Schlagwort-Archive: Basler Zeitung

Mediales Littering – Heute: BAZ, SF, SDA u.a.,

Manchmal kriegt man den Eindruck, Sonntags dürfen in den Redaktionen jeweils Praktikanten und Aushilfen die Texte schreiben. Hier eine kleine Auswahl an Schlagzeilen:

Schlusslicht Luzern verliert Drama

Ob (das) Drama später wieder gefunden wurde, war dem weiteren Verlauf der SDA-Meldung nicht zu entnehmen.

Bei den Wahlen im zum Aargauer Kantonalparlament sind die Grünen mit sechs Sitzgewinnen die Gewinner. Die grossen Parteien verloren Stimmanteile zugunsten der kleinen.“

Je-Ka-Mi bei der Basler Zeitung.

Erstmals seit zwölf Jahren sind die britischen Streitkräfte in Nordirland wieder Ziel eines tödlichen Anschlags geworden. Eine IRA-Splittergruppe bekannte zu dem Verbrechen

Beim Tages Anzeiger stören „sich“ offen-sich-tlich.

Die bewilligte Demonstration der rechtsextremen Partei National Orientierter Schweizer (PNOS) in Burgdorf (BE) hat nicht stattgefunden. Die PNOS-Anhänger versammelten sich zwar in Burgdorf, zogen dann aber in Richtung Bern. Mittlerweile sind sie erneut aus Bern abgereist.“

Erneut? Beim SF verkehren PNOS-Anhänger öfters in Bern als sie selber wissen.

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Idiot des Tages: Matthias Hagemann

Es ist nun wirklich nicht so, dass ich aktiv nach Idioten suche. Aber wenn einer derart an Wunder glaubt, drängt sich das Thema einfach auf. Als Angestellter der Basler Zeitung würde ich mir spätestens jetzt Gedanken um die mentale Gesundheit meines Chefs machen.

„Gioia flennt“ – Gölä auch

Das erste Mal seit dieser Retorten-Mist im TV läuft gab’s was zu lachen. Zum einen verdanke ich das dem Produzenten der Basler Zeitung, der in Sachen Titelwahl nicht nur Björn Hering, Franka Potente und dem Schweizer Fernsehen ans Bein gepinkelt hat, sondern auch Thomas D, den Castingformaten und allen minderjährigen Möchtegern-Stars.
Zum anderen gebührt der Dank aber auch dem Musiker Göla, der nun, so lässt seine Reaktion vermuten, mit Gioia im Akkord flennt. Schön finde ich auch, dass Göla heute der Aargauer Zeitung sagte: „Die Gefahr ist jetzt sehr gross, dass die Sendung verkommt“. Ja, dieser Leuchtturm an Qualität und Fairness steht nun im Bunde des Bösen, welch Schande!

So schliessen wir mit einem Zitat des Handwerkers, der da ernsthaft sagte: «Ich muss mir jetzt überlegen, ob ich noch mitmachen will. Auf jeden Fall muss etwas geschehen, damit so etwas nicht noch einmal passieren kann.»

Herr Sven Sarbach, wir hätten auch schon eine Idee: Am besten sie schaffen die Kiste einfach ab. Konsequent, effizient und gratis.

Update 1800: Wenn Sven Sarbach nicht hinkriegt was man fordert, kann man zum Glück auf Göläs „Büezerhärz“ vertrauen. Der Musiker hat sich  soeben selber aus der Jury geworfen. Es muckt mich das zu zugeben, aber das war schon fast sympathisch.

Boulevard heute – Ein Leitfaden

Letzthin bin ich auf ein Blog gestossen, das besagt, dass der Blick am Abend wohl bald zum „Blick am Ende“ führen werde. Die nachvollziehbare Begründung: Es gäbe keinen Grund mehr, das einstige Flaggschiff der Schweizer Zeitungslandschaft zu lesen. Die guten Geschichten fehlten, die Zeitung liefere keinen Gesprächsstoff mehr – kurz: es stehe nichts mehr drin, was man wissen müsse.

Gegen diese These habe ich nicht viel einzuwenden. Höchstens vielleicht, dass es seit dem Themen-Relaunch nicht wesentlich besser geworden ist. Daher haben wir beschlossen, dem Blick etwas Hilfe anzubieten. Es gibt sie nämlich, die guten Geschichten aus der untersten Schublade. Dumm nur, dass dies beim Blick niemand merkt.

So findet sich beispielsweise im Jahresbericht des Berner Kantonschemiker soviel unappettitliches zum Thema „essen sie doch mal wieder aufwärts“, dass es locker für eine ganze Blick-Serie reichen würde. Die Berner Zeitung hat´s gemerkt und mir genüsslich den Magen verdorben:

Höchstwahrscheinlich wurden die Noroviren aber durch die Kleider eines Kellners übertragen: Eine Person aus der ersten Gruppe musste im Bereich der Toiletten erbrechen, weil sie diese nicht mehr rechtzeitig erreichte. Ein Kellner wischte das Erbrochene zwar umgehend auf. Weil er aber dringend im Service gebraucht wurde, konnte er seine Kleider nicht wechseln.

Ich sehe schon die Schlagzeile: Der Grüsel-Kellner von Bümpliz – herrlich. Ein weiteres Beispiel gefällig?

In einem anderen Restaurant fanden Gäste bei einer kalten Platte Spuren von Blut auf Schinken und Aufschnitt. Gegenüber dem Lebensmittelkontrolleur gab der Küchenchef zu, dass er sich bei der Zubereitung geschnitten habe. «Von der Weisung, Wunden zu verbinden und die verletzte Hand mit einem Handschuh zu schützen, hatte er angeblich nie etwas gehört», schreibt Deflorin. Die Gäste wollte er mit einem Essensgutschein entschädigen.

Essensgutschein, härzig.

Soviel zur inexistenten Blickserie über die hässlichsten Restaurants im Kanton Bern. Dies ist aber bei weitem nicht die einzige Geschichte, die wir für den Blick auf Lager hätten. Auch aus der Sparte „jö aber nei au“ gibt es etwas zu berichten:

Gestern bereits verkündete das Regionaljournal Basel, die SBB mache ernst und verbiete den „Surprise-Verkäufern“ im Bahnhof Basel das Maul. Zeigen ja, schreien nein lautet die Devise. Wer einmal in Basel war, der weiss: das trifft einen Verkäufer besonders hart. Der Mann steht seit Jahren praktisch jeden Tag am Bahnhof und schnarrt „Suuuurprise – Straaaaaassemagggadzin“. So soll er fortan schweigen. Nur: Das Schweigen gilt nicht für alle. So berichtet heute die Basler Zeitung, dass die Fasnachts-Plaketen-Verkäufer fortan neben dem Surprise-Verkäufer stehen und die Passanten weiterhin anplärren dürfen – temporär zwar nur, aber trotzdem.

Gewusst wie: Gleiches Recht für fast alle – eine klassische Blick-Geschichte.

Übrigens: Sollte auch nur ein Neuntel meiner Ideen fremdverwendet werden, verlange ich Honorar und klage alles was sich bewegt in Den Haag ein.

Willkommen: Die Medien-Krise ist da

Nun ist es definitiv. Die Rezession ist da. Auch in der Zeitungsbranche. Wie heute bekannt wurde, baut die kleine Basler Zeitung abermals Stellen ab. Diesmal allerdings richtig heftig. Die Wochenendbeilage wird eingestellt, 22 Vollzeitstellen verschwinden. Das spürt eine Redaktion. Und das wird man der Zeitung ansehen.
Auch die Annabelle mauschelt sich durch die Krise und hat klammheimlich die Annabelle-Men Ausgaben fürs ganze Jahr gestrichen, selbst wenn dies bis heute offiziell noch niemand kommuniziert hat. Auch hier gehen Arbeitsplätze verloren.

In nächster Zukunft folgen ziemlich sicher: Die Mitteland-Zeitung und die TA-Media. Der Tages-Anzeiger wird seine Abbaupläne meinem Gefühl nach im Frühling bekannt geben. Die Aargauer Zeitung dürfte etwa zur selben Zeit folgen.
Die erste Zeitung die aufgeben muss, wird voraussichtlich der Bund sein. Daran führt kein Weg vorbei. Auch dieser Schritt wird im Laufe des Frühlings kommuniziert. Danach folgt .CH. Die Zeitung wird im Laufe des Jahres eingestellt. Sollte sich die Wirtschaftskrise noch verschlimmern, ist es vermutlich bereits im Sommer soweit. Auf der Kippe stehen zudem NEWS und der Blick am Abend. Wobei Ringier vermutlich zuerst aufgibt.

Puuuh.. Ich wünschte, mein Gefühl würde mich täuschen. Vor allem wenn man bedenkt, dass wir hier nur von Printredaktionen sprechen.

Oder aber, man geht mit einer gesunden Portion Selbstvertrauen in die Welt hinaus. Letzthin hat mir eine Redaktorin beim Schweizer Fernsehen erzählt, sie hätte die Kündigung eingereicht. Als ich sie fragte, warum sie ausgerechnet jetzt einen sicheren Arbeitsplatz aufgebe, meinte sie: „Ich will die Welt sehen. Und warum nicht gerade jetzt? Ich komm dann wieder, wenn’s besser aussieht“.

Ich hab die betreffende Redaktorin nie gemocht. Aber vor dieser Aktion ziehe ich meinen Hut. Und dafür, das gebe ich gerne zu, mag ich sie etwas lieber als auch schon.

Web 2.0 – Protokoll des Grauens

Auf der Webseite der Baslerzeitung (als Teil von Newsnetz) spielt sich derzeit weitgehend unbemerkt ein Drama ab, wie es die Schweiz nur selten gesehen hat. Und das scheint irgendwie keine Sau zu stören.

In der Nacht zum Sonntag krachte in Basel ein Autofahrer Innerorts mit geschätzten 100 Km/h (Polizeiangaben) in eine Reihe parkierter Autos. Der Fahrer, ein junger Mann der erst seit kurzem im Besitze des Fahrausweises war, verstarb noch auf der Unfallstelle. Erste Ermittlungen ergaben: Der Fahrer war nicht angegurtet.

Bereits Sonntag früh fingen die Diskussionen in den Kommentarspalten des betreffenden BAZ-Artikels an. Die Argumente sind wie immer dieselben: Ein Raser weniger, der Mann ist selber schuld, Bern solle handeln, Verantwortung sollte ein Unterrichtsfach werden. Soweit so schlecht, bis sich die Angehörigen, oder vermeintlichen Angehörigen des Unfallopfers einzumischen begangen. Nicht nur wurde schnell klar, um wen es sich beim Opfer handeln muss, schnell war auch bekannt, dass es sich dabei um einen Jugendlichen mit türkischem Migrationshintergrund handelt. Zu guter Letzt äusserte sich auch noch die (eine vermeintliche) Mutter zum Verantwortungsbewusstseins ihres Jungen und verlangte von den Diskussionsteilnehmern in einem Beitrag mehr Respekt vor dem Verstorbenen:

„An ALLE die unhöflich und dem Sterbenden null Respekt zeigen. Wir als Familie von XXX (Fahrer) kennen unseren Sohn ausreichend um zu wissen, dass unser Sohn Verantwortungsbewusst ist. Unser Leid ist gross und ALLEN die nicht wissen, wie man dem Tod begegnet, seid still und schweigt, der Tod ist euch nicht fern. XXX hat den Tod nicht verdient, hört bitte auf. Wir trauern um einen Engel…

Es liegt mir fern in irgendeiner Weise von dieser Leichenfledderei zu profitieren. Aber wer auch immer die Kommentarspalte der BAZ betreut ist entweder dieses Wochenende im Kofferraum des Verunfallten mitgefahren oder aber er oder sie hat sämtliche ethischen und moralischen Codes vergessen. Es ist beinahe unerträglich mit anzusehen, wie sich User derzeit über einen jungen, toten Menschen hermachen, der aus einer Dummheit sein Leben gelassen hat, wenn auch glücklicherweise nur sein eigenes. Das ist mit Abstand das niederste Stück Web 2.0, das je auf einer Schweizer News-Website statt gefunden hat. Ich bin zutiefst enttäuscht, ich kann es nicht anders ausdrücken, dass so etwas seit über 24 Stunden online steht und keine Sau etwas dagegen unternimmt. Diese Kommentarspalte verstösst gegen alles, was auch nur im Geringsten mit Würde und Anstand zu tun hat. Es sind dies die grauenhaften Seiten von Web 2.0.

Schweizer Zeitungen: „UBS – Der Donnerschlag“

Für einmal macht Zeitunglesen richtig Spass. Die Reaktionen zum Milliardenhilfspaket des Bundes, kurz auf den Punkt gebracht:

„Es ist ein eigentlicher Donnerschlag.“

Reaktion der NZZ (S.19) zum Hilfspaket

„Das im Dringlichkeitsrecht verabschiedete Paket folgt der Devise Klotzen statt Kleckern.“

Gleiche Zeitung (S.19) zur Dimension der Hilfe

„Les banquiers ont perdu de leur superbe depuis qu’ils se savent mortels.“

Die Finanzkrise für Philosophen in der La Liberté (S.3)

„Den Preis des Vertrauens kennt keiner.“

Basler Zeitung (S.2) dazu, ob 68 Milliarden Franken reichen.

„Der 16. Oktober 2008 geht in die Schweizer Geschichte ein. Ob dies gut oder schlecht ist, wird die Zukunft zeigen.“

Die Aargauer Zeitung demonstriert auf dem Titel einmal mehr, dass sie eigentlich keine Ahnung hat, um was es geht.

„La Suisse, derechef, a abandonné son statut autoproclamé d’île trainquille au milieu de la tempête.“

Der Lausanner 24 heures (Titel) zum Donnerschlag (NZZ).

„La tempête sera longue et elle fera mal.“

Das schmerzt schon beim Lesen. Gleiche Zeitung zur Finanzkrise (S.3)

„Jetzt musste einer der Vertreter der freien Marktwirtschaft in Bern zu Kreuze kriechen. Und um unser Geld betteln.“

Blick über UBS-Chef Kurer (S.3)

„Jetzt musste er auf jene Grossherzigkeit hoffen, die er vor sieben Jahren vermissen liess“.

Blick über Kurer, der vor sieben Jahren der Swissair den Geldhahn zudrehte (S.3)

„Der Sündenfall“

Der Bund im Titel des Leitartikels über Kurers Kniefall (Blick)

„Die Kröte ist enorm dick. Etwas Schluckhilfe bieten wenigstens einige Bedingungen des Deals“.

Gleiche Zeitung (Leitartikel) über die Dimension des Hilfspaketes

„Weiss ihre Ex-Partei eigentlich, welche Perle sie da ausgestossen hat?“

Aargauer Zeitung zur Finanzministerin ad interim

„Die ungewohnte Zurückhaltung und der positive Quartalsausweise der UBS führten zu Fehlschlüssen in den Medien, der Finanzplatz Schweiz sei womöglich einer der Gewinner der Finanzkrise“.

Leise Kritik der NZZ an den Kommunikationsfähigkeiten des Bundesrates und der UBS-Spitze (S.13)

„Der Bundesrat zeigt in einem historschen Augenblick entscheidende Fähigkeiten, nämlich Augenmass, gepaart mit Reaktionsvermögen“.

Freude in der Innerschweiz. Titelkommentar der Neuen Luzerner Zeitung

„Der Staat hat deshalb seine Gesamtverantwortung wahrgenommen, um diese unsägliche Abwärtsspirale der ganzen Volkswirtschaft zu stoppen.“

Freude in Graubünden. Titelkommentar der Südostschweiz

„Die Schweiz kann schon froh sein, wenn der Schuh, den sie herausziehen wird, etwas weniger voll sein wird als derjenige der anderen“.

Freude in der Ostschweiz: Titelkommentar des St. Galler Tagblatt

Und ja, den Leitartikel des TA von Herrn Strehle hab ich nicht reingenommen. Den finde ich, kurz gesagt, zu lang – und zu langweilig. Sorry.