Monatsarchiv: Februar 2010

Des Henkers Anruf

Kann sich das eigentlich jemand vorstellen, wie es ist, wenn man auf diesen einen Anruf wartet? Wenn man weiss, seit Tagen, Wochen, ja schon seit Monaten, dass der Moment kommen wird, in dem jedes Klingeln zur Bedrohung wird?

Wer bei Ringier arbeitet, weiss wie es ist. Heute war D-Day. Wer bis 14Uhr keinen Anruf vom Henker bekommen hatte, stand auf der sicheren Seite. Die anderen müssen gehen. Darunter Leute, die sich in den vergangenen Jahren sehr für ihr Produkt, ihr Team und den Verlag eingesetzt hatten.

Einmal mehr zeigt sich, wie absolut ungeil Ringier mit seinen Angstellten umspringt. Für Schweizer Journalisten ist heute ein weiterer schwarzer Tag. Mögen keine weiteren mehr folgen.

Doch Gott ist tot, schon lange. Amen.

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Praktischer Zynismus

Wieso ist es möglich, dass innerhalb von 24h  eine Phishing-Website vom Netz genommen wird, der Grossteil aller Kinderpornographie aber auf zugänglichen Servern in Ländern mit einigermassen funktionierendem Rechtsstaat liegen bleibt? Wenn die rechtsstaatliche Kontrolle des Netz in der Schweiz so gut funktioniert, weshalb brauchen wir dann Echtzeitüberwachung? Nur damit jemand gefragt hat.

Basel rückt nach rechts

Nun ist die Katze also aus dem Sack. Neuer Hauptaktionär der Basler Zeitung wird Tito Tettamanti. Fast sieht es so aus, wie wenn sich da eine neue rechts-konservative Achse in der Schweizer Medienszene entwickeln würde. Nicht nur zieht Tettamanti wohl nach wie vor die Fäden im Hintergrund der Weltwoche, er tritt auch ab und zu als Autor in Erscheinung.

Damit dürfte sich auch die publizistische Ausrichtung der Basler Zeitung ändern. Einst hervorgegangen aus der Fusion von Basler Nachrichten und der prägenden National Zeitung, fängt für die BaZ jetzt ein neues, rechtes Kapitel an.

Karin Wenger vs. Sri Lanka Teil II

Eben erst erhielt eine Schweizer Journalistin einen Ausreisebefehl wegen kritischer Fragen an einer PK. Dann durfte sie doch in Sri Lanka bleiben. Kurze Zeit später gab’s gar ein Nachtessen inklusive Interview mit Staatschef Rajapakse persönlich. Welch unglaublich hohe, ja aussergewöhnliche Ehre.

Freudiges Zusammentreffen: Wenger im Gespräch mit Rajapakse / Bild: DRS

Die Schweizer Journalistin stellte wiederum kritische Fragen und der Chef windet sich wie ein Wurm in Salzlösung. Der nächste logische Schritt wäre wiederum die Kündigung der Arbeitserlaubnis und der Ausreisebefehl.

Das ist eine richtig gute Geschichte. Schade, dass sie weder in der Schweiz noch sonst wo Schlagzeilen gemacht hat. Offenbar haben sich alle damit abgefunden. Aus den Augen, aus dem Sinn.

Die angekettete Ente

Eine Zeitung ohne Werbung, Journalisten mit den höchsten Löhnen Frankreichs, eine Auflage von mehr als 600’000 Exemplaren im Schnitt – das klingt unglaublich. Noch dazu wenn man bedenkt, dass der Reingewinn in den vergangenen Jahren auf mehr als 8 Millionen Euro anstieg.

Man lese mal wieder den canard enchaîné oder zumindest die Lobeshymne auf Redaktion und Leser.

Übrigens, die „mur du çon“ würde auch in der Schweiz funktionieren. Einen Kandidaten zumindest hätten wir schon:


„Das ist eine Kriegserklärung!“

Toni Brunner (SVP) im „Echo der Zeit“ zur Affäre um geklaute Bankdaten, die der deutsche Staat kaufen möchte.