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Zur Hölle mit TA-Media

Für viele kam die Meldung überraschend, für uns nicht wirklich.

Leider geht der lang gehegte Wunsch der TA-Media nun in Erfüllung. Mit der Übernahme von Edipresse streckt der Zürcher Verlag seinen Fühler bis weit über die französische Grenze. Sollte die WEKO dereinst die Übernahme absegnen, entsteht ein Print-Monopol das von Genf bis weit ins Mittelland hineinreicht. Das sind Zustände wie wir sie aus China oder Russland kennen. Nur damit klar ist, von welchen Dimensionen wir hier sprechen. Die TA-Media übernimmt dereinst u.a.:

  • Le Matin (die mit Abstand beste Boulevardzeitung der Schweiz derzeit)
  • Tribune de Geneve
  • 24 Heures
  • Le Temps (Teilbeteiligung) (Die mit Abstand beste Qualitätszeitung der Schweiz derzeit)

Im Internet betrifft dies zudem u.a.:

  • Swissfriends
  • Homegate (Teilbeteiligung)

Zugegeben, das Ganze ging etwas gar schnell. Und ich habe fest damit gerechnet, dass die BAZ-Bastion vor Edipresse fällt. Für das Endergebnis aber ist die Reihenfolge nicht ausschlaggebend. In der Schweiz entsteht ein zweiter Monopolist, der in Dimension Volumen und Macht der SRG ohne Probleme das Wasser reichen kann. Nur, dass der Staat hier nicht regulierend eingreifen kann. Der Umstand, dass die TA-Media lediglich das Inlandgeschaft der Edipresse schluckt, ist leider ein weiterer geschickter Schachzug, zu dem man den Medienmanagern zähneknirschend gratulieren muss.

Übrigens, das ist meine neue Mail-Signatur:

Dose E.S.K
Medienprophetor
Konsumiere Medien mit Verstand 127
8000 Boykottiert 20min
CH-Boykottiert Newsnetz
DoseESK@gotohelltamedia.ch

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Soll der Staat die Printmedien retten?

Wir quacken ja an dieser Stelle gerne mal über die kommende Fastenzeit in der Schweizer Medienbranche. Wir sind allerdings nicht die Einzigen. Auch Rainer Stadler, Medienredaktor der NZZ quackt etwas mit.

Zwei Sachen haben mich dabei zum Nachdenken gebracht. Da beschwört Stadler die kommende Veränderung: „Der Ausleseprozess wird schon bald den Blätterwald drastisch auslichten. Es entsteht eine andere (Medien-)Schweiz„. Aber ein NZZ-Stadler wäre kein NZZ-Stadler wenn er selbst am Rande des gähnenden Abgrunds noch schreien würde: „Wo die Not wächst, ertönt umso schneller der Ruf nach der helfenden Hand des Staats. Sie brächte allerdings kein Heil, sondern schüfe neue unerwünschte Abhängigkeiten„. Konsequent bis zum Untergang.

Das zweite was mein Gehirn angeregt hat, ist die Replik von Norbert Neininger-Schwarz. Gesundheit? Das ist der Chefredaktor und Verleger der Schaffhauser Nachrichten. Neininger-Schwarz fordert in der heutigen NZZ Staatshilfe für die Printmedien. Etwas schüchtern zwar noch, aber doch offensichtlich. „Die missliche Lage haben Politiker erkannt, und wir können damit rechnen, dass bald Förderungsmassnahmen diskutiert werden, die mit staatlicher Einflussnahme einhergehen.“ Er nennt dies: „Den Bannwald der Demokratie schützen„.

Also, nur damit mein Kopf das richtig verstanden hat: Auf der einen Seite brüllt das Volk danach die Billag abzuschaffen und die staatliche Unterstützung für die SRG zurückzufahren. Auf der anderen Seite sehen sich die kleinen Schweizer Medienverlage bereits so an die Wand gedrängt, dass sie im liberalen Flaggschiff der Schweiz nach staatlicher Unterstützung weinen, nur weil sie glauben, Information wäre ein staatstragendes Gut?

Interessante Innenansicht einer dekadenten Berufsgruppe. Zum einen, ja. Zum anderen ist das aber auch ein Problem für die gesamte Schweizer Bevölkerung. Ich kann nur noch einmal darauf hinweisen, dass die TA-Media durch die Wirtschaftskrise zur grossen Gewinnerin wird. Es entsteht mit immer grösserer Wahrscheinlichkeit ein Meinungsmonopol, dass von Zürich aus diktiert werden wird. Und das ist, Liberalismus und Staatshilfe hin oder her, kein praktikables Szenario. Weder für die Politiker noch für die Bevölkerung. Es reicht, wenn wir bereits bei Radio und TV zwei Monopolisten haben. Ich fordere keine Staatshilfe, sondern intelligenten Medienkonsum. Um 20Minuten oder NEWS zu ignorieren braucht es keinen Uni-Abschluss oder ein dickes Porte-Monnaie, sondern nur etwas Willen.

TA-Media – Dank Krise zum Monopolisten?

Nun reichts. Ich boykottiere die TA-Media.

Warum ich das fortan mache? Hier die Geschichte dazu: Heute hat mich der Bund überrascht. Mit einer Doppelseite Schwerpunkt „Medien“. Darin wird teilweise detailliert aufgelistet, welcher Verlag wie hart unter der aktuellen Wirtschaftskrise leidet und wie die Verantwortlichen reagieren – inklusive Publigroupe, die in der Schweizer Medienlandschaft eine doch relativ wichtige Rolle spielt. Das Dossier ist allerdings vorerst nur gedruckt erhältlich.

Nebst dem üblichen „Ringier auf brechendem Ast, NZZ wird neu strukturiert und Mittellandzeitung sowie BAZ von Tamedia bedroht“-Blabla findet man aber auch ein paar anregende, gar aufregende Gedanken, die zum Kotzen animieren (tschuldigung).

Publigroupe:
Die Werbe-Gruppe hält nach wie vor verschiedene Aktienanteile an Verlagen, so zum Beispiel bei der Basler Zeitung (37%!), der Südostschweiz (25%) oder der NZZ-Gruppe (25%). Da Publigroupe weltweit operiert und massive Verluste einfährt, muss sie ihre Anteile in der Schweiz verkaufen. Das ist vorerst vor allem für die BAZ ein Problem. Der Verlag könnte seine Aktien zwar zurück kaufen, aber dazu fehlt derzeit das Kapital. Die Vermutung, dass die TA-Media hier zuschlägt, ist nicht von der Hand zu weisen.

Edipresse:
Kämpft seit einiger Zeit in der Romandie mit „le matin bleu“ gegen „20minutes“. Für den Sommer hat Edipresse eine längere Erscheinungs-Pause angekündigt. Der Kampf scheint viel Geld und Energie zu kosten. Ein Deal zwischen Edipresse&Tamedia wäre für beide von Vorteil. Die Tamedia könnte damit endlich an den Genfersee vorstossen.


TA-Media:

Die angeführten Beispiele legen den Verdacht nahe: In der Schweiz wird die Wirtschaftskrise zum Türöffner für die TA-Media. Von Genf über Basel bis nach Bern.
Der Tages Anzeiger hat seit 1999 zwar 24% an Auflage eingebüsst, dies wird aber mit den Gewinnen von „20Minuten“ kompensiert. Allerdings schreibt auch „News“ rote Zahlen. Gerüchte sprechen darum von Stelleneinsparungen von bis zu 25% und einem Konzept, dass die ach so gepriesene Publikumsgunst entscheiden lässt, was beispielsweise künftig wo im Tages Anzeiger stehen soll. Sprich, entscheidend für die Neuorientierung des Tages Anzeigers wird das Prinzip „Online First“ und „Hits“ bei Newsnetz. Dasselbe gilt logischweise für die Berner Zeitung und den ganzen Rattenschwanz der Espace Media.

Das Konzept wird bei vielen ausländischen Zeitungen zwar bereits praktiziert und von diversen, selbst ernannten „modernen Journalisten“ als Zukunft gepredigt, aber davor kann nur gewarnt werden. Erstens würde der Druck weiter zunehmen, unfertige und lausig recherchierte Stories ins Netz zu jagen. Zweitens geht dieser Druck auf Kosten der Qualität und Sorgfalt. Drittens besteht die Gefahr, dass Sex&Boulevard zu „relevanten“ Tagesthemen werden, sich somit das Agenda-Setting weiter in Richtung Trivialität verschiebt. Und viertens besteht eine grosse Wahrscheinlichkeit, das Netz-User und Zeitungsleser in vielen Fällen keine homogene Rezipientenschicht darstellen. Sprich: Wer Blogs und Feeds liest, ist mit grosser Sicherheit kein Zeitungsabonnent. Diese Online-Einschaltquoten bringen so angewendet rein gar nichts und sind die abstruse Erfindung einiger Auflage-geiler Blattmacher.

Jetzt reichts! Meine Reaktion ist klar: TA-Media-Boykott. Angefangen von 20 Minuten über News zu Newsnetz. Und ich lade jeden und jede, der oder die sich gegen diese Art von faktischem Meinungsmonopol und User-dominated-Shit wehren will herzlich dazu ein, mitzumachen.