen bei Newsnetz respektive der Nachrichtenagentur SDA. Irgendwann kommt der Journalist an einen Punkt an dem er sich fragen muss: Macht meine Übersetzung Sinn? Kann das stimmen und ist diese Geschichte logisch? Falls ja, kein Problem. Dann wird der Text revidiert und ab damit. Falls nein, sollte man versuchen die hängigen Fragen zu lösen und nicht einfach zu überschreiben, in der Hoffnung es werde nicht bemerkt. Entweder liegt es an der eigenen Übersetzung und den fehlenden Sprachkenntnissen, oder der Fehler ist bereits in der ursprünglichen Story zu finden. Dann ist aberwiederum Vorsicht geboten. Hier ein Beispiel dazu.

Newsnetz publizierte heute früh eine Meldung aus dem Wallstreet Journal. Dabei geht es um die Entwendung hochgeheimer Daten des US-Militärs. Der Abschnitt lautet wie folgt:

Die unbekannten Täter hätten grosse Datenmengen aus den Rechnern des US-Verteidigungsministeriums kopiert, meldet das «Wallstreet Journal». Darunter seien auch Detailpläne des neuen Kampfflugzeugs F-35 Lightning II, berichtete das Blatt heute unter Berufung auf Regierungskreise. Die Daten des Kampfjet-Plans seien auf geheimen Computern gewesen, die nicht mit dem Internet verbunden seien.

Unbekannte hatten also Zugriff auf die Rechner des US-Verteidigungsministerium. Die Detailpläne waren allerdings auf geheimen Computern, die durch ein abgeschirmtes Netzwerk verbunden waren. („nicht mit dem Internet verbunden“). Folglich müssten die Täter vor Ort gewesen sein. Würde man meinen. Waren sie aber nicht. Denn Newsnetz schreibt im folgenden Abschnitt:

Die Zeitung zitierte ehemalige Regierungsvertreter, welche die Hacker in China vermuteten. Das Programm zur Entwicklung des neuen Flugzeugs hat ein Volumen von 300 Milliarden Dollar.

Die Hacker sitzen also in China und klauen Daten von Rechnern ohne Netzwerkzugriff. Wie funktioniert das? Magie?

Mediales Littering – Heute: BAZ, SF, SDA u.a.,

Manchmal kriegt man den Eindruck, Sonntags dürfen in den Redaktionen jeweils Praktikanten und Aushilfen die Texte schreiben. Hier eine kleine Auswahl an Schlagzeilen:

Schlusslicht Luzern verliert Drama

Ob (das) Drama später wieder gefunden wurde, war dem weiteren Verlauf der SDA-Meldung nicht zu entnehmen.

Bei den Wahlen im zum Aargauer Kantonalparlament sind die Grünen mit sechs Sitzgewinnen die Gewinner. Die grossen Parteien verloren Stimmanteile zugunsten der kleinen.“

Je-Ka-Mi bei der Basler Zeitung.

Erstmals seit zwölf Jahren sind die britischen Streitkräfte in Nordirland wieder Ziel eines tödlichen Anschlags geworden. Eine IRA-Splittergruppe bekannte zu dem Verbrechen

Beim Tages Anzeiger stören „sich“ offen-sich-tlich.

Die bewilligte Demonstration der rechtsextremen Partei National Orientierter Schweizer (PNOS) in Burgdorf (BE) hat nicht stattgefunden. Die PNOS-Anhänger versammelten sich zwar in Burgdorf, zogen dann aber in Richtung Bern. Mittlerweile sind sie erneut aus Bern abgereist.“

Erneut? Beim SF verkehren PNOS-Anhänger öfters in Bern als sie selber wissen.

Mediales Littering – Heute: SDA

Heute habe ich zufälligerweise folgende SDA-Meldung gelesen:

Dornach SO: Der Buntmetallhersteller Swissmetal hat im letzten Jahr einen Umsatzeinbruch um 20 Prozent auf 325,1 Mio. Fr. erlitten. Grund dafür ist aber nicht allein die Wirtschaftskrise, sondern vorab der tiefere Metallpreis.

ähä. Und der Preis ist so tief weil..? Nobelpreis für Wirtschaft. Mindestens.

Idiot des Tages III

Heute morgen spuckte der Agentur-Ticker der SDA folgende Meldung aus:

Mann flüchtet vor Polizei ins Gefängnis.

Die Stadtpolizei St. Gallen hat am Freitagabend beim Bohl einen 19-Jährigen kontrolliert und dabei festgestellt, dass dieser 4 Gramm Heroin auf sich trug. Der Mann wurde auf den Polizeiposten an der Neugasse gebracht.

Während der weiteren Abklärungen flüchtete der Drogenkonsument und rannte in den nächstgelegenen Innenhof, wie die Polizei mitteilte. Zu spät bemerkte der Flüchtende, dass er in den Innenhof des Bezirksgefängnisses gerannt war. Das Gittertor des Hofes hatte nach der Einfahrt eines Gefangenentransporters kurz offen gestanden.

Nach Abschluss der polizeilichen Befragung durfte der 19-Jährige das Gefängnis auch von innen kennenlernen. Wegen Verdunkelungsgefahr wurde er inhaftiert.

Es wirkt zwar immer etwas plump, wenn Agenturjournalisten versuchen witzig zu sein. In diesem Falle aber drücken wir ein Auge zu. Mehr noch; wir verleihen dem Journalisten den Titel Idiot des Tages, für die Leistung diesen Blödsinn auch no zu rapportieren.