Archiv des Autors: hoselose

Praktischer Zynismus

Wieso ist es möglich, dass innerhalb von 24h  eine Phishing-Website vom Netz genommen wird, der Grossteil aller Kinderpornographie aber auf zugänglichen Servern in Ländern mit einigermassen funktionierendem Rechtsstaat liegen bleibt? Wenn die rechtsstaatliche Kontrolle des Netz in der Schweiz so gut funktioniert, weshalb brauchen wir dann Echtzeitüberwachung? Nur damit jemand gefragt hat.

Idiot des Tages: Facebook erleidet Doppelschlag

one-two-punch, Super-GAU. Wie auch immer man es nennen will, aber wenn Facebook nach heute nicht tot ist,  dann hilft nur noch ein globaler Stromausfall. Nachdem Facebook vom ersten GAU, den neuen Nutzungsbedingungen, kleinlaut zurückgerudert ist, hat der Datenwachschutz nachgetreten. Offenbar sind sensible Serverdaten online verfügbar und werden Hackern Tür und Tor öffnen. Nicht nur sind private Fotos, PGP Keys (!) und Emails zugänglich sondern auch Informationen über die Facebook-Server. Sowas muss böse Folgen haben.

(Hab ich schon erwähnt, dass mir das total egal ist, da ich keinen Facebook-Account besitze?)

Ob WOZ oder Kummer, hauptsache anders!

Zu Tom Kummer kann ich leider nicht viel sagen, ausser dass ich seinen Namen erst seit gestern bewusst wahrnehme. Seinen Text in der WOZ hatte ich am Samstag zwar kurz überflogen, fand ihn aber sperrig und quer zum Thema. Mit viel mehr Interesse habe ich die Frontseite über BR Merz wahrgenommen und wie öfters in den letzten Wochen, seit ich die WOZ wieder abonniert habe, ging mir eine wiederkehrende Frage durch den Kopf: Wieso lese ich in keiner anderen Schweizer Zeitung Texte dieser Art?

Ich will nicht behaupten, dass die WOZ häufiger Sachverhalte auf den Punkt bringen oder gar die Wahrheit schreiben würde als andere Zeitungen. (Sofern so etwas überhaupt möglich ist.) Was sie aber auf erfrischende Weise nicht macht und was das unhinterfragte Credo aller anderen zu sein scheint, ist so zu tun, als ob es möglich wäre neutral zu berichten. Es gibt schliesslich gute Gründe zu glauben, dass es keine neutralen Standpunkte, ganz sicher keine neutrale Berichterstattung und noch weniger neutrale Journalisten geben kann. (Dass viele dieser blutleeren Gattung gezüchtet werden, ist kein Gegenbeweis.) Werturteile sind allgegenwärtig und damit wird jede Aussage politisch. Auch diesen Sachverhalten zu bestreiten, ist politisch. Leider ist falsch verstandene Neutralität normalerweise die Politik des status quo und die Geschehnisse um BR Merz machen dies nur allzu deutlich.

Wenn die Medienvielfalt in der Schweiz bedeuten soll, dass alle das Gleiche schreiben, dann plädieren ich der Effizienz halber für eine durch die Wirtschaft finanzierte Einheitszeitung. Schliesslich sind auch zwanzig Waschmittel im Supermarkt mit gleichem Inhalt aber unterschiedlicher Verpackung nur eine Illusion von Vielfalt und Wahlmöglichkeit. Wem so etwas nicht am Arsch vorbeigeht und wer nicht aus dem Regionalteil oder einem Nebensatz erfahren will, dass Minderjährige für das Werfen von Farbbeuteln auf ein Bankgebäude 12 Tage Untersuchungshaft kassieren, der setze sich besser für mediale Diversität ein. (Kann man übrigens besser demonstrieren, dass Banken in der Schweiz Sonderrechte geniessen, die einer Bananenrepublik würdig sind, als dass für ein „Graffiti“ Untersuchungshaft angeordnet wird? Dose, der alte Sprayer, wäre heute vermutlich im Knast oder unter der Brücke, hätte man ihn für jede Verschönerung der mittelländischen Betonwüste in U-Haft genommen.)

Viel zu retten ist aber wohl nicht mehr, wenn es in Basel ohne grosse Diskussion möglich ist, den 16-jährigen unglaublich deutlich klar zu machen, dass sie politisch nicht erwünscht sind. Versüsst wird diese Geste mit dem Entzug verfassungsmässig garantierter Rechte, indem die Polizei nun nach eigenem Ermessen Personen von öffentlichen Plätzen wegweisen darf. Lässt sich dieses Wahlergebnis anders erklären, als dass der Durchschnittsbasler zuhause die Faust im Sack macht und findet, dass bei diesen unvernünftigen, lauten, saufenden und was-weiss-ich-noch Jungendlichen endlich mal hart durchgegriffen werden muss? (So ist das halt mit dem autoritären Charakter und der Angst vor der Freiheit. Hier hätte man Nazi-Verdacht mit mehr Berechtigung schöpfen können als beim Resultat zur Personenfreizügigkeit.)

Oder um die alte Schlange Anaconda zu zitieren: „Hie bisst me sech zwar nid, aber me chätschet sech gägesitig z’Tod“

Fakten? sicher nicht bei newsnetz

Die Quatschrocker von Spinal Tap wollen dieses Jahr zurück ins Musikbusiness. Die Fake-Band hat seit über 25 Jahren nichts mehr aufgenommen.

Dies schreibt phz auf newsnetz/baz. (Wieso finde ich auf baz.ch im Impressum nicht aufgeschlüsselt, zu wem dieses Kürzel gehört?) Als richtiger Rock ’n‘ Roll Nerd finde ich das natürlich eine Mitteilung mit Nachrichtenwert der höchsten Stufe. (Wirklich!) Aber als Nerd weiss ich auch ohne Wikipedia oder Allmusic zu konsultieren, dass Spinal Tap in den 90-ern eine Platte mit dem Titel „Break Like the Wind“ gemacht haben. Das bedeutet wohl, dass phz es übers Herz gebracht hat, den obigen Satz hinzuschreiben, ohne dass es ihn gejuckt hätte kurz mal in diesem Interweb nachzuschauen – und das dauert ja nun wirklich nur 10 Sekunden – ob Spinal Tap vielleicht nicht doch den einen oder anderen Song aufgenommen habe. (Er hätte so wunderbare Perlen wie „Bitch School“ entdecken können.) Aber ich versteh schon, imaginäre Bands in fiktiven Dokumentationen sind schon verwirrenden, wenn man Realität und Fiktion auseinanderhalten will.

Alle Kommentare, die sich darüber lustig machen, dass ich die Texte von „Break Like the Wind“ immer noch auswendig kann, werden sofort gelöscht!

Journalistenlockstoff: Bier?

Wenn sich mit Bier tatsächlich Quellen für Journalisten erschliessen lassen, dann sollte man als fortgeschrittener Praktiker seiner Zunft folgendes bedenken: Bier taugt nur für Männer unter 30. Was macht also der raffinierte Quellenschnüffler? Er verwendet ein fein abgestimmtes Arsenal von Alkoholika als Lockstoffe. Alcopops für unter 18-jährige. Singlemalt für Männer über 50. Weisswein für Frauen über 30. Barolo für Männer über 30. Caipirinha für Frauen aus ländlichen Regionen. Billigen Vodka und Tequila für Minderintelligente. Sangria für Frauen unter 25. Glühwein für pensionierte Polizisten. Senfsäure für Regenwürmer. etc.

Die meisten dieser Materialen zur Quellenjagd sollten in jeder vernünftigen Redaktion sowieso vorhanden sein und belasten damit keines der schon stark strapazierten Verlegerbudgets.

Don’t give a shit

Für alle, die wissen wer George Carlin ist, gibt es drei Stunden Interviematerial auf Youtube. Von ihm lassen sich wie immer auch ein paar Dinge lernen wie:  „Sometimes it’s important in life to not give a shit“.

Teil 2 und 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6, Teil 7

Zivilisationsfortschritt?

Eine landläufige Vorstellung über das Mittelalter beinhaltet meist Städte mit einem eher unhygienischen Strassenbild. Deutlicher: die Strassen waren voller Scheisse. Dass der Fortschritt der Zivilisation oftmals langsamer ist als er wahrgenommen wird, gilt auch für die Verteilung der Scheisse in unseren Städten. Erst seit kurzem sind wir in der Schweiz auf dem Weg, die Scheisse von den Bahnschienen zu verbannen. (Bis anhin fand ich den Lärm von Zügen deshalb ein sekundäres Problem.) Ich sehe aber keinen Fortschritt bezüglich der Verteilung der Scheisse von Hunden. Wir halten das Mittelalter für dunkel und rückständig und unsere Städte sind voll von Hundescheisse?

Es scheint, dass das Zusammenleben mit Menschen derart unerträglich geworden ist, dass wir es in Kauf nehmen im hygienischen Mittelalter zu leben nur damit wir von erwiesenermassen dummen Kötern getröstet werden. Wer braucht schon Nächstenliebe, wenn es Hunde gibt? Allen frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr!

(Wenn jemand Studien zu gesundheitlichen Auswirkungen der Verteilung von Hundescheisse in den Städten kennt, bin ich um Hinweise dankbar.)