Mediale Ergüsse: Der Masturbathon

Auch Zeitungen  kennen eine Interessensagenda. Manchmal müsste man allerdings sagen: leider. Zumindest in Bezug auf 20Minuten und Newsnetz, welche beide zur Ta-Media gehören. Diese kongruente Agenda ist sehr durchschaubar. Alles was mit Sex, Orgien und nackten Körpern zu tun hat, ist automatisch gesetzt. So lese ich beispielsweise heute auf Newsnetz von einer Frau, die ein Kondom in ihrer Burger-Packung fand und deswegen bei der Polizei Klage eingereicht hat.

Schön. Davon habe ich nix. Nicht mal den Ekel, den mir die Vorstellung bescheren würde, die Frau hätte in ein gebrauchtes Kondom gebissen, während sie ihren Burger kaute. Laut Berichterstattung ist nämlich ausgerechnet das nicht klar. Das Kondom könnte schliesslich auch eingepackt gewesen sein und per Zufall in die Packung (nicht in den Burger!) gefallen sein.

Noch besser ist nur noch 20Minuten, das mir heute von einem Masturbathon berichtet. Nicht nur, dass überhaupt nicht klar wird, wie dieser dämliche Wettbewerb funktioniert – gewinnt nun derjenige, der am Längsten kann? oder der Schnellste? Oder derjenige der immer wieder kann? – ganz toll ist auch folgende Aussage:

Die Erlöse kommen Projekten zur sexuellen Aufklärung zugute. Ähnliche Wettbewerbe werden auch in London und Kopenhagen ausgetragen.

Da würde ich mich auch freuen, wenn ich die Erlöse eines Masturbathons bekommen würde – wenn ich Inhaber einer Samenbank wäre. Dummerweise gehen bei dieser Art Berichterstattung die wirklich spannenden Interessensagenden vergessen, wie zum Beispiel diese hier. Manchmal passt ein Verbrechen offenbar so gar nicht in das Selbstverständnis einiger Verleger.

Wir wollen keine Masturbathons. Wir wollen wissen warum Denisa Soltisova sterben musste. Dass unsere Nachbarn offenbar xenophobe Auswüchse medial ausleben, erscheint mir wesentlich relevanter als Kondome in Happy Meals. 

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3 Antworten zu “Mediale Ergüsse: Der Masturbathon

  1. wannermann

    gut zurecht gerückt … wem dient diese Ablenkung und wer profitiert davon ?
    Die Verwertung des Privaten und intimen zu einem *anderen* Zweck … Doppel Bödigkeit im Zeitalter unbegrenzter (Un)Möglichkeiten *anything goes* … so wird heute der globale Faschismus (MenschenVerachtung durch den Menschen) hoffähig gemacht …

  2. Genau meiner Meinung.. aber das bumsvolk interessiert leider nur die lustigen dinge.. ;-)

  3. elgreco33

    Gut beobachtet. Ist schon zum Gähnen, wie in manchen Publikationen – und auch manchen Blogs – Oberflächlichkeit geradezu zelebriert wird.

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