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DKDW: Dümmer geht’s immer

Zugegeben, in den Medien kommt einiges an Blödsinn zusammen. Manchmal aber erscheinen Geschichten, die so doof sind, dass ein einfaches Kopfschütteln nicht mehr reicht. Aus diesem Grunde habe ich mich entschieden den DKDW-Award einzuführen. Nein, nicht Den-Kaufhaus-Des-Westens-Award. Den «Dummkopf der Woche»- Award. Und diese Woche gewinnt..:

punkt-ch

Herzliche Gratulation. Und der Sieg gelang dank folgender Geschichte:

Zürcher Bond-Girl

Zürcherin darf im neuen Bond-Film einen Satz sagen.

Gut, vielleicht geht es nur mir so, aber ich empfinde bereits die Schlagzeile als Beleidigung der journalistischen Sorgfaltspflicht. Nur damit wir uns richtig verstehen. Um auf die Titelseite einer nationalen Gratiszeitung zu kommen, reicht es, wenn man in einem internationalen Kinostreifen, in dem ein Schweizer eine Hauptrolle spielt, einen einzigen Satz sprechen darf. Das verleitet mich zu folgendem Gedanken:
In der Schweiz muss es von Stars nur so wimmeln. Denken wir nur an all die Bondfilme zurück, die teilweise in der Schweiz spielten und in denen halb Gstaad eine Rolle bekam. Die Schweiz – ein Mekka unentdeckter Shootingstars.

Ein Satz, Ein FilmNoch besser wird die Geschichte auf Seite 20, im Textteil. Wäre ich besagte Schauspielerin, ich würde Punkt CH wegen Beleidigung und Rufschädigung einklagen. Aber vielleicht täusche ich mich auch und Filmlinge verfügen im Normalfall tatsächlich über einen IQ unter 20, lesen Interviewtexte nicht gegen und lassen Journalistinnen und Journalisten jeden Stuss schreiben, den sie wollen.
Wir erinnern uns, Fräulein Schauspielerin aus Zürich, darf im neuen Bond-Film einen Satz sagen. Für diese Meisterleistung war Madame ganze Sechs Tage am Set in Bregenz. Aber da dieser eine Satz ja sitzen muss, wie wenn er von Leonardo da Vinci in Stein gemeisselt worden wäre, musste sie sicherlich 12 Tage im Voraus dafür üben. Schliesslich singt im Hintergrund noch jemand und 1500 Statisten beobachten einem. Da will man sich als richtige Zürcherin keine Blösse geben.

Natürlich, so doof sind wir alle nicht, dass wir nicht wüssten, dass es an einem Set ganz anders zu und her geht, als uns dieser Text erzählt. Fräulein Superstar aus Zürich ist ziemlich sicher nur halb so Dumm, wie uns dieser Text glauben machen will. Einsätze an Filmsets sind unberechenbar. Teilweise dauern Einstellungen Stunden, gar Tage. Dann wiederum geht alles ganz schnell. Es ist praktisch unmöglich zu sagen, wann der geplante Auftritt eines Statisten stattfindet. Kommt noch dazu, dass das Meiste sowieso wieder rausgeschnitten wird. Verhaut man als Nebendarsteller durch Satzfehler oder verpatzte Einsätze die ganze Szene, wird man von allen angeknurrt und angerempelt. Das Filmbusiness ist enorm frustrierend. Jeder der einmal ein Set besucht hat, weiss das. Schafft es jemand seinen notabene einzigen Satz in die Endfassung zu „retten“, dann ist das tatsächlich eine Titelgeschichte wert. Nur würde die Story dann etwas anders lauten und, als Detail am Rande, Fräulein Schauspielerin aus Zürich nicht ganz so dumm dastehen, wie sie das, Punkt CH sei dank, nun tut.

Mediensünden der Woche

Die Aargauer Zeitung zockt ihre Leser ab und verlangt neuerdings 90 Rappen pro Anruf. Die Journalisten beim Blick am Abend haben offensichtlich Mühe mit Worten und Quellen und Punkt CH bombt die Börse in die Steinzeit zurück – oder so ähnlich. Die Böcke der Woche:

1. Platz: Aargauer Zeitung

90 Rappen pro Anruf

Der Zeitung mit Sitz in Baden muss es wahrlich schlecht gehen. Inserateschwund, teurer neuer Chefredakteur, teure Qualitätsjournalisten, was weiss ich. Wenn Geld fehlt, dann holt man es sich halt bei der eigenen Leserschaft zurück. Neuerdings verkündet die AZ auf der Titelseite, dass sich die Leser per Telefon an einer TED-Abstimmung zur Regionalpolitik beteiligen sollen. (für was gibt es eigentlich das Internet?) Die Abstimmung liefert der Zeitung zwar Material für einen weiteren Artikel. Allerdings mit Konsequenzen für den Leser. ein Anruf kostet radikale 90 Rappen.

2. Platz: Blick am Abend

Vom Tagesspiegel zur ZEIT

Im Tagesspiegel trompete Ökonom Hans-Werner Sinn etwas sinnfrei, die Bankmanager seien die neuen Juden. Der Zentralrat empörte sich und forderte per Neuer Ruhr Zeitung eine Entschuldigung. Die kam prompt per offenem Brief, den u.a. die FAZ veröffentlichte. Was DIE ZEIT damit zu tun hat, wissen nur die Qualitätsjournalisten beim Blick am Abend. Oder anders gesagt: Hauptsache Deutschland, ist ja eh alles das Gleiche.

3. Platz: .CH

Von der Wallstreet in die Steinzeit

Die mit Abstand dümmste Titelschlagzeile der Woche. Was will uns dieser Text eigentlich sagen? Was genau hat die Steinzeit mit der Börse zu tun? Ausser, dass es in der Steinzeit keine Börse gab, sehe ich keine Konnotation. Und da sind wir uns einig, der Kurs ist zwar volatil mit Abwärtstrend, aufgelöst hat sich die Börse deswegen noch lange nicht.

4. Platz: Blick am Abend

Wenn ganze Verben im Lead fehlen..

Es ist derzeit zwar Mode in Artikeln ganze Worte wegzulassen. Passiert sowas aber im Lead, dann waren wohl sowohl Korrektoren, als auch Produzent und Journalist gleichzeitig krank. Wer will schon Artikel lesen, die bereits in der Einleitung keinen Sinn machen?

P.s.: Dass 20 Minuten nicht vorkommt heisst nicht, dass die Ausgaben diese Woche besonders gut waren. Ich konnte mich einfach nicht überwinden, mehr als die Comic-Seite zu lesen. Und die war einwandfrei.