Schlagwort-Archive: CNN

NyTimes, CNN, BBC und die Faust aus Deutschland

Und jetzt zu etwas ganz anderem.

Es war ein netter Auftritt, denn Herr Ahmadinejad gestern aufs Parkett gelegt hat. Da kann man nicht’s sagen. Provozierend, anmassend und vor allem erwartungsgemäss. Nun kann man gerne darüber diskutieren, ob die Schweiz richtig gehandelt hat. Ob es korrekt war, dass die Schweizer Delegation sitzen blieb oder ob es rechtens war, dass sich Bundesrat Merz im Vorfeld mit Irans Regierungschef getroffen hat.

Doch das ist, zumindest für uns, irrelevant. Warum? Weil es nicht weiter von Belang sein wird, ob und wer was getan hat. Die grundlegenden Dinge werden sich nicht ändern. Die Schweiz wird weiterhin die Interessen der USA im Iran vertreten und nach wie vor gute wirtschaftliche und informelle Kontakte zu Israel pflegen. Diese Polemik ist, wen wundert’s, ein Sturm im Wasserglas – wenn auch ein unnötiger. Die Schweiz isoliert sich damit einmal mehr, aufgrund einer inkompetenten Handlung des Bundesrates. Immerhin sind wir uns das mittlerweile gewohnt.

Was also sollte uns denn weiter beschäftigen? Ich habe mir heute kurz durch die Berichterstattung der BBC (Bericht der Konferenz, Erwähnung der Rückberufung des israelischen Botschafters am Rande) , der NY Times (unaufgeregt und sachlich) und von CNN (nicht mal der Rede wert) angesehen. Fazit: International löste weder das Treffen noch Ahmadinejads Rede grosses Echo aus. Warum auch, bis auf den BLICK haben das alle mehr oder weniger erwartet. Einzige Ausnahme im Ausland: Deutschland. So schreibt der Spiegel:

Abendessen mit diplomatischen Folgen: Israel ist sauer, weil der Schweizer Bundespräsident Merz sich mit dem iranischen Präsidenten Ahmadinedschad getroffen hat. Plötzlich stehen die neutralen Eidgenossen im Mittelpunkt des Streits über die neue Nahost-Politik der USA.

Das klingt wie ein Witz, aber offensichtlich ist es dem Spiegel ernst mit dieser Behauptung. Die Motivation und Logik hinter diesem Artikel erscheint mir fragwürdig. Rede und Eklat haben politisch und chronologisch nichts miteinander zu tun. Die Schweiz ist lediglich Gastgeberland im Sinne des UNO-Sitzes in Genf. Zudem blieb Micheline Calmy-Rey der Eröffnung fern. Das Treffen fand im Vorfeld im Sinne der diplomatischen Beziehungen zwischen den Schweizern, den Amerikanern und den Iranern statt. Wo also bitte steht die Schweiz genau im Mittelpunkt des angeblichen Streits über die Nahost-Politik? Manchmal frage ich mich, ob sich das Bild der Schweiz in den deutschen Medien seit Steinbrück verändert hat. Und wenn ich solche Dinge lese, dann ahne ich die Antwort.

CNN – oder schummeln für Anfänger

Nicht nur in der Schweiz wird in den Medien munter geschummelt, sondern auch im Ausland. Zum Beispiel bei CNN. Dort gerne auch etwas heftiger.

Passiert ist´s zwar schon letzte Woche, hab die Geschichte aber erst jetzt gelesen.

Wir erinnern uns noch an die Gaskrise. Und mit ihr an die leidenden Bulgaren, denen nach und nach alle Koch- und Heizmöglichkeiten ausgingen:

Der britische Journalist Robert Moore drehte im Auftrag des TV Sender ITN eine Reportage über die Auswirkungen des Boykotts auf die Bevölkerung. Seine Statisten rekrutierte er in einer Roma-Siedlung in Pleven. Man sah frierende Kinder um einen erloschenen Gas-Herd stehen und erfuhr, dass hier schon mehrere Menschen wegen Kälte und Gasmangel ihr Leben lassen mussten. Anschliessend nahm Moore seine Zuschauer mit auf einen Besuch in ein nahegelegenes Kraftwerk, dessen Gas-Druckzähler auf „0“ stand.

CNN übernahm die Reportage anschliessend von ITN und strahlte sie weltweit aus.

Der bulgarische Journalist Stojan Georgiew, der Pleven offensichtlich kennt, wurde misstrauisch. In einer Gegendarstellung bewies er letzte Woche am bulgarischen TV nicht nur, dass die Roma-Siedlung noch nie ans Gasnetz angeschlossen war, sondern auch, dass die rekrutierten Statisten keine Ahnung hatten, warum sie um einen Herd stehen mussten, der noch nie funktioniert hatte.

Auch der Besuch im nahegelegenen Kraftwerk war aufschlussreich. Der gezeigte Druckzähler steht schon seit Jahren auf null. Logisch eigentlich, er wird ja seit Jahren nicht mehr benutzt.

(via)