Tagesarchiv: 05/05/2009

Abteilung Qualitätsjournalismus

Finde nur ich das störend oder ist es teils inflationär, wie gewisse Experten in den schweizer Medien rumgereicht werden? Gestern kam dieselbe Nase zuerst im Echo der Zeit, anschliessend in der Tagesschau und heute Morgen muss ich dasselbe Gesicht noch einmal im Blick und in der 20 Minuten sehen?!

Nichts gegen den Ferdinand, an dem ist nix auszusetzen, der kennt seine Branche. Aber es wird in der Schweiz ja wohl auch noch jemand anderen geben, der sich ein wenig mit Autos auskennt.

Der Gedanke, dass Experten für ihre Auskünfte auch noch ein Honorar kriegen, wischen wir jetzt einfach mal bei Seite. Sonst hätte der Ferdinand gestern nämlich im Lotto gewonnen.

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Mediale Ergüsse: Der Masturbathon

Auch Zeitungen  kennen eine Interessensagenda. Manchmal müsste man allerdings sagen: leider. Zumindest in Bezug auf 20Minuten und Newsnetz, welche beide zur Ta-Media gehören. Diese kongruente Agenda ist sehr durchschaubar. Alles was mit Sex, Orgien und nackten Körpern zu tun hat, ist automatisch gesetzt. So lese ich beispielsweise heute auf Newsnetz von einer Frau, die ein Kondom in ihrer Burger-Packung fand und deswegen bei der Polizei Klage eingereicht hat.

Schön. Davon habe ich nix. Nicht mal den Ekel, den mir die Vorstellung bescheren würde, die Frau hätte in ein gebrauchtes Kondom gebissen, während sie ihren Burger kaute. Laut Berichterstattung ist nämlich ausgerechnet das nicht klar. Das Kondom könnte schliesslich auch eingepackt gewesen sein und per Zufall in die Packung (nicht in den Burger!) gefallen sein.

Noch besser ist nur noch 20Minuten, das mir heute von einem Masturbathon berichtet. Nicht nur, dass überhaupt nicht klar wird, wie dieser dämliche Wettbewerb funktioniert – gewinnt nun derjenige, der am Längsten kann? oder der Schnellste? Oder derjenige der immer wieder kann? – ganz toll ist auch folgende Aussage:

Die Erlöse kommen Projekten zur sexuellen Aufklärung zugute. Ähnliche Wettbewerbe werden auch in London und Kopenhagen ausgetragen.

Da würde ich mich auch freuen, wenn ich die Erlöse eines Masturbathons bekommen würde – wenn ich Inhaber einer Samenbank wäre. Dummerweise gehen bei dieser Art Berichterstattung die wirklich spannenden Interessensagenden vergessen, wie zum Beispiel diese hier. Manchmal passt ein Verbrechen offenbar so gar nicht in das Selbstverständnis einiger Verleger.

Wir wollen keine Masturbathons. Wir wollen wissen warum Denisa Soltisova sterben musste. Dass unsere Nachbarn offenbar xenophobe Auswüchse medial ausleben, erscheint mir wesentlich relevanter als Kondome in Happy Meals. 

Von Bierregeln und anderen Schnapsideen

Hallo David
 
Fast hätte ich letzte Woche ein schlechtes Gewissen gekriegt. Wenn Postings zu einer Art Bashing mutieren, dann ist das nicht in unserem Sinne.
Ich schreibe diese Eskalation unter anderem auch uns und unseren Artikeln aber auch Medienlese zu. Die arrogante und affektierte Art auf Kritik und belegte Zensurvorwürfe zu reagieren, gerade auch hier in diesem Blog, hat die nachfolgende, manchmal gar aggressive Diskussion erst los getreten. Ich hoffe, du nimmst uns das nicht übel.

Gerade deshalb danke ich dir auch für die mehr oder weniger persönliche Einladung zu einem gemütlichen Umtrunk, den ich leider ablehnen muss. Erstens schmeckt mir Bier nicht so und zweitens könntest du ja auch ein Mexikaner sein. Drittens würde das aber auch bedeuten, dass ich deiner Kritik zustimmen und dir damit Recht geben würde. Dem ist aber nicht so.
 
Zu allererst gilt festzuhalten, dass wir dich weder pauschal noch unangebracht oder anmassend kritisieren oder kritisiert haben. Unsere Argumente beruhen immer auf Beobachtungen, Feststellungen und damit in deinem Fall auf schriftlichen Tatsachen. Sie lassen sich daher auch logisch herleiten und begründen. Wer unser Blog regelmässig liest, der weiss das – ganz egal unter welcher Identität wir gerade bloggen. Dass wir alle nicht nur eine einzige Identität haben, darauf bist du sicherlich selbst schon gekommen. Gerade das ist ja Web2.0 – Selbstreferentiell bis zum geht-nicht-mehr, interaktiv und variabel.
 
So etwas wie eine „feste“ oder gar „starre“ Identität/IP gibt es im Internet nicht mehr, auch wenn du (wie zahlreiche deiner journalistischen Mitstreiter) das nach wie vor nicht glauben wollen. Manchmal bewundere ich gar, mit welch konservativem Enthusiasmus, ja mit welcher Naivität ihr dagegen anzukommen versucht. Im Netz bin auch ich David Bauer – nicht mehr oder weniger wie du. Daran kannst du dich stören, so lange du willst, es ändert nichts an der Tatsache, dass wir alle David Bauer sein können.

Warum wir bei hosenindosen anonym bloggen, haben wir dir und allen anderen schon mehrmals erklärt. Ein Argument muss auch ohne zuständige Referenzperson und/oder Position korrekt sein und einer Prüfung standhalten, sonst taugt es nichts. Und gerade Journalisten sollten verstehen, dass Kritik von Rezipienten aka undefinierte Leser-Masse mindestens so wertvoll ist, wie Inputs von Kollegen oder Vorgesetzten. Schliesslich schreibt ein Redakteur nicht für seinen Chef sondern für seine Leser. Folglich sollte er auch offen für deren Anliegen, Korrekturen und Anmerkungen sein.
Gerade Journalisten sind ja auf Output von aussen angewiesen, denn es gibt kaum ein anderes System, das selbstreferentieller operiert als das Mediensystem – und dabei trotzdem noch den Anspruch, ja gar die Frechheit besitzt zu behaupten, eine etwaige Realität abzubilden. Wir alle haben Luhmann gelesen, wir wissen um die Erklärungsnot autopoietischer Systeme in Bezug auf Interaktivität.  Wir nennen dies der Einfachheit halber die Realität der Massenmedien nach Luhmann.
 
Es ist folglich vorbildlich, dass du in deiner Funktion als Journalist offen für Kritik und zum Dialog bereit bist und Luhmann damit in den Arsch trittst. Diese Bereitschaft allerdings grundsätzlich an eine etwaige Identität einer Person zu knüpfen, macht dich letzten Endes nur selbst verdächtig. Zu nahe liegt in unserer Gesellschaft der Gedanke, deine Motive könnten networking- und damit karrierebedingt sein.
 
Ein Argument ist ein Argument und bleibt ein Argument. Solltest du Mühe haben die Argumente von uns anzunehmen, nur weil du meinst unsere Gesichter nicht zu kennen, dann werde ich dir meine Inputs in Zukunft von jemandem auf der Redaktion vortragen lassen – natürlich ohne dass du weißt oder auch nur ahnst, dass die Argumente von uns stammen. Nein, mehr noch. Solange du auf etwaigen Bierregeln beharrst, werden wir das so handhaben. Bedenke folglich, jede Frage, jeder Input, jede Kritik seitens deiner Kollegen könnte letzten Endes von uns, von den Dose E.S.K.’s stammen. Vielleicht hilft dir das einzusehen, dass eine so genannte Schnapsidee keine adäquate Lösung ist.
 
Ich bin, wie du siehst nicht nur David Bauer. Ich bin weit mehr.