Schlagwort-Archive: Hanspeter Lebrument

Abteilung Erpressung und Bestechung

Eigentlich mögen wir den Herrn Lebrument ganz gut. Das scheint ein netter, intelligenter Kerl zu sein, der gerne mal auf den Tisch klopft. Scheint so n Bergmensch zu sein. Die machen ja gerne mal etwas Lärm, wenn’s den eigenen Interessen nutzt.

So lancierte Lebrument gestern via Südostschweiz am Sonntag einen Angriff auf das UVEK. Das war eine schöne Flanke, eine fiese, raffinierte, ja gar gemeine Flanke. Deren Inhalt bedeutet aufs Wesentliche runtergebrochen: kommt Schawi, werde ich gehen.

Zwischen den Zeilen liest man: diese, meine Zeitungen will sowieso keine Sau, denn ich bin der einzige, der Berg und Tal da hinten mit Informationen versorgt. Das Volk ist in der Gewalt der Informationsgeisel. Natürlich ist es längst nicht mehr an Grossmogul Lebrument zu entscheiden, was „sein“ Medienkonzern kauft oder verkauft. Längst reden auch seine Kinder und weitere Aktionäre mit.
Trotzdem ist es beeindruckend, wie ein einzelner Verleger versucht gegen den Staat zu Felde zu ziehen und sich mit allen möglichen Mitteln zu wehren.

Ich bin ja mal gespannt, ob sich Moritz erpressen lässt. Interessant wird auch sein zu sehen, wie Roschee (der andere, nicht der von der WW) reagiert. Vielleicht kauft er gleich alles und steigt auch noch ins Zeitungsgeschäft ein.

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Der Staat wird die Verleger retten..

Wie sich doch die Zeiten ändern.
Bereits Anfang Jahr hatte Norbert Neininger-Schwarz, CR der SH-Nachrichte via NZZ den Staat angebettelt. Im Mai doppelte ausgerechnet Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument nach. Das sind keine Neuigkeiten und es war im Endeffekt auch nichts anderes zu erwarten. Überraschend ist da schon eher die Reaktion von NR Andreas Gross heute in der Basler Zeitung.

Zwar schimpft auch Gross, dass Lebrument und mit ihm die ganze Printbranche ein „Reflexionsdefizit“ habe (ich mag den Begriff „Reflexionsdefizit. Das ist ein nettes Fremdwort für Dummkopf), aber komplette Abneigung sieht anders aus.

Zeitungen werden heute vor allem als Geschäft verstanden. Doch dies sollten sie erst in zweiter Linie sein. In erster Linie sind sie eine absolut notwendige Voraussetzung für das Funktionieren einer lebendigen Demokratie. Aber natürlich teile ich die Sorgen der Verleger und bin froh, dass nun Leute über Presseförderung reden wollen, die ein solches Gespräch bisher verweigert haben.

Gross verlangt also, Zeitungen müssten sich wieder mehr auf ihr Kerngeschäft konzentriere. Und genau diese Hauptaufgabe liege nicht darin Geld zu scheffeln, sondern Meinungsvielfalt und Kontrolle mittels eigenen Geschichten zu garantieren. Das führt gar zu erstaunlich offenen Geständnissen:

Aufgeschreckt von der aktuellen Medienkonzentration und dem Verlust von Journalistenstellen hat sich die Staatspolitische Kommission kürzlich wieder intensiv mit der Presse befasst und sich informiert. Wohin der Diskussionsprozess führt, ist aber offen.

Das sind doch schon eher ganz andere Töne, als von Medienminister Leuenberger via Tages Anzeiger im März verbreitet. Wir sind gespannt in welche Richtung dieser „Diskussionsprozess“  führen wird. Bleibt zu hoffen, dass man sich in der Kommission zumindest soweit beeilt, dass mindestens noch eine ernstzunehmende Zeitung auf dem Schweizer Markt übrig geblieben ist. Ansonsten könnte man das Reflexionsdefizit mit Reaktionsdefizit gleichsetzen.

Helft Kurt Imhof!

Lebrument, der Verleger der Südostschweiz, findet Kurt Imhof soll in seinem Laden Ordnung schaffen. Wusste gar nicht, dass Lebrument jetzt auch noch weiss, wie man Wissenschaft organisiert. Es soll ihm bitte niemand die Chance geben, sich auch in diesem Metier profilieren zu wollen. Lebrument fordert schliesslich offensiv die Aufhebung der Trennung von Redaktion und Verlag. Von so jemandem erwarte ich nicht viel mehr als die wissenschaftspolitische Forderung nach mehr angewandter Forschung. Diese Art neoliberaler Subjekte fügen der Wissenschaft zur Zeit auch ohne die Hilfe Lebruments einen langfristig erheblichen Schaden zu. (Ja, Frau Nowotny sie sind unter anderem gemeint.)

Wenn Imhof eingestehen muss, dass ihm das Geld fehlt, um die Südostschweiz zu abonnieren und in seine Studien integrieren zu können, dann böte sich für Lebrument doch eine schöne Chance. Er könnte sich als grosser Wohltäter für die Wissenschaft hervortun und dem armen Kurt Imhof in seiner Notlage aushelfen, indem er ihm ein Abo der Südostschweiz schenkt. Sich zum Mäzen aufzuspielen, war doch schon immer das Hobby der Patrons und als Patron versteht sich Lebrument ganz sicherlich.