Schlagwort-Archive: Finanzkrise

Idiot des Tages: Die Typen von Chrysler

 

Ich gebe zu: Eine totale Verweigerungshaltung in Krisenzeiten kann durchaus Sinn machen. Wenn man allerdings über dem Abgrund balanciert, wäre es eventuell an der Zeit über einen Taktikwechsel nachzudenken.

 

Die Auto-Seite im Blick (heute S. 31) ist diesbezüglich so etwas wie das Verweigerungshaltungs-Barometer. Sprich, je grösser die Verweigerung, desto schlimmer die Krise.

Seit der US-Senat das Ansinnen der US-Autoindustrie (Zur Erinnerung: Ford, Chrysler &GM) mit einem Fusstritt (ich liebe den Fusstritt) in den Äther befördert hat, steht vor allem Chrysler am Abgrund. Mit Dodge und Jeep besitzt Chrysler nämlich so etwas wie die „schlechtesten Karten“ im derzeitigen Autopoker. Eine Erklärung erübrigt sich.

 

Wenn der Blick heute also in seiner (Publi-) Reportage fragt, warum Chrysler derzeit keine neuen Dodge- und Jeepmodelle liefert, dann antwortet der Managing Director Thierry Hubert mit:

 

Jetzt folgt eine Konsolidierungsphase mit intensiver Modellpflege sowie einigen Überarbeitungen.

 

Überarbeitung heisst nach Hubert: „So werden beispielsweise diverse Modelle komplett neue und qualitativ hochwertige Interieurs bekommen„.

 

Nicht nur zeigt Chrysler damit, dass man genau am richtigen Punkt ansetzt, nein man hat auch das Mittel gefunden, um das schwindende Kundeninteresse wieder anzukurbeln.

 

Besser ist nur noch Huberts Antwort auf die Frage: Wird Chrysler diese Krise überleben?

Natürlich!

 

Zu Caesars Zeiten hat man den Überbringer schlechter Nachrichten kurzerhand erschlagen. Da dies aus humanitären Gründen heute nicht mehr geht, greift man zur Verweigerungstaktikt. Das Barometer liegt am Anschlag. Die Weltwirtschaftskrise ist da.

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Journalistenkrise x Stellenabbau = Praktikant

Heiteres Journalistenraten

Finde den Zusammenhang:

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Praktikum in der Bildredaktion von „Die Weltwoche“:

Die Weltwoche sucht ab Februar 2009 eine/n Praktikant/in für die Bildredaktion Sie unterstützen die Bildredaktion bei der Recherche in Bild-Datenbanken, bei Bildanfragen und Bildbestellungen sowie bei sämtlichen administrativen Tätigkeiten. Idealerweise haben Sie eine Ausbildung oder ein Studium im Bereich Fotografie absolviert. Sie haben ein gutes Bildverständnis, sind interessiert an internationaler, zeitgenössischer Fotografie und haben eine sehr gute Allgemeinbildung. Sie sind belastbar und kommunikativ, verfügen über gute PC-Kenntnisse und beherrschen die englische Sprache (französisch von Vorteil). Auf Sie wartet eine spannende Aufgabe und zahlreiche Einblicke in die praktischen Arbeitsabläufe unserer Redaktion und des Berufs-Alltags eines Bildredakteurs. Sie lernen die Facetten des Berufsfeldes kennen und werden während des 6-monatigen Praktikums auf die Arbeit in einer Bildredaktion vorbereitet. Bei Interesse senden Sie Ihre Bewerbung und Lebenslauf bitte an: dingsda.blabla@weltwoche.ch

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Weltwoche AG baut Stellen ab

Auch die Weltwoche Verlags AG sieht sich aufgrund der weltweiten Finanzkrise gezwungen, Stellen zu streichen. Um den unternehmerischen Erfolg und die Profitabilität des Unternehmens auch in einem schwieriger werdenden Umfeld sicher zu stellen, seien Restrukturierungsmassnahmen eingeleitet worden, heisst es in einer Mitteilung. Dabei sei auch ein Personalabbau nicht zu vermeiden.

Chefredaktor Roger Köppel im Communiqué: „Kostensenkungen und Restrukturierungen sind für alle Firmen, die angesichts der Krise nicht auf Staatshilfe hoffen können, ein Gebot der Sorgfalt und der Verantwortung.“ Wieviele Arbeitsplätze bei der Weltwoche verloren gehen, ist der Mitteilung des Verlages nicht zu entnehmen.

Vor kurzem hat „persoenlich.com“ in einem Interview Weltwoche-Verleger Roger Köppel nach den Auswirkungen der Finanzkrise auf sein Blatt gefragt. Seine damalige Antwort: „Leider kann ich dazu nicht sagen ‚La crise n’existe pas‘. Wir sind davon auch sehr betroffen. Derzeit haben wir noch keinen starken Inseraterückgang. Wir beobachten die Entwicklung mit grosser Sorge und müssen schauen, wie wir uns unternehmerisch positionieren wollen. Welche Massnahmen wir treffen, darüber kann ich noch nichts sagen.“ Nun ist der Entscheid also gefallen.

Schubumkehr – Wir kaufen uns die UBS

Heiliges Kanonenrohr. Nun ist es also doch passiert. Auch die Schweiz beteiligt sich an den so genannten „giftigen Papieren“ ihrer Banken. In den letzten Tag noch als Trittbrettfahrer gelobt, handelt der BR nun aktiv, mit dem Segen der Finanzkommission. (Wer von Bund und SNB wie viel erhält, hier.)

Lustigerweise will der Bund im Gegenzug bei Managerlöhnen mitreden – oder anders gesagt: goldene Fallschirme und exorbitante Löhne dürften zumindest bei der UBS der Vergangenheit angehören. Thomas Minder wird heute morgen mit einem Lächeln aufgestanden sein. Bei der UBS hingegen herrscht Katerstimmung. Nach Facebook (via) kürzt man den Managern nun auch noch den Bonus. Warum soll man da überhaupt noch arbeiten gehen?

In der Frage allerdings, welche die Bankkunden wirklich interessiert, nämlich ob die Einlageversicherung für Erspartes angehoben wird, schweigt sich der Bundesrat nach wie vor aus. Entsprechende Vorschläge liegen zwar auf dem Tisch, diese müssen aber erst noch durchs Parlament. Ein Entscheid ist daher vor 2009 nicht mehr zu erwarten. Post und Kantonalbanken danken.

Während der Schweizer BR brav Einigkeit zeigt, schlugen sich in den USA John McCain und Barack Obama wegen der Finanzkrise einmal mehr heftig die Köpfe ein. Das dritte Duell ist zu Ende, Sieger ist Obama (wer hätte das gedacht). Und das obwohl beide immer wieder gerne lügen. Der Eine macht’s einfach nicht so plump wie der Andere.

So schlittern wir denn munter weiter in die Wirtschaftskrise. Da nützt alles Hoffen nichts mehr, die Hilfe von oben zeigt sich einfach nicht. So erfreue ich mich zwangsweise an der Realität. Nachdem Onkel Steve endlich wieder mal etwas Taugliches vorgestellt hat (nachdem das Letzte ziemlich platt daherkam), blicke ich wenigstens einigermassen optimistisch in meine digitale Zukunft.