Was Journalisten von der Mode lernen können

Blogger sind auch Chefredakteure. Zumindest scheinen Blogger im Modebusiness ebenso wichtig zu sein, wie die NY Times in einem Artikel von Ende Dezember zeigt. Zugegeben, der Artikel ist für eine Tageszeitung schon etwas gar alt. Zu unserer Verteidigung bleibt immerhin zu sagen, dass wir die Geschichte eben erst heute über Ron Orp entdeckt haben.

Doch der Artikel scheint uns wichtig, weil der Mode-Journalismus ein Vorzeigebeispiel für die Konvergenzkraft von Online und Print darstellen könnte. Denn eine Modeschau ist ein ideal plan- und dokumentierbarer Newsevent – aus journalistischer Perspektive. Der Blogger als Instantpublisher ist dem Magazin mit Wochen- oder gar Monatsrythmus dabei aber weit überlegen. Es ist darum nicht erstaunlich, dass in den vorderen Reihen der wichtigenModeschauen immer mehr Leute mit Laptop sitzen werden. Die NYT führt auch zu Recht an, dass zwar alle grossen Magazine bloggen, sich diese Blogs aber in der Regel lesen, wie wenn ein Redakteur einen Artikel schreibt. Sprich: von oben herab, zu wenig Publikumsbindung, Web 2.0 untauglich. Die Rede ist von einem „Generation-Gap“, der durchaus evident ist.

Die Modeindustrie ist dafür bekannt, schnell auf Trends zu reagieren und auch eher selten Berührungsängste zu zeigen, wenn es darum geht, die eigenen Produkte zu vermarkten (Benetton, D&G etc..). Das klassische (Schweizer) Modemagazin hat sicherlich noch den Vorteil, dass es zusätzliche Inhalte anbieten kann, die einem Blog fehlen. Wir reden hier von Reportagen, Tests, Beauty etc. Trotzdem ist das Beispiel interessant, denn der Catwalk, die Mode, die neuen Kleider und Trends sind der eigentliche „Grundpfeiler“ eines Modemagazins. Historisch gesprochen, reden wir hier über nichts anderes, als die Daseinsberechtigung eines klassischen Modeblattes.

Was also bedeutet das für Vogue, Elle und Co?

Hier müssten Journalisten die Entwicklung aufmerksam verfolgen, so sie an ihrer eigenen Zukunft interessiert sind. Die klassische Modeberichterstattung wird wohl langsam aus den etablierten Blättern verschwinden. So es eine „seriöse“ Modeberichterstattung gab (bspw. Vogue), wird diese immer mehr einer „Unterhaltungsmode“ und „Promimode“ Platz machen. Magazine werden vermehrt Ressourcen erschliessen (müssen), die dem Blogger noch nicht zugänglich sind, sei es aus finanziellen- oder Zeitgründen. Es wird also zu einer thematischen Umverteilung kommen, gegen die sich die etablierten Blätter derzeit noch wehren, die aber für die Meisten schon bald Realität sein wird.

Derselbe Trend lässt sich auch bei den klassischen Newsmedien betrachten. Die Themen bewegen sich weg von der „seriösen“ Berichterstattung, immer mehr hin zu einer „Unterhaltungs- „ und „Promiberichterstattung“. Diese Umverteilung wird sich auch in den Printmedien noch stärker bemerkbar machen. Die klassische, seriöse Berichterstattung in der Tageszeitung hat ausgedient. Vielleicht nicht heute, aber wohl morgen und übermorgen.

Die Bemerkung sei gestattet. Blogger trifft daran keine bewusste Schuld. Kaum jemand begeht absichtlich Dummheiten. Doch die Modeindustrie ist mächtig und in vielen Dingen waren Kleider schon immer ein Vorbote der kommenden Zeit. Und so zeigt auch der Artikel der NYT zwischen den Zeilen, welche Konsequenzen die Beschleunigung der Medienzeit mit sich bringt: Ein radikaler Umbau des klassischen Verständnis einer so genannten „NEWS“ nämlich.

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3 Antworten zu “Was Journalisten von der Mode lernen können

  1. Ich glaube diese Analyse greift zu kurz. The Economist hat diese Jahr schliesslich sein bestes Ergebnis erzielt. Die Leser springen nicht von den Zeitungen oder Magazinen zu den Blogs ab. Der grösste Teil meiner Kollegen (22, Studenten) liest ausser unserem Blog (LAMM) keinen weiteren Blog regelmässig. Klar sollten sich Magazine und Zeitungen anpassen und Elemente der Blogosphäre aufnehmen. Jedoch glaube ich nicht, dass von den Entwicklungen im Modejournalismus auf Zukunft der Nachrichtenberichterstattung(Verarbeitung) geschlossen werden kann. Insofern möchte ich mit diesem Kommentar vor allem deiner Bemerkung widersprechen, dass die klassische, seriöse Berichterstattung in der Tageszeitung ausgedient hat. Die Zeitungen verlieren nicht Leser weil sie zu seriös sind! Im Gegenteil! In Luzern beispielsweise beklagen sich inzwischen viele Leute über die boulevardeske NLZ und wünschen sich eine qualitativ hochwertigere Zeitung. Leider hat niemand das Geld und den Mut um den Platzhirsch anzugreifen. Naja, ewige Diskussion, Prognosen, Prognosen, Prognosen. Werden sehen, wer Recht behalten wird :)

  2. Dose E.S.K

    Alles was wir sagen ist: Sascha Buchbinder wechselt für die SI ins Bundeshaus und nicht zum Economist. Das ist unsere Realität. Und daran werden wir uns gewöhnen müssen.

    Ausnahmen gibt es immer. Statistisch (und damit für uns relevant) zählt die Mehrheit.

  3. Kann ich nicht mehr ganz folgen. Sascha Buchbinder ist also die Mehrheit und somit statistisch relevant?

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