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Medialer Meilismus

Der Aktenvernichter ist wieder in der Schweiz. Der Sonntagsblick begrüsste den adretten Herrn mit Seesack und Sonnenbrille gleich mal am Flughafen, Telezüri begleitete den US-amerikanischen Doppelbürger anschliessend zu Schawinskis Radio 1, Newsnetz lud zum Interview, Blick zum Portrait.

Dabei erzählt der Post-UBSler allen die gleiche Story: Ich habe zu Recht gehandelt, ich bin nicht so böse wie alle meinen und ich hätte gerne wieder eine Arbeit. Die Medien verwursteln Meilis Aussagen anschliessend zu: Er denkt er hätte zu Recht gehandelt, nun hasst er Amerika wie er einst die Schweiz gehasst hat und dieser Mann findet nie wieder Arbeit, denn das Böse klebt an ihm wie einst das Pech an Hexen.

Drängt sich diese Frage nur mir auf, oder warum lässt sich dieser Mann so zerfleischen? Am Geld alleine kann’s nicht liegen. Meili hat keine Exklusivverträge abgeschlossen. Einen neuen Job wird er so auch nicht finden. Von Rache oder gar Rehabilitation kann nach dieser Erniedrigungstour sowieso keine Rede mehr sein. Was also soll dieser mediale Meilismus?

Kollegenschelte Teil II

Nicht nur bei Ringier wird mediale Selbstreferentialität derzeit gross geschrieben. Auch die Berner Zeitung kommentiert gerne, was die Konkurrenz so treibt. Pflichtbewusst wird die Meldung dann von Newsnetz aufgenommen und an alle angeschlossenen Medien verteilt.

Es ist ein alter Hut, dass sich SRG-Boss Armin Walpen und Medienguru Roger „Icordo“ Schawinski nicht ausstehen können. Walpen besitzt die Seele einer Mimose, Schawinski das überblähte Ego eines römischen Imperators. Wenn der Streit erstmal vom Zaune gebrochen ist, fallen beide in das mentale Stadium eines Zehnjährigen zurück.

Vergangenes Wochenende kanzelte Walpen Schawinskis Alter mit „jenseits der biologischen Grenze“ ab, worauf Schawinski per Blog mit folgenden Sätzen konterte: „Für einen lebenslangen Apparatschik ist die drohende Pensionierung mehr als nur der Beginn der Bedeutungslosigkeit.“

Da streiten sich also zwei mehr oder weniger mächtige und schon etwas betagtere Herren auf erbärmlichem Niveau und unterhalten mit ihrem Gehabe eine  neidische, betagte und nostalgische Elite. Schön, dass David Vonplon die hämische Randnotiz der Berner Zeitung gleich zu einer ganzen Story aufgeblasen hat. Das ist Journalismus der hohen Schule.