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Geld regiert den Äther

..und nicht etwa die Politik, wie nun auch das UVEK anerkennen muss.

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Kriegsrhetorik: Viel Wirbel um nix

Streit, Kleinkrieg, Schusswechsel – so geht es derzeit in der Schweizer Medienlandschaft zu und her.

Ich freue mich auf die ersten Leserzahlen zum „neuen Blick“, wenn man so will. Der „harte“ Boulevardkurs scheint sich offenbar auszuzahlen.

„Dieser Kurs habe «nicht zu einem signifikanten Anstieg an Reklamationen geführt», aber zu einer Zunahme des Kiosk- und Aboverkaufs.“

behauptet zumindest ein Unternehmenssprecher. Dummerweise führt „dieser Kurs“ aber auch zu Reibereien, etwa mit dem Bezirksgericht in Zürich. Dort streitet sich ein Richter mit den Ringier-Anwälten wegen den Bildrechten einer Verhandlung. Der betreffende Richter war zuvor ohne Einwilligung mit Foto in der Zeitung erschienen.

In der Ostschweiz tobt der mediale „Kleinkrieg„. Ausgerechnet das Newsportal des Schweizer Fernsehens berichtet, wie sich Tele Ostschweiz und Tele Säntis um die Konzession zoffen. Auch wenn der Vorwurf ins Leere zielt. Es ist schon etwas makaber, dass ausgerechnet der Monopolist, der seine Konzession auf sicher hat, über diese Geschichte berichtet.

Zum Schusswechsel schliesslich kommt es in der medialen Nachbearbeitung zu Erpressung und Bestechung Teil II. Wer so was liest, der denkt, in der Schweizer Medienlandschaft herrsche Krieg. Dabei ist doch alles ganz harmlos.

Heeb Heeb Hurra

Man merke: Wenn man nur lange genug weint, droht und klagt, dann klappt das irgedwann doch noch mit der Radiokonzession à la Schawinski.

Und ehrlicherweise muss man sagen: es kann nur besser werden.

Statt in Promi-Gähn-Songs, würde man bei Energy das Geld besser in professionelle Weiner investieren.

Energy: Der Feind meines Feindes ist auch mein Freund.

Der Zürcher Radio-Streit geht in eine neue Runde. Und je nach Standpunkt klingt es nach Etappensieg oder nach Niederlage für Radio Energy. Für Dani Büchi ist die Nachricht, dass keine vierte Frequenz machbar sei offensichtlich ein Grund zum Feiern. Schliesslich hätte das UVEK zugegeben, dass ein zusätzlicher Sendeplatz unter Umständen möglich wäre. Für das UVEK aber ist aus rechtsstaatlichen und medienpolitischen Gründen nach wie vor klar, dass an den vergebenen UKW-Konzessionen nicht gerüttelt wird.

Interessant ist, dass die TA-Media in diesem Streit offensichtlich Sympathien für die Radiokonkurrenz zu entwickeln beginnt. Während alle anderen Zeitungen fürs Erste die Agentur-Meldung veröffentlichten, schrieb der Tages Anzeiger einen eigenen Artikel. Beginnt die SDA-Meldung noch mit: „Für den Grossraum Zürich steht keine vierte Sendefrequenz zur Verfügung“, heisst es im Tagi: „Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern des Bundesamtes für Kommunikation (Bakom), zwei unabhängigen Frequenzspezialisten und einem Energy-Vertreter kommt zum Schluss, dass eine vierte Frequenz «grundsätzlich technisch machbar ist». Dies geht aus dem Bericht hervor, der dem TA vorliegt.“

Bleibt die Frage, warum der Tages Anzeiger, der mit Radio24 eine eigene Station betreibt, dem Ringier-Verlag hier Schützenhilfe bietet. Geht es darum, Medienminister Leuenberger die gelbe Karte zu zeigen? Oder wird im Kampf gegen das Radiomonopol der SRG selbst der Feind zum Freund?

Radiokonzessionen: 1 Gewinner, 1 Verlierer und ein Haufen Idioten

Energy verliert die Konzession, Tele Züri muss den Subventionspool verlassen und Guiseppe Scaglione ist der Gewinner des Tages. Dass Medienminister Moritz Leuenberger die grossen Verlage bei der Vergabe der neuen Konzessionen abstraft, ist nachvollziehbar – warum er Idioten fördert allerdings nicht.

Nun ist die Katze aus dem Sack und die Aufregung gross. Denn der grosse Verlierer heisst Ringier. Der grösste private Schweizer Medienverlag kriegt keine neue Konzession für eine Frequenz, die er notabene erst kürzlich (für big money von Goldbach Media) erworben hatte. Vielmehr verlieren geht eigentlich gar nicht. Es sei denn, man moderiert bei „Radio Energy“ und hat fest daran geglaubt, dass Bundesrat Moritz Leuenberger kein grosses Medienhaus abstrafen werde. Doch genau das hat er getan. Da gibt es kein Schönreden. Ob diese Abstrafung allerdings wirklich zu unrecht erfolgt, darüber lässt sich streiten.

Leistungsaufragt, Qualität und Medienkonzentration

In Zürich standen den etablierte Stationen zwei gute Herausfordern gegenüber. Beide, Schawinski und Scaglione, können langjährige Radioerfahrung vorweisen. Dass Radio „Zürisee“ nicht leer ausgehen würde, war ziemlich sicher. Dieses Radio unterscheidet sich am ehesten in Qualität und Service von den beiden Stadtradios „24“ und „Energy“. Dass Moritz Leuenberger nach seinem Rundumschlag gegen den „Einheitsbrei“ an den Kommunikationstagen seinen Sparingpartner Schawinski nicht gut links liegen lassen konnte, erstaunt ebenfalls nicht. Warum der Medienminister nun aber „Energy“ den Strom abdreht und „Radio 24“ weiterleben lässt, bleibt ein Rätsel. Es hätte genau so gut umgekehrt sein können. Beide Stationen erfüllen Leistungsauftrag und Qualitätsanspruch einigermassen akzeptabel, eventuell mit einem leichten Plus für die Tamedia und Radio 24. Dafür befindet sich die Tamedia national auf wildem Expansionskurs (Newsnetz, Tillate etc.), was punkto Medienkonzentration derzeit eher für Ringier sprechen würde.

Wer nun glaubt, Tamedia sei ja bereits genug abgestraft indem das Regionalfernsehen „Telezüri“ die Konzession verliere, täuscht sich. Cablecom, der wichtigste und grösste schweizer Kabelnetzbetreiber, lässt den Sender weiter aufgeschaltet. Einziger Nachteil ist, dass Telezüri nicht mehr im Subventionspool mitschwimmen darf. Das hat der Sender aber auch nicht nötig. Das Regionalfernsehen war ohnehin bisher der einzige regionale Privatsender, der es wenigstens in Ansätzen verstanden hat, rentabel zu sein.

Die Sieger von Basel bis Graubünden

Konzessions-Gedränge gab es nebst dem Grossraum Zürich im Kanton Graubünden, im Kanton Basel und im Kanton Aargau. Nun ist klar: Lebrument, Wanner wie auch Basilisk und Basel 1 dürfen ihre Konzessionen und damit ihre Frequenz behalten. Warum ist allerdings völlig unklar. Die Konkurrenz war gut, das Medienmonopol teilweise ähnlich dominant und schlecht klingend wie im Raume Zürich. Die Argumentation die nun bei Ringier für Aufregung sorgt, könnte genau so gut auf die Milchkühe von Oberhirte Lebrument oder Wanner angewendet werden.

Ein Verlier, Ein Sieger und ein Idiot

Ringier ist also der Verlierer des Tages. Für die Tamedia, Wanner und Lebrument, für die restlichen Einheits-Idioten also, bleibt alles beim Alten. Wer aber ist der Gewinner des Tages? Roger Schawinski? Nein. Für Schawinski ist es lediglich eine späte Genugtuung. Der eigentliche Gewinner heisst Guiseppe Scaglione. Nachdem er mit 105 bereits die neue Jugendradiokonzession geholt hat, kriegt er nun mit Radio Monte Carlo eine zweite UKW-Frequenz. Das ist eine Steigerung von 0% auf 200% innerhalb von 12 Monaten. Bei solchen Wachstumsraten kann selbst Schawi nur staunen. Ob der „Stürmi“ aus Muttenz beide Konzessionen verdient, muss angezweifelt werden. Scagliones grosser Feind war seit jeher die SRG und deren DRS-Programme. Dass er nun ausgerechnet auf Kosten von Ringier den Äther mit italienischem Formatradio und DJ Tatana verblöden darf, ist wohl eine so genannte Moritz-Ironie.

Tages Anzeiger – oder Radiohören für Anfänger

Ein besonderes „Dankeschön“ mit ausgestrecktem Mittelfinger geht heute an den „Züribund“ des Tages Anzeigers.
Unter dem Titel „Im Radiostreit zählt die Qualität“ (S.13) erzählt uns Journalist S.H., welche fünf Radiosender um eine der drei ausgeschriebenen Zürcher Konzessionen buhlen. Ein Artikel, der ausgerechnet das vermissen lässt, was er von anderen fordert, nämlich: Qualität.

Der Text ist unglaublich langweilig, irrelevant und versäumt es dummerweise, die im Titel aufgeworfene Leitfrage zu beantworten: Wer erfüllt die im Sinne des in der Bundesverfassung festgehaltenen Leistungsauftrag geforderten Kriterien zur Qualitätssicherung am besten? Oder einfacher gesagt: Wer hat die besten Chancen, die Konzessionen zu ergattern? Eigentlich eine sehr spannende Frage, stehen ja mit Don Schawinski und Capo Scaglione zwei durchaus interessante und zu allem fähige  Herausforderer den etablierten Sendern (24, Enrg, Zürisee) gegenüber.

Natürlich müsste man zur Beantwortung dieser Frage ein paar Informationen einholen, die sich leider nicht googeln lassen. Zum Beispiel über personelle Ressourcen und interne Weiterbildung der Sender. Aber selbst für Telefon-Hasser lässt sich die Frage dank Eigenrecherche einigermassen schlüssig beantworten. Und Recherche hiesse in diesem Fall vor allem eines: Radiohören.

Da dies dem Journalisten aber offensichtlich zu doof war (ich schreibe ja über Radio, wieso muss ich es dann auch noch hören), propagiert er, notabene als Konklusion, welche Aufgaben der Sender (inklusive Radio24 / TAMedia) zu erfüllen hätte, würde man den zuhören:

«Was über den Sender geht (in der Zeitung steht), muss thematisch relevant und vielfältig sein und das Geschehen des gesamten Verbreitungsgebiets widerspiegeln».

Fazit: Aufgabe nicht erfüllt, Leser wütend und ein Warum-wir-TAMedia-fragwürdig-finden-Blog mehr.