Hessen desavouiert die NZZ

Eine merkwürdige Posse spielt sich derzeit im Kulturteil der Neuen Zürcher Zeitung ab. Dabei geht es um die Verleihung des Hessischen Kulturpreises, beziehungsweise um dessen Widerrufung.

Im Zentrum steht ein Artikel von Navid Kermani, der am 14. März in der NZZ erschienen ist. Der Text des muslimischen Schriftstellers beschäftigt sich mit dem Symbol der Kreuzigung Jesu und stellt diesen Symbolismus in ein kritisches Licht. Dabei zeigt ausgerechnet der HK-Preis, der in diesem Jahr für Religion, Verständigung und Toleranz stehen sollte, dass es mit der viel beschworenen Toleranz nicht weit her ist. Nebst Kermani haben auch noch der Mainzer Bischof und der Präsident des Zentralrats der deutschen Juden den Preis erhalten. Die beiden weigerten sich aber aufgrund des NZZ-Textes an einer gemeinsamen Preisverleihung teilzunehmen. Die Verleihung wurde vertagt, die Auszeichnung Kermani vorerst aberkannt. Siehe dazu auch eine Notiz in der ZEIT.

NZZ-Chefredaktor Markus Spillmann schreibt in diesem Zusammenhang von „Besorgnis und Verwunderung der publizistischen Leitung“ der NZZ, von „Desavouierung und Beschädigung des Ansehens“. Harte aber wahre Worte der Schweiz an das Deutsche Komitee.

Zwar will das Komitee mittlerweile wieder mit allen Beteiligten an einen runden Tisch sitzen, doch der Schaden lässt sich nicht mehr beheben. Wenn Spillmann von „Irritation“ schreibt, dann ist dies noch Milde ausgedrückt. Es kann nicht sein, dass wir uns darüber aufregen, dass Mohammed-Karrikaturen zu Protesten in der islamischen Welt führen, dass wir dies verurteilen und Meinungsfreiheit geltend machen, gleichzeitig aber den religiösen Dialog nur dem Schein nach tolerieren und führen.

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3 Antworten zu “Hessen desavouiert die NZZ

  1. Thomas Franken

    Der obige Artikel gibt Anlass zur Klarstellung, dass es einen erheblichen Unterschied zwischen dem Streit über die Mohammed-Karrikaturen einerseits und dem über den Artikel von Kermani gibt:

    Bei den Karrikatuiren ging es um das Recht auf – auch überspitzt fomulierte – Meinungsfreiheit, bei dem Kermani-Artikel ging es darum, dass der Auor zursammen mit einem Juden und zwei Christen einen Preis für interreligiösen Dialog erhalten sollte.

    Wie auch immer die Frage über das Kreuz theologisch gesehen wird, muss es doch Vertretern von Glaubensgemeinschaften zugesprochen werden, einen Preis abzulehnen, wenn sie die gemeinsame Basis hierfür nicht erkennen. Und das die gemeinsame Basis fehlt, dürfte bei der Lektüre des Artikels auch unstreitig sein. Ohne Kreuz gibt es nun mal kein Christentum, um wenn das nicht von allen Preisträgern akzeptiert wird, dann ist eine gemeinsame Preisverleihung auch unangebarcht. es muss dann Preistrrägern überlassen bleiben, einen solchen Preis abzulehnen oder zumindest Klärungsbedarf anzumelden.

    Herrn Lehmann oder Herrn Steinacker aber auf eine Ebene zu stellen mit muslimischen Fanatikern, die wegen ein paar Karrikaturen Gebäude abfackeln und Christen umbringen, ist infam.

    Thomas Franken, Köln

  2. Dose E.S.K

    Guten Tag Herr Franken

    Zuerst einmal danke für Ihren Kommentar, der zwar harmlos aussieht, es aber dennoch faustdick hinter den Ohren hat.

    Gerne weisen wir sie darauf hin, dass wir in obigem Artikel niemandem mit muslimischen Fanatikern auf eine Stufe gestellt haben. Wir haben lediglich darauf hingewiesen, dass es nicht legitim ist, Proteste der muslimischen Welt als mangelnde Meinungsfreiheitstoleranz zu verurteilen, gleichzeitig aber eine gemeinsame Plattform aufgrund einer Kritik grundsätzlich abzulehnen. Es geht hier nicht um Details sondern um den Akt als Ganzes, als Symbol nämlich.

    Zudem weise ich sie darauf hin, dass es für Christen und Juden keinen und damit meine ich KEINEN Grund gibt, den Dialog mit Andersgläubigen zu verweigern, nur weil sie sich das Recht nehmen christliche Symbole zu kritisieren oder in Abrede zu stellen . Letzten Endes geht es auch hier (um mit Kermani zu sprechen) um symbolisches Handeln.

    Gerne weise ich sie daraufhin, dass die Basis des interkulturellen und interreligiösen Dialogs nicht auf Anerkennung der gegenseitigen Symbole sondern auf dem Respekt vor der Anerkennung der Symbole der anderen Glaubensgemeinschaft ruht. Dies zu verneinen wäre in der Tat infam und würde jeden Dialog von Anfang an zu Nichte machen. Wer Islam und Christentum strikt lebt, kann und darf keine anderen Symbole anerkennen. Nur Respektieren.

    Daher bleibe ich dabei. Grundsätzlich darf man alles ablehnen. Dies unter dem Deckmantel der Kulturkritik mit dem scheinheiligen (!) Hinweis auf eine etwaig fehlende Basis zu tun halte ich nach wie vor für eine Desavouierung, genau so übrigens wie ihren Kommentar.

  3. Was zum teufel heisst „desaouviert“?

    :) und we’re kennt den hessischen kunstpreis? :D

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