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Armin der Grosse, Roger der Schnelle

Eines muss man Roger Schawinski lassen. Er ist schnell, verdammt schnell. Kaum hatte Armin Walpen, Chefdirigent der SRG, SSR, Idée Suisse das Wort Rücktritt ausgesprochen, da stand der Kommentar seines Kontrahenten auch schon online. Ein Narr wer denkt, Schawi hatte diesen „Grabstein“ schon lange vorfabriziert.

Ein Narr übrigens auch, wer glaubt, mit den angekündigten Sparmassnahmen werde das Budget der SRG irgendwann wieder ausgeglichen. Ein Lohn- und Investitionsstop kann die Ausgaben in bestem Fall auf heutigem Niveau halten. Die Schulden verschwinden aber ohne Zustupf nicht – und den wird es in absehbarer Zeit nicht geben. Auch wird die Wirtschaftskrise weiter anhalten. Logisch also, dass Szenario „Priorität 2“ ab 2010/2011 zum Zuge kommt. Auch Szenario „Priorität 3“ dürfte mehr oder weniger beschlossene Sache sein, auch wenn uns jetzt noch nicht ganz klar ist, wie man einen Radiosender wie die DRS-Musikwelle ohne Proteste und Aufgabe der ehrgeizigen DAB-isierungspläne der Schweiz realisieren will.

Hat übrigens jemand bemerkt, dass Szenario „Priorität 2“ bereits die Abschaltung des Jugendsender „Virus“, eine Reduktion der Programme bei HD-Suisse, Wegfall von Sponsoring (u.a. Filmfestival Locarno, Estival Jazz u.a.) sowie eine „publizistische Neuausrichtung der italienischsprachigen Radioprogramme“ vorsieht?

Cara mia.

Wirtschaftskrise+Sparmassnahmen=Preiserhöhung

In den letzten Tagen war es an der journalistischen Front vergleichsweise ruhig. Dafür kommt´s nun um so dicker. Den Anfang machte NZZ-CEO A.P. Stähli mit seiner Ankündigung, man wolle die Abopreise erhöhen und in Sachen Internet zumindest teilweise von „free“ auf „paid“ wechseln. Einerseits muss man vor dieser Entscheidung den Hut ziehen, schliesslich haben wir in den letzten Wochen zur Genüge miterlebt, wie es ist, wenn das Management aus Renditegründen (oder roten Zahlen / siehe NZZ) auf Kosten des Personals spart. Im Falle der NZZ muss jetzt also zuerst einmal der Leser bluten. Soweit ich mich erinnern kann ist das in der aktuellen „es muss noch billiger produziert werden“-Phase ein Novum (Der Bund sei hier ausgenommen, denn dabei handelt es nach dem Zusammenschluss mit dem Tages Anzeiger um eine „neue“ Zeitung, zudem war der Bund vergleichsweise billig). Man darf gespannt sein, wie die Abonnenten auf diese Erhöhung reagieren werden.

Für eine Qualitätszeitung ist dies derzeit aber leider einer der wenigen gangbaren Wege aus der aktuellen Krise. Entweder das, oder man definiert das Redaktionsstatut neu. Eine Massnahme, zu der sich auch der Tages Anzeiger früher oder später genötigt sehen wird, auch wenn mir Jean-Martin Büttner hier widersprechen würde.

Die NZZ ist übrigens nicht die einzige, die etwas gar laut über etwaige Preiserhöhungen nachdenkt. Auch die SRG plant derlei, behauptet zumindest die Weltwoche. Während die NZZ selbständig entscheiden kann, hat der Bundesrat bei der SRG das letzte Wort. Und es dauerte keine 12 Stunden (!), da mischte sich auch schon die SVP ein. Allerdings wäre bei dieser These durchaus Vorsicht angebracht. Die WW hat sich in den letzten Wochen geradezu auf Armin Walpen und die SRG eingeschossen. Sätze wie:

Tatsache ist: Generaldirektor Walpen will die Radio- und TV-Gebühren um fünf Prozent erhöhen. So steht es im Finanzierungsplan, den er am 22. Juni in den SRG-Verwaltungsrat bringen wird.

Klingen zwar plakativ und logisch, entsprechen aber selten der Wahrheit. Walpen ist zwar auch nur ein Mensch, allerdings kein kompletter Vollidiot.

Von Nichtthemen auf Frontseiten

Wir sind aus verständlichen Gründen immer etwas misstrauisch, wenn eine Zeitung auf der Titelseite behauptet, sie kenne das Resultat einer Wahl auf Behördenebene bereits vor dem eigentlichen Wahltag. In diesem Falle aber hatte die Berner Zeitung recht.

Iso Rechsteiner soll also dereinst Walter Rüegg beerben, der sich als Radiodirektor und damit Herr über Sender wie DRS1-4 schnellstmöglich pensionieren lassen will. Das wäre eigentlich noch kein Aufheben wert, befände sich die SRG momentan nicht in einer besonderen Situation.

1. Konvergenz: Was Konvergenz heisst, kann man derzeit sehr gut am Standort Genf beobachten. Dort sind Radio und Fernsehen mittlerweile praktisch unter demselben Dach versammelt, dementsprechend gut werden die Synergien geplant und in Zukunft hoffentlich auch genutzt. Was in der Romandie zumindest einigermassen reibungslos ging, dürfte hier noch einigen Staub aufwirbeln. Nicht zuletzt, weil der Konvergenzprozess nach einem Superdirektorium Radio/TV verlangt. Mit der TV-Chefin Ingrid Deltenre, der Favoritin von SRG-Direktor Armin Walpen steht zwar bereits eine Kandidatin bereit, diese ist aber in Radiokreisen höchst umstritten. Iso Rechsteiner soll hier also den altersmüden Walter Rüegg ersetzen und dem Radio wieder etwas mehr Gewicht verleihen.

2. Iso Rechsteiner: Der ehemalige Regional- und Wissenschaftsredaktor von Radio DRS ist auch intern keine unumstrittene Figur. Wer sich für Rechsteiners Karriere interessiert, die er geradezu turbomässig durchzog, der lese dies hier. Tatsache aber ist: Rechsteiner ist für die Radioleute momentan die beste Karte  im Konvergenzpoker gegen Ingrid Deltenre und Armin Walpen. Allerdings ist nach wie vor nicht klar, wo Rechsteiner in der Konvergenz-Debatte überhaupt steht und ob er dereinst auch gewillt wäre, die Interessen von Radio DRS so zu vertreten, wie sich das Walter Rüegg wünscht.

3. Die Regionalräte: Die Wahl von Iso Rechsteiner ist rechtlich gesehen noch keine Wahl sondern lediglich ein Vorschlag. Nun liegt es an den so genannten Regionalräten, diese Wahl abzusegnen oder auch zu kippen. Die Räte fühlen sich durch diese Turbo-Nomination allerdings (zu Recht auch) übergangen und erwägen deshalb, diesen Wahlvorschlag abzulehnen, wie u.a. in der SOZ oder der AZ am Sonntag zu lesen war. Allerdings könnte dies ein Eigentor werden, schliesslich müsste Rechsteiner als Rüegg-Nachfolger auch die Interessen der Regionalräte vertreten.

Die Diskussion ist kompliziert und komplex. Und als Zeitungsleser fragt man sich: „muss ich das überhaupt wissen“ und „was geht mich das an“?
Eigentlich handelt es sich hier um einen internen Machtkampf zwischen Radio und Fernsehen, zwischen Armin Walpen, Ingrid Deltenre, der SRG und Schweizer Radio DRS. Der Zuhörer und -Schauer zahlt zwar die Zeche und kriegt das Resultat vor die Löffel geknallt, bestimmen oder gar mitreden darf er aber weder bei der Konvergenzdebatte, noch bei der Wahl eines Superdirektoriums, noch bei der Nachfolge eines allfälligen Radiodirektors. Eigentlich ist dies einer Demokratie mit TV- und Radiomeinungsmonopol in Berlusconi-Manier unwürdig.

Daher könnte man dem hochgespielten Nachfolgekampf in den Medien auch entgegnen: What the fuck.

Köppel vs. Walpen vs. Hartmeier

Folgende Frage beschäftigt mich derzeit: Was ist eigentlich blöder?  Mit Roger Köppel über AC/DC zu sprechen oder mit Peter Hartmeier über Armin Walpen?

Beide Texte haben klar ihre debilen Stärken. Während Hartmeier und Walpen heute auf einer ganzen Seite im TA mit nichtssagender, gähnender Länge bestechen, überzeugte Köppel gestern mit rockigen SVP Analogien, die sich in AC/DC wiederfinden.

Wenn ich bedenke, wie viele Bäume man mit etwas Nachdenken hätte retten können..

Kollegenschelte Teil II

Nicht nur bei Ringier wird mediale Selbstreferentialität derzeit gross geschrieben. Auch die Berner Zeitung kommentiert gerne, was die Konkurrenz so treibt. Pflichtbewusst wird die Meldung dann von Newsnetz aufgenommen und an alle angeschlossenen Medien verteilt.

Es ist ein alter Hut, dass sich SRG-Boss Armin Walpen und Medienguru Roger „Icordo“ Schawinski nicht ausstehen können. Walpen besitzt die Seele einer Mimose, Schawinski das überblähte Ego eines römischen Imperators. Wenn der Streit erstmal vom Zaune gebrochen ist, fallen beide in das mentale Stadium eines Zehnjährigen zurück.

Vergangenes Wochenende kanzelte Walpen Schawinskis Alter mit „jenseits der biologischen Grenze“ ab, worauf Schawinski per Blog mit folgenden Sätzen konterte: „Für einen lebenslangen Apparatschik ist die drohende Pensionierung mehr als nur der Beginn der Bedeutungslosigkeit.“

Da streiten sich also zwei mehr oder weniger mächtige und schon etwas betagtere Herren auf erbärmlichem Niveau und unterhalten mit ihrem Gehabe eine  neidische, betagte und nostalgische Elite. Schön, dass David Vonplon die hämische Randnotiz der Berner Zeitung gleich zu einer ganzen Story aufgeblasen hat. Das ist Journalismus der hohen Schule.

Kommentar zur Fusion von Radio und TV

Gestern war kein guter Tag für die SRG.
Der Medienkonzern hat ein höheres Minus eingefahren als erwartet, nun muss der Verwaltungsrat an der Sparschraube drehen. Logisch, dass man hofft, durch die Fusion von TV und Radio einiges an Gebührengeldern sparen zu können, um so wenigstens den Status Quo zu erhalten.

Was also erwartet den Fernseh- und Radiozuschauer? Muss der Nachrichtenredaktor von Radio DRS tatsächlich künftig mit einem Kamerateam ausrücken? Wird die Hauptausgabe der Tagesschau ab 2010 von Casper Selg moderiert und damit endlich wieder zu einem ernstzunehmenden Nachrichtenformat? Und erhält Anna Maier endlich ihr lang ersehntes Comeback beim SF, weil der Nachmittag von DRS3, ähnlich wie die Nachtwache nun auch live im TV zu sehen sein wird?

Die Antwort ist simpel: Nein.

Gespart wird dort, wo es der Zuschauer am wenigsten zu spüren kriegt, wo es einfach machbar ist und wo die Leute bereits heute zusammen arbeiten. Am einfachsten geht dies am Beispiel der Sportredaktion. Statt wie bis anhin üblich jeweils zwei komplette Teams an Weltmeisterschaften, Olympiaden und andere Grossanlässe zu schicken, wird man in Zukunft ein Kernteam bilden, aus dem sich alle bedienen. Das bedeutet: Einfache statt doppelte Administration, Synergien nutzen usw. Das gleiche Rezept kommt bei Grossanlässen wie zum Beispiel beim WEF zum Tragen. Zum Beispiel aber auch bei Bundesratssitzungen, nationalen Pressekonferenzen usw.

Ist das schlecht? Und bedeutet dies ein Verlust an Qualität?

Nein, das ist sicherlich nicht per se eine schlechte Idee. Die Technik ist heute soweit fortgeschritten, dass eine verstärkte Kooperation im administrativen Bereich durchaus Sinn macht. Nicht nur bei der SRG. Da könnten auch die Privaten noch einiges lernen. (Wer jetzt den Kopf schüttelt, der erkundige sich doch mal, wie beispielsweise das Zusammenspiel von Energy und Blick funktioniert, oder von Radio24 und Tele Züri – ernüchternd, eh?)
Bedenklich wird es allerdings dann, wenn es um inhaltliche Leistungen geht. Also, wenn etwa der gleiche Journalist dem Wirtschaftsführer oder Politiker die gleichen Fragen für Radio und TV stellt. Oder, wenn eine Zentralredaktion alle Magazine zu einem Thema bedient (Stichwort Wissenschaftsredaktion). Dies führt nicht nur zu einer Themenarmut, sondern zu einer noch exzessiveren Marktmacht. Sollte also dereinst nur noch eine einzige Volksmusikredaktion existieren, würde selbst die Pro Forma-Konkurrenz zwischen Radio und TV inexistent und es gäbe für Leute wie Marianne Cathomen, die bereits jetzt behauptet von SF boykottiert zu werden, gar keine Ausweichmöglichkeiten mehr.

Die grösste Gefahr für uns Zuhörer und Zuschauer liegt also nicht in der Fusion, oder darin, dass wir als Gebührenzahler nicht entscheiden dürfen, was mit unseren Gebühren passiert, sondern darin, dass diese Fusion ausartet. In eine blinde Zusammenlegungswut, bei der das Effizienzmonitoring die alleinige Entscheidungsgrundlage sein wird.

Die Frage sei gestattet: Für was gibt es eigentlich den Publikumsrat?

Kurt W. Zimmermann: Wie man sich Freunde macht

Eben noch hat uns Zimmi-Chefe Roger Köppel erklärt, dass die Wirtschaft gut und der Staat böse sei. Und das hat der Zimmi wohl auch gelesen und beschlossen fortan in seinen Kolumnen auf den Staat zu schiessen. Diese Woche ist es die SRG, nächste Woche die, öh, SRG und übernächste Woche muss es wohl auch die SRG sein. Etwas anderes hat der Staat derzeit ja nicht zu bieten.

Die SRG, das einzige Medienunternehmen in der Schweiz, dem die Wirtschaftskrise am Arsch vorbei geht, hat einen schweren Stand. Man muss keine Leute entlassen, keine Programme kürzen und keine Produkte einstellen. Am besten würde man in dieser Situation einfach schweigen. Aber auch das geht nicht, denn schliesslich wird momentan darüber beraten, ob TV und Radio in Zürich künftig ein gemeinsames Bett teilen sollen, oder ob das Radio föderalistisch und das Fernsehen zentralistisch bleibt. Dumm aber auch, dass Armin Walpen ausgerechnet jetzt mit einer Gebührenforderung losquackt. Als SRG-Mitarbeiter würde ich meine Dart-Scheibe mit Walpens Konterfei schmücken.

Zurück zu Zimmi. Was macht man also, wenn man gegen den Staat schiessen muss? Richtig. Man holt die alten Argumente hervor. Der Staat kassiert Gebühren und gleichzeitig Werbegelder. Der Staat ist übermächtig. Und, der Staat betreibt ein unverhältnismässiges Lobbying. Nun, geschätzter Kollege Kurt W. Zimmermann. Das wissen wir alles. Und nur weil sie es sagen, wird es nicht besser. Sicherlich, damit machen sie sich ausnahmsweise keine zusätzlichen Feinde, sondern blasen in ein Horn, in das schon alle anderen geblasen haben. Aber viel spannender wäre doch die Frage, wie viele Journalisten ein Magazin wie die Weltwoche noch entlassen kann, bevor der Begriff „Magazin“ illegitim wird?

Gerade sie müssten das doch wissen – und würden sich damit, nebenbei gesagt, auch mal ein paar Freunde schaffen. Mich zum Beispiel.

Gegen Zürich – für Medienvielfalt

Es ist schon sehr bedauerlich. Da gibt Medienminister Moritz Leuenberger endlich mal ein brauchbares, interessantes Interview und dann läuft die Geschichte nicht über die Agenturen. Um mal ein wenig Stimmung gegen die TA-Media zu machen und nicht nur immer zu plaudern, betreibe ich schamlosen Content-Klau beim Tages Anzeiger.
Wer also immer noch glaubt, die privaten Medien erhalten in der Wirtschaftskrise staatliche Unterstützung, Energy erhalte irgendwie, irgendwo, irgendwann eine Konzession, wer glaubt die SRG müsse Radio und Fernsehen in Zukunft zusammen legen und Frau Deltendre die mediale Allmacht geben, nach der sie sich so sehnt, der lese:

Sie haben vor Wochenfrist den Kauf von Edipresse durch Tamedia kritisiert.

Nicht kritisiert. Ich habe nur darauf aufmerksam gemacht, dass jede Macht die Gefahr des Missbrauchs birgt – der sich in diesem Fall insbesondere gegen die Meinungsvielfalt richten könnte. Ich hoffe aber und bin mir auch sicher, dass Tamedia mit dieser Situation verantwortungsvoll umgehen kann.

Der Schaffhauser Verleger Norbert Neininger fordert unterdessen panisch Staatshilfe für die kleinen Blätter.

Vergebens. Wir haben keinerlei solche Projekte in Planung, und ich denke auch nicht daran, so etwas anzureissen.

Sie sprechen von Meinungsvielfalt – und legen die Hände in den Schoss.

Es gibt keinen Anlass zu glauben, dass der medienpolitische Wettbewerb gefährdet sei. Die Meinungsvielfalt kann trotz grosser Zeitungskonzerne gewährleistet sein. Ausserdem stehen auch die elektronischen Medien in medienpolitischer Konkurrenz zur Zeitung und wirken korrigierend. Wer das Printmonopol in einer Region fürchtet, kann sich noch immer über Radio und Internet informieren. Solange die demokratische Meinungsbildung nicht durch ein echtes Monopol gefährdet wird, gibt es keinen Anlass zu intervenieren.

Was die Meinungsbildung in Ihren Augen aber gewiss gefährdet, ist der Umstand, dass die Medien mehr auf Unterhaltung setzen.

Nur weil ich ab und an einzelne Unterhaltungssendungen im Fernsehen kritisiere, dürfen Sie mich nicht auf einen Unterhaltungsmuffel reduzieren. Ich betone immer wieder, wie wichtig die Unterhaltung in der Medien- und Gesellschaftspolitik ist. Es gibt aber natürlich einzelne Unterhaltungssendungen, die keinen aufklärerischen Wert haben. Da gibt es diese Sendung «Deal or . . .». Entschuldigung, ich weiss gar nicht, wie sie vollständig heisst, weil ich immer sofort wieder abschalte.

Den Moderator dieser Sendung wird man vielleicht bald auch auf Radio DRS hören.

Ich sage nichts zu einzelnen Personen.

Nicht nötig. Stichwort: «Konvergenz» – Radio und TV sollen mehr kooperieren.

Konvergenz ist ein interessantes Projekt mit Chancen und Risiken. Die Chancen sehe ich vor allem im Onlinebereich. Nicht jedes Radio- und Fernsehprogramm muss seinen eigenen Internetauftritt haben. Bei den Anschaffungen, im Gebäudebereich oder bei der Technik kann man Synergien ebenfalls besser nutzen. Der Bund hat ja 2006 selber überprüft, ob die SRG-Gebühren richtig verwendet werden. Und es hat sich gezeigt, dass in diesen Bereichen Einsparpotenzial vorhanden ist.

Und Ihre Risikoanalyse deckt sich mit derjenigen der Bedenkenträger beim Radio?

Publizistisch birgt Konvergenz Risiken. Darum habe ich der SRG-Spitze mit aller Klarheit gesagt, dass ich zunächst die strukturellen Entscheide fällen würde und Personalentscheide erst nachher vornähme.

Hat SRG-Direktor Armin Walpen das Projekt zu sehr forciert?

Umstrukturierungen müssen von den Konsumenten und den Mitarbeitenden akzeptiert werden. Diese Erfahrungen habe ich in meinem Departement bei der Liberalisierung von Post- und Strommarkt gemacht. Bei Tempo und personellen Fragen ist grösste Vorsicht geboten.

Sie haben Herrn Walpen zurückgepfiffen.

Nein. Ich habe lediglich klar gesagt, was aus meiner Sicht Priorität haben muss. Die formelle Kompetenz über das weitere Vorgehen liegt selbstverständlich beim SRG-Verwaltungsrat. Diese Entscheide haben aber sehr grosse politische und emotionale Auswirkungen, und diese wiederum werden an mich zurückgetragen. Also ist es nur recht, dass ich als Medienminister die SRG-Spitze auf die politischen Dimensionen aufmerksam mache.

SF-Direktorin Ingrid Deltenre will die Zusammenführung selber managen.

Noch einmal: Ich finde die personellen Entscheide sind nach den strukturellen zu treffen. Und die strukturellen Fragen sind noch lange nicht geklärt. Da gibt es noch sehr viel Detailarbeit zu leisten.

Und diese Arbeit sollte in Ihren Augen besser nicht von der ambitionierten Fernsehdirektorin geleistet werden?

Ich äussere mich nur zum Prozess, nicht zu Personen. Es würde die Akzeptanz bei allen Betroffenen sicher erhöhen, wenn diese Arbeit jemand machen würde, der nachher nicht der Superintendant oder die Superintendantin ist und darum auch nicht seine eigenen Interessen in die Restrukturierung einbringen kann. Das könnte eine externe Person sein oder jemand, der nachher nicht für die Umsetzung des Projekts verantwortlich ist.

Radiodirektor Walter Rüegg etwa.

Solche Fragen muss der Verwaltungsrat klären. Jedenfalls fände ich die Idee eines Übergangschefs prüfenswert.

Die Gefahr einer Zentralisierung der SRG-Macht in Zürich besteht unabhängig von der Superintendanten-Frage.

Eines muss klar sein und ist gesetzlich vorgegeben: Die Sprachregionen müssen ihre Autonomie behalten. Konvergenz über den Röstigraben hinweg kommt nicht in Frage. Schon die Konzentrationen in den Sprachregionen sind heikel. In der Westschweiz beispielsweise ist es wichtig, dass dieses Projekt nicht zu einer Medienkonzentration in einer einzigen Stadt führt, nämlich Genf.

In der Deutschschweiz ist es ähnlich.

Natürlich. Das Fernsehen ist schon heute sehr Zürich-lastig. Ist das Wetter toll, zeigt man die Flaniermeile am Zürichsee, ist das Wetter lausig, zeigt man den verdrossenen Schwan auf dem Zürichsee. Da fragen sich die Basler und Berner schon, ob die Schweiz nur aus dem Zürichsee besteht. Es gilt zu vermeiden, dass das ganze Radio auch noch von Zürich aus gelenkt wird.

Der Berner Gemeinderat verlangt, dass die Informationsabteilung des Fernsehens in Bern gemacht wird.

Solche Forderungen beleben die Diskussionskultur im Lande, und man soll sie ernsthaft diskutieren. Der Entscheid liegt aber bei der SRG. Immerhin würde das ja auch ziemlich teuer.

Radio Energy möchte eine Übergangsfrequenz, bis der digitale Sendestandard ein Überleben sichert. Das wäre technisch machbar. Haben Sie das wider besseres Wissen abgestritten?

Überhaupt nicht. Es gab und gibt keine freie Frequenz für die Abdeckung des Raums Zürich/Glarus. Wenn man für das ganze Gebiet – wie dies Energy immer noch fordert – Frequenzen freiräumen wollte, dann müssten Radio DRS und zahlreiche private Veranstalter Frequenzen abgeben, die nötigen Umstellungsarbeiten bräuchten zwei Jahre und müssten erst noch vom Ausland genehmigt werden.

Aber eine UKW-Frequenz für Energy und seine Fans in der Stadt Zürich wäre mit Frequenztauschen sehr wohl möglich.

Moment jetzt. Frequenzen sind ja nicht frei handelbar. Ein solcher Abtausch hätte Auswirkungen auf die anderen Veranstalter, und auch dies müsste mit dem Ausland koordiniert werden. Zudem wäre die technische Umsetzung frühestens nach sechs Monaten möglich. Und ich erinnere daran, dass sich Energy nie mit dem kleinen Raum Zürich begnügen wollte. Aber falls ein solcher Vorschlag käme, würden wir ihn genau anschauen.

Also stehen die Chancen gut?

Nein. Ein solches Gesuch betrifft immer auch andere Player. Andere Stationen müssten ihre Frequenzen hergeben oder bekämen zumindest eine zusätzliche wirtschaftliche Konkurrenz. Sie könnten sich rechtlich dagegen wehren. Dazu kommt noch etwas: Der Gesamtbundesrat müsste ein neues Versorgungsgebiet schaffen. Kurz: Es ist zwar theoretisch machbar, aber nicht realistisch.