Archiv der Kategorie: Idiot des Tages

Bye bye Swiss Date oder der 1-Tag/Jahr-Job

Und nun noch zu den lustigen Meldungen des Tages. Hat eigentlich jemand mitgekriegt, dass Tele Züri die Sendung „Swiss Date“ absetzen will? Unsere liebste Samstagabend-Sendung, das Auffangbecken für die Ausgestossenen der Erfolgsgesellschaft, wird eingestellt.

Der Grund: Die Suche nach Singles sei immer wie schwerer geworden. Oder anders gesagt: es gibt immer weniger Loser, die vor laufender Kamera darüber sprechen wollen, warum sie keinen Partner abkriegen. In Zeiten von Online-Datingportalen macht das auch absolut keinen Sinn.

Kann sich noch jemand daran erinnern, mit welchem Trara Tele Züri eine Nachfolge für Moderatorin (der war Absicht) Jeol Gilgen gesucht hat? Den Sprung in die D-Liga der Medienprominenz (D für: Wenn wir niemand anderen finden DANN reden wir halt mit DIR) geschafft hat damals Gabriela Ursprung.

Tele Züri will ein solches Talent natürlich nicht ziehen lassen. Sie werde künftig weiter eingesetzt, heisst es in einer Mitteilung – für die Moderation der Streetparade.

Daher gesucht heute: Menschen mit Erfahrung in einem 1-Day/Year-Job.

Dumb and dumber

Fernsehen macht dumm –  und tot, sagt mir heute Newsnetz. Eigentlich müssten wir alle schon längst tot sein, zumindest dann, wenn man in seinem Leben schon total 10 Stunden fern gesehen hat.

Ich bin ein lebender Toter. 10 Stunden schaff ich locker in einer Woche. So lese ich heute:

In den folgenden sechseinhalb Jahren steigerte jede täglich vor dem Fernsehgerät verbrachte Stunde die generelle Sterblichkeit um elf Prozent. Die Gefahr, einer Herzkreislauf-Erkrankung zu erliegen, stieg sogar um 18 Prozent. Selbst die Krebsmortalität nahm zu, allerdings nur um neun Prozent.

Jede Stunde steigert also die Sterblichkeit um elf Prozent, bei Herzkreislauf-Erkrankung sind es sogar 18.

Ich bin ein medizinisches Wunder! Her mit dem Nobelpreis! Her mit dem Ruhm! Ich stelle meinen noch lebenden Körper der Forschung zur Verfügung. Gegen ein Bescheidenes Entgelt von 1 Mio £ die Stunde, täglich, versteht sich.

Abteilung Erpressung und Bestechung

Eigentlich mögen wir den Herrn Lebrument ganz gut. Das scheint ein netter, intelligenter Kerl zu sein, der gerne mal auf den Tisch klopft. Scheint so n Bergmensch zu sein. Die machen ja gerne mal etwas Lärm, wenn’s den eigenen Interessen nutzt.

So lancierte Lebrument gestern via Südostschweiz am Sonntag einen Angriff auf das UVEK. Das war eine schöne Flanke, eine fiese, raffinierte, ja gar gemeine Flanke. Deren Inhalt bedeutet aufs Wesentliche runtergebrochen: kommt Schawi, werde ich gehen.

Zwischen den Zeilen liest man: diese, meine Zeitungen will sowieso keine Sau, denn ich bin der einzige, der Berg und Tal da hinten mit Informationen versorgt. Das Volk ist in der Gewalt der Informationsgeisel. Natürlich ist es längst nicht mehr an Grossmogul Lebrument zu entscheiden, was „sein“ Medienkonzern kauft oder verkauft. Längst reden auch seine Kinder und weitere Aktionäre mit.
Trotzdem ist es beeindruckend, wie ein einzelner Verleger versucht gegen den Staat zu Felde zu ziehen und sich mit allen möglichen Mitteln zu wehren.

Ich bin ja mal gespannt, ob sich Moritz erpressen lässt. Interessant wird auch sein zu sehen, wie Roschee (der andere, nicht der von der WW) reagiert. Vielleicht kauft er gleich alles und steigt auch noch ins Zeitungsgeschäft ein.

Ein Tisch mit drei Beinen

 Newsnetz: der schnellste Qualitätsjournalismus im Netz.

 Diese Formulierung lässt mich immer wieder leer schlucken. Was ist Qualität? Ist Schnelligkeit nicht per se ein Wort, das dem Ausdruck „Qualität“ eher schadet als nützt?

Gerne würde ich den Verbund von Tages-Anzeiger, Basler-, Berner Zeitung und Bund beim Wort nehmen. Wenn ich aber bereits morgens um 0830 Uhr Artikel lese, die mich schon im Vorspann ärgern, dann frage ich mich:

Werden Journalisten heute noch brauchbar ausgebildet? Was ist Journalisten heute wichtig? Welche Vorbilder haben Journalisten noch ausser sich selbst? Und was wollen sie mit ihren Geschichten bei ihren Lesern erreichen? Stellen sich Journalisten diese Fragen überhaupt noch, was ist ihr Selbstverständnis?

Manchmal habe ich das Gefühl, viele Journalisten betrachten ihren Job als einfachen Bürojob, in dem Fehler, Objektivität, saubere Recherche, Ausgewogenheit, Quellenüberprüfung und brauchbares Deutsch keine Rolle mehr spielen.

Dem ist aber nicht so. Journalist zu sein bedeutet auch 2010 nicht, einen „Bürojob“ zu haben. Genau so wie K(C)arl Hirschmann eine gesellschaftliche Vorbildfunktion hat (die er vorzüglich nutzt um sowohl seine eigene Reputation wie auch die seiner Freunde in die unterste Schublade zu verfrachten), haben auch Journalisten eine Vorbildfunktion. Sie geben vor, was im Gedächtnis der Gesellschaft haften bleibt – und damit auch; wie es haften bleibt. Es ist ein toller Job, beneidenswert und begehrt. Journalist zu sein ist ein Privileg – auch im Jahre 2010.

Was aber sollen Lehrer ihren Schülern sagen, was Dozenten ihren Studenten, was Lehrmeister ihren Lehrlingen, wenn Qualitätsjournalisten Sachen schreiben wie:

Die BVB wollen ihren CO2 weiter reduzieren. Nun sollen verschiedene Bustypen getestet werden. In der Diskussion sind Biogas- und Hybridantriebe als Nachfolger für über vierzig Gelenkbusse.

oder

Die amerikanische Notenbank Fed sorgt sich zunehmend um den Arbeitsmarkt in den USA, weil keine Erholung in Sicht ist. Nicht die einzige Baustelle.

Wenn ein Schüler seinem Lehrer sagt, Sätze wie: „Meine Mutter macht Apfel“, seien korrekt, in der Zeitung stehe das auch so, dann hat er recht. Wenn ein Student seinem Dozenten sagt: (..) erhöht die Infektionsgefahr. Nicht das einzige Problem. Das sei korrekt, in der Zeitung stehe das auch so, dann hat er recht. Wenn ein Schreinerlehrling einen Tisch mit drei Beinen fabriziert, der wackelt wenn man einen Teller drauf stellt, dann hat er recht. Bei Newsnetz ist das auch so.

Sicher: Es ist schön, dass Newsnetz die Texte im Verlauf des Tages korrigiert. Da ich die Texte in der Regel aber nicht zwei Mal lese, bringt mir das herzlich wenig.

back to the future

Was bisher geschah:

Mai, Juni und Juli 2009 waren verrückte Monate. In der Schweizer Medienlandschaft haben sich einige radikale Umbauten vollzogen. Es waren Bewegungen, die auch an uns nicht spurlos vorübergingen. Bis auf eine Person haben sämtliche Mitglieder der radikalen Splittergruppe Hose&Dose ihren Job verloren. Einige freiwillig, andere unter Protest. Sassen wir anhin in Verlagshäusern wie TA-Media, Ringier, NZZ und SRG, mussten wir uns neu orientieren.

 Die Gute Nachricht ist: Anfang 2010 haben alle Gruppenmitglieder (mit einer Ausnahme) wieder einen Job gefunden. Wir sitzen nun wieder bei der SRG, bei Ringier, der TA-Media und der NZZ. Einfach in einer etwas anderen Konstellation. Es war ein unnötiges Sesselrücken – allerdings mit einem Vorteil: die rechte Hand versteht nun etwas besser, was die linke tut.

Auch unsere Ausnahme wird glücklich werden. Bis anhin arbeitslos, hat sich diese Person einer Geschlechtsumwandlung unterzogen und wird dank Quotenregelung im Konvergenzprojekt der SRG schon bald eine Führungsposition einnehmen. Entsprechende Bewerbungen sind in Arbeit.

Da wir nun alle wieder fett Kohle verdienen, die wir für die drei „D“s, für Drogen, Drinks und Anti-Depressiva ausgeben können, suchen wir nach einem tieferen Sinn im Leben.

Aufgrund der vielen, bewegenden Leserreaktionen und Mails (insgesamt: 2) haben wir uns zu einer Reunion entschlossen. Es kann nicht angehen, dass wir das Bloggen aufgeben, nur aus dem simplen Grund weil unsere Existenz bedroht war.

Gefreut haben wir uns auch über die vielen Kommentare, die sich nach unserem Verbleib erkundigt (insgesamt: 3), unsere Arbeit gelobt (insgesamt: 0) und konstruktive Kritik eingebracht haben (insgesamt: -1). Hier ein repräsentatives Beispiel:

Wer sich auch immer hinter diesem läppischen Blog versteckt, es muss ein Dummkopf höherer Potenz sein, schlimmer noch: ein fürchterlicher Langweiler. Was ums Gottes Willen motiviert Leute, für so einen Quatsch so viel Zeit zu verschiessen!? Das Geschreibsel hier ist so fürchterlich bekloppt, da kommt nicht mal Mitleid auf. Get a life!

Es sind Leser wie Joshua Applepee, die uns klar gemacht haben, dass Hose&Dose in dieser Welt nach wie vor benötigt werden. Dabei geht es nicht nur um korrekte Rechtschreibung. Es geht um Erziehung, um Vorbilder und um den Glauben an mögliche Versionen des Richtigen.

Wir sind wieder da.

Grämt euch.

Carl Blödmann

Es passiert leider selten, dass ich 20 Minuten nicht unfreiwillig, sondern wirklich komisch finde. Heute aber, unglaublich, war einer dieser Tage. Don Hirsch und Don Huisseling hatten gestern ins Kaufleuten geladen. Der eine präsentierte eine weitere Runde „wie man berühmte Menschen anödet“, der andere durfte sich für eben diese Anöderei (Carli der Grosse) in der Weltwoche revanchieren, was er dann nicht wirklich tat.

Blick feiert Carl Blödmann heute denn auch als „Satiriker“ *hüstel*, der einen geplanten Gag über Xenia auf Anraten seiner Berater *hüstel* fallen liess. Gott, was habe ich dank Blick heute wieder gelernt. Als Satiriker braucht man Berater die Gags aufgrund ihrer Brisanz einstufen, nur weil  etwaige Medienvertreter (und Blogger) im Publikum sitzen.

Aus aktuellem Anlass eine heute viel zitierte Pointe des Neo-Satirikers Blödmann: „Du willst den Leuten Stil, also – wie ihr Berner sagt – „Stiu“ beibringen. Das ist, wie wenn Renzo Blumenthal Brad Pitt sagen würde, wie er Angelina drannehmen soll“. Ein Schenkelklopfer erster Güte und ein harter Schlag in die Eingeweide von Don Huisseling. Für einmal titelt 20 Minuten zu Recht. „Hirschmann warf mit Watte“. Watte, die moderne Duellwaffe der Stadttunte.

Wer so eine Watte mit voller Wucht in die Fresse kassiert, der leidet.  Das erklärt vielleicht auch, warum Blödmann das Wort „Demonstration“ und „1. Mai“ nicht verstanden hat und sich anschliessend wunderte, warum sein Auge tatsächlich blau und nicht etwa nur blau geschminkt war.

Ich will mein Geld zurück! Auch wenn ich als Blogger selbstverständlich keinen Eintritt bezahlen musste.

Ach, ach Ahmadinedschad

Seit heute morgen haben wir also endlich Gewissheit. Der Sprecher des Wächterrats hat bestätigt, was alle schon wussten. Es gab deutlich mehr Stimmzettel als Wähler.

Doch eigentlich kommt es gar nicht mehr auf die Anzahl Stimmen an. Denn der Ayatollah hat sich entschieden, das Machtwort ist gesprochen. Für Ahmadinedschad, die Regierung und den geistlichen Führer gibt es kein Zurück mehr.  Letzten Endes geht es für die Opposition nur noch darum, dieser Dreierallianz die Stirn zu bieten, in der Hoffnung, das ansonsten eher apolitische Iranische Volk lasse sich nicht über den Tisch ziehen.
Die Regierung versucht derweil mit immer drastischeren Mitteln, die Opposition und vor allem die oppositionellen Medien mundtot zu machen. Der Einzige, den man in diesem Gewirr noch reden lässt, ist erstaunlicherweise der Korrespondent des Schweizer Fernsehens, Ulrich Tilgner. Ausgerechnet der Ulrich Tilgner, der soeben seinen Vertrag mit dem ZDF nicht mehr verlängert hat, mit dem Hinweis, er werde von der Redaktion zu sehr zensiert. Mit anderen Worten, von allen kritischen Journalisten lässt die Regierung ausgerechnet jenen Reporter im Land, der schon am Abend des 11. Juni, also am Abend vor der Bekanntgabe des offiziellen Ergebnisses, von Betrug sprach.  Und nicht nur das. Am 12. Juni verurteilte er Ahmadinedschad deutlich schärfer als alle anderen Medien. Und von diesem Konfrontationskurs ist er bis heute nicht abgewichen. Immer noch berichtet er täglich live aus Teheran, in klarer Bild- und Tonqualität. Und das in einer Zeit, da die Opposition längst aufs Internet ausgewichen ist, da Telefon, Print und TV nicht mehr funktionieren.

Irgendwie passt da etwas nicht zusammen. Entweder hat der Ulrich Aktfotos von Ahmadinedschad in seiner Schublade, oder er hat sich bei einem Ayatollah in die Familie eingeheiratet.

Ach – und bevor ichs vergesse: Schön zu sehen, dass Twitter doch noch einen Sinn zu haben scheint.

So Long High Knee

Sprache und Schreiben wären allem für sich eine tolle Sache. Journalisten neigen allerdings dazu, ihren Lesern manchmal etwas gar gewagte Konstellationen zu präsentieren. Meistens nimmt man das schulterzuckend hin. In diesem Fall aber machen wir eine Ausnahme.

Jane Fonda verabschiedet sich von ihrem Knie

Allerdings nicht ohne vorher mit ihrem Knie zu dinieren und eine Oper am Broadway zu besuchen. Ganz nach dem Motto: wenn der Text schon dämlich ist, dann darf es auch der Titel sein. A propos Text. Man lese selber:

In einem scherzhaften Eintrag unter dem Titel «So Long Old Knee» – Mach’s gut, altes Knie – schrieb Fonda, dass ihr linkes Kniegelenk herausgesägt werde und an seiner Stelle ein Titanstab und ein Keramikgelenk eingepasst würden.
Ihr altes Knie bezeichnete die 71-Jährige als stark und verlässlich. Es habe sie auf viele Berge und über raues Gelände getragen. Und sie erinnerte sich an ihren früheren Ehemann Roger Vadim, der gerne ihre Knie geküsst habe.
Jane Fonda, zweifache Oscar-Preisträgerin und frühere Aktivistin gegen den Vietnamkrieg, galt in den letzten Jahren dank zahlreicher Aerobic-Videos als Fitness-Queen. Sie spielt nach wie vor in Filmen mit und wirbt für L’Oréal

Und so ganz nebenbei: who cares?

Weekend-Journalism Award

Hosenindosenmedia.corp proudly presents:

The first „Weekend-Journalism Award Switzerland May 2009“

And the nominees are:

The Tages Anzeiger


Wie eine 12-Jährige im Internet ihr Sackgeld verlor

Welches Mädchen möchte nicht Gutscheine von H gewinnen? Gila aus Winterthur verspielte so im Internet 10 Franken. Nun geht die Lotteriekommission gegen die Abzocker vor.

Ja, wer kennt sie nicht, die weltweit erhältlichen Gutscheine von „H“?

The Tagesschau from the swiss görman television

Betrugsabkommen: SP fordert Gespräch mit EU

Das erste Abkommen, das Betrug zwischen einzelnen Ländern offiziell erlaubt.

The Newsnetz:

Die Tage von Demjanjuk in den USA sind gezählt

Die Abschiebung des mutmasslichen NS-Verbrechers John Demjanjuk nach Deutschland steht womöglich in Kürze bevor.

Ja was denn nun? Gezählt oder nur womöglich gezählt?

The Basler Zeitung:

Schweinegrippe: 900 Fälle mehr in den USA als in Mexiko

Die Schweinegrippe ist weiter auf dem Vormarsch. In den USA hat sie 44 von 50 Einzelstaaten erfasst. Und auch in China ist sie augetreten.

Au.

Von Bierregeln und anderen Schnapsideen

Hallo David
 
Fast hätte ich letzte Woche ein schlechtes Gewissen gekriegt. Wenn Postings zu einer Art Bashing mutieren, dann ist das nicht in unserem Sinne.
Ich schreibe diese Eskalation unter anderem auch uns und unseren Artikeln aber auch Medienlese zu. Die arrogante und affektierte Art auf Kritik und belegte Zensurvorwürfe zu reagieren, gerade auch hier in diesem Blog, hat die nachfolgende, manchmal gar aggressive Diskussion erst los getreten. Ich hoffe, du nimmst uns das nicht übel.

Gerade deshalb danke ich dir auch für die mehr oder weniger persönliche Einladung zu einem gemütlichen Umtrunk, den ich leider ablehnen muss. Erstens schmeckt mir Bier nicht so und zweitens könntest du ja auch ein Mexikaner sein. Drittens würde das aber auch bedeuten, dass ich deiner Kritik zustimmen und dir damit Recht geben würde. Dem ist aber nicht so.
 
Zu allererst gilt festzuhalten, dass wir dich weder pauschal noch unangebracht oder anmassend kritisieren oder kritisiert haben. Unsere Argumente beruhen immer auf Beobachtungen, Feststellungen und damit in deinem Fall auf schriftlichen Tatsachen. Sie lassen sich daher auch logisch herleiten und begründen. Wer unser Blog regelmässig liest, der weiss das – ganz egal unter welcher Identität wir gerade bloggen. Dass wir alle nicht nur eine einzige Identität haben, darauf bist du sicherlich selbst schon gekommen. Gerade das ist ja Web2.0 – Selbstreferentiell bis zum geht-nicht-mehr, interaktiv und variabel.
 
So etwas wie eine „feste“ oder gar „starre“ Identität/IP gibt es im Internet nicht mehr, auch wenn du (wie zahlreiche deiner journalistischen Mitstreiter) das nach wie vor nicht glauben wollen. Manchmal bewundere ich gar, mit welch konservativem Enthusiasmus, ja mit welcher Naivität ihr dagegen anzukommen versucht. Im Netz bin auch ich David Bauer – nicht mehr oder weniger wie du. Daran kannst du dich stören, so lange du willst, es ändert nichts an der Tatsache, dass wir alle David Bauer sein können.

Warum wir bei hosenindosen anonym bloggen, haben wir dir und allen anderen schon mehrmals erklärt. Ein Argument muss auch ohne zuständige Referenzperson und/oder Position korrekt sein und einer Prüfung standhalten, sonst taugt es nichts. Und gerade Journalisten sollten verstehen, dass Kritik von Rezipienten aka undefinierte Leser-Masse mindestens so wertvoll ist, wie Inputs von Kollegen oder Vorgesetzten. Schliesslich schreibt ein Redakteur nicht für seinen Chef sondern für seine Leser. Folglich sollte er auch offen für deren Anliegen, Korrekturen und Anmerkungen sein.
Gerade Journalisten sind ja auf Output von aussen angewiesen, denn es gibt kaum ein anderes System, das selbstreferentieller operiert als das Mediensystem – und dabei trotzdem noch den Anspruch, ja gar die Frechheit besitzt zu behaupten, eine etwaige Realität abzubilden. Wir alle haben Luhmann gelesen, wir wissen um die Erklärungsnot autopoietischer Systeme in Bezug auf Interaktivität.  Wir nennen dies der Einfachheit halber die Realität der Massenmedien nach Luhmann.
 
Es ist folglich vorbildlich, dass du in deiner Funktion als Journalist offen für Kritik und zum Dialog bereit bist und Luhmann damit in den Arsch trittst. Diese Bereitschaft allerdings grundsätzlich an eine etwaige Identität einer Person zu knüpfen, macht dich letzten Endes nur selbst verdächtig. Zu nahe liegt in unserer Gesellschaft der Gedanke, deine Motive könnten networking- und damit karrierebedingt sein.
 
Ein Argument ist ein Argument und bleibt ein Argument. Solltest du Mühe haben die Argumente von uns anzunehmen, nur weil du meinst unsere Gesichter nicht zu kennen, dann werde ich dir meine Inputs in Zukunft von jemandem auf der Redaktion vortragen lassen – natürlich ohne dass du weißt oder auch nur ahnst, dass die Argumente von uns stammen. Nein, mehr noch. Solange du auf etwaigen Bierregeln beharrst, werden wir das so handhaben. Bedenke folglich, jede Frage, jeder Input, jede Kritik seitens deiner Kollegen könnte letzten Endes von uns, von den Dose E.S.K.’s stammen. Vielleicht hilft dir das einzusehen, dass eine so genannte Schnapsidee keine adäquate Lösung ist.
 
Ich bin, wie du siehst nicht nur David Bauer. Ich bin weit mehr.