Tagesarchiv: 04/06/2009

Welche Musik will Zürich?

Warum Radio 105 den Namen Radio nicht wirklich verdient, haben wir hier bereits erläutert. Heute nun geht der Musikkanal, wie es eher heissen müsste, auf Sendung. Gestern nun durften auserwählte Journalisten (….) (…) (..) (.) () o den Sender in den Redaktionsräumen probehören. Die NZZ war so nett, einen Eindruck im Zürichbund zu veröffentlichen.

Radio 105 soll ohne Power-Rotationen auskommen – sprich: Kein Song wird im 90-Minuten-Takt wiederholt. (…) Man vermutet: Schliesslich werden nicht nur die Jingles dem gängigen Privatradio-Sound ähneln. Kommt hinzu, dass man sich bei 105 – wie bei den UKW-Platzhirschen – mit Schweizer Popmusik schwertut. «Es gibt nur gute oder schlechte Songs», sagt Scaglione . «Von Quoten für Schweizer Musik halten wir nicht viel.» Denn wie seine Konkurrenten muss auch Radio 105 die Massen bedienen, um auf dem Werbemarkt genügend Geld zu akquirieren.

Zur Erinnerung: Scaglione sagte, als Musiker würde er vor Gericht auf Schadensersatz klagen, falls das Programm zu sehr klinge wie das, was wir schon haben und die Songs „zu Tode gespielt werden“.
Sehr vielversprechend sind da auch die Massnahmen, die Scaglione via 20 Minuten bereits zur Qualitätssicherung eingeleitet hat. Er ermittelt das Befinden des Publikums anhand von „Testhörern“.

Konkret müssen die Testhörer bestimmte Musik­sendungen mitverfolgen und von der Redaktion gestellte Fragen dazu beantworten können. «Je nach Rückmeldungen passen wir unsere Musikauswahl an», so Scaglione

Gratisarbeit kennt Scaglione nicht, deswegen werden die Testhörer auch fürstlich entlöhnt. Die 25 Aktivsten erhalten ein Handy und kriegen eine Studioführung.

Bei Last.fm krieg ich wenigsten meine eigene Playlist. Handys werden einem ja eh nachgeschmissen und wer will schon so ein poppliges Studio von innen sehen. Da müsste ich mich ja noch bewegen..

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Schön und dumm – lest ihm die Leviten

Eine Freude der besonderen Art bereitet uns heute Andre Reithenbuch, seit neustem nicht nur schönster sondern auch bekanntester Nicht-Leser der Schweiz. Der 22-jährige leidet an Illetrismus. Eine Schwäche die der Zimmermann mit rund 800´000 Schweizerinnen und Schweizern teilt.
Angesichts solch entblössender Offenheit wanken die Medien in ihren Artikeln zwischen Bewunderung (Stimme der Vergessenen) Vorurteilsbestätigung (schön und dumm) Mitleid (Er besitzt lediglich 1 Buch) und Häme (XY liest ihm die Leviten).

Besonders aktiv sind die Blick-Journalisten, die sich geradezu in einer Sinnkrise befinden. War der letzte Mister Schweiz noch ein Mister Weichei mit Gay-touch, müssen sie nun feststellen, dass dieser immerhin lesen konnte, was sie an Beleidigungen aufs Blatt pressten.

Mal ganz abgesehen davon, dass der neue Mister Schweiz ein wunderbares Vorbild für die Jugend ist („ich habe keinen Bock aufs lesen“ – „in der Schule habe ich halt zum Fester rausgeschaut“), kommen mir angesichts solcher Schlagzeilen definitiv die Tränen:

Andre Reithenbuch zeigt das einzige Buch, das er in seinem Leben gelesen hat

Stimmt. Er zeigt es. Was darin steht, erfahren wir in dieser Geschichte leider nicht.

Tom Kummer – The Movie

Was man doch nicht alles erfährt, wenn man die Randnotizen der Regionalpresse liest..
Der Ta Media-Journalist und Regisseur Miklos Gimes dreht derzeit offenbar einen Dokumentarfilm über seinen berner Berufskollegen Tom Kummer – auch bekannt als „Borderlinejournalist“ (was ich nach wie vor für Blödsinn halte. Schreibbegabter Betrüger tut´s auch). Offenbar ist es Gimes gelungen (schreibt die Aargauer Zeitung) diverse Weggefährten aus Kummers „Schummelzeit“ aufzutreiben. Die beiden geschassten Ex-Chefredaktoren Poschardt und Kämmerling gehören allerdings laut AZ nicht dazu, was wir sehr bedauern. Denn das wären wohl die zwei interessantesten Köpfe gewesen. Selbst als alle schon ahnten, dass Tom mogelt, haben die beiden munter weiter publiziert.

Dem Internet sei dank, nun wissen wir auch, dass Gimes mindestens 260´000.- Fördergeld für „Kummer“ bekommt (180´00 von der Zürcher Filmstiftung und 80´000 von suisseimage).
Ich geb das Bloggen auf und drehe einen Film über dasmagazin.ch. Arbeitstitel „.ch“ – damit wäre nicht nur das Thema Web 2.0 und Interaktivität im schweizer Journalismus abgedeckt, sondern auch gleich die aktuelle Wirtschaftskrise an einem Beispiel erklärt.