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Boulevard vs. Boulevard

Lieber Michael Ringier

Dio Mio. Wir haben das schon richtig verstanden. Der Blick will wieder näher bei den Leuten sein, näher am Einzelschicksal, näher an der Trauer und am Unglück. Und dann serviert Gott dem Ringier-Verlag eine Katastrophe ans Bett und was machen die zahnlosen „Kampfhunde vom Seefeld“ damit? Vier magere Seiten, zwei davon mit einer chronologischen Auflistung der Ereignisse. Und auf den anderen zwei Seiten darf ein ETH-Seismologe erklären, dass Erdbeben auch in der Schweiz vorkommen können. Top. Näher dran wäre schon mittendrinn, ne.

Heute sollte jeder Blick-Journalist den Le Matin auswendig lernen. Solange bis er folgende Sätze im Schlaf rezitieren kann: „Ich habe mit meinen eigenen Händen nach meiner Familie gegraben„. Sechs Seiten Einzelschicksal. Sechs Seiten Trauer, Versagen, Anschuldigungen Wut und Leiden. Naturkatastrophen sind furchtbar. Das ist Boulevardjournalismus übrigens auch. Wenn’s also schon sein muss, dann sollte man auch das Schlechteste daraus machen.

Oder anders gesagt: Noch am Sonntagabend mokierten sich Giacobbo / Müller in ihrer „Late Service Public“-Show im SF über die Warnung vor Erdbebenfolgen durch Bundesrat Moritz Leuenberger. Möglicherweise ist ihnen in Anbetracht der verheerenden Auswirkungen des Erdbebens in Italien für einmal das Lachen im Hals stecken geblieben. Und vielen anderen hoffentlich auch.

Das sagen nicht wir, sondern Christoph Meier von der Südostschweiz. Aber wir teilen immerhin seine Meinung.

Medien-Fusion – Wie die Romands reagieren

Alors, ce sera demain la Tribune de Zurich? 24 Stunden?

Das mag jetzt zwar lustig klingen und sicher, etwas Galgenhumor kann nicht schaden. Doch die Gelassenheit, mit welcher die westschweizer Zeitungen auf die Übernahme der Edipresse durch die TA-Media reagieren, erstaunt mich doch etwas.

L’expérience du groupe Ringier le montre. L’Hebdo ou L’Illustré sont conçus à Lausanne, pas à Zurich, et c’est à cette connaissance de leur public et de leur région qu’ils doivent leur succès„. Schreibt der Le Temps. Ausgerechnet. Die Zeitung gehört selbst zu über 44% bereits zu Ringier. 44,7% hält Edipresse.

L’avenir des médias s’y joue, face à des concurrences que les frontières cantonales font rire.“ Noch können die Romands lachen.. Analog etwa der Le Matin: „Peur de Zurich?“, nö, aber nicht in Lausanne.Wesentlich kleinlauter die übrigen Edipresse-Produkte wie Tribune und 24 Heures. Dort bettelt man lediglich um den Erhalt der Eigenständigkeit.

Für die kleinen Zeitungen wie Liberté und Courrier wird sich ohnehin nichts ändern. Sie mussten sich immer schon gegen Übermächtige Gegner behaupten. Das zeigt sich auch in den Kommentaren.  Übler als es ist, so denken die Romands, kann es ohnehin nicht mehr werden. Würden sie täglich Newsnetz gestalten und solche Artikel schreiben, sähen sie es wohl etwas anders.

Habe die Ehre.

Zur Hölle mit TA-Media

Für viele kam die Meldung überraschend, für uns nicht wirklich.

Leider geht der lang gehegte Wunsch der TA-Media nun in Erfüllung. Mit der Übernahme von Edipresse streckt der Zürcher Verlag seinen Fühler bis weit über die französische Grenze. Sollte die WEKO dereinst die Übernahme absegnen, entsteht ein Print-Monopol das von Genf bis weit ins Mittelland hineinreicht. Das sind Zustände wie wir sie aus China oder Russland kennen. Nur damit klar ist, von welchen Dimensionen wir hier sprechen. Die TA-Media übernimmt dereinst u.a.:

  • Le Matin (die mit Abstand beste Boulevardzeitung der Schweiz derzeit)
  • Tribune de Geneve
  • 24 Heures
  • Le Temps (Teilbeteiligung) (Die mit Abstand beste Qualitätszeitung der Schweiz derzeit)

Im Internet betrifft dies zudem u.a.:

  • Swissfriends
  • Homegate (Teilbeteiligung)

Zugegeben, das Ganze ging etwas gar schnell. Und ich habe fest damit gerechnet, dass die BAZ-Bastion vor Edipresse fällt. Für das Endergebnis aber ist die Reihenfolge nicht ausschlaggebend. In der Schweiz entsteht ein zweiter Monopolist, der in Dimension Volumen und Macht der SRG ohne Probleme das Wasser reichen kann. Nur, dass der Staat hier nicht regulierend eingreifen kann. Der Umstand, dass die TA-Media lediglich das Inlandgeschaft der Edipresse schluckt, ist leider ein weiterer geschickter Schachzug, zu dem man den Medienmanagern zähneknirschend gratulieren muss.

Übrigens, das ist meine neue Mail-Signatur:

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