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Pandemie Pokal für Newsnetz

Schon seit einigen Tagen weisen wir hier daraufhin, dass ein Schwein Journalisten in Schwierigkeiten bringen kann. Und eine ganze Schweinegruppe verhindert offensichtlich eine korrekte und genaue Berichterstattung.
Wir hätten uns gewünscht, hier etwas mehr zu erfahren. Entweder war das einfach nur ein Sau guter Einstige in eine ansonst geheime Geschichte, oder wir alle haben schlicht nur Schwein gehabt, dass wir nicht zu den armen Schweinen gehören, die betroffen sind und darum auch nicht mehr wissen dürfen. Denn die Zahl der Kerry F-Fans stieg gestern spekalutiv zuerst auf 24, nur um sich anschliessend in Newsnetz praktisch zu verdoppeln.

Aus aktuellem Anlass haben wir darum beschlossen, Newsnetz Postum den Panik-Preis des Monats April zu verleihen, den so genannten Pandemie-Pokal, gestiftet mit freundlicher Unterstützung von Saddam Hussein George Bush. Kein anderes Medium machte auf derart faire Weise transparent, wie man die Stimmung anheizt.

Gestern Abend hiess es noch:

Schweinegrippe: Pandemie steht unmittelbar bevor

Etwas später wurde aus dem Titel ein dem Text eher entsprechendes:

Schweinegrippe: Pandemie rückt näher

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Korrekte Berichterstattung – oder die Angst inkompetent zu wirken

Schon seit einigen Tagen weisen wir hier auf Pannen und Ungereimtheiten bei der Berichterstattung über die Influenza Porzine hin. Offensichtlich geht es nun munter weiter. Denn Es scheint niemandem wirklich klar zu sein, welche Fakten in Bezug auf Kerry F. tatsächlich gelten. Und mit einer fast schon bewundernswerten Selbstverständlichkeit kolportieren Journalisten , was sie für Tatsachen halten.

Am verlässlichsten müsste eigentlich die Aargauer Zeitung berichten. Schliesslich liegt das Kantonsspital Baden in ihrem Hoheitsgebiet. Und die MZ-Regionaltrüffelschweine müssten über das beste Informationsnetz verfügen. Und das stand heute in der AZ:

16 Spitalangestellte, die mit Kerry F. in Kontakt waren, wurden nach Hause geschickt und mit Tamiflu versorgt. Ebenso 15 Personen ausserhalb des Spitals, darunter Kerrys Freunde, die mit ihm in Mexiko waren (..)

Der einzige Qualitätstitel der heute/1.Mai erscheint, ist der Berner Bund. Auch dessen Informationen gelten im Normalfall als verlässlich. Dieser beschreibt dieselben Massnahmen wie folgt:

Um eine mögliche Verbreitung des Virus zu verhindern, hat der Aargauer Kantonsarzt deshalb Quarantänemassnahmen beschlossen für alle, die mit dem Erkrankten vorher Kontakt hatten: Es handelt sich um 13 Personen aus seinem privaten Umfeld sowie um 11 Personen der Spitalpflege. Sie müssen einige Tage zu Hause bleiben und werden mit Tamiflu behandelt.

Wer die Berner Zeitung liest, macht das Chaos perfekt. Dort heisst es:

Insgesamt wurden 13 Personen identifiziert, die in der Zwischenzeit mit dem jungen Mann Kontakt gehabt hatten. diese werden laut Beer vorsorglich mit Tamiflu behandelt und zu Hause in Quarantäne gehalten. Weitere 11 Personen, die im Krankenhaus mit dem Patienten Kontakt hatten, wurden ebenfalls informiert.

In der BZ wurden also 11 Personen des Personals „informiert“, im Bund mussten diese 11 zu Hause bleiben und Tamiflu futtern in der Aargauer Zeitung waren´s plötzliche 16? Von den „Freunden“ von Kerry F wollen wir erst gar nicht reden. Weiss eigentlich überhaupt jemand zuverlässig was passiert ist? Oder geht es einfach darum die eigene Version der Geschichte zu kolportieren und die Angst inkompetent zu wirken, wenn deklariert wird, dass die genauen Umstände sowie die Anzahl der Betroffenen schlicht nicht bekannt sind?

Kerry F. hat kein Schwein gehabt – oder doch?

Dumm gelaufen. Anders kann man das wirklich nicht beschreiben.
Zuerst explodierte eine Phiole mit H1N1-Erregern in einem schweizer Intercity und gestern unterlief dem Personal im Kantonsspital Baden ein Interpretationsfehler. Die Konsequenz: Ein junger Mann, der sich tatsächlich in Mexiko mit dem Virus infizierte hatte, wurde nach Hause geschickt.

Die neuste Pandemie ist zumindest in der Schweiz eine peinliche Pannen-Serie. Wäre ich BAG-Mitarbeiter, würde ich mich grün und blau ärgern, dass die wirklich gute Vorarbeit von einigen Wenigen medienwirksam zunichte gemacht wurde. Es würde mich auch nicht wundern, wenn heute am Flughafen Kloten die nächste Episode dieser Realsatire stattfinden würde.

Dumm gelaufen ist die Geschichte auch für die Medien. Allen voran für den Blick, obwohl die Redaktion für einmal gänzlich unschuldig, am Knüller nah drann war und einfach nur scheiss Pech hatte. Da feierte man Kerry F. gestern gross auf der Titelseite als mögliches Opfer, nur um in der heutigen Ausgabe Entwarnung zu geben:

Kerry F. hat sie nicht – aber es gibt neue Fälle!
19:53 | 29.04.2009
BADEN – Kerry F. kann aufatmen: Der Verdacht auf Schweinegrippe hat sich bei ihm nicht erhärtet. Der 19-Jährige durfte das Spital heute Abend verlassen.

Gestern um 20:00 war Kerry F. bereits wieder auf dem Weg ins Spital. Diagnose: Schweinegrippe. Ist übrigens jemandem aufgefallen, dass Kerry F. immer jünger wird? Gestern zählte er im Blick noch 22 Lenze, heute waren´s noch 19.

Bevor nun alle über den Blick lachen: Auch in der NZZ gab´s den Kerry F.-Hype. In der sachlichen und glaubwürdigen Faktensprache wirkt die ganze Geschichte heute irgendwie noch grotesker.