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Bei der Aargauer Zeitung weht ein neuer Wind – manchmal

Uns wird ja immer mal wieder vorgeworfen, unsere Berichterstattung sei naiv und unsachgemäss. Wir hätten keine Kenntnis der Sachlage und unsere Argumente entbehren jeglicher Grundlage, weil wir vermeintlich anonym agieren – eben erst geschehen am Beispiel der Aargauer Zeitung.

Da wir eigentlich eine faire Mini-Redaktion sind, ist es an der Zeit etwas klar zu stellen. Die Aargauer Zeitung war einst ein überregionales Blatt mit nationalem Anspruch. Diesen Anspruch hat das Blatt in den letzten Jahren so richtig gründlich in den Arsch geritten. Doch seit die Zeitung „Sonntag“ auf dem Markt ist, regt sich wieder etwas Hoffnung. Nicht nur ist der „Sonntag“ die derzeit spannendste Sonntagszeitung, das Blatt zwingt Agenturen und Verlage auch regelmässig mit Primeuren zur Nachberichterstattung am Montagmorgen.

Damit man versteht wie sich das anfühlt: Jede dieser Zitierungen verweist auf das eigene Versagen und provoziert unweigerlich Fragen wie: Warum hatten wir diese Story nicht bei uns im Blatt? Wo waren unsere Leute? Habt ihr geschlafen?

Seit das Duo Dorer/Mäder aber in den Chefsesseln der Aargauer Zeitung sitzt, hat der Wind auch bei der Wochenzeitung gedreht. Und zwar merklich, obwohl es sich erst um Wochen handelt. Ich denke da etwa an das grosse Interview mit Armee-Chef Blattmann oder den offenen Brief heute von Peter Bodenmann an die Adresse von Christian Levrat. Beide Geschichten kamen zum richtigen Zeitpunkt, das Gesagte an die Adressen des Parlamentes und der SP waren überfällig. Beide Geschichten waren gut platzierte Warnschüsse vor den Bug des Tages Anzeigers und der Neuen Zürcher Zeitung. Solche Sachen lesen wir gerne, das ist informativer, provokativer und intelligenter Journalismus.

Doch leider passieren auch den Neuen die alten Fehler. Oder kann mir einer erklären, warum die Aargauer Zeitung heute titelt: „25 Opfer bei Amokläufen“?

Weil uns unter anderem Redaktoren der AZ gerne vorwerfen wir könnten nicht lesen und rechnen, zähle ich kurz zusammen: USA – 10 Tote, Deutschland 16 Tote, macht, hm, 25? Dumm, dumm, dass solche Dinge aber auch ausgerechnet gross auf der Titelseite stehen müssen..

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Soll der Staat die Printmedien retten?

Wir quacken ja an dieser Stelle gerne mal über die kommende Fastenzeit in der Schweizer Medienbranche. Wir sind allerdings nicht die Einzigen. Auch Rainer Stadler, Medienredaktor der NZZ quackt etwas mit.

Zwei Sachen haben mich dabei zum Nachdenken gebracht. Da beschwört Stadler die kommende Veränderung: „Der Ausleseprozess wird schon bald den Blätterwald drastisch auslichten. Es entsteht eine andere (Medien-)Schweiz„. Aber ein NZZ-Stadler wäre kein NZZ-Stadler wenn er selbst am Rande des gähnenden Abgrunds noch schreien würde: „Wo die Not wächst, ertönt umso schneller der Ruf nach der helfenden Hand des Staats. Sie brächte allerdings kein Heil, sondern schüfe neue unerwünschte Abhängigkeiten„. Konsequent bis zum Untergang.

Das zweite was mein Gehirn angeregt hat, ist die Replik von Norbert Neininger-Schwarz. Gesundheit? Das ist der Chefredaktor und Verleger der Schaffhauser Nachrichten. Neininger-Schwarz fordert in der heutigen NZZ Staatshilfe für die Printmedien. Etwas schüchtern zwar noch, aber doch offensichtlich. „Die missliche Lage haben Politiker erkannt, und wir können damit rechnen, dass bald Förderungsmassnahmen diskutiert werden, die mit staatlicher Einflussnahme einhergehen.“ Er nennt dies: „Den Bannwald der Demokratie schützen„.

Also, nur damit mein Kopf das richtig verstanden hat: Auf der einen Seite brüllt das Volk danach die Billag abzuschaffen und die staatliche Unterstützung für die SRG zurückzufahren. Auf der anderen Seite sehen sich die kleinen Schweizer Medienverlage bereits so an die Wand gedrängt, dass sie im liberalen Flaggschiff der Schweiz nach staatlicher Unterstützung weinen, nur weil sie glauben, Information wäre ein staatstragendes Gut?

Interessante Innenansicht einer dekadenten Berufsgruppe. Zum einen, ja. Zum anderen ist das aber auch ein Problem für die gesamte Schweizer Bevölkerung. Ich kann nur noch einmal darauf hinweisen, dass die TA-Media durch die Wirtschaftskrise zur grossen Gewinnerin wird. Es entsteht mit immer grösserer Wahrscheinlichkeit ein Meinungsmonopol, dass von Zürich aus diktiert werden wird. Und das ist, Liberalismus und Staatshilfe hin oder her, kein praktikables Szenario. Weder für die Politiker noch für die Bevölkerung. Es reicht, wenn wir bereits bei Radio und TV zwei Monopolisten haben. Ich fordere keine Staatshilfe, sondern intelligenten Medienkonsum. Um 20Minuten oder NEWS zu ignorieren braucht es keinen Uni-Abschluss oder ein dickes Porte-Monnaie, sondern nur etwas Willen.

Held des Tages: Peter Hartmeier

Es ist schon interessant mit anzusehen, wie sich in wirtschaftlich unsicheren Zeiten die Negativmeldungen häufen und damit einer gewissen kopflosen Panik den Weg ebnen. Ich habe mir zwar geschworen die TA-Media zu ignorieren. Wenn aber ein alter, erfahener Hase die Stimmung in einem Leitartikel so auf den Punkt bringt, dann mache ich gerne eine Ausnahme. Denn, da hat Peter Hartmeier meiner Ansicht nach recht:

Derzeit sind wir ein Land ohne Führung.

Natürlich freuen wir uns, wenn ein Bundesrat Zeit findet, dem Kunstmaler Hans Erni zum 100. Geburtstag zu gratulieren. Und selbstverständlich finden wir den Asien-Trip unserer Wirtschaftsministerin inspirierend. Gebannt beobachten wir den Streit von Bundesrat Pascal Couchepin mit den Ärzten. Wir verstehen, dass unsere Bundesräte ihre Tage irgendwie ausfüllen müssen – bestünde da nicht noch ein anderes Problem. Ein kleiner Zwist mit den Vereinigten Staaten von Amerika. Mit gewinnmaximierenden Bankmanagern, die angeblich Untaten begangen haben. Mit einer Grossbank, die durch ihre Schräglage unsere Volkswirtschaft gefährdet. Mit Bankkunden, die das Vertrauen in den Schweizer Rechtsstaat verlieren. Mit unbescholtenen Schweizer Bürgerinnen und Bürgern, die plötzlich verdächtigt werden, Profiteure eines Schurkenstaates zu sein. Die Eidgenossenschaft durchlebt eine der härtesten Krisen der letzten 50 Jahre. Und wieder wird das Land nicht regiert. Weder übernimmt der Bundespräsident die Führung, noch agiert die Aussenministerin. Und in der Diplomatie fehlen offensichtlich Köpfe: In seinen besten Zeiten wäre jetzt ein Franz Blankart eingesprungen oder ein Thomas Borer. Bis vor zehn Jahren bestanden enge Beziehungen zu Deutschland, das oft die Interessen der Schweiz in der EU vertrat. Heute agieren in Berlin mangels eidgenössischen Lobbyings fast nur noch Gegner unseres Landes. In Washington sollen diese Woche einige Schweizer Parlamentarier für die Interessen des Finanzplatzes weibeln. Sie werden böse Überraschungen erleben, weil ein Krisenmanagement nicht aus dem Stegreif organisiert werden kann. Am schlimmsten ist die fehlende Glaubwürdigkeit und Akzeptanz: Manager, deren Horizont nur aus Zahlen besteht, verstecken sich tatsächlich besser in der Anonymität; Politiker, die unser Land international in die politische Isolation trieben, schweigen richtigerweise. Die Bildung einer Taskforce ist eine gute Idee, mit der auch die unselige Trennung zwischen Steuerhinterziehung und Steuerbetrug beendet werden kann. Dafür braucht es aber eigenständige Persönlichkeiten, die gegen innen Unpopuläres sagen und gegen aussen als mutige Interessenvertreter überzeugen.

www – wirres wursteln im Weblog von Ueli Haldimann

Was macht eigentlich SF-Chefredaktor Ueli Haldimann Samstagabends um 22Uhr? Richtig: er schreibt einen Blogeintrag. Allerdings mit Fehlern, kurz und ziemlich wirr.

Jahrelang haben Bankenkreise versucht, die Journalisten dazu zu bewegen, nicht mehr vom Bankgeheimnis zu sprechen, sondern vom Bankkundengeheimnis. Geschützt werden solle ja nicht das Geheimnis der Bank, sondern jenes der Bankkunden. Jetzt, das das Geheimnis der Bankkunden nur noch von Fall zu Fall geschützt wird, sprechen wieder alle nur noch vom Bankgeheimnis.

Ende, aus Schluss, das wars auch schon. Ja… und? Ist das ernsthaft Ueli Haldimanns Beitrag zum Thema Bankgeheimnis? Also wirklich…