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Vagina-Journalismus

Heute mit einem Bericht aus der Abteilung „primitiv und dumm

Vagina-Journalisten und Journalistinnen definieren sich dadurch, dass sich ihre Berichterstattung entweder hauptsächlich um das weibliche Geschlechtsteil oder um Situationen, welche hauptsächlich durch das weibliche Geschlechts beeinflusst werden, dreht.

Momentan prägen drei Journalistinnen die vaginale Hofberichterstattung, die da sind: Michèle Roten (Analyse der eigenen Sexualität als Massenkommunikation), Charlotte Roche (Analyse der eigenen Sexualität als Bestseller) und Alice Schwarzer (Analyse der eigenen Sexualität als Grundlage des Terrorismus).

Nicht nur, dass der Vagina-Journalismus extrem härzig, repetitiv und dadurch vor allem langweilig wirkt, derzeit ist er vor allem auch inflationär. Wenn Michèle Roten heute im Magazin eine lesbische Anwältin interviewt, die eine Vagina-fokussierte Community betreibt, deren neustes Projekt ein Vagina-Buch und dessen Highlight wiederum eine Analyse der Vagina der Mutter ist, dann ist dies der Overkill in Sachen Vagina-Journalismus.

Ich krieg demnächst eine Vagina-Allergie. Danke Michele. Wenn das so weiter geht, fang ich auch an zu twittern. Irgendwas muss man ja tun, wenn Sex keinen Spass mehr macht.

Warum Alice Schwarzer Schreibverbot bekommen sollte

Bereits vor einer Woche haben wir an dieser Stelle einmal darauf hingewiesen, welch sonderbaren Bezug Emma-Verlegerin Alice Schwarzer zum Journalismus hat (Stichworte: Interview als Kunstform). Heute nun darf Deutschlands bekannteste Feministin im Zürcher Tages Anzeiger ihre Sicht auf den Amok-Lauf von Winneden verkünden.

Eigentlich hatte ich so etwas schon fast befürchtet. Dass früher oder später jemand auf die Idee kommen würde, Killerspiele, Vorbildhaltung der Eltern und Erziehung auszuklammern, um den Amoklauf  per se als unausweichliche Folge der Zerrissenheit sozialer Geschlechterrollen zu terminieren. Ihr Fazit im heutigen Tages Anzeiger: Ein 17-jähriger Jugendlicher ohne Migrationshintergrund (!) kam mit seinem Männlichkeitswahn nicht zurecht und erschoss aus Unsicherheit 16 Frauen (inklusive sich selbst), wovon aber vier zufälligerweise Männer waren, die der Schütze für Frauen hielt. Oder mit Frauen assozierte, oder die Frauenkleider trugen, oder die sich wie Frauen verhielten.

Mit diesem dummen Fazit könnte ich durchaus leben. Denn auch dafür kann man letzten Endes hilflose Schuldige wie Killerspiele oder Pornographie haftbar machen. Es ist allerdings bewundernswert, wie sehr sich Frau Schwarzer bemüht, ihre längst revisionsbedürftige Definition vom 1960-er Feminismus und der Gleichstellung am Leben zu erhalten. Was mich schockiert ist denn auch ihr Umkehrschluss. Ausgerechnet ein integrierter Deutscher, der mit deutschen Rollenverständnis und deutscher Kulturprägung aufgewachsen ist, soll nun Beispiel sein für die innere, sexuelle Zerrissenheit der Deutschen und Schweizer. Und nicht nur das. Der Amoklauf sei nur der Anfang, lässt uns Frau Schwarzer wissen. Die Schläfer sind längst unter uns, denn jeder Mann ist ein potentieller Killer, dessen tödliches Potential jederzeit durch die Kränkung einer Frau ausgelöst werden kann.

Alice Schwarzer nähert sich langsam aber sicher dem unvermeidbaren Höhepunkt ihrer Forschung, der „Grande Theory“. Terrorismus als männliche Vergeltungsmassnahme gegen die Beherrschung der Welt durch die Frau.

Vielen Dank Frau Schwarzer, dass sie die Welt mit ihrem Artikel noch ein wenig dämlicher gemacht haben. Danke auch im Namen aller Beteiligten und Opfer, denen sie mit ihrer Analyse jede präventive Handlungsmöglichkeit absprachen. Niemand kann etwas dafür, als Frau auf die Welt gekommen zu sein. Dies war denn auch der einzige Fehler.

Systemloser: Köppel, Twitter und Schwarzer

Es gibt Tage, an denen passieren so viele Dinge gleichzeitig, dass man gar nicht weiss, wie man sich wehren soll. Gestern war ein Heavy-News-Day. Da könnte man selbst als Blogger eine eigene Tagesschau produzieren und ohne Probleme 20 Minuten Sendezeit mit relevanten Inforamtionen füllen.

Seit Wochen nun reiten wir hier schon auf der Weltwoche rum. Das liegt allerdings nicht an einer etwaigen Sympathie unsererseits, sondern daran, dass sich die Negativmeldungen derzeit häufen. Gestern nun karrte David Vonplon einen weiteren Stein ans Grab der Weltwoche. Der Ex-Persönlich.com-Angestellte will wissen, dass Köppel bereits seit Wochen im Besitz wichtiger Informationen zum Thema Sesselrücken bei der UBS war. Da die UBS börsenquotiert ist und solche Entscheide durchaus gewichtigen Einfluss auf die Kurse haben, dürfte diese Information nicht so unwichtig sein, wie sie zuerst scheint. Köppels Stellungnahme ist durchaus heiter zu lesen und erinnert an Blochers Argumentationskrise der letzten Wochen. Vermutlich verfügen die beiden über einen inneren Link, der sie mental verbindet.

Heiter auch die Meldung des Österreichischen Standard, der verkündet, dass Alice Schwarzer die renommierte Theodor-Herzl-Dozentur am Wiener Publizistikinstitut im kommenden Jahr übernehmen werde. Dabei wird sie Vorlesungen zu Themen halten wie: „Das Interview: Kein Dokument, eine Kunstform“. Genau, das ist es auch, was Journalisten in Österreich unbedingt lernen sollten. „Nicht schreiben was ist, sondern schreiben als Kunst“. Toll wird sicherlich auch diese Vorlesung: „Mein Weg: Von der Volontärin zur Blattmacherin“. Auf diesen Jahrgang an NachwuchsjournalistINNEN freue ich mich ganz besonders.

Super sind auch die Twitter-Diskussionen der vergangenen Tage. SpiegelOnline fragt: Macht twittern dumm? Medienlese empfiehlt mittlerweile bereits den besser-schreiben-dank-twitter-Lehrgang und der Blick am Abend gehört zu den ersten ernstzunehmenden Zeitungs-Twittern der Schweiz. Dies sei ein Meilenstein auf der Interaktionskarte, müsste man annehmen. Jeder Journalist, der noch keinen Twitter-Account besitzt, müsste sich sofort den einen oder anderen zulegen, will er denn nicht in der kommenden Bedeutungslosigkeit vertwittern verwittern. Ich erinnere in diesem Zusammenhang gerne an das Zitat von Eric Schmidt, der Twitter als „E-mail-System für Arme“ bezeichnet hat und verweise auf den kreativen Input, wie Twitter helfen kann, demokratische Prozesse transparent zu machen.