Archiv der Kategorie: Idiot des Tages

..und die anderen?

Wir sind bei weitem nicht das einzige Blog, das sich mit dem schweizerischen Medienschaffen auseinandersetzt. Immer wieder treffe ich auf Schreibende, die sich in ihren Blogs, auf Twitter oder in Foren auf intelligente und kritische Art mit unseren Informationsprodukten auseinandersetzen. Es wird sie immer geben – die Leute die mehr wissen wollen als sie in 20 Minuten erfahren.

  • Bruder Bernhard ist etwas konsterniert ab den Ereignissen der letzten Tage. Journalisten die ihre Interessenbindungen nicht offen legen wollen und ein Social Network, dass eine ausführliche Kommunikation verhindert statt stützt, haben ihm den Rest gegeben. Bruder Bernhard meldet sich ab. Leider.

  • Fräulein ChliiTierChnübler macht sich Gedanken über ein Bild, dass im Netz schon lange eine Art Eigenleben führt und das nun plötzlich im Blick am Abend in der mysteriösen Rubrik „Schnügel des Tages“ auftaucht. Ganz zu schweigen davon, dass sie das besagte Bild selbst einmal für einen Blogartikel verwendet hatte und beinahe eine horrende Busse gezahlt hätte.

  • inside_it nervt sich per Twitter über Fehler in der NZZ. Nicht zu unrecht, denn manchmal klingen Worte ähnlicher, als sie sind. So besteht tatsächlich ein Unterschied zwischen Aktie und Akte.

  • Die Jungs von Sauglattismus nennen sich aus aktuellem Anlass nur noch -glattismus. Die Sau steht ja derzeit unter mexikanischem Patentrecht. Trotzdem sollte jeder diese 12 Medien-Fragen zum Thema Schweinegrippe präventiv beantworten können. Wir werden alle sterben.

  • Und zum Schluss: Der Bugsierer nervt sich ab 10 vor 10 und Ugugu einmal mehr ab der Tamedia. Die einen erzählen Blödsinn und die anderen schweigen – auch wenn es durchaus was zu sagen gäbe.

Rapper, Hofnarr, Idiot

Heute ist Stress-Tag. Im 20 Minuten, in der Berner Zeitung und, genau, in der NZZ. Die Medien feiern einmal mehr einen Rapper, dessen Texte nur die Romands verstehen und deswegen, verständlicherweise auch ignorieren, der bei uns aber längst zum Star geworden ist, weil er auf seinen Platten vorhersagbare, ideenlose Rhymes mit hässlichen Beats à la Yvan und Bligg quält.

Immerhin wagt es die NZZ, den Armleuchter aus Lausanne etwas kritisch zu begutachten. Auch wenn sich die erste Hälfte des Textes wie die Biographie liest, die Stress gerne selbst geschrieben hätte, keimt im Rest des Textes ein Unbehagen. Schade eigentlich, dass dabei nicht auch mehr auf sein Wirken als Werbeträger eingegangen wird. Längst ist Stress eine PR-Maschine geworden. Dabei scheint es dem „Pion“ längst egal zu sein, für wen oder was er wirbt. Hauptsache, es bringt Kohle.

Beweis gefällig? Stress auf Dankesrunde beim Blick.
Und was machen die emsigen Journis? Klar, eine Seite Strelanie. Mit Sex-Garnitur.
Wetten, dass sich dieser Pornostreifen gleich doppelt so gut verkauft?

Medien: irrelevant vs. relevant

Mit der Relevanz ist das so eine Sache. Was wollen wir aus den Medien erfahren? Wo benötigen wir zusätzliche Informationen und wo nicht? Oder anders gefragt: Werden Journalisten in der Schweiz ihrer Rolle als «Gate-Keeper» gerecht?

Dieses Wochenende sind mir zwei Artikel aufgefallen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Beide sind komplett irrelevant und daher eigentlich unnötig. Und trotzdem erfüllt eine der beiden Geschichten die mediale Kriterien einer etwaigen kompetenten und nötigen Information. Wie ist das möglich?

Zum einen erzählt mir die Pendlerzeitung NEWS heute die Geschichte einer US-Non-Profit-Organisation, die sich um Pornographie für Blinde bemüht. Höhepunkt (Wortwitz) des Artikels ist die Feststellung, dass „wer Stöhnen, Schreien und Dirty Talking erwartet„, enttäuscht wird. „Die weiblichen und männlichen Sprecher beschreiben, was sie sehen – mit neutralem Timbre und eher gelangweilt„. Wer die Pointe bereits im ersten Satz bringt, hat sowieso verloren. Zudem ist es usus, dass Blindenorganisationen Programme entwickeln, die Webcontent, Filme und Texte nacherzählen. Es ist daher eine komplett irrelevante und leider auch sehr unnötige Geschichte aus der Abteilung: „Was ich wirklich nicht wissen muss.“

Dieselben Kriterien erfüllt im ersten Augenblick auch diese Geschichte im Berner Bund. Dabei geht es um Äusserungen von Kaiser Wilhelm II., welche einen Zwist zwischen einem Schweizer Journalisten und den Deutschen provozierte. Da es sich um ein Ereignis handelt, das vor über 120 Jahren statt fand, darf man durchaus sagen: Die Geschichte ist unnötig, irrelevant und überflüssig.

Und trotzdem: Bund-Redaktor Daniel Goldstein liefert hier ein kleines Recherche-Meisterwerk ab. Weit besser als die Berichterstattung im Spiegel oder der Frankfurter Allgemeinen. Zudem führt mir die Geschichte als Leser durchaus verständlich vor, woher die traditionellen Berührungsängste der Schweizer mit den Deutschen tatsächlich kommen könnten.

Will ich das als Leser wirklich wissen?
Ja. Wer den Blick am Abend liest und glaubt, damit wäre alles gesagt, der muss das sogar wissen. Dieser Artikel war überfällig.
Und die Geschichte beweist: Irrelevanz ist nötig. Denn manchmal ist Irrelevanz einfach nur gut getarntes, vorbildliches «Gate-Keeping». Es liegt am Leser, solches zu erkennen und von blinder Text-Pornographie zu unterscheiden.

Kollegenschelte Teil III

Augen auf: Hier beschreibt Stephan Russ-Mohl den Zustand der US-Medien und analysiert diverse Studien zum Agenda-Setting und Informationsverhalten der Journalisten.

Fazit: 20% aller amerikanischen Journalisten haben in den vergangenen acht Jahren ihre Stelle verloren. Und die verbliebenen 80% schreiben mehr oder weniger voneinander ab.

Kollegenschelte Teil I

Es ist schon erstaunlich, wie selbstreferentiell Medienerzeugnisse derzeit berichten. Auf der einen Seite ist es verständlich, wenn der Blick am Abend gross posaunt, man werde aufgrund des Erfolgs (ja, das ist ein Widerspruch – dazu ein andermal mehr) expandieren. Allerdings ist diese Meldung als Zeitungs-Geschichte fragwürdig. Diejenigen die es betrifft, lesen nichts davon und den anderen kann das egal sein.

Viel dümmer jedoch ist, wenn das zum gleichen Konzern gehörende Mutterblatt Blick von einem geplatzten Werbedeal der Konkurrenz berichtet. Welcher Leser interessiert sich ernsthaft dafür, ob die Migros in Zukunft noch bei 20Minuten inserieren wird oder nicht?

Natürlich, für den Ringier-Verlag ist das die beste Meldung seit der Erfindung von Gutenbergs Druckpresse. Migros verfügt über den grössten Werbe-Etat der Schweiz. Daher sind Migros-feindliche Artikel sowohl bei der TA-Media als auch bei Ringier de Fakto verboten. Schön, dass es 20Minuten trotz aufdringlich freundlicher Berichterstattung schafft, den Werbepartner über die Anzeigenabteilung zu verprellen. Wie das allerdings gelaufen ist, kann mir auch der Blick in dieser Top-Meldung nicht erklären.

Der Grund: Zwischen der Migros und « 20 Minuten » herrscht dicke Luft. Wegen der Tarife für die Werbung. Die Migros verweist auf die Fairness, die zwischen Geschäftspartnern eingehalten werden müsse: «Da wir dies zurzeit in der Geschäftsbeziehung mit « 20 Minuten » nicht empfinden, haben wir uns entschieden, auf eine Zusammenarbeit bis auf weiteres zu verzichten.» Bei der Besitzerin von « 20 Minuten », dem Verlagshaus Tamedia, wehrt man sich gegen den Vorwurf: «Wir haben der Migros ein Angebot unterbreitet, das besser ist als die Angebote für alle anderen Unternehmen in der Schweiz.»

Mediales Littering: Ganz & Goria

Heute: Berner Zeitung

Verschreiber sind seit Newsnetz kein Aufreger mehr sondern eine Selbstverständlichkeit. Wenn Agyness Deyn ihren Freund, den „The Stokes-Gitarristen Albert Hammond jr. verlässt“ (S.40), dann ist dies aber schon etwas peinlich. Schliesslich sind die Stokes „die erfolgreichste irische Musikgruppe im deutschsprachigen europäischem Raum“ (Eigenwerbung). Und ich wüsste nicht so recht, was Agyness mit einem irischen Folkmusiker anfangen sollte.

Immerhin haben die Stokes eine Auszeichnung des irischen Tourismusverbandes erhalten. Diese Ehre ist den Strokes bisher verwehrt geblieben.

Wie Piero mal wieder den Schwanz einzog

Heute: Die Niederungen des Boulevard – wo sich die Landbevölkerung derzeit so rumtreibt.

Mit Piero Esteriore ist das ja so eine Sache. Da weiss man nie genau an was man ist. Ist er jetzt ein Musiker oder nicht? Ist er ein Idiot oder keiner? Ist er wirklich so von sich überzeugt oder nimmt er Drogen? Wurde er bei Big Brother rausgeschmissen oder ist er freiwillig gegangen?

Fakt ist: Pieros neue CD ist ein Flopp. Und wie der singende Barde bewiesen hat, ist er queren Ideen zur Promotion nicht abgeneigt – siehe „Amok-Piero“. Was mich an diesem Menschen nervt, ist, dass er einfach nie den Nerv hat, etwas ganz durchzuziehen. Sei es mit dem Mercedes oder mit Big Brother. Immer dann wenn’s interessant wird, bremst er und geht. Oder er muss gehen, weil er sich aufgrund seiner dämlichen Haltung das Bleiberecht verspielt hat.

Was ist gestern passiert?
Offenbar hat Handwerker-Piero im BB-Wettbewerb eine (Schrauben-)Mutter vermurkst und hätte darum in die „Hölle“ ziehen sollen. Da Big Brother in der Hölle aufgrund der Lebensumstände wirklich hässlich wird, wollte Piero nicht mehr mitmachen und ging nach Hause. So wie immer.

Was haben wir daraus gelernt?
Der Friseur hat seine Hände offensichtlich nicht immer unter Kontrolle, das erklärt sowohl seine Musik wie auch seine Frisuren. Mit etwas Glück vermurkst er demnächst auch den Kopf eines Kunden in seinem Salon und der langersehnte Erfolg stellt sich doch noch ein. Allerdings nur dann, wenn Piero den Weg endlich auch mal bis zum bitteren Ende geht. Wenn der Kopf noch halb dranhängt wird das wieder nix.

Die Idioten von Newsnetz..

Während sich Medienredaktor Klaus Bonanomi gestern im Echo der Zeit ein paar vergebene Gedanken darüber machte, ob Newsnetz dereinst tatsächlich qualitativen Journalismus anbieten kann, feierte sich Newsnetz gestern den ganzen Tag über selbst. Insgesamt drei mal wurde dieser Artikel alleine bei Tagesanzeiger.ch aufgeschaltet und über den Ticker gejagt.

Offensichtlich gilt es bei Idioten und anderen Minderbemittelten als Kompliment, wenn man bei Viktor’s Spätprogramm als Volldepp präsentiert wird, weil man sich in alter Qualitätsjournalismusmanier einen Verschreiber geleistet hat, den sogar der Textchef der Aargauer Zeitung entdeckt hätte.

Oh Moment mal, der Verlgeich hinkt etwas. Die Aargauer Zeitung hat ja gar keinen Textchef.

Tweet des Tages

Shawne sagt:

Brad you dirty cowboy…fairmount?

Idiot des Tages: Newsnetz

Das ist schon der dritte Tag in Folge, an dem Newsnetz den Idioten spielen muss. Aber wie soll’s auch anders sein, wenn man seine Geschichten um drei Ecken biegt?

Angefangen hat alles mit Ol’Steinbrück-Hand, der die Schweizer als Indianer verkavallerisiert hat. Der Blick am Abend griff darauf zum Zweihänder und setzte den lieben Onkel Peer als „hässlichen Deutschen“ aufs Titelblatt. Die Kollegen von Spiegelonline griffen die Geschichte auf und Newsnetz (ja, tatsächlich, Newsnetz kommt auch noch vor), machte aus den Kommentaren des SPON-Forums (!) eine Geschichte mit dem Fazit (Zitat Lead): Die Meinungen im Leserforum sind bemerkenswert.

Bemerkenswert, indeed.