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Kurt W. Zimmermann: Wie man sich Freunde macht

Eben noch hat uns Zimmi-Chefe Roger Köppel erklärt, dass die Wirtschaft gut und der Staat böse sei. Und das hat der Zimmi wohl auch gelesen und beschlossen fortan in seinen Kolumnen auf den Staat zu schiessen. Diese Woche ist es die SRG, nächste Woche die, öh, SRG und übernächste Woche muss es wohl auch die SRG sein. Etwas anderes hat der Staat derzeit ja nicht zu bieten.

Die SRG, das einzige Medienunternehmen in der Schweiz, dem die Wirtschaftskrise am Arsch vorbei geht, hat einen schweren Stand. Man muss keine Leute entlassen, keine Programme kürzen und keine Produkte einstellen. Am besten würde man in dieser Situation einfach schweigen. Aber auch das geht nicht, denn schliesslich wird momentan darüber beraten, ob TV und Radio in Zürich künftig ein gemeinsames Bett teilen sollen, oder ob das Radio föderalistisch und das Fernsehen zentralistisch bleibt. Dumm aber auch, dass Armin Walpen ausgerechnet jetzt mit einer Gebührenforderung losquackt. Als SRG-Mitarbeiter würde ich meine Dart-Scheibe mit Walpens Konterfei schmücken.

Zurück zu Zimmi. Was macht man also, wenn man gegen den Staat schiessen muss? Richtig. Man holt die alten Argumente hervor. Der Staat kassiert Gebühren und gleichzeitig Werbegelder. Der Staat ist übermächtig. Und, der Staat betreibt ein unverhältnismässiges Lobbying. Nun, geschätzter Kollege Kurt W. Zimmermann. Das wissen wir alles. Und nur weil sie es sagen, wird es nicht besser. Sicherlich, damit machen sie sich ausnahmsweise keine zusätzlichen Feinde, sondern blasen in ein Horn, in das schon alle anderen geblasen haben. Aber viel spannender wäre doch die Frage, wie viele Journalisten ein Magazin wie die Weltwoche noch entlassen kann, bevor der Begriff „Magazin“ illegitim wird?

Gerade sie müssten das doch wissen – und würden sich damit, nebenbei gesagt, auch mal ein paar Freunde schaffen. Mich zum Beispiel.

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Idiot des Tages: TA-Media vs. Billag

Manchmal verstehe ich Journalisten-Logik nicht. Da schreibt die Pendlerzeitung NEWS heute einen grossen Artikel darüber, dass SRG-Mitarbeitende (seit Jahrzehnten übrigens) teilweise oder ganz von der Billag befreit sind. Dass sie folglich keine Gebühren für ihr eigenes Produkt bezahlen. Das ist, so entnehme ich dem Artikel, offensichtlich böse. Dass bspw. Ringier-Angestellte ihre eigenen Erzeugnisse auch nicht berappen müssen, ist aber offensichtlich völlig in Ordnung.

Vielleicht ist das auch einfach der Neid, der da spricht. Neid, weil man bei der TA-Media geglaubt hat, auch dieser Betrieb würde die Angestellten von der Abonnementsgebühr für das eigene Produkt befreien. Als den Journalisten dann auffiel, dass NEWS gar nichts kostet, war´s zu spät.

Soll der Staat die Printmedien retten?

Wir quacken ja an dieser Stelle gerne mal über die kommende Fastenzeit in der Schweizer Medienbranche. Wir sind allerdings nicht die Einzigen. Auch Rainer Stadler, Medienredaktor der NZZ quackt etwas mit.

Zwei Sachen haben mich dabei zum Nachdenken gebracht. Da beschwört Stadler die kommende Veränderung: „Der Ausleseprozess wird schon bald den Blätterwald drastisch auslichten. Es entsteht eine andere (Medien-)Schweiz„. Aber ein NZZ-Stadler wäre kein NZZ-Stadler wenn er selbst am Rande des gähnenden Abgrunds noch schreien würde: „Wo die Not wächst, ertönt umso schneller der Ruf nach der helfenden Hand des Staats. Sie brächte allerdings kein Heil, sondern schüfe neue unerwünschte Abhängigkeiten„. Konsequent bis zum Untergang.

Das zweite was mein Gehirn angeregt hat, ist die Replik von Norbert Neininger-Schwarz. Gesundheit? Das ist der Chefredaktor und Verleger der Schaffhauser Nachrichten. Neininger-Schwarz fordert in der heutigen NZZ Staatshilfe für die Printmedien. Etwas schüchtern zwar noch, aber doch offensichtlich. „Die missliche Lage haben Politiker erkannt, und wir können damit rechnen, dass bald Förderungsmassnahmen diskutiert werden, die mit staatlicher Einflussnahme einhergehen.“ Er nennt dies: „Den Bannwald der Demokratie schützen„.

Also, nur damit mein Kopf das richtig verstanden hat: Auf der einen Seite brüllt das Volk danach die Billag abzuschaffen und die staatliche Unterstützung für die SRG zurückzufahren. Auf der anderen Seite sehen sich die kleinen Schweizer Medienverlage bereits so an die Wand gedrängt, dass sie im liberalen Flaggschiff der Schweiz nach staatlicher Unterstützung weinen, nur weil sie glauben, Information wäre ein staatstragendes Gut?

Interessante Innenansicht einer dekadenten Berufsgruppe. Zum einen, ja. Zum anderen ist das aber auch ein Problem für die gesamte Schweizer Bevölkerung. Ich kann nur noch einmal darauf hinweisen, dass die TA-Media durch die Wirtschaftskrise zur grossen Gewinnerin wird. Es entsteht mit immer grösserer Wahrscheinlichkeit ein Meinungsmonopol, dass von Zürich aus diktiert werden wird. Und das ist, Liberalismus und Staatshilfe hin oder her, kein praktikables Szenario. Weder für die Politiker noch für die Bevölkerung. Es reicht, wenn wir bereits bei Radio und TV zwei Monopolisten haben. Ich fordere keine Staatshilfe, sondern intelligenten Medienkonsum. Um 20Minuten oder NEWS zu ignorieren braucht es keinen Uni-Abschluss oder ein dickes Porte-Monnaie, sondern nur etwas Willen.