Schlagwort-Archive: Redaktion

Korrigenda – We love Aargauer Zeitung

Da es zu unseren Hobbies gehört auf Journalisten der Aargauer Zeitung einzuhacken, müssen wir natürlich auch erwähnen, wenn das Team etwas auf die Reihe kriegt. Diese Woche hatte die Aargauer Zeitung gar einen Primeur (öhm, zusammen mit dem Blick-Sportteil Seite 5 oder so). Das Blatt wusste zu verkünden, wer neuer Chef des Schweizerischen Eishockeyverbandes werden würde, vor allen anderen. Und die Angaben waren sogar richtig.

Ein Rätsel allerdings bleibt, wie die das vor 22 Uhr rausgefunden haben?

 

Willkommen: Die Medien-Krise ist da

Nun ist es definitiv. Die Rezession ist da. Auch in der Zeitungsbranche. Wie heute bekannt wurde, baut die kleine Basler Zeitung abermals Stellen ab. Diesmal allerdings richtig heftig. Die Wochenendbeilage wird eingestellt, 22 Vollzeitstellen verschwinden. Das spürt eine Redaktion. Und das wird man der Zeitung ansehen.
Auch die Annabelle mauschelt sich durch die Krise und hat klammheimlich die Annabelle-Men Ausgaben fürs ganze Jahr gestrichen, selbst wenn dies bis heute offiziell noch niemand kommuniziert hat. Auch hier gehen Arbeitsplätze verloren.

In nächster Zukunft folgen ziemlich sicher: Die Mitteland-Zeitung und die TA-Media. Der Tages-Anzeiger wird seine Abbaupläne meinem Gefühl nach im Frühling bekannt geben. Die Aargauer Zeitung dürfte etwa zur selben Zeit folgen.
Die erste Zeitung die aufgeben muss, wird voraussichtlich der Bund sein. Daran führt kein Weg vorbei. Auch dieser Schritt wird im Laufe des Frühlings kommuniziert. Danach folgt .CH. Die Zeitung wird im Laufe des Jahres eingestellt. Sollte sich die Wirtschaftskrise noch verschlimmern, ist es vermutlich bereits im Sommer soweit. Auf der Kippe stehen zudem NEWS und der Blick am Abend. Wobei Ringier vermutlich zuerst aufgibt.

Puuuh.. Ich wünschte, mein Gefühl würde mich täuschen. Vor allem wenn man bedenkt, dass wir hier nur von Printredaktionen sprechen.

Oder aber, man geht mit einer gesunden Portion Selbstvertrauen in die Welt hinaus. Letzthin hat mir eine Redaktorin beim Schweizer Fernsehen erzählt, sie hätte die Kündigung eingereicht. Als ich sie fragte, warum sie ausgerechnet jetzt einen sicheren Arbeitsplatz aufgebe, meinte sie: „Ich will die Welt sehen. Und warum nicht gerade jetzt? Ich komm dann wieder, wenn’s besser aussieht“.

Ich hab die betreffende Redaktorin nie gemocht. Aber vor dieser Aktion ziehe ich meinen Hut. Und dafür, das gebe ich gerne zu, mag ich sie etwas lieber als auch schon.

Restrukturierung des TA: Bürde oder Chance

Seit das Medien- und Kommunikationsportal „persönlich.com“ die neusten Erkenntnisse zur Weiterentwicklung des Tages Anzeigers veröffentlicht hat, findet online wieder einmal ein gross angelegtes „ohjemine“ statt. Notabene eines, an dem wir auch noch Mitschuld tragen, obwohl dies mit dem Tages Anzeiger überhaupt nix zu tun hat. Verbrochen haben das Übel die Basler Kollegen.

Die Fragen, welche nun (schon seit einigen Tagen, siehe Schweizer Journalist) im Raum stehen, sind:

– Was wird aus dem Tages Anzeiger werden?

– Was ist der Tages Anzeiger heute?

– Und ist das alles wirklich so schlimm?

In einem interessanten und berechtigten Einwand schreibt Martin Hitz:

Ich bin eigentlich eher der Ansicht, dass der “Tagi” in letzter Zeit besser (”überraschender”) geworden ist. Jedenfalls kommt es seit einigen Monaten immer wieder vor, dass ich den einen oder anderen Text ganz lese. Geht das nur mir so?

Ich teile diese Ansicht. Durch und durch. Peter Hartmeier hat 2008 einen glänzenden Job geleistet. Der Tages Anzeiger ist wieder lesbar, interessant und relevant geworden. Und das betrifft nicht nur den TA. Ich finde, die ganze (sagen wir: ein Grossteil der) Schweizer Medienszene hat 2008 qualitativ an Substanz zugesetzt. Namentlich etwa die Berner Zeitung, die Südostschweiz und der Sonntag. Und vor dieser Leistung ziehe ich den Hut.

Zur zweiten Frage: Was wird aus dem Tages Anzeiger werden. Auch hier möchte ich auf eine von Hitz´s Aussagen zurück kommen:

Was die Totalvertrashung angeht: Wenn die Klickraten nur *ein* Indikator unter vielen sind, muss das so schlimm ja auch wieder nicht herauskommen. Im Print können die “geilen” Newsnetz-Stories durch Eigenrecherchen, Hintergründiges und/oder Analysen vertieft (so es denn etwas zu vertiefen gibt) und “veredelt” werden. Es arbeiten ja nicht nur Deppen beim “Tages-Anzeiger”.

Auch diese Erkenntnis ist völlig richtig und wird bereits heute Versuchsweise praktiziert. Kein Verlag kann so blöd sein und einige der versiertesten schweizer Journalisten (Büttner, Seibt u.a.) mit einem neuen Konzept „entmachten“. Es kann durchaus sein, dass man durch die Verschlankung den Mantelteil noch etwas besser um diese Schlüsselfiguren positionieren kann. Man entschlackt die Strukturen, baut dadurch etwas an Volumen ab und macht den Tages Anzeiger dynamischer.

Die letzte Frage wäre: Klingt dies denn alles so schlimm?

Nein. Tut es nicht. Das einzig wirklich einschneidende Grossereignis in diesem Jahr dürfte die Fusion von Bund und TA sein. Im Vergleich dazu haben die anderen Redaktionen ein gutes Leben. Eine Veränderung, wie im Falle des Tages Anzeigers, ist wohl eher als Herausforderung denn als Strafe anzusehen und, nicht zu vergessen, solche Anpassungen kommen im Mediengeschäft immer wieder. Wer dies von Anfang an als Negativereignis sieht, hat verloren und sollte nach Nordkorea auswandern. Dies ist eines der wenigen Ländern, in denen es für Veränderungen auf Redaktionen keinen Grund gibt.

Web 2.0 – Protokoll des Grauens

Auf der Webseite der Baslerzeitung (als Teil von Newsnetz) spielt sich derzeit weitgehend unbemerkt ein Drama ab, wie es die Schweiz nur selten gesehen hat. Und das scheint irgendwie keine Sau zu stören.

In der Nacht zum Sonntag krachte in Basel ein Autofahrer Innerorts mit geschätzten 100 Km/h (Polizeiangaben) in eine Reihe parkierter Autos. Der Fahrer, ein junger Mann der erst seit kurzem im Besitze des Fahrausweises war, verstarb noch auf der Unfallstelle. Erste Ermittlungen ergaben: Der Fahrer war nicht angegurtet.

Bereits Sonntag früh fingen die Diskussionen in den Kommentarspalten des betreffenden BAZ-Artikels an. Die Argumente sind wie immer dieselben: Ein Raser weniger, der Mann ist selber schuld, Bern solle handeln, Verantwortung sollte ein Unterrichtsfach werden. Soweit so schlecht, bis sich die Angehörigen, oder vermeintlichen Angehörigen des Unfallopfers einzumischen begangen. Nicht nur wurde schnell klar, um wen es sich beim Opfer handeln muss, schnell war auch bekannt, dass es sich dabei um einen Jugendlichen mit türkischem Migrationshintergrund handelt. Zu guter Letzt äusserte sich auch noch die (eine vermeintliche) Mutter zum Verantwortungsbewusstseins ihres Jungen und verlangte von den Diskussionsteilnehmern in einem Beitrag mehr Respekt vor dem Verstorbenen:

„An ALLE die unhöflich und dem Sterbenden null Respekt zeigen. Wir als Familie von XXX (Fahrer) kennen unseren Sohn ausreichend um zu wissen, dass unser Sohn Verantwortungsbewusst ist. Unser Leid ist gross und ALLEN die nicht wissen, wie man dem Tod begegnet, seid still und schweigt, der Tod ist euch nicht fern. XXX hat den Tod nicht verdient, hört bitte auf. Wir trauern um einen Engel…

Es liegt mir fern in irgendeiner Weise von dieser Leichenfledderei zu profitieren. Aber wer auch immer die Kommentarspalte der BAZ betreut ist entweder dieses Wochenende im Kofferraum des Verunfallten mitgefahren oder aber er oder sie hat sämtliche ethischen und moralischen Codes vergessen. Es ist beinahe unerträglich mit anzusehen, wie sich User derzeit über einen jungen, toten Menschen hermachen, der aus einer Dummheit sein Leben gelassen hat, wenn auch glücklicherweise nur sein eigenes. Das ist mit Abstand das niederste Stück Web 2.0, das je auf einer Schweizer News-Website statt gefunden hat. Ich bin zutiefst enttäuscht, ich kann es nicht anders ausdrücken, dass so etwas seit über 24 Stunden online steht und keine Sau etwas dagegen unternimmt. Diese Kommentarspalte verstösst gegen alles, was auch nur im Geringsten mit Würde und Anstand zu tun hat. Es sind dies die grauenhaften Seiten von Web 2.0.

Rettet das Bund!

Was macht eigentlich…

 

Der Bund?

 

Vor ein paar Monaten haben wir darauf hingewiesen, dass sich für die Berner Tageszeitung „Der Bund“ ein Unterstützungskomitee gefunden hat. Dieses will verhindern, dass die TA-Media (im Sinne einer Sparübung) den Bund mit der Berner Zeitung fusioniert, oder die Redaktion gar auf einen Berner Tages-Anzeiger-Split reduziert.

 

Gestern nun nahmen Bund und Neue Zürcher Zeitung in einer orchestrierten (jaha, o-r-c-h-e-s-t-r-i-e-r-t, klingt zwar doof, ist aber so) Aktion dazu Stellung. 

Das Unterstützungskomitee, eine raffinierte Erfindung des Berner PR-Mannes Mark Balsiger, verzeichne derzeit bereits über 8000 Mitglieder. Ein Umstand, den beide Zeitungen dazu veranlasst von einer “ überwältigenden Solidaritätswelle“ zu sprechen. Plakate mit „Der Bond Bund stirbt nie“ sollen die breit abgestütze Solidarität einer grösseren Öffentlichkeit kund tun. (Bund – Bond, diese Alliteration ist genial, besonders da Bund und Bond inhaltlich soviel gemein haben: Frauen, Autos, Lizenz zum Töten).

 

Das Komitee, so heisst es weiter sybillinisch, sondiere laut NZZ derzeit in verschiedene Richtungen. Gleichzeitig wirbt aber Medienguru Roger Blum, Mitglied des Unterstützungskomitee, in der NZZ für eine Kooperation mit dem Tages Anzeiger. Dies sei „vielleicht das letzte Mal die Chance„, so Blum „den Bund in eine grössere Zeitung einzubetten„.

 

Entweder habe ich die Statuten dieses Unterstützungskomitees nicht richtig verstanden, oder aber Ex TA-Mitarbeiter Blum ist ein klassischer Saboteur.

 

Bereits im Dezember hat die Berner Stadtregierung der TA-Media schriftlich mitgeteilt, dass sie die geplante Re-Organisation der Redaktion für Blödsinn halte.

 

 

Vielleicht würde es Sinn machen, wenn das Komitee seine Aktionen etwas orchestrieren würde..