Tagesarchiv: 03/06/2009

Ein ipod toch für 90 Rappen!!!

Hier noch ein kleines Beispiel, wie man ungewollt Werbung für eine miese Sache macht. Wer immer diese Geschichte liest, sollte bedenken: So etwas wie „Wohltäter“ die Sachen „gratis verschenken“ gibt es nicht. Zumindest nicht, wenn das Umsatzziel „Profit“ heisst.

Es kann also nicht sein, dass man hier einen iPod für 0.94 CHFr. bekommt. Ich habe mir die Seite von Psychoauction gestern kurz angesehen. Die Angebote werden im Schnitt alle 30 Sekunden um ein paar Rappen erhöht. Wenn man bedenkt, dass jeder Bieter einen kleinen Betrag pro Gebot bezahlen muss, läppert sich da schnell was zusammen.

Als Beispiel: Das Angebot startete bei 0.10 CHFr. Ein Gebot kostet beispielsweise 1 CHFr, erhöht wird in 0.10 CHFr-Schritten. Gestern Abend waren wir bereits bei über 30 Franken, das mach alleine 300 CHFr Einnahmen an Gebühren. Von „Wohltäter“ oder gar „Genie“ zu sprechen, wäre bei Psychoauction also fehl am Platz. Die Plattform ist nichts weiter als ein getarntes Schnäppchen um Leuten mit falschen Versprechen Geld aus der Tasche zu ziehen.

Bietet jemand nur für einen einzigen Gegenstand und anschliessend nie wieder, mag die Rechnung aufgehen. Doch bereits bei zwei laufenden Geboten dürfte die Rechnung anders aussehen. Dass Newsnetz diesen Sachverhalt nicht auch so kommuniziert, statt dessen aber in bedingungslose Lobhudelei für eine unglaublich karitative Geschäftsidee abdriftet, musste eigentlich bestraft werden.

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dasmagazin.ch – der unmündige User

Es ist kaum zwei Jahre her, da lancierte dasmagazin.ch mit grossem Brimborium die Web 2.0-Taktik. Wir erinnern uns: User-Accounts, User-Texte und Kommentare – alles Dinge, die helfen sollten „bessere Beiträge (im Heft) zu publizieren„, wie die Redaktion damals glauben machen wollte. Es war Interaktivität und „online journalismus“ wie er in jedem zweiten Durchschnittslehrbuch steht.

Gestern nun hat dasmagazin.ch eine Kehrtwende vollzogen. Die Kommentare und Texte der User mussten weichen, wie einige Blogger bereits verwundert festgestellt haben. Persoenlich.com war so nett bei Chefredaktor Finn Canonica nachzufragen. Und die Antworten erstaunen. Der Hauptgrund, so Canonica sei, dass man schlicht zu wenig Zeit und Personal habe, „um die Diskussionen auf unserer Webseite zu begleiten.“ Und nicht nur das, offenbar macht man sich beim kümmerlichen Rest, der von der anspruchsvolleren Tagespresse übrig blieb gar Gedanken darüber, wie mündig die Masse der Rezipienten heutzutage überhaupt noch ist: „Kommentare zu Artikeln auf dem Web sind manchmal sehr „dahingerotzt“, oft wird gar nicht auf den Artikel eingegangen. Die User nutzen die Gelegenheit, um irgendwelchen sonstigen Ballast loszuwerden.“

Lustig auch, dass Caonica im Interview dennoch betonen muss, dass ihm Meinung und Kritik wichtig sei. Er wünscht sich dieser aber künftig wieder in Form des guten alten Leserbriefs (Eine Technik die seit über 100 Jahren praktiziert wird). So ist offensichtlich gewährleistet, dass Inhalte nicht einfach „dahingerotzt“ werden.

(Ich mach hier eine kurze Pause, damit genug Zeit bleibt zum Lachen)

Interessant auch Canonicas Meinung zu Content und Internet: „Ich persönlich bin skeptisch geworden gegenüber den journalistischen Möglichkeiten im Internet. Das Gerede um die Möglichkeiten des Citizen Journalism begreife ich nicht. Wir sollten uns allmählich Gedanken machen, ob es klug ist, qualitativ hochstehende Inhalte kostenlos anzubieten.“

Es geht also bei weitem nicht nur um die Abkehr von Web 2.0, sondern auch darum, ob die breite Masse überhaupt fähig ist, selbst  brauchbaren Inhalt beizusteuern. Das lässt sich auch so interpretieren: Forum, Interaktion und User-Accounts finden sich in Zukunft weiterhin bei 20minuten.ch. Dort tummelt sich der Pöbel, dort hat es Platz für Leute die „Ballast“ loswerden möchten, denn dort verfügt man offenslicht über genug Personal um Debile zu korrigieren.