Tagesarchiv: 18/06/2009

Wirtschaftskrise+Sparmassnahmen=Preiserhöhung

In den letzten Tagen war es an der journalistischen Front vergleichsweise ruhig. Dafür kommt´s nun um so dicker. Den Anfang machte NZZ-CEO A.P. Stähli mit seiner Ankündigung, man wolle die Abopreise erhöhen und in Sachen Internet zumindest teilweise von „free“ auf „paid“ wechseln. Einerseits muss man vor dieser Entscheidung den Hut ziehen, schliesslich haben wir in den letzten Wochen zur Genüge miterlebt, wie es ist, wenn das Management aus Renditegründen (oder roten Zahlen / siehe NZZ) auf Kosten des Personals spart. Im Falle der NZZ muss jetzt also zuerst einmal der Leser bluten. Soweit ich mich erinnern kann ist das in der aktuellen „es muss noch billiger produziert werden“-Phase ein Novum (Der Bund sei hier ausgenommen, denn dabei handelt es nach dem Zusammenschluss mit dem Tages Anzeiger um eine „neue“ Zeitung, zudem war der Bund vergleichsweise billig). Man darf gespannt sein, wie die Abonnenten auf diese Erhöhung reagieren werden.

Für eine Qualitätszeitung ist dies derzeit aber leider einer der wenigen gangbaren Wege aus der aktuellen Krise. Entweder das, oder man definiert das Redaktionsstatut neu. Eine Massnahme, zu der sich auch der Tages Anzeiger früher oder später genötigt sehen wird, auch wenn mir Jean-Martin Büttner hier widersprechen würde.

Die NZZ ist übrigens nicht die einzige, die etwas gar laut über etwaige Preiserhöhungen nachdenkt. Auch die SRG plant derlei, behauptet zumindest die Weltwoche. Während die NZZ selbständig entscheiden kann, hat der Bundesrat bei der SRG das letzte Wort. Und es dauerte keine 12 Stunden (!), da mischte sich auch schon die SVP ein. Allerdings wäre bei dieser These durchaus Vorsicht angebracht. Die WW hat sich in den letzten Wochen geradezu auf Armin Walpen und die SRG eingeschossen. Sätze wie:

Tatsache ist: Generaldirektor Walpen will die Radio- und TV-Gebühren um fünf Prozent erhöhen. So steht es im Finanzierungsplan, den er am 22. Juni in den SRG-Verwaltungsrat bringen wird.

Klingen zwar plakativ und logisch, entsprechen aber selten der Wahrheit. Walpen ist zwar auch nur ein Mensch, allerdings kein kompletter Vollidiot.

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So Long High Knee

Sprache und Schreiben wären allem für sich eine tolle Sache. Journalisten neigen allerdings dazu, ihren Lesern manchmal etwas gar gewagte Konstellationen zu präsentieren. Meistens nimmt man das schulterzuckend hin. In diesem Fall aber machen wir eine Ausnahme.

Jane Fonda verabschiedet sich von ihrem Knie

Allerdings nicht ohne vorher mit ihrem Knie zu dinieren und eine Oper am Broadway zu besuchen. Ganz nach dem Motto: wenn der Text schon dämlich ist, dann darf es auch der Titel sein. A propos Text. Man lese selber:

In einem scherzhaften Eintrag unter dem Titel «So Long Old Knee» – Mach’s gut, altes Knie – schrieb Fonda, dass ihr linkes Kniegelenk herausgesägt werde und an seiner Stelle ein Titanstab und ein Keramikgelenk eingepasst würden.
Ihr altes Knie bezeichnete die 71-Jährige als stark und verlässlich. Es habe sie auf viele Berge und über raues Gelände getragen. Und sie erinnerte sich an ihren früheren Ehemann Roger Vadim, der gerne ihre Knie geküsst habe.
Jane Fonda, zweifache Oscar-Preisträgerin und frühere Aktivistin gegen den Vietnamkrieg, galt in den letzten Jahren dank zahlreicher Aerobic-Videos als Fitness-Queen. Sie spielt nach wie vor in Filmen mit und wirbt für L’Oréal

Und so ganz nebenbei: who cares?