Schlagwort-Archive: Reaktion

Wirtschaftskrise+Sparmassnahmen=Preiserhöhung

In den letzten Tagen war es an der journalistischen Front vergleichsweise ruhig. Dafür kommt´s nun um so dicker. Den Anfang machte NZZ-CEO A.P. Stähli mit seiner Ankündigung, man wolle die Abopreise erhöhen und in Sachen Internet zumindest teilweise von „free“ auf „paid“ wechseln. Einerseits muss man vor dieser Entscheidung den Hut ziehen, schliesslich haben wir in den letzten Wochen zur Genüge miterlebt, wie es ist, wenn das Management aus Renditegründen (oder roten Zahlen / siehe NZZ) auf Kosten des Personals spart. Im Falle der NZZ muss jetzt also zuerst einmal der Leser bluten. Soweit ich mich erinnern kann ist das in der aktuellen „es muss noch billiger produziert werden“-Phase ein Novum (Der Bund sei hier ausgenommen, denn dabei handelt es nach dem Zusammenschluss mit dem Tages Anzeiger um eine „neue“ Zeitung, zudem war der Bund vergleichsweise billig). Man darf gespannt sein, wie die Abonnenten auf diese Erhöhung reagieren werden.

Für eine Qualitätszeitung ist dies derzeit aber leider einer der wenigen gangbaren Wege aus der aktuellen Krise. Entweder das, oder man definiert das Redaktionsstatut neu. Eine Massnahme, zu der sich auch der Tages Anzeiger früher oder später genötigt sehen wird, auch wenn mir Jean-Martin Büttner hier widersprechen würde.

Die NZZ ist übrigens nicht die einzige, die etwas gar laut über etwaige Preiserhöhungen nachdenkt. Auch die SRG plant derlei, behauptet zumindest die Weltwoche. Während die NZZ selbständig entscheiden kann, hat der Bundesrat bei der SRG das letzte Wort. Und es dauerte keine 12 Stunden (!), da mischte sich auch schon die SVP ein. Allerdings wäre bei dieser These durchaus Vorsicht angebracht. Die WW hat sich in den letzten Wochen geradezu auf Armin Walpen und die SRG eingeschossen. Sätze wie:

Tatsache ist: Generaldirektor Walpen will die Radio- und TV-Gebühren um fünf Prozent erhöhen. So steht es im Finanzierungsplan, den er am 22. Juni in den SRG-Verwaltungsrat bringen wird.

Klingen zwar plakativ und logisch, entsprechen aber selten der Wahrheit. Walpen ist zwar auch nur ein Mensch, allerdings kein kompletter Vollidiot.

Medien-Fusion – Wie die Romands reagieren

Alors, ce sera demain la Tribune de Zurich? 24 Stunden?

Das mag jetzt zwar lustig klingen und sicher, etwas Galgenhumor kann nicht schaden. Doch die Gelassenheit, mit welcher die westschweizer Zeitungen auf die Übernahme der Edipresse durch die TA-Media reagieren, erstaunt mich doch etwas.

L’expérience du groupe Ringier le montre. L’Hebdo ou L’Illustré sont conçus à Lausanne, pas à Zurich, et c’est à cette connaissance de leur public et de leur région qu’ils doivent leur succès„. Schreibt der Le Temps. Ausgerechnet. Die Zeitung gehört selbst zu über 44% bereits zu Ringier. 44,7% hält Edipresse.

L’avenir des médias s’y joue, face à des concurrences que les frontières cantonales font rire.“ Noch können die Romands lachen.. Analog etwa der Le Matin: „Peur de Zurich?“, nö, aber nicht in Lausanne.Wesentlich kleinlauter die übrigen Edipresse-Produkte wie Tribune und 24 Heures. Dort bettelt man lediglich um den Erhalt der Eigenständigkeit.

Für die kleinen Zeitungen wie Liberté und Courrier wird sich ohnehin nichts ändern. Sie mussten sich immer schon gegen Übermächtige Gegner behaupten. Das zeigt sich auch in den Kommentaren.  Übler als es ist, so denken die Romands, kann es ohnehin nicht mehr werden. Würden sie täglich Newsnetz gestalten und solche Artikel schreiben, sähen sie es wohl etwas anders.

Habe die Ehre.