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Die Bildredaktion – Das schwarze Loch

Hurra. Ein neues Jahr hat begonnen.

Und kaum bin ich wieder im Lande, überraschen mich die Schweizer Medien mit einem erneuten Kreativitätsschub. Die NZZ will fast 30 Stellen abbauen und trotzdem auf hohem Niveau weiter produzieren. Der Plan könnte durchaus aufgehen. Da die NZZ analog zu vielen anderen Redaktionen ihr Personal reduziert, wird das Niveau ganz allgemein etwas sinken, womit die NZZ zumindest ihren relativen Unterschied in der Niveauskala halten dürfte.

Dass die Reduktion des Redaktionspersonals die skurrilsten Blüten trägt, darauf haben wir hier schon mehrfach hingewiesen. Was ich gestern allerdings in der Gratis Zeitung BlickAmAbend lesen durfte, stammt vermutlich nicht mal aus der Feder eines Praktikanten. Vielleicht handelt es sich auch nur um ein Missverständnis zwischen Bildredaktion und Newsdesk. Oder, wer weiss, eventuell ist dies die neuste Methode, Geld für Bilder zu sparen.

Blick am Abend - Die Bild-Text-Schere
Mit dieser Art Journalismus lässt sich übrigens ein Primeur nach dem anderen schreiben. Zum Beispiel könnte die SOZ nächsten Sonntag mit folgender Schlagzeile titeln:

In rasender Fahrt: Moritz Leuenberger

Leuenberger am Steuer seines getunten Mitsubishi Colt bei 198km/h auf der Autobahn (Lichter gelöscht).

Von Plastikschwänzen und fahrenden Hunden

Bildredakteur zu sein, ist nicht immer einfach. Meistens muss man hundert Dinge auf einmal erledigen, wird von allen gleichzeitig angeschnauzt und für die Suche nach wirklich tollen Bildern bleibt kaum Zeit.
Aber manchmal entdeckt auch ein Bildredakteur wahre Perlen, beispielsweise heute im Blick (S.18). Und die sehen dann so aus:
Swingen ist lustig
Sieht zwar aus wie eines meiner Ferienfotos, doch auch in amerikanischen Swingerclubs geht es oft lustig zu und her.

In seltenen Fällen, bilden Bildredaktion und Produzent gar ein richtig gutes Team. Dann nämlich, wenn Titel und Bild alleine schon eine Geschichte hergeben, wie beispielsweise heute im Tages Anzeiger. Da brauch ich den Text gar nicht erst zu lesen.
Fahrende Hunde im Tages Anzeiger
In Anbetracht, dass ich sowieso zuerst das Bild betrachtet und den Titel nur überflogen habe, hiess die Geschichte für mich: Immer mehr Hunde als Straftäter. Fahrende Hunde sind irgendwie fast noch besser, als Golfmobile mit Plastikschwänzen.

Journalistenkrise x Stellenabbau = Praktikant

Heiteres Journalistenraten

Finde den Zusammenhang:

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Praktikum in der Bildredaktion von „Die Weltwoche“:

Die Weltwoche sucht ab Februar 2009 eine/n Praktikant/in für die Bildredaktion Sie unterstützen die Bildredaktion bei der Recherche in Bild-Datenbanken, bei Bildanfragen und Bildbestellungen sowie bei sämtlichen administrativen Tätigkeiten. Idealerweise haben Sie eine Ausbildung oder ein Studium im Bereich Fotografie absolviert. Sie haben ein gutes Bildverständnis, sind interessiert an internationaler, zeitgenössischer Fotografie und haben eine sehr gute Allgemeinbildung. Sie sind belastbar und kommunikativ, verfügen über gute PC-Kenntnisse und beherrschen die englische Sprache (französisch von Vorteil). Auf Sie wartet eine spannende Aufgabe und zahlreiche Einblicke in die praktischen Arbeitsabläufe unserer Redaktion und des Berufs-Alltags eines Bildredakteurs. Sie lernen die Facetten des Berufsfeldes kennen und werden während des 6-monatigen Praktikums auf die Arbeit in einer Bildredaktion vorbereitet. Bei Interesse senden Sie Ihre Bewerbung und Lebenslauf bitte an: dingsda.blabla@weltwoche.ch

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Weltwoche AG baut Stellen ab

Auch die Weltwoche Verlags AG sieht sich aufgrund der weltweiten Finanzkrise gezwungen, Stellen zu streichen. Um den unternehmerischen Erfolg und die Profitabilität des Unternehmens auch in einem schwieriger werdenden Umfeld sicher zu stellen, seien Restrukturierungsmassnahmen eingeleitet worden, heisst es in einer Mitteilung. Dabei sei auch ein Personalabbau nicht zu vermeiden.

Chefredaktor Roger Köppel im Communiqué: „Kostensenkungen und Restrukturierungen sind für alle Firmen, die angesichts der Krise nicht auf Staatshilfe hoffen können, ein Gebot der Sorgfalt und der Verantwortung.“ Wieviele Arbeitsplätze bei der Weltwoche verloren gehen, ist der Mitteilung des Verlages nicht zu entnehmen.

Vor kurzem hat „persoenlich.com“ in einem Interview Weltwoche-Verleger Roger Köppel nach den Auswirkungen der Finanzkrise auf sein Blatt gefragt. Seine damalige Antwort: „Leider kann ich dazu nicht sagen ‚La crise n’existe pas‘. Wir sind davon auch sehr betroffen. Derzeit haben wir noch keinen starken Inseraterückgang. Wir beobachten die Entwicklung mit grosser Sorge und müssen schauen, wie wir uns unternehmerisch positionieren wollen. Welche Massnahmen wir treffen, darüber kann ich noch nichts sagen.“ Nun ist der Entscheid also gefallen.