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Medienlese: Der moderne Schlägertrupp des Web 2.0

Der 1. Mai naht. Und wir sind vorbereitet, müsste man meinen. Zumindest seit uns der Ole als krawallsüchtige Halbwissende bezeichnet hat. Denn wir haben es gewagt, die teilweise Einstellung von Medienlese.com nicht ganz so tragisch zu nehmen, wie „die überwältigende Mehrheit der User„. Mehr noch, wir waren erstaunt, wie konservativ ein der Selbstdefinition nach modernes Web 2.0-Publikum doch auf die Einstellung eines Web 2.o-Formats reagiert. Und mit welch radikalen Methoden eine Interaktive Seite gegen mediale Kritiker vorgeht.

Bisweilen wirkt die Erkenntnis wie ein Hohn. An dieser Web-Reaktion war nichts Modernes, da war keine Aufgeschlossenheit, keine Akzeptant der Realität. Im Gegenteil, letzten Endes reagierte ein kleiner Teil der User wie der harte Kern der Abonnenten des Bundes. Wenn selbst die Macher bereit sind, auf „alte“ Methoden und Nörgeleien einer so-90ies Industrie zurück zu greifen, wie ernst kann man deren Medienkritik sowie deren Forderungen nach neuen Verhältnissen und Flexibilität noch nehmen?

Natürlich bedauern wir es, wenn Menschen ihren Job verlieren. Das machen wir grundsätzlich immer. Deswegen auf Kritik zu verzichten, halten wir allerdings für putinistisch. Nachdem bereits unsere Trackbacks von Medienlese gezielt gelöscht wurden, betraf dies nun auch die Kommentarspalten. Die Kommentare der Betreiber von hosenindosen.com waren zu keinem Zeitpunkt verletzend, hetzend oder diskriminierend. Deswegen verurteilen wir das Vorgehen von Medienlese in den letzten Tage mit aller Schärfe. Glücklicherweise sind wir nicht die Einzigen.

Selbstverständlich kann jede/r Page-BetreiberIn selbst entscheiden, was er/sie tun und lassen will. Nur manchmal hat eine Löschung offenbar System. In einer Diskussion, die hier stattfand und von Sonntagszeitungsredaktor David Bauer mittels Provokation innitiert wurde, ging es um die zunächst sachliche Feststellung, dass der Journalist einen relativ unkritischen, vorhersagbaren Artikel zur Schliessung von Medienlese.com geschrieben hatte. Dieselbe Diskussion fand übrigens auch hier statt. Interessanterweise entwickelte sich die Diskussion in eine Richtung, in der verschiedene User von Bauer wissen wollten, warum er seine geschäftliche Tätigkeit für Medienlese im Artikel mit keinem Wort erwähnt habe. Diese Diskussion wurde, mit Ausnahme von Bauers Replik, mit Hinweis auf Verschwörungstheorien mehr oder weniger zensiert. PR scheint man bei Medienlese offenbar nicht zu mögen. Zumindest nicht, wenn sie die eigenen Mitarbeiter und die Ehemaligen betrifft. Denn in diesem Licht wirkt das fehlende Nachhaken mittels kritischen Fragen im Falle Peter Hogenkamps doch etwas unglücklich. Das wird jeder MAZ-Dozent bestätigen.

Die letzten Worte überlassen wir fairerweise einer von Medienlese.com zensierten Userin, deren Auffassung wir in diesem Fall zu 100% teilen.

Ich werd ja sehr selten rausgeschmissen mit meinem Kommentar, aber diesmal bin ich echt sauer. Mit so einem fast schon ehrenrührigen Kommentar (Verschwörungstheorie wattn S..) rausgegickt zu werden… Im übrigen ist es allerdings problematisch wenn ein Journalist seine Interessen nicht offenlegt – jede Journalistenschule, erste Woche, hätte sowas einem um die Ohren gehauen…

Blick am Abend – 1. Szene, 2. Akt: Die Rabenutter

Irgendwie kann ich mir die Bemerkung nicht verkneifen.

Da haben wir mit unserem Nachruf ganz anständig den Medienlese-Blog gepingt, werden aber dort nicht veröffentlicht. Genauso wenig übrigens wie bei Massenpublikum.de. Auch da ignoriert man uns konsequent. Nun, wir sind uns das gewohnt. Stimmen die der allgemeinen „oh nein wie traurig“-Stimmung widersprechen, sind offensichtlich nach wie vor nicht En Vogue. Auch Peter Hogenkamp hat sich bisher nicht gemeldet. Weder per Kommentar noch per Mail. Auch das war vorhersehbar.

Auch wir sind übrigens, wie Medienlese einst, ein Medienblog. Im Vergleich zu Medienlese beschäftigen wir uns sogar 90% Inhaltlich mit Schweizer Medien und müssen nicht mangels Ideen oder schlechten Leserzahlen nach Deutschland ausweichen. Und, auch wir arbeiten hart bis unser Hirn raucht. Ohne Bezahlung. Wenn wir von rettet-ronnie-grob-und-andere-aktionen lesen, kommt auch uns der Gedanke, neu 250 Euro pro User zu verlangen, um unsere Arbeit zu finanzieren.

250 Euro dünkt uns angemessen um den intellektuellen Unterschied, der selbstverständlich mitfinanziert und entsprechend transparent gemacht werden will, zu entlöhnen. Doch das ist natürlich quatsch. Und damit lassen wir das trete-keinen-hund-der-am-boden-liegt-Thema. Doch einen Medienlese-Comment möchte ich noch aufnehmen. Er stammt von Blick am Abend Nachrichtenchef Thomas „“ Benkoe:

bö schrieb am 25. April 2009 um 18:25 Uhr (#)

die schliessung ist natürlich bedauerlich. aber. seit der ausrichtung auf den deutschen markt ist medienlese für mich langweiliger geworden. man bzw. ich will ja vor allem lesen, das jemand (auch ich/wir) gepflegt zerfleischt werden. das fand kaum mehr statt. und jetzt? leider beschränken sich kleinreport.com und persoenlich.ch zu sehr auf das verbreiten von pressemeldungen – süffige kommentare sind selten. und ugugu ist zu anonym und zuwenig insider, als dass er in die fussstapfen treten könnte. fazit: schade.

Natürlich möchten wir Herrn Bö’s Wunsch weiterhin entsprechend und den Blick am Abend auch in Zukunft dezent in den Arsch treten. Zum Beispiel mit folgendem, am Freitag publizierten Lead. Ein Thor wer denkt, dass einem solche Dinge beim ersten Mal durchlesen auffallen.

Blick am Abend: Die Rabenutter

Blick am Abend: Die Rabenutter

Fazit: Scheisse

Medienlese: Der Nachruf von Dumk Opf

Eigentlich müssten wir uns freuen. Medienlese.com wird Ende April mit grosser Wahrscheinlichkeit eingestellt. Es sei denn, ja es sei denn, es finden sich tatsächlich ein paar zahlungswillige Nasen, die bereit sind mindestens 15 Euro zu zahlen. In diesem Falle wird wohl ein Teil des Dienstes bis Ende Jahr weitergeführt. Und ich zünde im grossen Sankt Peter eine Kerze an. Oder vielleicht auch gleich den Pfarrer, je nachdem.

Wie gesagt, eigentlich müssten wir und freuen. Nicht nur, weil wir hier immer wieder darauf hingewiesen haben, das Medienlese genauso Blödsinn verzapft wie „reguläre“ Medien, sondern auch, weil die Autoren und Kommentatoren nicht immer wussten, wovon sie schreiben. Wir müssten uns freuen. Tun wir aber nicht. Denn Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Und wir begrüssen grundsätzlich jede und jeden, der sich auf kritische Art mit den Medien auseinandersetzen will.

Eigentlich hätten wir auch einfach die Fresse halten können und stillschweigend zuschauen, wie Peter Hogenkamp sein Blogwerk-Prestigeprojekt einstampft. Wären wir, wie oft propagiert, tatsächlich Zeitungsjournalisten, könnten wir uns etwas Schadenfreude wohl nicht verkneifen. Ausgerechnet das Blog, das seit der Gründung den Tod des gedruckten Blattes und den Sieg der Onlinemedien propagiert, muss mangels Rentabilität aufgeben. Hinter vorgehaltener Hand grinst wohl sogar der .CH-Onlineredaktor, obwohl sein Medium keine Zukunft hat. Immerhin aber schreibt er noch.

Warum also halten wir die nicht einfach die Schnauze? Ganz einfach. Stirbt der eine, plündert der andere den Nachlass. Am Sonntag wird in der SOZ (Sonntagszeitung) ein Artikel mit Hogenkamp-Feature erscheinen. Und das Schöne daran ist, dass ich den betreffenden Text nicht einmal gelesen haben muss um zu wissen, was drin steht.

Moment, es wird noch besser. Ich muss ihn nicht nur nicht gelesen haben, ich kann auch jetzt schon sagen, dass es Blödsinn sein wird. Und das liegt für einmal nicht nur am Autor, obwohl das schon Grund genug wäre. Der Journalist, nennen wir ihn Dumk Opf, wird die Geschichte mit Aussagen  von Hogenkamp untermalen, in denen er noch einmal zur Rentabilität Stellung nehmen wird. Dabei wird er einmal mehr darauf hinweisen, dass mit Blogs nur wenig Geld zu verdienen und die Wirtschaftskrise auch fürs Web 2.0 ein harter Brocken ist. Im besten Falle schwingt zwischen den Zeilen noch etwas Schadenfreude mit. Das aber, so glaube ich, wird’s dann auch gewesen sein.

Was müsste man statt dessen tun? Man müsste den Herrn Hogenkamp mal am Kragen packen und etwas schütteln. Wir übernehmen das auch gerne selber, so sich der Peter freiwillig stellt (das kannst du so machen, wie du das immer machst, indem du dich in den Kommentaren zur Verfügung stellst). Wir sind keine Dumk Öpfe, denen man eine Wirtschaftskrise vorschieben kann und die dann anerkennend nicken und die Stirne in wissende Falten legen. Wir würden zum Beispiel gerne wissen, warum ausgerechnet Blogwerk es wagen würde, von Usern Geld anzunehmen um ein Blog weiter zu betreiben, das ausgerechnet die Unrentabilität und Dysfunktionalität „älterer“ Systeme anprangert. Warum ein Blog, dass sich selbst als Zukunft gefeiert hat, keine Zukunft mehr sieht. Und wir wüssten gerne, warum jemand der mit soviel Idealismus gestartet ist, ausgerechnet seine Prestige-Sparte aufgibt. Und dann hätten wir gerne noch ein wenig Auskunft zu Finanzen und Zahlen. Sind diese vier Nasen wirklich so teuer, dass sich der Betrieb nicht lohnt, obwohl Medienlese längst zu den meistgelesenen Blogs der Schweiz gehört? Und warum sägt man nicht stattdessen einen anderen Ast ab, wie zum Beispiel das eben erst gegründete Startwerk? Das hat doch nicht am Ende auch damit zu tun, dass der Chef da selbst mit tut, oder? Nein, um Gotteswillen (2. Kerze im St. Peter), so einfach ist die Welt nun auch nicht.

Diese Antworten werden wir natürlich nicht kriegen. Und so freuen wir uns halt auf Dumk Opfs bieders Gähn-Werk am Sonntag. Diese Art Nachruf, zumindest da sind wir uns wohl alle einig, hat Medienlese wirklich nicht verdient.

P.s. Wir könnten hier wie Peter Turi den Leuten an der Beerdigung von Medienlese ein schäbiges Übernahmeangebot unterbreiten. Tun wir aber nicht. Wir brauchen kritische Leute. Früh aufstehen alleine genügt nicht.

Vom Hass auf freie Journalisten

Köstlich.
Da veröffentlicht die Medienlese den Brief eines angeblich „freien Journalisten“, der unter der Knechtschaft der grossen Verlage leidet und darum den ganzen „Modus Medium“ anschwärzt. Dass es sich dabei mit grosser Sicherheit um die PR-Aktion einer Gewerkschaft handelt, scheint keinen zu stören – im Gegenteil. Nun greift der Spiegel das Thema auf und in den Kommentaren prügeln sich fortan die deutschen Journalisten.

Es passiert ja wirklich selten, dass ich 40(!) Kommentare am Stück durchlese, aber wenn sich die deutsche Möchtegern-Journaille auf unterstem Niveau duelliert, dann muss ich das einfach sehen.
Outet sich dabei auch noch ein hasserfüllter Rezipient, dann ist das fast so gut wie Moderatoren die Thomas Borer nicht kennen.

Johurnalisten…verkaufen sich jedem, plappern geldgeil nach, was Apple erzählt, IBM oder die deutsche Bank…und pennen am Schreibtisch…ob frei oder angestellt…faule Bande!

Haut sie alle raus und die Blogger auch, euch braucht niemand!

Ich habe über die Jahre schon etliche von euch Nichtsnutzen aus dem Job entsorgt, ob angestellt oder nicht. Wer nicht so schreibt, wie ich es lesen will, lernt mich kennen. Und für alle, die die Qualität dieser Schreiberlinge auch verbessern wollen, so geht das:

Da gibt es extra für uns eine Seite (ganz hinten), und die heißt “Impressum”!

Da stehen die ganzen Telefonnummern drin. Also ruft man da einfach an, wenn einem mal wieder die Galle überläuft, weil sie wieder nur Müll geschrieben haben, und dann macht die mal so richtig frisch.

Das mache ich öfter, und so wie das jedesmal abgeht, haben die danach aber mehr Potenzstörungen als ich. Danach geht’s mir immer besser.

Kleine Tips:

Gut vorbereiten, nachgooglen, Stichworte, Quellen und Zitate bereithalten und vor allem IMMER im Stehen telefonieren! Das ist das A und O!

Besonders anfällig für mittelschwere Schwächeanfälle ist die Recherche-Abteilung. Die kann man locker in Grund un Boden klopfen, weil die so ahnungslos sind, das man sich an den Kopf fasst und die sind nicht gewandt genug, sich aus der Affäre zu ziehen, wenn man sie nicht lässt!

Kleiner Katechismus:

“warum habe ich die Fakten vorliegen und sie nicht?”

“muss ich mit anderen Medien kontaktieren, um ihre Recherche-Methoden öffentlich zu diskutieren, oder können wir das jetzt und hier klären?”

“soll ich Sie dahingehend zitieren, dass Sie meinen Vorhaltungen nichts entgegenzusetzen haben?”

“ist Ihnen das von mir zitierte Material demnach unbekannt, sodass ich Ihre Antworten als Bestatigung zu verstehen habe, dass bei Ihnen keine Recherche vorgenommen wird?”

“können Sie Sich vorstellen, dass ich Sie in meinem Magazin als Quelle bennene, die das Fehlen jeglicher Recherche bestätigt?”

usw. usf. der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Mails funktionieren nicht so gut. Aber auch damit hatte ich schon Erfolg

PS: Wer mag dem Herrn mal die Nummer von Ingrid schieben?