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Carl Blödmann

Es passiert leider selten, dass ich 20 Minuten nicht unfreiwillig, sondern wirklich komisch finde. Heute aber, unglaublich, war einer dieser Tage. Don Hirsch und Don Huisseling hatten gestern ins Kaufleuten geladen. Der eine präsentierte eine weitere Runde „wie man berühmte Menschen anödet“, der andere durfte sich für eben diese Anöderei (Carli der Grosse) in der Weltwoche revanchieren, was er dann nicht wirklich tat.

Blick feiert Carl Blödmann heute denn auch als „Satiriker“ *hüstel*, der einen geplanten Gag über Xenia auf Anraten seiner Berater *hüstel* fallen liess. Gott, was habe ich dank Blick heute wieder gelernt. Als Satiriker braucht man Berater die Gags aufgrund ihrer Brisanz einstufen, nur weil  etwaige Medienvertreter (und Blogger) im Publikum sitzen.

Aus aktuellem Anlass eine heute viel zitierte Pointe des Neo-Satirikers Blödmann: „Du willst den Leuten Stil, also – wie ihr Berner sagt – „Stiu“ beibringen. Das ist, wie wenn Renzo Blumenthal Brad Pitt sagen würde, wie er Angelina drannehmen soll“. Ein Schenkelklopfer erster Güte und ein harter Schlag in die Eingeweide von Don Huisseling. Für einmal titelt 20 Minuten zu Recht. „Hirschmann warf mit Watte“. Watte, die moderne Duellwaffe der Stadttunte.

Wer so eine Watte mit voller Wucht in die Fresse kassiert, der leidet.  Das erklärt vielleicht auch, warum Blödmann das Wort „Demonstration“ und „1. Mai“ nicht verstanden hat und sich anschliessend wunderte, warum sein Auge tatsächlich blau und nicht etwa nur blau geschminkt war.

Ich will mein Geld zurück! Auch wenn ich als Blogger selbstverständlich keinen Eintritt bezahlen musste.

Von Journalisten und Köchen

Wir haben uns lange überlegt, ob wir die Vorgänge in- und um die bei der TA-Media ausgesprochenen Entlassungen kommentieren sollen. Ugugu hat einmal kurz darauf aufmerksam gemacht, dass es dabei unter aller Sau zugeht. Wobei das noch milde ausgedrückt ist. Ein Solidaritätsplan innerhalb der Tagi-Redaktion wurde kategorisch abgelehnt, 60-jährige Mitarbeiter, die seit über 20 Jahren zum Team gehören werden mit Hinweis auf Frühpensionierung in die Wüste geschickt (obwohl die Rente zu diesem Zeitpunkt deutlich unter dem Existenzminimum liegt). So gesehen ist die TA-Media nicht besser, als ein x-beliebiger Industriebetrieb, der seine Belegschaft aus Rentabilitätsgründen auf die Strasse stellt. Einzig mit dem Unterschied halt, dass die TA-Media für sich in Anspruch nimmt, mehr zu sein als ein normaler Industriebetrieb. Unter anderem will man dort ja die „beste Zeitung der Schweiz“ herstellen.Die Frage nach dem „wie (bitte)?“ ist berechtigt.

Es steht ausser Frage, dass es nie einfach ist, einen Stellenabbau durchzuführen. Irgendjemand muss gehen. Und es ist meistens irgendwie der Falsche. Auch bin ich skeptisch was anschliessendes „Abrechnen“ mit der eigenen Branche in fremden Titeln betrifft (selbst wenn es sich dabei um den von uns sehr geschätzten Daniel Suter und die WOZ handelt). Es ist nicht nötig, die Details weiter zu erläutern. Wer nach entsprechenden Missständen sucht, wird auch in unserem eigenen Archiv fündig..

Nein, was uns am Verlauf der Dinge irritiert, ist mit welch kühler und selbstgefälliger Ignoranz der derzeitige Medienwandel von den Rezipienten ertragen wird. Selbstverständlich geht es dabei auch um die Angestellten und ihr Schicksal, nicht zuletzt aber handelt es sich bei einer Zeitung auch um eine Dienstleistung, für die wir bezahlen. Oder wie würde ein Kunde reagieren, wenn seine Lieblingspizzeria eine Pizza plötzlich mit deutlich schlechteren und teils gar weniger Zutaten servieren würde als bis anhin? Dies notabene ohne Preissenkung und mit dem Hinweis auf Personalreduktion aus Rentabilitätsgründen?

Richtig, der Kunde würde protestieren.

Das dieser Rezipienten-Protest ausbleibt hat vermutlich mehrere Gründe. Beruhigend ist keiner davon. Sei es, dass die Rezipienten an einer Überinformierung leiden, dass sie nicht wissen, was auf sie zukommt, sei es, dass Journalisten gemeinhin als Schmarotzer, Linke und überprivilegierte Halbwissende gelten, die schon lange den Kontakt zur Realität verloren haben. Denn all diese Gründe verdecken den Blick auf das Wesentliche. Die Welt wird immer komplexer, zusammenhängender und dadurch unübersichtlicher. Stellt die Pizzeria Nahrung für Menschen zur Verfügung, welche zu faul zum Kochen sind, kümmert sich der Journalist um die Informationsaufnahme derjenigen, die zu faul sind um selbst nach Sri Lanka, ins EU-Parlament oder ins Bundeshaus zu reisen.

Gute Köche verfügen vor allem über eines: Erfahrung. Dasselbe gilt für gute Journalisten. Um zu wissen, ob eine Massnahme tatsächlich so toll ist, wie der (Europa-/Bundes-/Regierungs-/Regional-) Rat in seiner Pressekonferenz erläutert, ist es nötig zu wissen, welch ähnlichen Massnahmen in den letzten Jahren mit welchem Erfolg und welchen Versprechungen durchgeführt wurden. Für dieses Wissen und diese Erfahrung bezahlen wir mit einem Zeitungsabonnement.

Von 20 Minuten verlange ich diesen Service nicht. Gratiszeitungen sind ein guter Pool um angehende Talente auszubilden und anzubinden. Um ihnen formale und stilistische Grundfertigkeiten beizubringen, und einen brauchbaren Rucksack in Form eines Kontaktnetzes mitzugeben. Darum sind solche Produkte auch gratis und die Mitarbeiter in aller Regel jung. Vielleicht leuchtet das dem einen oder anderen Zeitungsleser und Zeitungsmacher auch ein. Es würde mich freuen, in Zukunft wenigstens den einen oder anderen brauchbaren Leserbrief zu finden, der sich nicht nur darüber aufregen mag, dass der Artikel lausig geschrieben oder unvollständig ist. Sondern der sich fragt, ob diese Art Kritik wirklich gerechtfertigt ist und warum einem Daniel Suter solche Fehler eben gerade nicht passieren würden.

Das hier ist meine Art für die in 22 Jahren geleistete Arbeit danke zu sagen, Daniel Suter. Zu sagen, dass wir den Stellenabbau bedauern, die Art und Weise wie alles passiert ist. Und es ist unsere Art zu zeigen, dass wir sehr wohl wissen, dass ein guter Journalist mehr ist als ein selbstgefälliger Halbwissender. Zumindest dann, wenn er seine Sporen mal abverdient hat.

Welche Musik will Zürich?

Warum Radio 105 den Namen Radio nicht wirklich verdient, haben wir hier bereits erläutert. Heute nun geht der Musikkanal, wie es eher heissen müsste, auf Sendung. Gestern nun durften auserwählte Journalisten (….) (…) (..) (.) () o den Sender in den Redaktionsräumen probehören. Die NZZ war so nett, einen Eindruck im Zürichbund zu veröffentlichen.

Radio 105 soll ohne Power-Rotationen auskommen – sprich: Kein Song wird im 90-Minuten-Takt wiederholt. (…) Man vermutet: Schliesslich werden nicht nur die Jingles dem gängigen Privatradio-Sound ähneln. Kommt hinzu, dass man sich bei 105 – wie bei den UKW-Platzhirschen – mit Schweizer Popmusik schwertut. «Es gibt nur gute oder schlechte Songs», sagt Scaglione . «Von Quoten für Schweizer Musik halten wir nicht viel.» Denn wie seine Konkurrenten muss auch Radio 105 die Massen bedienen, um auf dem Werbemarkt genügend Geld zu akquirieren.

Zur Erinnerung: Scaglione sagte, als Musiker würde er vor Gericht auf Schadensersatz klagen, falls das Programm zu sehr klinge wie das, was wir schon haben und die Songs „zu Tode gespielt werden“.
Sehr vielversprechend sind da auch die Massnahmen, die Scaglione via 20 Minuten bereits zur Qualitätssicherung eingeleitet hat. Er ermittelt das Befinden des Publikums anhand von „Testhörern“.

Konkret müssen die Testhörer bestimmte Musik­sendungen mitverfolgen und von der Redaktion gestellte Fragen dazu beantworten können. «Je nach Rückmeldungen passen wir unsere Musikauswahl an», so Scaglione

Gratisarbeit kennt Scaglione nicht, deswegen werden die Testhörer auch fürstlich entlöhnt. Die 25 Aktivsten erhalten ein Handy und kriegen eine Studioführung.

Bei Last.fm krieg ich wenigsten meine eigene Playlist. Handys werden einem ja eh nachgeschmissen und wer will schon so ein poppliges Studio von innen sehen. Da müsste ich mich ja noch bewegen..

Die beste Zeitung der Schweiz Teil II

Wie gross ist die Chance, dass WW-Kolumnist Kurt W. Zimmermann und Ta-Media Verwaltungsratspräsident Pietro Supino gerne mal miteinander Golf spielen? Ich würde meinen: ziemlich gross. Den Hang zu utopischen Ideen und überrissenen Ansprüchen zumindest teilen sie bereits.

Seit Anfang Jahr haben die Schweizer Tageszeitungen rund 250 Journalisten entlassen“, schreibt Zimmermann in der neusten WW-Ausgabe (mal abgesehen davon, dass ich mich frage, wie er auf diese Zahl kommt) „Aus Lesersicht ist das kein Grund zur Besorgnis“ Natürlich nicht, überhaupt nicht. „Im Gegenteil, es gibt dadurch Hoffnung, dass die Zeitungen wieder echte Zeitungen werden“.
Damit hat uns Zimmermann gezeigt, wo der Pietro den Most holt. Offenbar gab es mal eine Zeit, in der Zeitungen noch richtige Zeitungen waren. „Echte“ Zeitungen eben (hö? könnte mir bitte mal jemand „Zeitung“ definieren..?). Damals, als sie sich die Blätter noch auf ihre Kernkompetenzen (?) beschränkt haben. „Sie haben die Aktualität zu vermitteln und diese Aktualität intelligent zu analysieren“. Nur mache das heute kaum mehr jemand. Stattdessen investiere man in Lifestyle, medizinischen Schwachsinn und Kulturhistorischen Unsinn. „In der zweiten Hälfte der neunziger Jahre begannen die Zeitungen, sich in Zeitschriften zu verwandeln“. Ich erlaube  mir Herrn Zimmermanns Gedanken hier noch ein wenig auszudeutschen. Er meint: In den 90er Jahren hat die aufkommende Sonntagspresse bewiesen, dass man mit zusätzlichen Themen ein grösseres Anzeigenvolumen akquirieren kann. Das wollten sich die Verleger verständlicherweise nicht entgehen lassen.

Ich bin so frei und spinne Zimmermanns Gedanken noch etwas weiter. Wenn man jetzt also schon 250 Journalisten entlässt, kann man auch gleich seine Anzeigenkunden zur Hölle schicken und sich wieder auf ein Kerngeschäft konzentrieren, dass, wie die Beispiele 20 Minuten und Blick zeigen, bei den auflagestärksten schweizer Tageszeitungen offenbar im Bereich „Aktualität vermitteln und intelligent analysieren“ liegen soll. Alles andere als eine Reduktion der 20 Minuten und Newsnetz-Redaktionen auf 10% des jetzigen Bestandes wäre ein Stolperstein auf dem Weg zu Pietro Supinos „besten Zeitung der Schweiz“.

Vielleicht wird das ja doch nix mit dem Golf spielen. Nicht weiter schlimm, sparen tut Not. Denn unser Beraterhonorar entspricht 10% der eingesparten Redaktionskosten und damit einiges mehr als die Golfplatzmiete. Die Daten finden sie, Herr Supino, wie immer in der Menüleiste „contact“.

Wenn Tote nicht sterben wollen

Ich mag die Gratis-Zeitung 20 Minuten. Das ist ein wenig wie Bilderrätsel und „finde den Unterschied“ lösen. Man weiss: jede Ausgabe steckt voller Behauptungen und Fehler, man muss sie nur finden.

Heute beispielsweise verkündet 20 Minuten: „Gerüchte um Tod von Patrick Swayze“. Immerhin hat man sich in Zürich zurückgehalten und nicht wie Bild.de oder NTV gleich mit einer Todesanzeige ins Grüne geschossen. Bei 20 Minuten heisst es darum orakelmässig. „Bis am späten Abend wurde die Meldung aber nicht bestätigt“. Nein wurde sie nicht. Sie wurde nämlich bereits am Nachmittag dementiert.

ESC – Der Exklusive Schwachsinns-Contest der Medien

Du hast so lange rum gesessen, Punkrock hast du längst vergessen. Deine Roots hast du verraten. Jetzt bist du am warten auf die nächste grosse Zeit, die dich zurück nach vorne treibt.
Céline Dion feat. Oli Schulz – Die Ankunft der Marsianer

Die Schweizer und der ESC. Es ist ein Drama.
Nicht das Ausscheiden. Nein, das ist völlig in Ordnung und durchaus berechtigt. Das Drama ist das Drama nach dem Drama. Diese Dramen tragen Namen wie Chris von Rohr, Sandra Studer oder H. Elias Fröhlich. Und ihre Epen stehen in Blick, 20 Minuten und im Blick am Abend.
Im Vorfeld wurden die Offbugs (kommt gut, OFFbugs) in den Himmel gelobt. Coole Einstellung, nix zu verlieren oder wie die Jungs zu sagen pflegen „gehen wir mal raus und blasen den 15 Nasen das Hirn raus“. Normal halt. Wir sprechen ja vom ESC, dem Exklusivsten Schwachsinns Contest Europas.

Das Ausscheiden war nur logisch. Denn Musik ist Show, Europapolitik dramatisch und ein Contest ist laut Definition ein Wettbewerb. Und die Offbugs sind halt nur eine Band – immerhin eine solide, so eine Art musikalisches Schweizer Sackmesser. Die einzelnen Bestandteile mögen mit den Jahren wechseln, aber der Name hält was er verspricht. Doch damit gewinnt man keinen Schwanzvergleich der Messerwerfer.
Nun ein Drama zu machen und das ewig mediale „wollen wir nicht doch nicht mehr nicht mitmachen?“-Drama predigen ist völlig überflüssig. Auch Kritik an den Offbugs zielt ins Leere. Es war von Anfang an klar, dass dies im besten Falle etwas Gratiswerbung für die Basler werden würde. Notabene vom Steuerzahler finanziert. In Anbetracht, dass wir für weit dümmeres Geld ausgeben (siehe Ali), geht das in Ordnung. Die Offbugs danken es. „Hey, unser Song stand heute Morgen auf Platz eins der schwedischen iTunes Alternative-Charts. Geil, oder?“ (BlaA von gestern/S.3).

Ja, doch. Geil. Das mögen wir ihnen gönnen. Den hiesigen Boulevardmedien aber verleihen wir für die ewig wiederkehrende Copy-Paste Argumention den Panik-Pokal des Monats Mai. Schnauze jetzt, es reicht. Bobo und Piero kamen nicht mal in die schwedischen Alternativ-iTunes-Charts. Deswegen forderte ja niemand, dass man iTunes oder gar Schweden abschafft.

Humor – und was man bei TA-Media darunter versteht

Verehrter Leser, verehrte Leserin

Wir starten mit schockierenden Nachrichten in den Montag: Kreditkartengebühr – wir Schweizer sind die Dummen!, lässt uns der Tages Anzeiger heute wissen. Im Artikel geht es um überrissene Gebühren, welche Kreditkartenanbieter wie Visa-/ bzw. Mastercard von Kunden und Geschäften kassieren. Das Ganze ist offiziell verbürgt, von EU-Seite her.

  • «Mastercard «verstösst gegen die Vorschriften über wettbewerbsbeschränkende Geschäftspraktiken».
  • Die Kommissionen der Kreditkartenanbieter «treiben die Kosten des Detailhandels künstlich in die Höhe».
  • Die Entgelte tragen weder zum «technischen noch wirtschaftlichen Fortschritt» des Kreditkartensystems bei. Das ist ein «rechtswidriger Preismechanismus».
  • «Die Leidtragenden sind die Konsumenten, weil sie unter Umständen doppelt für ihre Kreditkarten zahlen: einmal in Form von Jahresgebühren bei ihrer Bank und ein zweites Mal durch überhöhte Verbraucherpreise».

In der EU muss Mastercard (nicht aber Visa!) nun die Gebühren senken, nicht so aber in der Schweiz. Hier werden wir weiter abgezockt – eine Tatsache, welche die TA-Media, Besitzerin des Tages Anzeigers aber nur vordergründig zu stören scheint. Hinter dem Rücken profitiert der Konzern brav mit. Denn ausgerechnet heute prangt auf der Titelseite von 20 Minuten ein Special-Feature der „20Minuten-Card“, einer Pre-Paid Kreditkarte, die von Visa „gesponsert“ wird.

Wir gratulieren der TA-Media im Namen aller abgezockten Schweizer Kreditkartenbesitzer zu dieser wirklich gelungenen Aufmunterung am Montagmorgen.

Werbung und Artikel kann man übrigens auch planen, so nebenbei.

Abteilung Qualitätsjournalismus

Finde nur ich das störend oder ist es teils inflationär, wie gewisse Experten in den schweizer Medien rumgereicht werden? Gestern kam dieselbe Nase zuerst im Echo der Zeit, anschliessend in der Tagesschau und heute Morgen muss ich dasselbe Gesicht noch einmal im Blick und in der 20 Minuten sehen?!

Nichts gegen den Ferdinand, an dem ist nix auszusetzen, der kennt seine Branche. Aber es wird in der Schweiz ja wohl auch noch jemand anderen geben, der sich ein wenig mit Autos auskennt.

Der Gedanke, dass Experten für ihre Auskünfte auch noch ein Honorar kriegen, wischen wir jetzt einfach mal bei Seite. Sonst hätte der Ferdinand gestern nämlich im Lotto gewonnen.

Mediale Ergüsse: Der Masturbathon

Auch Zeitungen  kennen eine Interessensagenda. Manchmal müsste man allerdings sagen: leider. Zumindest in Bezug auf 20Minuten und Newsnetz, welche beide zur Ta-Media gehören. Diese kongruente Agenda ist sehr durchschaubar. Alles was mit Sex, Orgien und nackten Körpern zu tun hat, ist automatisch gesetzt. So lese ich beispielsweise heute auf Newsnetz von einer Frau, die ein Kondom in ihrer Burger-Packung fand und deswegen bei der Polizei Klage eingereicht hat.

Schön. Davon habe ich nix. Nicht mal den Ekel, den mir die Vorstellung bescheren würde, die Frau hätte in ein gebrauchtes Kondom gebissen, während sie ihren Burger kaute. Laut Berichterstattung ist nämlich ausgerechnet das nicht klar. Das Kondom könnte schliesslich auch eingepackt gewesen sein und per Zufall in die Packung (nicht in den Burger!) gefallen sein.

Noch besser ist nur noch 20Minuten, das mir heute von einem Masturbathon berichtet. Nicht nur, dass überhaupt nicht klar wird, wie dieser dämliche Wettbewerb funktioniert – gewinnt nun derjenige, der am Längsten kann? oder der Schnellste? Oder derjenige der immer wieder kann? – ganz toll ist auch folgende Aussage:

Die Erlöse kommen Projekten zur sexuellen Aufklärung zugute. Ähnliche Wettbewerbe werden auch in London und Kopenhagen ausgetragen.

Da würde ich mich auch freuen, wenn ich die Erlöse eines Masturbathons bekommen würde – wenn ich Inhaber einer Samenbank wäre. Dummerweise gehen bei dieser Art Berichterstattung die wirklich spannenden Interessensagenden vergessen, wie zum Beispiel diese hier. Manchmal passt ein Verbrechen offenbar so gar nicht in das Selbstverständnis einiger Verleger.

Wir wollen keine Masturbathons. Wir wollen wissen warum Denisa Soltisova sterben musste. Dass unsere Nachbarn offenbar xenophobe Auswüchse medial ausleben, erscheint mir wesentlich relevanter als Kondome in Happy Meals. 

1x Panik à la 20 Minuten bitte

Fast noch schlimmer als nicht-denkende Journalisten finde ich nicht-denkende User, welche Texte von nicht-denkenden Journalisten gedankenlos übernehmen. Dass die Ctrl-C-Angestellten der Ta-Media beim Schreiben oft nur Hände und nicht Hirn gebrauchen, wissen wir. Hier ein ganz besonders schöner Fall.

Kurz zusammengefasst: Der Deutsche Staat will gegen Rapidshare vorgehen. Ein Downloadportal, auf dem User Inhalte jeglicher Art zur Verfügung stellen, meist getarnt und neu beschriftet, oft gar verschlüsselt. Das ist der Musikindustrie ein Dorn im Auge (obwohl die Softwarebranche viel mehr darunter leidet). 20 Minuten suggeriert nun, die Deutschen Behörden hätten Mittel und Möglichkeiten gegen diese Downloader vorzugehen. Obwohl der User meist keine Kenntnis davon hat, was er an Files runterzieht. Der Upload mag willentlich erfolgen (was auch noch zu beweisen wäre) der Download hingegen erfolgt meist über x-fache Verlinkung. Und die Möglichkeit besteht, dass der User auf der Suche nach einem ganz anderen, legalen Inhalt war.

Nun gut, wir wollen uns hier nicht in juristischen Pöbeleien verstricken, noch dazu auf deutscher Gesetzesebene. Was wirklich nervt, ist dass auch die Schweiz wieder von 20 Minuten, dass ja traditionellerweise gerne eng mit der Musikbranche zusammenarbeitet, bedroht wird. Denn auch hierzuland sei sowas möglich. Genau. Wo der Download doch hierzulande so extrem strafbar ist. Ich glaube mich pickt ein Huhn.Vermutlich haben die CTLR-C-Angestellten der Ta-Media den entsprechenden Gesetzesartikel ja einfach aufgefressen. Und er ist darum unauffindbar.

Offensichtlich werden nicht nur schweizer Journalisten immer dümmer, sondern auch die schweizer Leser. Nach den Erfahrungen mit David Bauer wäre es vielleicht nötig das Fach Wahrheit&Tatsachen am MAZ einzuführen.