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Die beste Zeitung der Schweiz Teil II

Wie gross ist die Chance, dass WW-Kolumnist Kurt W. Zimmermann und Ta-Media Verwaltungsratspräsident Pietro Supino gerne mal miteinander Golf spielen? Ich würde meinen: ziemlich gross. Den Hang zu utopischen Ideen und überrissenen Ansprüchen zumindest teilen sie bereits.

Seit Anfang Jahr haben die Schweizer Tageszeitungen rund 250 Journalisten entlassen“, schreibt Zimmermann in der neusten WW-Ausgabe (mal abgesehen davon, dass ich mich frage, wie er auf diese Zahl kommt) „Aus Lesersicht ist das kein Grund zur Besorgnis“ Natürlich nicht, überhaupt nicht. „Im Gegenteil, es gibt dadurch Hoffnung, dass die Zeitungen wieder echte Zeitungen werden“.
Damit hat uns Zimmermann gezeigt, wo der Pietro den Most holt. Offenbar gab es mal eine Zeit, in der Zeitungen noch richtige Zeitungen waren. „Echte“ Zeitungen eben (hö? könnte mir bitte mal jemand „Zeitung“ definieren..?). Damals, als sie sich die Blätter noch auf ihre Kernkompetenzen (?) beschränkt haben. „Sie haben die Aktualität zu vermitteln und diese Aktualität intelligent zu analysieren“. Nur mache das heute kaum mehr jemand. Stattdessen investiere man in Lifestyle, medizinischen Schwachsinn und Kulturhistorischen Unsinn. „In der zweiten Hälfte der neunziger Jahre begannen die Zeitungen, sich in Zeitschriften zu verwandeln“. Ich erlaube  mir Herrn Zimmermanns Gedanken hier noch ein wenig auszudeutschen. Er meint: In den 90er Jahren hat die aufkommende Sonntagspresse bewiesen, dass man mit zusätzlichen Themen ein grösseres Anzeigenvolumen akquirieren kann. Das wollten sich die Verleger verständlicherweise nicht entgehen lassen.

Ich bin so frei und spinne Zimmermanns Gedanken noch etwas weiter. Wenn man jetzt also schon 250 Journalisten entlässt, kann man auch gleich seine Anzeigenkunden zur Hölle schicken und sich wieder auf ein Kerngeschäft konzentrieren, dass, wie die Beispiele 20 Minuten und Blick zeigen, bei den auflagestärksten schweizer Tageszeitungen offenbar im Bereich „Aktualität vermitteln und intelligent analysieren“ liegen soll. Alles andere als eine Reduktion der 20 Minuten und Newsnetz-Redaktionen auf 10% des jetzigen Bestandes wäre ein Stolperstein auf dem Weg zu Pietro Supinos „besten Zeitung der Schweiz“.

Vielleicht wird das ja doch nix mit dem Golf spielen. Nicht weiter schlimm, sparen tut Not. Denn unser Beraterhonorar entspricht 10% der eingesparten Redaktionskosten und damit einiges mehr als die Golfplatzmiete. Die Daten finden sie, Herr Supino, wie immer in der Menüleiste „contact“.

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Hurra, Hurra die Weltwoche brennt

Was ist bloss aus der guten, alten Weltwoche geworden? Es ist allem für sich schon irritierend, das derzeit mehr Wirtschaftsbosse, Parteifunktionäre und Populisten im Blatt schreiben als reguläre Journalisten. Doch diese Woche steht das Blatt-Konzept ganz Kopf.
Da schreibt Daniela Niederberger (normalerweise zuständig für Familienpolitik und Kriminalistik) ein fast schon rührend lobendes und einfühlsames Portrait von SRG-Mann und Arena-Moderator Reto Brennwald (O-Ton Köppel: Der Feind ist der Staat und seine Regulierungswut) und Zimmi doppelt mit einer „Die Privatwirtschaft ist der Tod des unabhängigen Journalismus“-Kolumne nach.

Mal abgsehen davon, dass ich im grossen und ganzen Zimmermanns Meinung teile und weder Eisenhut noch Strehle um ihre undefinierte Henkerrolle beneide, was soll das Herr Köppel?

Es kann nicht sein, dass Liebe und Hochzeit ein Blattkonzept aufweichen. Kaum ist der Chefe mal aus dem Haus, machen die Redaktoren was sie wollen.

Kurt W. Zimmermann: Wie man sich Freunde macht

Eben noch hat uns Zimmi-Chefe Roger Köppel erklärt, dass die Wirtschaft gut und der Staat böse sei. Und das hat der Zimmi wohl auch gelesen und beschlossen fortan in seinen Kolumnen auf den Staat zu schiessen. Diese Woche ist es die SRG, nächste Woche die, öh, SRG und übernächste Woche muss es wohl auch die SRG sein. Etwas anderes hat der Staat derzeit ja nicht zu bieten.

Die SRG, das einzige Medienunternehmen in der Schweiz, dem die Wirtschaftskrise am Arsch vorbei geht, hat einen schweren Stand. Man muss keine Leute entlassen, keine Programme kürzen und keine Produkte einstellen. Am besten würde man in dieser Situation einfach schweigen. Aber auch das geht nicht, denn schliesslich wird momentan darüber beraten, ob TV und Radio in Zürich künftig ein gemeinsames Bett teilen sollen, oder ob das Radio föderalistisch und das Fernsehen zentralistisch bleibt. Dumm aber auch, dass Armin Walpen ausgerechnet jetzt mit einer Gebührenforderung losquackt. Als SRG-Mitarbeiter würde ich meine Dart-Scheibe mit Walpens Konterfei schmücken.

Zurück zu Zimmi. Was macht man also, wenn man gegen den Staat schiessen muss? Richtig. Man holt die alten Argumente hervor. Der Staat kassiert Gebühren und gleichzeitig Werbegelder. Der Staat ist übermächtig. Und, der Staat betreibt ein unverhältnismässiges Lobbying. Nun, geschätzter Kollege Kurt W. Zimmermann. Das wissen wir alles. Und nur weil sie es sagen, wird es nicht besser. Sicherlich, damit machen sie sich ausnahmsweise keine zusätzlichen Feinde, sondern blasen in ein Horn, in das schon alle anderen geblasen haben. Aber viel spannender wäre doch die Frage, wie viele Journalisten ein Magazin wie die Weltwoche noch entlassen kann, bevor der Begriff „Magazin“ illegitim wird?

Gerade sie müssten das doch wissen – und würden sich damit, nebenbei gesagt, auch mal ein paar Freunde schaffen. Mich zum Beispiel.

Idiot des Tages VII

So trifft es denn heute den Kurt W. Zimmermann, der sich in der Weltwoche zum „Blogismus-Problem“ äussert. Der Grund ist aber nicht, dass seine Kolumne besonders schlecht wäre. Ich habe sie nicht wirklich gelesen und kann mir vorstellen, dass sie ungefähr das Niveau trifft, das wir uns von Schweizer Medien im Allgemeinen und von der Weltwoche im Besonderen gewöhnt sind. Er war halt einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Wir feiern schliesslich den Titel „neuentdeckung des tages“. (merci köbi bünzli)

(Vermutlich trifft es ihn aber doch zurecht. Schliesslich gibt es im Mediengeschäft ja nichts Wichtigeres, als zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.)