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Dumb and dumber

Fernsehen macht dumm –  und tot, sagt mir heute Newsnetz. Eigentlich müssten wir alle schon längst tot sein, zumindest dann, wenn man in seinem Leben schon total 10 Stunden fern gesehen hat.

Ich bin ein lebender Toter. 10 Stunden schaff ich locker in einer Woche. So lese ich heute:

In den folgenden sechseinhalb Jahren steigerte jede täglich vor dem Fernsehgerät verbrachte Stunde die generelle Sterblichkeit um elf Prozent. Die Gefahr, einer Herzkreislauf-Erkrankung zu erliegen, stieg sogar um 18 Prozent. Selbst die Krebsmortalität nahm zu, allerdings nur um neun Prozent.

Jede Stunde steigert also die Sterblichkeit um elf Prozent, bei Herzkreislauf-Erkrankung sind es sogar 18.

Ich bin ein medizinisches Wunder! Her mit dem Nobelpreis! Her mit dem Ruhm! Ich stelle meinen noch lebenden Körper der Forschung zur Verfügung. Gegen ein Bescheidenes Entgelt von 1 Mio £ die Stunde, täglich, versteht sich.

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Ein Tisch mit drei Beinen

 Newsnetz: der schnellste Qualitätsjournalismus im Netz.

 Diese Formulierung lässt mich immer wieder leer schlucken. Was ist Qualität? Ist Schnelligkeit nicht per se ein Wort, das dem Ausdruck „Qualität“ eher schadet als nützt?

Gerne würde ich den Verbund von Tages-Anzeiger, Basler-, Berner Zeitung und Bund beim Wort nehmen. Wenn ich aber bereits morgens um 0830 Uhr Artikel lese, die mich schon im Vorspann ärgern, dann frage ich mich:

Werden Journalisten heute noch brauchbar ausgebildet? Was ist Journalisten heute wichtig? Welche Vorbilder haben Journalisten noch ausser sich selbst? Und was wollen sie mit ihren Geschichten bei ihren Lesern erreichen? Stellen sich Journalisten diese Fragen überhaupt noch, was ist ihr Selbstverständnis?

Manchmal habe ich das Gefühl, viele Journalisten betrachten ihren Job als einfachen Bürojob, in dem Fehler, Objektivität, saubere Recherche, Ausgewogenheit, Quellenüberprüfung und brauchbares Deutsch keine Rolle mehr spielen.

Dem ist aber nicht so. Journalist zu sein bedeutet auch 2010 nicht, einen „Bürojob“ zu haben. Genau so wie K(C)arl Hirschmann eine gesellschaftliche Vorbildfunktion hat (die er vorzüglich nutzt um sowohl seine eigene Reputation wie auch die seiner Freunde in die unterste Schublade zu verfrachten), haben auch Journalisten eine Vorbildfunktion. Sie geben vor, was im Gedächtnis der Gesellschaft haften bleibt – und damit auch; wie es haften bleibt. Es ist ein toller Job, beneidenswert und begehrt. Journalist zu sein ist ein Privileg – auch im Jahre 2010.

Was aber sollen Lehrer ihren Schülern sagen, was Dozenten ihren Studenten, was Lehrmeister ihren Lehrlingen, wenn Qualitätsjournalisten Sachen schreiben wie:

Die BVB wollen ihren CO2 weiter reduzieren. Nun sollen verschiedene Bustypen getestet werden. In der Diskussion sind Biogas- und Hybridantriebe als Nachfolger für über vierzig Gelenkbusse.

oder

Die amerikanische Notenbank Fed sorgt sich zunehmend um den Arbeitsmarkt in den USA, weil keine Erholung in Sicht ist. Nicht die einzige Baustelle.

Wenn ein Schüler seinem Lehrer sagt, Sätze wie: „Meine Mutter macht Apfel“, seien korrekt, in der Zeitung stehe das auch so, dann hat er recht. Wenn ein Student seinem Dozenten sagt: (..) erhöht die Infektionsgefahr. Nicht das einzige Problem. Das sei korrekt, in der Zeitung stehe das auch so, dann hat er recht. Wenn ein Schreinerlehrling einen Tisch mit drei Beinen fabriziert, der wackelt wenn man einen Teller drauf stellt, dann hat er recht. Bei Newsnetz ist das auch so.

Sicher: Es ist schön, dass Newsnetz die Texte im Verlauf des Tages korrigiert. Da ich die Texte in der Regel aber nicht zwei Mal lese, bringt mir das herzlich wenig.

So Long High Knee

Sprache und Schreiben wären allem für sich eine tolle Sache. Journalisten neigen allerdings dazu, ihren Lesern manchmal etwas gar gewagte Konstellationen zu präsentieren. Meistens nimmt man das schulterzuckend hin. In diesem Fall aber machen wir eine Ausnahme.

Jane Fonda verabschiedet sich von ihrem Knie

Allerdings nicht ohne vorher mit ihrem Knie zu dinieren und eine Oper am Broadway zu besuchen. Ganz nach dem Motto: wenn der Text schon dämlich ist, dann darf es auch der Titel sein. A propos Text. Man lese selber:

In einem scherzhaften Eintrag unter dem Titel «So Long Old Knee» – Mach’s gut, altes Knie – schrieb Fonda, dass ihr linkes Kniegelenk herausgesägt werde und an seiner Stelle ein Titanstab und ein Keramikgelenk eingepasst würden.
Ihr altes Knie bezeichnete die 71-Jährige als stark und verlässlich. Es habe sie auf viele Berge und über raues Gelände getragen. Und sie erinnerte sich an ihren früheren Ehemann Roger Vadim, der gerne ihre Knie geküsst habe.
Jane Fonda, zweifache Oscar-Preisträgerin und frühere Aktivistin gegen den Vietnamkrieg, galt in den letzten Jahren dank zahlreicher Aerobic-Videos als Fitness-Queen. Sie spielt nach wie vor in Filmen mit und wirbt für L’Oréal

Und so ganz nebenbei: who cares?

Ein ipod toch für 90 Rappen!!!

Hier noch ein kleines Beispiel, wie man ungewollt Werbung für eine miese Sache macht. Wer immer diese Geschichte liest, sollte bedenken: So etwas wie „Wohltäter“ die Sachen „gratis verschenken“ gibt es nicht. Zumindest nicht, wenn das Umsatzziel „Profit“ heisst.

Es kann also nicht sein, dass man hier einen iPod für 0.94 CHFr. bekommt. Ich habe mir die Seite von Psychoauction gestern kurz angesehen. Die Angebote werden im Schnitt alle 30 Sekunden um ein paar Rappen erhöht. Wenn man bedenkt, dass jeder Bieter einen kleinen Betrag pro Gebot bezahlen muss, läppert sich da schnell was zusammen.

Als Beispiel: Das Angebot startete bei 0.10 CHFr. Ein Gebot kostet beispielsweise 1 CHFr, erhöht wird in 0.10 CHFr-Schritten. Gestern Abend waren wir bereits bei über 30 Franken, das mach alleine 300 CHFr Einnahmen an Gebühren. Von „Wohltäter“ oder gar „Genie“ zu sprechen, wäre bei Psychoauction also fehl am Platz. Die Plattform ist nichts weiter als ein getarntes Schnäppchen um Leuten mit falschen Versprechen Geld aus der Tasche zu ziehen.

Bietet jemand nur für einen einzigen Gegenstand und anschliessend nie wieder, mag die Rechnung aufgehen. Doch bereits bei zwei laufenden Geboten dürfte die Rechnung anders aussehen. Dass Newsnetz diesen Sachverhalt nicht auch so kommuniziert, statt dessen aber in bedingungslose Lobhudelei für eine unglaublich karitative Geschäftsidee abdriftet, musste eigentlich bestraft werden.

Abteilung: Fehler und Floskeln

Eigentlich wäre diese Medien-Geschichte ja ganz spannend. Mit ein paar zusätzlichen Korrekturen wäre sie auch verständlich.

Warum haben Sie mit Letizia über Kandidaten diskutiert, obwohl er nicht einmal ein Mitglied des PdL (Volk der Freiheit) ist?

Siiii – är? Non capisco niente.

Ist Noemi Berlusconis Geliebte oder gar dessen Tochter, wie italienische Medien mutmassen? Silvio Berlusconi.

Hai finito.

Pandemie Pokal für Newsnetz

Schon seit einigen Tagen weisen wir hier daraufhin, dass ein Schwein Journalisten in Schwierigkeiten bringen kann. Und eine ganze Schweinegruppe verhindert offensichtlich eine korrekte und genaue Berichterstattung.
Wir hätten uns gewünscht, hier etwas mehr zu erfahren. Entweder war das einfach nur ein Sau guter Einstige in eine ansonst geheime Geschichte, oder wir alle haben schlicht nur Schwein gehabt, dass wir nicht zu den armen Schweinen gehören, die betroffen sind und darum auch nicht mehr wissen dürfen. Denn die Zahl der Kerry F-Fans stieg gestern spekalutiv zuerst auf 24, nur um sich anschliessend in Newsnetz praktisch zu verdoppeln.

Aus aktuellem Anlass haben wir darum beschlossen, Newsnetz Postum den Panik-Preis des Monats April zu verleihen, den so genannten Pandemie-Pokal, gestiftet mit freundlicher Unterstützung von Saddam Hussein George Bush. Kein anderes Medium machte auf derart faire Weise transparent, wie man die Stimmung anheizt.

Gestern Abend hiess es noch:

Schweinegrippe: Pandemie steht unmittelbar bevor

Etwas später wurde aus dem Titel ein dem Text eher entsprechendes:

Schweinegrippe: Pandemie rückt näher

Wie Jubaira die Medien kontrolliert

Jubaira, „das Huhn“ Bachmann ist das, was man gemeinhin eine Schönwetter-Tusse nennt. Zudem beherrscht sie es perfekt, die Medien zu ihren Zwecken zu instrumentalisieren. Denn neu besitzt die Schweiz offenbar sogar zwei eigene Musiksender. Nebst VIVA Schweiz jetzt neu auch MTV Schweiz. Eine Riesensensation und eine wirklich pompöse Bereicherung für die Schweizer TV-Landschaft, glaubt man dem ich-kriech-dir-mal-in-den-Arsch-Interview von Newsnetz.

Bereits im Februar haben wir hier auf Folgendes hingewiesen:

Ein mediales Erdbeben sieht anders aus, zugegeben. Schliesslich arbeiten auch nur noch etwa vier Nasen für den TV-Sender Viva Schweiz. Aber für diese vier Angestellten und für sämtliche Realschüler der Schweiz, dürfte die Ankündigung grosse Konsequenzen haben. Viva Schweiz wird zum Kindersender mutieren und ab April erst ab 20.15Uhr ein eigenes Programm senden, schrieb die SoZ gestern. Das bedeutet: eigene Formate wie “Swissmat” (19oo) oder “Swiss Space” (1930), die wenigstens annähernd so etwas wie eine Plattform für den schweizer Mainstream waren, verschieben sich entweder deutlich nach hinten oder fallen gleich ganz weg. Wenn man bedenkt, dass ab 2255 sowieso Quizspiele gesendet werden, wird Viva dereinst noch mit genau 2h 40min Sendezeit ausgestattet. Da wird sich die Schweizer Musikszene aber mächtig freuen.

Das ist auch heute, nach dem „gloriosen“ und „glamourösen“ Start gestern in Schlieren (ja, genau, das Glamour Ghetto-Schlieren vor den Toren von Gloria-Zürich) so. Eigentlich handelt es sich beim Start von MTV Schweiz also um eine verkappte Reduktion, um einen Personalabbau im eigentlichen Sinne und um eine Beschneidung der Plattform der Schweizer Musikszene. Da kann auch die neue Mini-Sendung (aka Schweiz-Fenster) auf MTV nix drann ändern. Ich staune, nein eigentlich kotze ich ab der Tatsache, dass Newsnetz Jubaira dafür auch noch feiert. Eigentlich müssten die Emo-Lovebugs, Pion-Stress und Ländler-Bligg in Ghetto-Schlieren längst vor den Toren von VIVA-Schweiz MTV des gemieteten Sendestudios demonstrieren.

Da es bis jetzt noch niemand getan hat, sag ich es halt: Jubaira, ich mag dich nicht. Weder deine Art dich selbst zu feiern, noch deine Fähigkeit dummen Journalisten den Inhalt zu diktieren. Nur weil du es immer und immer wieder probierst, heisst das nicht, dass dir alle glauben.