Archiv der Kategorie: Medien-Kritik

Die angekettete Ente

Eine Zeitung ohne Werbung, Journalisten mit den höchsten Löhnen Frankreichs, eine Auflage von mehr als 600’000 Exemplaren im Schnitt – das klingt unglaublich. Noch dazu wenn man bedenkt, dass der Reingewinn in den vergangenen Jahren auf mehr als 8 Millionen Euro anstieg.

Man lese mal wieder den canard enchaîné oder zumindest die Lobeshymne auf Redaktion und Leser.

Übrigens, die „mur du çon“ würde auch in der Schweiz funktionieren. Einen Kandidaten zumindest hätten wir schon:


„Das ist eine Kriegserklärung!“

Toni Brunner (SVP) im „Echo der Zeit“ zur Affäre um geklaute Bankdaten, die der deutsche Staat kaufen möchte.

Karin Wenger vs. Sri Lanka

Nach einem Massaker an der Minderheit gibt es EINE Journalistin der „freien westlichen Welt“ bei der PK nach den Wahlen.

Kein Öl => ergo ist es allen shice egal.

Schande über Europa. Danke kleine tapfere Schweiz.

Nö, danke Karin Wenger. Dafür, dass es auch heute noch Journalisten gibt, die kritische Fragen stellen, selbst wenn sie anschliessend des Landes verwiesen werden.

Apples iSlap..

Macht die Journalisten/Produzenten/Content Manager (in prestige-sinkender Reihenfolge) offenbar derart nervös, dass sie Fremdtitel 1:1 übernehmen..

Die eierlegende Wollmichsau – nun in Gross 

Das ist wirklich gross.

Was Journalisten von der Mode lernen können

Blogger sind auch Chefredakteure. Zumindest scheinen Blogger im Modebusiness ebenso wichtig zu sein, wie die NY Times in einem Artikel von Ende Dezember zeigt. Zugegeben, der Artikel ist für eine Tageszeitung schon etwas gar alt. Zu unserer Verteidigung bleibt immerhin zu sagen, dass wir die Geschichte eben erst heute über Ron Orp entdeckt haben.

Doch der Artikel scheint uns wichtig, weil der Mode-Journalismus ein Vorzeigebeispiel für die Konvergenzkraft von Online und Print darstellen könnte. Denn eine Modeschau ist ein ideal plan- und dokumentierbarer Newsevent – aus journalistischer Perspektive. Der Blogger als Instantpublisher ist dem Magazin mit Wochen- oder gar Monatsrythmus dabei aber weit überlegen. Es ist darum nicht erstaunlich, dass in den vorderen Reihen der wichtigenModeschauen immer mehr Leute mit Laptop sitzen werden. Die NYT führt auch zu Recht an, dass zwar alle grossen Magazine bloggen, sich diese Blogs aber in der Regel lesen, wie wenn ein Redakteur einen Artikel schreibt. Sprich: von oben herab, zu wenig Publikumsbindung, Web 2.0 untauglich. Die Rede ist von einem „Generation-Gap“, der durchaus evident ist.

Die Modeindustrie ist dafür bekannt, schnell auf Trends zu reagieren und auch eher selten Berührungsängste zu zeigen, wenn es darum geht, die eigenen Produkte zu vermarkten (Benetton, D&G etc..). Das klassische (Schweizer) Modemagazin hat sicherlich noch den Vorteil, dass es zusätzliche Inhalte anbieten kann, die einem Blog fehlen. Wir reden hier von Reportagen, Tests, Beauty etc. Trotzdem ist das Beispiel interessant, denn der Catwalk, die Mode, die neuen Kleider und Trends sind der eigentliche „Grundpfeiler“ eines Modemagazins. Historisch gesprochen, reden wir hier über nichts anderes, als die Daseinsberechtigung eines klassischen Modeblattes.

Was also bedeutet das für Vogue, Elle und Co?

Hier müssten Journalisten die Entwicklung aufmerksam verfolgen, so sie an ihrer eigenen Zukunft interessiert sind. Die klassische Modeberichterstattung wird wohl langsam aus den etablierten Blättern verschwinden. So es eine „seriöse“ Modeberichterstattung gab (bspw. Vogue), wird diese immer mehr einer „Unterhaltungsmode“ und „Promimode“ Platz machen. Magazine werden vermehrt Ressourcen erschliessen (müssen), die dem Blogger noch nicht zugänglich sind, sei es aus finanziellen- oder Zeitgründen. Es wird also zu einer thematischen Umverteilung kommen, gegen die sich die etablierten Blätter derzeit noch wehren, die aber für die Meisten schon bald Realität sein wird.

Derselbe Trend lässt sich auch bei den klassischen Newsmedien betrachten. Die Themen bewegen sich weg von der „seriösen“ Berichterstattung, immer mehr hin zu einer „Unterhaltungs- „ und „Promiberichterstattung“. Diese Umverteilung wird sich auch in den Printmedien noch stärker bemerkbar machen. Die klassische, seriöse Berichterstattung in der Tageszeitung hat ausgedient. Vielleicht nicht heute, aber wohl morgen und übermorgen.

Die Bemerkung sei gestattet. Blogger trifft daran keine bewusste Schuld. Kaum jemand begeht absichtlich Dummheiten. Doch die Modeindustrie ist mächtig und in vielen Dingen waren Kleider schon immer ein Vorbote der kommenden Zeit. Und so zeigt auch der Artikel der NYT zwischen den Zeilen, welche Konsequenzen die Beschleunigung der Medienzeit mit sich bringt: Ein radikaler Umbau des klassischen Verständnis einer so genannten „NEWS“ nämlich.

Abt. Wiederholungstäter

Noch Fragen?

Kriegsrhetorik: Viel Wirbel um nix

Streit, Kleinkrieg, Schusswechsel – so geht es derzeit in der Schweizer Medienlandschaft zu und her.

Ich freue mich auf die ersten Leserzahlen zum „neuen Blick“, wenn man so will. Der „harte“ Boulevardkurs scheint sich offenbar auszuzahlen.

„Dieser Kurs habe «nicht zu einem signifikanten Anstieg an Reklamationen geführt», aber zu einer Zunahme des Kiosk- und Aboverkaufs.“

behauptet zumindest ein Unternehmenssprecher. Dummerweise führt „dieser Kurs“ aber auch zu Reibereien, etwa mit dem Bezirksgericht in Zürich. Dort streitet sich ein Richter mit den Ringier-Anwälten wegen den Bildrechten einer Verhandlung. Der betreffende Richter war zuvor ohne Einwilligung mit Foto in der Zeitung erschienen.

In der Ostschweiz tobt der mediale „Kleinkrieg„. Ausgerechnet das Newsportal des Schweizer Fernsehens berichtet, wie sich Tele Ostschweiz und Tele Säntis um die Konzession zoffen. Auch wenn der Vorwurf ins Leere zielt. Es ist schon etwas makaber, dass ausgerechnet der Monopolist, der seine Konzession auf sicher hat, über diese Geschichte berichtet.

Zum Schusswechsel schliesslich kommt es in der medialen Nachbearbeitung zu Erpressung und Bestechung Teil II. Wer so was liest, der denkt, in der Schweizer Medienlandschaft herrsche Krieg. Dabei ist doch alles ganz harmlos.

Ein Tisch mit drei Beinen

 Newsnetz: der schnellste Qualitätsjournalismus im Netz.

 Diese Formulierung lässt mich immer wieder leer schlucken. Was ist Qualität? Ist Schnelligkeit nicht per se ein Wort, das dem Ausdruck „Qualität“ eher schadet als nützt?

Gerne würde ich den Verbund von Tages-Anzeiger, Basler-, Berner Zeitung und Bund beim Wort nehmen. Wenn ich aber bereits morgens um 0830 Uhr Artikel lese, die mich schon im Vorspann ärgern, dann frage ich mich:

Werden Journalisten heute noch brauchbar ausgebildet? Was ist Journalisten heute wichtig? Welche Vorbilder haben Journalisten noch ausser sich selbst? Und was wollen sie mit ihren Geschichten bei ihren Lesern erreichen? Stellen sich Journalisten diese Fragen überhaupt noch, was ist ihr Selbstverständnis?

Manchmal habe ich das Gefühl, viele Journalisten betrachten ihren Job als einfachen Bürojob, in dem Fehler, Objektivität, saubere Recherche, Ausgewogenheit, Quellenüberprüfung und brauchbares Deutsch keine Rolle mehr spielen.

Dem ist aber nicht so. Journalist zu sein bedeutet auch 2010 nicht, einen „Bürojob“ zu haben. Genau so wie K(C)arl Hirschmann eine gesellschaftliche Vorbildfunktion hat (die er vorzüglich nutzt um sowohl seine eigene Reputation wie auch die seiner Freunde in die unterste Schublade zu verfrachten), haben auch Journalisten eine Vorbildfunktion. Sie geben vor, was im Gedächtnis der Gesellschaft haften bleibt – und damit auch; wie es haften bleibt. Es ist ein toller Job, beneidenswert und begehrt. Journalist zu sein ist ein Privileg – auch im Jahre 2010.

Was aber sollen Lehrer ihren Schülern sagen, was Dozenten ihren Studenten, was Lehrmeister ihren Lehrlingen, wenn Qualitätsjournalisten Sachen schreiben wie:

Die BVB wollen ihren CO2 weiter reduzieren. Nun sollen verschiedene Bustypen getestet werden. In der Diskussion sind Biogas- und Hybridantriebe als Nachfolger für über vierzig Gelenkbusse.

oder

Die amerikanische Notenbank Fed sorgt sich zunehmend um den Arbeitsmarkt in den USA, weil keine Erholung in Sicht ist. Nicht die einzige Baustelle.

Wenn ein Schüler seinem Lehrer sagt, Sätze wie: „Meine Mutter macht Apfel“, seien korrekt, in der Zeitung stehe das auch so, dann hat er recht. Wenn ein Student seinem Dozenten sagt: (..) erhöht die Infektionsgefahr. Nicht das einzige Problem. Das sei korrekt, in der Zeitung stehe das auch so, dann hat er recht. Wenn ein Schreinerlehrling einen Tisch mit drei Beinen fabriziert, der wackelt wenn man einen Teller drauf stellt, dann hat er recht. Bei Newsnetz ist das auch so.

Sicher: Es ist schön, dass Newsnetz die Texte im Verlauf des Tages korrigiert. Da ich die Texte in der Regel aber nicht zwei Mal lese, bringt mir das herzlich wenig.

Sprachliche Anekdoten I

 Es gibt Schreibfehler und Schreibfehler. Es gibt die Dummen, die Flüchtigen und die Katastrophalen. An einem guten Tag begegnet der Leser allen Gattungen im selben Medium.

An einem schlechten, so wie heute, braucht es zwei.

 Der Dumme:

Sänger Piero Esteriore will das Sorgerecht für seine Tochter Alessia. Grund: eine Ex-Freundin Sandrine verbiete ihm den Kontakt zu seiner Tochter. «Alles Blödsinn», behauptet die Mutter.

„eine Ex-Freundin Sandrine“ deutet sprachlich an, dass es noch mehrere Ex-Freundinnen mit Namen Sandrine gibt. Das passt allerdings nicht zur Behauptung Piero Esteriore wolle das Sorgerecht für seine Tochter.

Fazit: Piero Esteriore hatte mehrere Freundinnen mit Namen Sandrine, die ihm eine Tochter Namens Alessia geboren haben. Das wäre Piero sicher zuzutrauen. Hier liegt der Fehler aber wohl eher bei 20Minuten Journalistin I.R.*

Der Flüchtige:

Letzterer ist** dürfte auch beim Schweizer Publikum eine Glocke*** läuten lassen, schliesslich sorgte er erst diesen Sommer für Aufregung, als bekannt wurde, dass er 1999 eine damals 14-jährige Schweizerin geschwängert hatte.

Der Katastrophale:

Insgesamt wurden heute rund 70 Retter eingesetzt, darunter auch SSoldaten. «Wir suchen mit allem was uns zur Verfügung steht», sagte Bardill. «Wir setzen Lawinenhunde, Reco- und Lawinensuchegeräte und Sonden ein.» Zudem würden auch Helis der Rega, der Bohag und der Air Glaciers die Retter unterstützen.

Es gibt nicht viele Wörter, bei denen eine Verdoppelung eines Buchstabens soviel assoziatives Unheil auslösen kann wie das „S“ bei SSoldat.

*Name für die Redaktion uninteressant.

** Mobile-Applikation von 20 Minuten. Hier werden Texte offenbar – im Gegensatz zur Onlineversion – nicht mehr korrigiert.

*** Kann uns jemand dieses Sprachbild erklären? Tragen nicht Kühe Glocken die läuten? Aber Menschen? Lesen Schweizer Kühe 20Minuten? Erklärt das die hohen Leserzahlen? Auch hier liegt der Fehler wohl eher bei (tny).

Armin der Grosse, Roger der Schnelle

Eines muss man Roger Schawinski lassen. Er ist schnell, verdammt schnell. Kaum hatte Armin Walpen, Chefdirigent der SRG, SSR, Idée Suisse das Wort Rücktritt ausgesprochen, da stand der Kommentar seines Kontrahenten auch schon online. Ein Narr wer denkt, Schawi hatte diesen „Grabstein“ schon lange vorfabriziert.

Ein Narr übrigens auch, wer glaubt, mit den angekündigten Sparmassnahmen werde das Budget der SRG irgendwann wieder ausgeglichen. Ein Lohn- und Investitionsstop kann die Ausgaben in bestem Fall auf heutigem Niveau halten. Die Schulden verschwinden aber ohne Zustupf nicht – und den wird es in absehbarer Zeit nicht geben. Auch wird die Wirtschaftskrise weiter anhalten. Logisch also, dass Szenario „Priorität 2“ ab 2010/2011 zum Zuge kommt. Auch Szenario „Priorität 3“ dürfte mehr oder weniger beschlossene Sache sein, auch wenn uns jetzt noch nicht ganz klar ist, wie man einen Radiosender wie die DRS-Musikwelle ohne Proteste und Aufgabe der ehrgeizigen DAB-isierungspläne der Schweiz realisieren will.

Hat übrigens jemand bemerkt, dass Szenario „Priorität 2“ bereits die Abschaltung des Jugendsender „Virus“, eine Reduktion der Programme bei HD-Suisse, Wegfall von Sponsoring (u.a. Filmfestival Locarno, Estival Jazz u.a.) sowie eine „publizistische Neuausrichtung der italienischsprachigen Radioprogramme“ vorsieht?

Cara mia.

Wirtschaftskrise+Sparmassnahmen=Preiserhöhung

In den letzten Tagen war es an der journalistischen Front vergleichsweise ruhig. Dafür kommt´s nun um so dicker. Den Anfang machte NZZ-CEO A.P. Stähli mit seiner Ankündigung, man wolle die Abopreise erhöhen und in Sachen Internet zumindest teilweise von „free“ auf „paid“ wechseln. Einerseits muss man vor dieser Entscheidung den Hut ziehen, schliesslich haben wir in den letzten Wochen zur Genüge miterlebt, wie es ist, wenn das Management aus Renditegründen (oder roten Zahlen / siehe NZZ) auf Kosten des Personals spart. Im Falle der NZZ muss jetzt also zuerst einmal der Leser bluten. Soweit ich mich erinnern kann ist das in der aktuellen „es muss noch billiger produziert werden“-Phase ein Novum (Der Bund sei hier ausgenommen, denn dabei handelt es nach dem Zusammenschluss mit dem Tages Anzeiger um eine „neue“ Zeitung, zudem war der Bund vergleichsweise billig). Man darf gespannt sein, wie die Abonnenten auf diese Erhöhung reagieren werden.

Für eine Qualitätszeitung ist dies derzeit aber leider einer der wenigen gangbaren Wege aus der aktuellen Krise. Entweder das, oder man definiert das Redaktionsstatut neu. Eine Massnahme, zu der sich auch der Tages Anzeiger früher oder später genötigt sehen wird, auch wenn mir Jean-Martin Büttner hier widersprechen würde.

Die NZZ ist übrigens nicht die einzige, die etwas gar laut über etwaige Preiserhöhungen nachdenkt. Auch die SRG plant derlei, behauptet zumindest die Weltwoche. Während die NZZ selbständig entscheiden kann, hat der Bundesrat bei der SRG das letzte Wort. Und es dauerte keine 12 Stunden (!), da mischte sich auch schon die SVP ein. Allerdings wäre bei dieser These durchaus Vorsicht angebracht. Die WW hat sich in den letzten Wochen geradezu auf Armin Walpen und die SRG eingeschossen. Sätze wie:

Tatsache ist: Generaldirektor Walpen will die Radio- und TV-Gebühren um fünf Prozent erhöhen. So steht es im Finanzierungsplan, den er am 22. Juni in den SRG-Verwaltungsrat bringen wird.

Klingen zwar plakativ und logisch, entsprechen aber selten der Wahrheit. Walpen ist zwar auch nur ein Mensch, allerdings kein kompletter Vollidiot.