We love Roschee – but do we really?

Die Rede war von einem Jahrhundersportler (BZ), der auf einer Ebene stehe wie Ali und Jordan, von einem Juwel (Aargauer Zeitung), dass die Schweizer zu wenig würdigen, ja gar von einem Vorbild, dass die Schweizer Politik und Wirtschaft positiv beeinflussen müsste (De Gregorio im Blick) und gefälligst auch soll (Nächstenliebe).

Ich habe den Unterschied gelernt zwischen einem ausserordentlich guten Spieler und einer Legende (NZZ) und was Unsterblichkeit bedeutet (Tages Anzeiger).

Ich sah einen Mann, der den Verkehr am Kreisel des Arc de Triumph in Paris zum erliegen brachte (Adrian Arnold vs. Federer in der Tagesschau) und das wie immer bescheiden abstritt (war ich das etwa?). Man erzählte mir von einem Sportler, der beharrlich an sich glaubte (dä rotschääär federärä: Bernhard Schär auf DRS1) und nie aufgab. Ein Mensch, der uns alle zu besseren Menschen macht, weil er Glück und Klasse in unsere teils öden Leben bringt (24 Heures), einen Menschen, der spielt, damit wir uns freuen dürfen (Le Matin).

Ich muss zugeben, das hat mich etwas überfordert. Ist das wirklich die Schweizer Presse? Sind das wirklich Schweizer Journalisten? Diese bedingungslose Verehrung, dieser Kniefall tief in den Staub der Unterwerfung – das habe ich noch nie erlebt. Und das werden ich auch nie mehr erleben. Das war eine Fata Morgana der Leidenschaft (das habe ich aus einem Schundroman geklaut), die genau so schnell wieder verschwindet, wie sie aufgetaucht ist.

Roger Federer ist ein Ausnahmetalent, keine Frage. Ob er eine Legende ist, ein Jahrhundertsportler oder gar unsterblich, wird die Geschichte entscheiden. Doch eines kann ihm niemand nehmen. Er hat ein ganzes Volk geeint. Das soll ihm erstmal einer nachmachen. Kein Pirmin, keine Vreni, keine Alinghi, kein Hayek, kein Michel Comte, keine Pipilotti, kein Herzog und auch kein DeMeuron, kein Max Bill sei er noch so Frisch, heisse er Jeremias oder Friedrich, Dufour oder Einstein hat das je geschafft. Sie alle haben ausserordentliches geleistet, aber ganz gereicht hat es nicht.

Roger Federer ist ein Nationalheld der bedingungslos geliebt und verehrt wird, weil er all die Qualitäten in sich vereint, die Schweizer so bewundern und an sich selbst so schätzen.

Er ist bescheiden, ausdauernd, zielstrebig, eigen, unbeugsam, loyal, erfolgreich.
Sprich: ein Übermensch. Schlicht und einfach weltklasse.

Ob ich das allerdings so toll finde, weiss ich ehrlich gesagt nicht. Noch nicht. Trotzdem. Der Nächste der sagt, das schweizer Volk sei uninspiriert oder gar leidenschaftslos, den mach ich platt. Am besten mit einem Tennisschläger.

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