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Kritik: das rare Gut

Der Biometrische Pass teilt die Schweiz. Und zwar ziemlich genau in der Mitte. Im Kanton Glarus fiel die Entscheidung mit gerade mal fünf Stimmen unterschied. Für einmal gilt tatsächlich: Jede einzelne Stimme hätte gezählt. Alle zu Hause gebliebenen müssen sich deshalb den Vorwurf gefallen lassen, dass sie dieses Resultat deutlich mit verschuldet haben. Ein Zürcher Agglobezirk alleine hätte ausgereicht, um die Zahl zu drehen.

Fakt ist: der biometrische Pass beschäftigt die Schweiz. Auch in Blogs wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass die Informationsleistung seitens Medien und Bund mehr als mangelhaft war. Das Resultat ist daher auch als „Chaos“ zu deuten. Eine klare Meinungsbildung war für viele Menschen schlicht weg zu aufwändig. Kaum einer wusste, welche Regeln Schengen vorschreibt, was der biometrische Pass eigentlich für Daten speichert und welche Möglichkeiten diese Datenspeicherung bietet, bieten darf und nicht bieten kann. Spätestens heute wäre es darum an den Medien gewesen, Bund und Parlament für die Desinformationspolitik, der die Journalisten teilweise selbst unterlagen, zu rügen. Ausser der NZZ und der Aargauer Zeitung, die deutlich darauf hinweisen, tut das in der Deutschschweiz aber niemand. Alleine die Romandie protesiert mit Le Temps, Tribune, 24 Heures und Liberté geschlossen. Was also ist mit der kritischen Medienberichterstattung in der Deutschschweiz geschehen?

Am deutlichsten wird die Misere ausgerechnet beim Blick. Die Zeitung, die sich einst für „die Anliegen und Bedürfnisse der kleinen Leute“ einsetzte, erwähnt die Abstimmung auf der Titelseite mit keinem Wort. Stattdessen rollt die Boulevardzeitung eine Geschichte auf, die bereits Anfang letzter Woche in der Romandie erschien und in verschiedenen Deutschschweizer Blogs bereits für heftige Diskussionen sorgte. Ohne neue Informationen, ohne zusätzliche Inhalte oder Service. Es ist einfach nur ein billig abgekupferter Inhalt einer tragischen Geschichte, die zeigt, wie schlecht und unsorgfältig Initiativ-Texte manchmal durchdacht sind (was im Text aber leider nicht erwähnt wird).

Die Aktualität findet sich dann übrigens auf Seite 11. Klein, unwichtig und kaum beachtenswert. Genau so unreflektiert und undurchdacht übrigens wie mancher Initiativtext.

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Idiot des Tages: UBS

Langsam aber sicher geht mir die UBS-Polemik auf den Senkel. Und damit auch alle beteiligten.

Allen voran die Herren Hans-Rudolf Merz, Peter Kurrer, Marcel Ospel, Marcel Rohner sowie die ganze FINMA-Crew. Während Merz gestern an der Pressekonferenz sichtlich bemüht war, die Wogen zu glätten, weinten Kurrer und Rohner ihr bedauern in die Kamera. Logisch, sie stehen ja auch beim Schweizer Bürger mit 6 Milliarden in der Kreide. Da kann etwas Weinen nicht schaden. Die UBS darf übrigens gerne auch weiterhin Steuerflüchtlingen (wie z.B. Mobutu Sese Sekos Familie, Kabilas Cousine oder Mugabes Tochter, die allesamt noch auf dem Markt zu haben wären) in Hongkong oder Singapur Asyl gewähren. Aber dann soll sie dies alleine tun und nicht mit meiner finanziellen Unterstützung.

Während sowohl die Deutsche wie auch die Schweizer Qualitätspresse bereits den Niedergang des SchweizerBankengeheimnisses besingen, hätte ich gerne eine Aufarbeitung der Ereignisse und eine erneute Überprüfung der Vergabekonditionen des Milliardenkredites an die UBS. Es kann nicht sein, dass der Schweizer Bürger indirekt mit seinen Steuern die kriminellen Machenschaften eines globalen Unternehmens begleicht. Und, ich hätte gerne erläutert, inwiefern die Geschäftsentscheide der folgenden Herren für die jetzige Situation mitverantwortlich sind.

Peter Wuffli

Marcel Ospel

Und anschliessend hätte ich noch gerne ausserordentliche Gesamterneuerungswahlen im Bundesrat. Und die Abwahl von Hans-Rudolf Merz. Dieser inkompetente Hallodri. Und dann noch Weltfrieden. Und eine Reise zum Mars.

Schweizer Zeitungen: „UBS – Der Donnerschlag“

Für einmal macht Zeitunglesen richtig Spass. Die Reaktionen zum Milliardenhilfspaket des Bundes, kurz auf den Punkt gebracht:

„Es ist ein eigentlicher Donnerschlag.“

Reaktion der NZZ (S.19) zum Hilfspaket

„Das im Dringlichkeitsrecht verabschiedete Paket folgt der Devise Klotzen statt Kleckern.“

Gleiche Zeitung (S.19) zur Dimension der Hilfe

„Les banquiers ont perdu de leur superbe depuis qu’ils se savent mortels.“

Die Finanzkrise für Philosophen in der La Liberté (S.3)

„Den Preis des Vertrauens kennt keiner.“

Basler Zeitung (S.2) dazu, ob 68 Milliarden Franken reichen.

„Der 16. Oktober 2008 geht in die Schweizer Geschichte ein. Ob dies gut oder schlecht ist, wird die Zukunft zeigen.“

Die Aargauer Zeitung demonstriert auf dem Titel einmal mehr, dass sie eigentlich keine Ahnung hat, um was es geht.

„La Suisse, derechef, a abandonné son statut autoproclamé d’île trainquille au milieu de la tempête.“

Der Lausanner 24 heures (Titel) zum Donnerschlag (NZZ).

„La tempête sera longue et elle fera mal.“

Das schmerzt schon beim Lesen. Gleiche Zeitung zur Finanzkrise (S.3)

„Jetzt musste einer der Vertreter der freien Marktwirtschaft in Bern zu Kreuze kriechen. Und um unser Geld betteln.“

Blick über UBS-Chef Kurer (S.3)

„Jetzt musste er auf jene Grossherzigkeit hoffen, die er vor sieben Jahren vermissen liess“.

Blick über Kurer, der vor sieben Jahren der Swissair den Geldhahn zudrehte (S.3)

„Der Sündenfall“

Der Bund im Titel des Leitartikels über Kurers Kniefall (Blick)

„Die Kröte ist enorm dick. Etwas Schluckhilfe bieten wenigstens einige Bedingungen des Deals“.

Gleiche Zeitung (Leitartikel) über die Dimension des Hilfspaketes

„Weiss ihre Ex-Partei eigentlich, welche Perle sie da ausgestossen hat?“

Aargauer Zeitung zur Finanzministerin ad interim

„Die ungewohnte Zurückhaltung und der positive Quartalsausweise der UBS führten zu Fehlschlüssen in den Medien, der Finanzplatz Schweiz sei womöglich einer der Gewinner der Finanzkrise“.

Leise Kritik der NZZ an den Kommunikationsfähigkeiten des Bundesrates und der UBS-Spitze (S.13)

„Der Bundesrat zeigt in einem historschen Augenblick entscheidende Fähigkeiten, nämlich Augenmass, gepaart mit Reaktionsvermögen“.

Freude in der Innerschweiz. Titelkommentar der Neuen Luzerner Zeitung

„Der Staat hat deshalb seine Gesamtverantwortung wahrgenommen, um diese unsägliche Abwärtsspirale der ganzen Volkswirtschaft zu stoppen.“

Freude in Graubünden. Titelkommentar der Südostschweiz

„Die Schweiz kann schon froh sein, wenn der Schuh, den sie herausziehen wird, etwas weniger voll sein wird als derjenige der anderen“.

Freude in der Ostschweiz: Titelkommentar des St. Galler Tagblatt

Und ja, den Leitartikel des TA von Herrn Strehle hab ich nicht reingenommen. Den finde ich, kurz gesagt, zu lang – und zu langweilig. Sorry.