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Eine junge Qualitätszeitung für die Schweiz

Es gibt Tage an denen ich mich fürchterlich nerve, dass ich Holländer zwar mag, aber nicht verstehe.
In der Aargauer Zeitung verweist Medienredaktor Oliver Baumann heute auf eine Medienbeilage der belgischen Tageszeitung „De Morgen“, die sich mit Erfolgsmodellen im Zeitungsbusiness auseinandersetzt. Mir gefallen solche Geschichten unheimlich gut. Nicht nur weil sie zeigen, dass eine Krise auch eine Chance sein kann. Sondern eben gerade auch weil sie beweisen, dass es nie schaden kann, eigene Wege zu gehen, sich seine eigenen Gedanken zu machen und es sich lohnt mutig und unkonventionell zu sein.

Nebst den üblichen Verdächtigen wie Wall Street Journal, USA Today oder Guardian erwähnt Baumann auch einen Ableger des NRC Handelsblat, das „NRC Next“. Das NRC versteht sich heute als holländische Qualitätszeitung. Mit einer Auflage von etwas über 200´000 beschäftigt die Abendzeitung (!) immerhin noch etwas über 20 feste Korrespondenten, was gemessen an der Grösse des Landes und der Distribution des Blattes tatsächlich ein Spitzenwert ist.

Das NRC Next ist ein kleiner „junger“ Ableger des NRC. Inhaltlich übernimmt das Next einen Teil des Handelsblat, rund 20 Redakteure beschäftigen sich aber speziell mit zielpublikumsrelevanten Inhalten. Quasi so, wie wenn es eine „junge“ NZZ gäbe, für Studenten, Berufseinsteiger und Junggebliebene mit Fokus auf Politik, Wirtschaft, Karriere und Lifestyle. Die Zeitung schreibt nach Baumann bereits heute, zwei Jahre nach ihrer Einführung schwarze Zahlen. Die Auflage beträgt knapp 65´000 Stück. Das, so denke ich, müsste auch in der Schweiz machbar sein. Eigentlich müsste man den Mut haben, sich eine solche Projektskizze auszudenken und damit bei TA-Media oder NZZ anzuklopfen. Ich würde so etwas sofort kaufen.

Wikipedia gibt leider nicht viel her und mein holländisch hält sich in Grenzen. Der Blog zumindest sieht toll aus und ich würde eine Menge dafür geben, zu verstehen was da geschrieben steht. Ich glaub, ich verbringe meine nächsten Ferien in Rotterdam.

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Soll der Staat die Printmedien retten?

Wir quacken ja an dieser Stelle gerne mal über die kommende Fastenzeit in der Schweizer Medienbranche. Wir sind allerdings nicht die Einzigen. Auch Rainer Stadler, Medienredaktor der NZZ quackt etwas mit.

Zwei Sachen haben mich dabei zum Nachdenken gebracht. Da beschwört Stadler die kommende Veränderung: „Der Ausleseprozess wird schon bald den Blätterwald drastisch auslichten. Es entsteht eine andere (Medien-)Schweiz„. Aber ein NZZ-Stadler wäre kein NZZ-Stadler wenn er selbst am Rande des gähnenden Abgrunds noch schreien würde: „Wo die Not wächst, ertönt umso schneller der Ruf nach der helfenden Hand des Staats. Sie brächte allerdings kein Heil, sondern schüfe neue unerwünschte Abhängigkeiten„. Konsequent bis zum Untergang.

Das zweite was mein Gehirn angeregt hat, ist die Replik von Norbert Neininger-Schwarz. Gesundheit? Das ist der Chefredaktor und Verleger der Schaffhauser Nachrichten. Neininger-Schwarz fordert in der heutigen NZZ Staatshilfe für die Printmedien. Etwas schüchtern zwar noch, aber doch offensichtlich. „Die missliche Lage haben Politiker erkannt, und wir können damit rechnen, dass bald Förderungsmassnahmen diskutiert werden, die mit staatlicher Einflussnahme einhergehen.“ Er nennt dies: „Den Bannwald der Demokratie schützen„.

Also, nur damit mein Kopf das richtig verstanden hat: Auf der einen Seite brüllt das Volk danach die Billag abzuschaffen und die staatliche Unterstützung für die SRG zurückzufahren. Auf der anderen Seite sehen sich die kleinen Schweizer Medienverlage bereits so an die Wand gedrängt, dass sie im liberalen Flaggschiff der Schweiz nach staatlicher Unterstützung weinen, nur weil sie glauben, Information wäre ein staatstragendes Gut?

Interessante Innenansicht einer dekadenten Berufsgruppe. Zum einen, ja. Zum anderen ist das aber auch ein Problem für die gesamte Schweizer Bevölkerung. Ich kann nur noch einmal darauf hinweisen, dass die TA-Media durch die Wirtschaftskrise zur grossen Gewinnerin wird. Es entsteht mit immer grösserer Wahrscheinlichkeit ein Meinungsmonopol, dass von Zürich aus diktiert werden wird. Und das ist, Liberalismus und Staatshilfe hin oder her, kein praktikables Szenario. Weder für die Politiker noch für die Bevölkerung. Es reicht, wenn wir bereits bei Radio und TV zwei Monopolisten haben. Ich fordere keine Staatshilfe, sondern intelligenten Medienkonsum. Um 20Minuten oder NEWS zu ignorieren braucht es keinen Uni-Abschluss oder ein dickes Porte-Monnaie, sondern nur etwas Willen.