Schlagwort-Archive: Restrukturierung

Quid pro quo

Schön, dass endlich auch einmal eine Gewerkschafterin der Meinung ist, dass Verhalten der TA-Media sei einer Demokratie unwürdig. Nichts Bahnbrechendes. Aber immerhin. Erstaunlich allerdings, wie sich der Verlag immer wieder rauszuwinden versucht.

Wir haben einen Drittel unserer Leser verloren. Es ist daher verständlich, dass wir auch die Redaktion restrukturieren mussten“ – um einen Drittel, wohlgemerkt.

Quid pro quo.

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Bye Bye Viva Schweiz

Ein mediales Erdbeben sieht anders aus, zugegeben. Schliesslich arbeiten auch nur noch etwa vier Nasen für den TV-Sender Viva Schweiz. Aber für diese vier Angestellten und für sämtliche Realschüler der Schweiz, dürfte die Ankündigung grosse Konsequenzen haben. Viva Schweiz wird zum Kindersender mutieren und ab April erst ab 20.15Uhr ein eigenes Programm senden, schrieb die SoZ gestern. Das bedeutet: eigene Formate wie „Swissmat“ (19oo) oder „Swiss Space“ (1930), die wenigstens annähernd so etwas wie eine Plattform für den schweizer Mainstream waren, verschieben sich entweder deutlich nach hinten oder fallen gleich ganz weg. Wenn man bedenkt, dass ab 2255 sowieso Quizspiele gesendet werden, wird Viva dereinst noch mit genau 2h 40min Sendezeit ausgestattet. Da wird sich die Schweizer Musikszene aber mächtig freuen.

Das sei nicht weiter schlimm, wird MTV Networks kontern, schliesslich werde im Gegenzug MTV-Schweiz „eingebürgert“. Und Musikchefin Nervenbündel Jubaira Bachmann erhält eine eigene Sendung (die folglich das gestrichene Tagesprogramm von Viva Schweiz ersetzen müsste. Was für eine Herkulesaufgabe).

Ich denke, damit wäre das Experiment „privates Schweizer Musikfernsehen“ endgültig abgeschlossen. Wie bitter das aussieht, wenn MTV mit gesponserten Schweizer Programmfenstern auftaucht, wissen wir bereits (6Pack etc). Das Budget von Swizz Viva Schweiz wurde in den letzten Jahren sukzessive zusammengekürzt, nun ist praktisch Ende Feuer. Damit fordert die Wirtschaftskrise auch beim Schweizer Privatfernsehen ihr erstes Opfer. Es ruhe in Frieden.

P.S. Falls jemand Lust hat neben VJ Robin, VJ Dingsda und VJ Blondhaar aka Miss Irgendwas als „Aushilfe“ (sprich unbezahlt aber garantiert stressig) in Schlieren rumzugeistern, Viva Schweiz hätte derzeit 3(!) Stellenangebote offen.

Restrukturierung des TA: Bürde oder Chance

Seit das Medien- und Kommunikationsportal „persönlich.com“ die neusten Erkenntnisse zur Weiterentwicklung des Tages Anzeigers veröffentlicht hat, findet online wieder einmal ein gross angelegtes „ohjemine“ statt. Notabene eines, an dem wir auch noch Mitschuld tragen, obwohl dies mit dem Tages Anzeiger überhaupt nix zu tun hat. Verbrochen haben das Übel die Basler Kollegen.

Die Fragen, welche nun (schon seit einigen Tagen, siehe Schweizer Journalist) im Raum stehen, sind:

– Was wird aus dem Tages Anzeiger werden?

– Was ist der Tages Anzeiger heute?

– Und ist das alles wirklich so schlimm?

In einem interessanten und berechtigten Einwand schreibt Martin Hitz:

Ich bin eigentlich eher der Ansicht, dass der “Tagi” in letzter Zeit besser (”überraschender”) geworden ist. Jedenfalls kommt es seit einigen Monaten immer wieder vor, dass ich den einen oder anderen Text ganz lese. Geht das nur mir so?

Ich teile diese Ansicht. Durch und durch. Peter Hartmeier hat 2008 einen glänzenden Job geleistet. Der Tages Anzeiger ist wieder lesbar, interessant und relevant geworden. Und das betrifft nicht nur den TA. Ich finde, die ganze (sagen wir: ein Grossteil der) Schweizer Medienszene hat 2008 qualitativ an Substanz zugesetzt. Namentlich etwa die Berner Zeitung, die Südostschweiz und der Sonntag. Und vor dieser Leistung ziehe ich den Hut.

Zur zweiten Frage: Was wird aus dem Tages Anzeiger werden. Auch hier möchte ich auf eine von Hitz´s Aussagen zurück kommen:

Was die Totalvertrashung angeht: Wenn die Klickraten nur *ein* Indikator unter vielen sind, muss das so schlimm ja auch wieder nicht herauskommen. Im Print können die “geilen” Newsnetz-Stories durch Eigenrecherchen, Hintergründiges und/oder Analysen vertieft (so es denn etwas zu vertiefen gibt) und “veredelt” werden. Es arbeiten ja nicht nur Deppen beim “Tages-Anzeiger”.

Auch diese Erkenntnis ist völlig richtig und wird bereits heute Versuchsweise praktiziert. Kein Verlag kann so blöd sein und einige der versiertesten schweizer Journalisten (Büttner, Seibt u.a.) mit einem neuen Konzept „entmachten“. Es kann durchaus sein, dass man durch die Verschlankung den Mantelteil noch etwas besser um diese Schlüsselfiguren positionieren kann. Man entschlackt die Strukturen, baut dadurch etwas an Volumen ab und macht den Tages Anzeiger dynamischer.

Die letzte Frage wäre: Klingt dies denn alles so schlimm?

Nein. Tut es nicht. Das einzig wirklich einschneidende Grossereignis in diesem Jahr dürfte die Fusion von Bund und TA sein. Im Vergleich dazu haben die anderen Redaktionen ein gutes Leben. Eine Veränderung, wie im Falle des Tages Anzeigers, ist wohl eher als Herausforderung denn als Strafe anzusehen und, nicht zu vergessen, solche Anpassungen kommen im Mediengeschäft immer wieder. Wer dies von Anfang an als Negativereignis sieht, hat verloren und sollte nach Nordkorea auswandern. Dies ist eines der wenigen Ländern, in denen es für Veränderungen auf Redaktionen keinen Grund gibt.