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Des Henkers Anruf

Kann sich das eigentlich jemand vorstellen, wie es ist, wenn man auf diesen einen Anruf wartet? Wenn man weiss, seit Tagen, Wochen, ja schon seit Monaten, dass der Moment kommen wird, in dem jedes Klingeln zur Bedrohung wird?

Wer bei Ringier arbeitet, weiss wie es ist. Heute war D-Day. Wer bis 14Uhr keinen Anruf vom Henker bekommen hatte, stand auf der sicheren Seite. Die anderen müssen gehen. Darunter Leute, die sich in den vergangenen Jahren sehr für ihr Produkt, ihr Team und den Verlag eingesetzt hatten.

Einmal mehr zeigt sich, wie absolut ungeil Ringier mit seinen Angstellten umspringt. Für Schweizer Journalisten ist heute ein weiterer schwarzer Tag. Mögen keine weiteren mehr folgen.

Doch Gott ist tot, schon lange. Amen.

Die Schweizer Illustrierte im Bundeshaus

Mal abgesehen davon, dass der Ringier-Verlag bei den Sozialplan-Verhandlungen im Zusammenhang mit den ständig wiederkehrenden „Massenentlassungen“ (Zitat: Personalkommission) etwas asoziales zusammenwurstelt; weiss jemand, für was die SI einen Bundeshausredaktor braucht?

Wir sind alle keine regelmässigen SI-Leser. Aber wenn wir die SI-Site durchstöbern, können wir uns nur schwer vorstellen, was Sascha Buchbinder (der nebenbei zum Besseren gehört, was der Tages Anzeiger im Zuge der ständig wiederkehrenden „Massenentlassungen“ entmassenlassen hat) dereinst im Bundeshaus tun soll?!

Kann man mit bloggen in der Schweiz Geld verdienen?

Alleine? Als Ein-Mann-Unternehmen?

Ja, Mann kann.

Folgende Eigenschaften sollte man mitbringen: Beharrlichkeit, Durchhaltevermögen, Kritikresistenz und ein gutes Netzwerk. Noch besser ist: man besetzt eine Nische.

Ronnie Grob scheint so ein Mensch zu sein. Mal abgesehen davon, dass wir inhaltlich alles andere als ständig derselben Meinung sind (was auch gut so ist), schlägt sich Ronnie ganz anständig.

Den meisten Lesern wird Ronnie noch als morgendliche Linkschleuder beim Qualitätsportal Medienlese.com in Erinnerung sein. Mittlerweile tut er dasselbe bei bildblog.de. Daneben äussert sich Blogger Ronnie immer wieder zu „modernen“ Medienthemen. Will heissen: Wie schlägt sich die Medienszene im Internet, mit Web 2.0 und wie entwickelt sich die Onlinewelt im allgemeinen in Bezug auf Mediennutzung. Ronnies Texte erscheinen in allen möglichen Zeitungen, die auf der Suche nach „Experten“ in diesem Bereich sind, beispielsweise in der NZZ oder in diversen Medienfachzeitschriften. Damit besetzt er eine Nische, mit dessen verdienst er in Berlin offenbar gut leben kann. Und Ronnie vermeldet Zuwachs. Sein neuster Kunde ist der Zürcher Presseverein.

Die Zürcher bloggen ja schon seit einem Weilchen in unregelmässigen Abständen, was ganz praktisch ist, in Zeiten, in denen Vereinszeitschriften nicht mehr lohnen. Nun baut der Verein sein Angebot aus. Offenbar ist da auch etwas Geld vorhanden, dass man nun entsprechend investieren will.

Das hier ist keine Kritik an Ronnie oder am Presseverein. Wie auch, wir haben das Produkt ja noch gar nicht gesehen. Vielmehr zeigt die Geschichte: wer sein Ding macht, der kann irgendwann auch auf ehrliche Art und Weise davon leben. Und das unterstützen wir, aus einem einfachen Grund.

Ehrlichkeit ist ein hehres Gut. Wenn Ringier beispielsweise sagt, man müsse sparen, allerdings nicht auf Kosten der Redaktionen und das in einer entsprechenden Pressemitteilung so formuliert, dass der Leser denkt, es werden keine Redaktionsstellen gestrichen, dann ist das unehrlich. Wer Leute aus der Redaktion wirft (Zitat: „Der grösste Teil der Synergien im Newsroom entfällt auf Produktion, Layout, Bild und Korrektorat und nicht auf die schreibenden Ressorts“. – „Stellungnahme Comedia: Wegen des neuen Newsrooms sollen laut Comedia 13,5 Vollzeitstellen bei den schreibenden Medienschaffenden eingespart werden, die restlichen 15,6 Stellenprozente gehen zu Lasten des technischen Redaktionspersonals wie Produzenten, Layouter, Bildredaktoren und Korrektoren.“ ), der soll auch dazu stehen. Ansonsten ist das einfach nur beschissene Verschleierungskommunikation.

Kann das bitte mal jemand an die entsprechenden Stellen weiterleiten?

back to the future

Was bisher geschah:

Mai, Juni und Juli 2009 waren verrückte Monate. In der Schweizer Medienlandschaft haben sich einige radikale Umbauten vollzogen. Es waren Bewegungen, die auch an uns nicht spurlos vorübergingen. Bis auf eine Person haben sämtliche Mitglieder der radikalen Splittergruppe Hose&Dose ihren Job verloren. Einige freiwillig, andere unter Protest. Sassen wir anhin in Verlagshäusern wie TA-Media, Ringier, NZZ und SRG, mussten wir uns neu orientieren.

 Die Gute Nachricht ist: Anfang 2010 haben alle Gruppenmitglieder (mit einer Ausnahme) wieder einen Job gefunden. Wir sitzen nun wieder bei der SRG, bei Ringier, der TA-Media und der NZZ. Einfach in einer etwas anderen Konstellation. Es war ein unnötiges Sesselrücken – allerdings mit einem Vorteil: die rechte Hand versteht nun etwas besser, was die linke tut.

Auch unsere Ausnahme wird glücklich werden. Bis anhin arbeitslos, hat sich diese Person einer Geschlechtsumwandlung unterzogen und wird dank Quotenregelung im Konvergenzprojekt der SRG schon bald eine Führungsposition einnehmen. Entsprechende Bewerbungen sind in Arbeit.

Da wir nun alle wieder fett Kohle verdienen, die wir für die drei „D“s, für Drogen, Drinks und Anti-Depressiva ausgeben können, suchen wir nach einem tieferen Sinn im Leben.

Aufgrund der vielen, bewegenden Leserreaktionen und Mails (insgesamt: 2) haben wir uns zu einer Reunion entschlossen. Es kann nicht angehen, dass wir das Bloggen aufgeben, nur aus dem simplen Grund weil unsere Existenz bedroht war.

Gefreut haben wir uns auch über die vielen Kommentare, die sich nach unserem Verbleib erkundigt (insgesamt: 3), unsere Arbeit gelobt (insgesamt: 0) und konstruktive Kritik eingebracht haben (insgesamt: -1). Hier ein repräsentatives Beispiel:

Wer sich auch immer hinter diesem läppischen Blog versteckt, es muss ein Dummkopf höherer Potenz sein, schlimmer noch: ein fürchterlicher Langweiler. Was ums Gottes Willen motiviert Leute, für so einen Quatsch so viel Zeit zu verschiessen!? Das Geschreibsel hier ist so fürchterlich bekloppt, da kommt nicht mal Mitleid auf. Get a life!

Es sind Leser wie Joshua Applepee, die uns klar gemacht haben, dass Hose&Dose in dieser Welt nach wie vor benötigt werden. Dabei geht es nicht nur um korrekte Rechtschreibung. Es geht um Erziehung, um Vorbilder und um den Glauben an mögliche Versionen des Richtigen.

Wir sind wieder da.

Grämt euch.

Kollegenschelte Teil I

Es ist schon erstaunlich, wie selbstreferentiell Medienerzeugnisse derzeit berichten. Auf der einen Seite ist es verständlich, wenn der Blick am Abend gross posaunt, man werde aufgrund des Erfolgs (ja, das ist ein Widerspruch – dazu ein andermal mehr) expandieren. Allerdings ist diese Meldung als Zeitungs-Geschichte fragwürdig. Diejenigen die es betrifft, lesen nichts davon und den anderen kann das egal sein.

Viel dümmer jedoch ist, wenn das zum gleichen Konzern gehörende Mutterblatt Blick von einem geplatzten Werbedeal der Konkurrenz berichtet. Welcher Leser interessiert sich ernsthaft dafür, ob die Migros in Zukunft noch bei 20Minuten inserieren wird oder nicht?

Natürlich, für den Ringier-Verlag ist das die beste Meldung seit der Erfindung von Gutenbergs Druckpresse. Migros verfügt über den grössten Werbe-Etat der Schweiz. Daher sind Migros-feindliche Artikel sowohl bei der TA-Media als auch bei Ringier de Fakto verboten. Schön, dass es 20Minuten trotz aufdringlich freundlicher Berichterstattung schafft, den Werbepartner über die Anzeigenabteilung zu verprellen. Wie das allerdings gelaufen ist, kann mir auch der Blick in dieser Top-Meldung nicht erklären.

Der Grund: Zwischen der Migros und « 20 Minuten » herrscht dicke Luft. Wegen der Tarife für die Werbung. Die Migros verweist auf die Fairness, die zwischen Geschäftspartnern eingehalten werden müsse: «Da wir dies zurzeit in der Geschäftsbeziehung mit « 20 Minuten » nicht empfinden, haben wir uns entschieden, auf eine Zusammenarbeit bis auf weiteres zu verzichten.» Bei der Besitzerin von « 20 Minuten », dem Verlagshaus Tamedia, wehrt man sich gegen den Vorwurf: «Wir haben der Migros ein Angebot unterbreitet, das besser ist als die Angebote für alle anderen Unternehmen in der Schweiz.»

Cash Daily – ein unwürdiges Ende

Es war ein langsames und qualvolles sterben. Und dieser Tod ist der einst so stolzen Zeitung unwürdig. Aber die Wirtschaftskrise kennt kein erbarmen. Cash ist Geschichte.

Ringier hat und hatte nie viele Qualitätstitel im Angebot. Im Gegenteil. Mit Qualität kennt man sich im Seefeld nicht so aus. Die Wochenzeitung „Cash“ war daher immer ein Fremdkörper im sonst so klar ausgerichteten Portfolio Michael Ringiers. Trotzdem war das Blatt eine eigenständige und kompetente Wirtschaftsschule (Dirk Schütz, Bruno Affentranger, Zoé Baches u.a.) und CASH das wohl interessanteste schweizer Wirtschaftsmedium.

Leider gab und gibt man sich bei Ringier sehr viel Mühe das wenige Nachhaltige, dass man hat, zu zerstören und mit Gratistiteln oder Massenblättern zuzupflastern. Sicherlich, rein finanziell gesehen war der Schritt von CASH zu CASH Daily nachvollziehbar. Leute die behaupteten, dass alles was die Wochenzeitung ausmache (Hintergrund&Interviews) in einer Gratis-Postille keinen Platz mehr finden werde, wurden als Modernisierungs-Skeptiker gegeisselt. Aber es hätte auch andere Möglichkeiten gegeben. Die waren wohl einfach zu teuer.

Bleibt die Frage, ob am Ende der „Cash Daily“-Ausflug nicht doch mehr gekostet hat. Die Zahlen blieben bis heute rot, Gewinn machte das Gratisblatt nie. Die Wirtschaftskrise drückte zusätzlich auf die schlechten Umsätze. Nun wird auch „Cash daily“ eingestellt. Die Marke (TV&Web) bleibt zwar bestehen, aber zu behaupten, CASH existiere weiter, wäre dasselbe wie zu glauben SR-Technics sei der legitime Nachfolger der Swissair.

23 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Dass die Zeitung eingestellt wird, ist nicht deren Fehler. Das Produkt war gut gemacht, interessant und informativ. Der Gratistitel war, so man will, der beste Gratistitel den die Schweiz bis anhin überhaupt hatte. Immerhin.

Warum dass aber Medienmanager die mit ihren kurzfristigen Renditezielen etablierte Titel und Marken zuerst ruinieren und anschliessend zerstören, ihre Posten behalten dürfte, bleibt mir ein Rätsel.

Idiot des Tages: TA-Media vs. Billag

Manchmal verstehe ich Journalisten-Logik nicht. Da schreibt die Pendlerzeitung NEWS heute einen grossen Artikel darüber, dass SRG-Mitarbeitende (seit Jahrzehnten übrigens) teilweise oder ganz von der Billag befreit sind. Dass sie folglich keine Gebühren für ihr eigenes Produkt bezahlen. Das ist, so entnehme ich dem Artikel, offensichtlich böse. Dass bspw. Ringier-Angestellte ihre eigenen Erzeugnisse auch nicht berappen müssen, ist aber offensichtlich völlig in Ordnung.

Vielleicht ist das auch einfach der Neid, der da spricht. Neid, weil man bei der TA-Media geglaubt hat, auch dieser Betrieb würde die Angestellten von der Abonnementsgebühr für das eigene Produkt befreien. Als den Journalisten dann auffiel, dass NEWS gar nichts kostet, war´s zu spät.