Schlagwort-Archive: 20 Minuten

Abteilung Qualitätsjournalismus

Finde nur ich das störend oder ist es teils inflationär, wie gewisse Experten in den schweizer Medien rumgereicht werden? Gestern kam dieselbe Nase zuerst im Echo der Zeit, anschliessend in der Tagesschau und heute Morgen muss ich dasselbe Gesicht noch einmal im Blick und in der 20 Minuten sehen?!

Nichts gegen den Ferdinand, an dem ist nix auszusetzen, der kennt seine Branche. Aber es wird in der Schweiz ja wohl auch noch jemand anderen geben, der sich ein wenig mit Autos auskennt.

Der Gedanke, dass Experten für ihre Auskünfte auch noch ein Honorar kriegen, wischen wir jetzt einfach mal bei Seite. Sonst hätte der Ferdinand gestern nämlich im Lotto gewonnen.

Mediale Ergüsse: Der Masturbathon

Auch Zeitungen  kennen eine Interessensagenda. Manchmal müsste man allerdings sagen: leider. Zumindest in Bezug auf 20Minuten und Newsnetz, welche beide zur Ta-Media gehören. Diese kongruente Agenda ist sehr durchschaubar. Alles was mit Sex, Orgien und nackten Körpern zu tun hat, ist automatisch gesetzt. So lese ich beispielsweise heute auf Newsnetz von einer Frau, die ein Kondom in ihrer Burger-Packung fand und deswegen bei der Polizei Klage eingereicht hat.

Schön. Davon habe ich nix. Nicht mal den Ekel, den mir die Vorstellung bescheren würde, die Frau hätte in ein gebrauchtes Kondom gebissen, während sie ihren Burger kaute. Laut Berichterstattung ist nämlich ausgerechnet das nicht klar. Das Kondom könnte schliesslich auch eingepackt gewesen sein und per Zufall in die Packung (nicht in den Burger!) gefallen sein.

Noch besser ist nur noch 20Minuten, das mir heute von einem Masturbathon berichtet. Nicht nur, dass überhaupt nicht klar wird, wie dieser dämliche Wettbewerb funktioniert – gewinnt nun derjenige, der am Längsten kann? oder der Schnellste? Oder derjenige der immer wieder kann? – ganz toll ist auch folgende Aussage:

Die Erlöse kommen Projekten zur sexuellen Aufklärung zugute. Ähnliche Wettbewerbe werden auch in London und Kopenhagen ausgetragen.

Da würde ich mich auch freuen, wenn ich die Erlöse eines Masturbathons bekommen würde – wenn ich Inhaber einer Samenbank wäre. Dummerweise gehen bei dieser Art Berichterstattung die wirklich spannenden Interessensagenden vergessen, wie zum Beispiel diese hier. Manchmal passt ein Verbrechen offenbar so gar nicht in das Selbstverständnis einiger Verleger.

Wir wollen keine Masturbathons. Wir wollen wissen warum Denisa Soltisova sterben musste. Dass unsere Nachbarn offenbar xenophobe Auswüchse medial ausleben, erscheint mir wesentlich relevanter als Kondome in Happy Meals. 

1x Panik à la 20 Minuten bitte

Fast noch schlimmer als nicht-denkende Journalisten finde ich nicht-denkende User, welche Texte von nicht-denkenden Journalisten gedankenlos übernehmen. Dass die Ctrl-C-Angestellten der Ta-Media beim Schreiben oft nur Hände und nicht Hirn gebrauchen, wissen wir. Hier ein ganz besonders schöner Fall.

Kurz zusammengefasst: Der Deutsche Staat will gegen Rapidshare vorgehen. Ein Downloadportal, auf dem User Inhalte jeglicher Art zur Verfügung stellen, meist getarnt und neu beschriftet, oft gar verschlüsselt. Das ist der Musikindustrie ein Dorn im Auge (obwohl die Softwarebranche viel mehr darunter leidet). 20 Minuten suggeriert nun, die Deutschen Behörden hätten Mittel und Möglichkeiten gegen diese Downloader vorzugehen. Obwohl der User meist keine Kenntnis davon hat, was er an Files runterzieht. Der Upload mag willentlich erfolgen (was auch noch zu beweisen wäre) der Download hingegen erfolgt meist über x-fache Verlinkung. Und die Möglichkeit besteht, dass der User auf der Suche nach einem ganz anderen, legalen Inhalt war.

Nun gut, wir wollen uns hier nicht in juristischen Pöbeleien verstricken, noch dazu auf deutscher Gesetzesebene. Was wirklich nervt, ist dass auch die Schweiz wieder von 20 Minuten, dass ja traditionellerweise gerne eng mit der Musikbranche zusammenarbeitet, bedroht wird. Denn auch hierzuland sei sowas möglich. Genau. Wo der Download doch hierzulande so extrem strafbar ist. Ich glaube mich pickt ein Huhn.Vermutlich haben die CTLR-C-Angestellten der Ta-Media den entsprechenden Gesetzesartikel ja einfach aufgefressen. Und er ist darum unauffindbar.

Offensichtlich werden nicht nur schweizer Journalisten immer dümmer, sondern auch die schweizer Leser. Nach den Erfahrungen mit David Bauer wäre es vielleicht nötig das Fach Wahrheit&Tatsachen am MAZ einzuführen.

Boulevard – wenn Journalisten leiden

Es ist schrecklich, wie oft Kinder und Jugendliche in einem kleinen Land wie der Schweiz entführt, missbraucht und letzten Endes getötet werden. Solche Ereignisse füllen dann jeweils über Wochen die Seiten der Boulevardtitel. Fragen wie:  wie hat der Täter gelebt, wo hat er welche Tat begangen und wie hat er das Opfer umgebracht, beschäftigen die Boulevardjournalisten von früh bis spät.

Doch auch der härteste Journalist hat ein Herz. Hoffe ich zumindest. Während sich 20 Minuten und Blick am Abend über Twitter um die Bildrechte im Fall Lucie streiten, wünscht sich der eine oder andere Journalist etwas mehr Respekt, ein wenig Zeit zu trauern und Ruhe, um das Gelesene und Gesehene zu verarbeiten.

20 Minuten – Oder wie Schlechtes zur Sensation wurde

20Minuten führt die Welt ad absurdum. Dass es die Pendlerzeitung mit Rechtschreibung, Quellen und Trennung von Werbung und Inhalt nicht so genau nimmt, hat der Pendlerblog (R.I.P.) bereits bewiesen. Was ich heute morgen lesen musste, sprengt aber den Rahmen des Zumutbaren.

Auf der Titelseite prangt gross die Überschrift: „Maria Mena: Zauberhafte Songs

Sicher, es ist keine Seltenheit, dass die Pendlerzeitung eine „People“-Geschichte gross auf der Titelseite platziert. Selbst wenn Themen wie „Bundesrat Merz gibt Comeback“ oder „Erneut Nightmare on Wall Street“ verfügbar wären (was ich in der heutigen Ausgabe vergeblich suche..). Nur:
Maria Mena ist keine People-Geschichte?
Maria Mena ist lediglich eine eher mittelmässige Musikerin, die jetzt ein neues Album am Start hat. In Anbetracht journalistischer Freiheiten könnte man nun sagen, jeder hat das Recht selbst zu entscheiden, welche Musik ihm gefällt und was er darüber schreiben will – wäre da  nicht noch ein kleines Detail.
In den vergangenen Tagen und Wochen versuchte Mena’s Plattenfirma SONY / (jetzt noch) BMG die Platte intensiv den Medien „unterzujubeln“. Der von David Cappelini verfasste Text in der Gratiszeitung 20 Minuten (S.21) ähnelt nicht nur frappant der Pressemeldung, er ist offensichtlich auch noch falsch abgeschrieben.
Hiess es in der Pressemeldung noch:

HipHop-Superproduzent Kanye West erklärte Marias Single „You Are The Only One“, mit der ihr erstmals der Sprung in die US Billboard Charts gelungen war, kurzerhand zu seinem „Sommerhit des Jahres 2004.

Wurde bei Cappelini kurzerhand ein:

US-Rapper Kanye West bezeichnete Maria Mena einst als seine Lieblingssängerin – nun veröffentlicht die Norwegerin ihr neues Album «Cause and Effect».

Nicht nur, dass die Aussage zeigt, dass Kanye West zu sehr am Rockzipfel seiner Freundin hängt, aus einem Sommerhit wird auch noch gleich eine Lieblingssängerin, was Capellini offensichtlich dazu berechtigt, eine von Musikjournalisten im Deutschsprachigen Raum als durchwegs mittelmässig bis schlecht bewertete Platte als neue Sensation und Titelanreisser zu verkaufen. Gut, zu Capellinis Rechtfertigung bleibt anzufügen, dass der Produzent ev. darauf bestand, einen People-Anreisser auf der Titelseite zu platzieren. Ein Titel wie: «Ich habe keine Ahnung» eignet sich in meinen Augen zwar gut für diese Zeitung, doch dass das nicht geht, dürfte selbst diesem Produzenten aufgefallen sein..

Dabei dachte ich immer, mit Niklaus Riegg sei beim 20Minuten wenigstens noch ein Mann an Bord, der Musik nach Inhalt bewertet und nicht nach Anzeigen, die solche Geschichten nach sich ziehen.