Tagesarchiv: 04/05/2009

ach wie gut dass niemand weiss..

Wäre ich Journalist, würde ich mich langsam wehren. Es kann einfach nicht sein, dass Verleger und Chefredaktoren in derart mieser Weise kommunizieren, dass alle ausser der betroffenen Redaktion wissen, was auf sie zukommt. .CH ist lediglich das aktuellste Beispiel einer Reihe, die mit der Restrukturierung des Bundes ihre Fortsetzung finden wird.  

Am Wochenende kommunizierte die Nachrichtenagentur SDA , dass der Stv. Chefredaktor der NZZaS zum Tagesanzeiger wechsle. Er werde dort Mitglied der Redaktionsleitung und..

..darüber hinaus wird Senn auch Chef einer allfälligen gemeinsamen Bundeshausredaktion, wie „Bund“ und „Tages-Anzeiger“ mitteilten. Martin A. Senn begann seine Laufbahn beim Berner „Bund“. (..)
Mit der Anstellung Senns sei kein Vorentscheid in Richtung Kooperation mit dem „Tages-Anzeiger“ gefallen, betonte Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer auf Anfrage. Sollte sich der Tamedia-Verwaltungsrat nicht für das Kooperationsmodell entscheiden, wird Senn als Bundeshauschef und Mitglied der Chefredaktion des „Tages-Anzeigers“ tätig sein.

Keine Vorentscheidung my Ass. Das fleissige Artikel-Austauschen von TA und Bund ist schliesslich auch kein Hinweis auf eine mögliche Prozessoptimierung, sondern ein Dienst unter befreundeten Redaktionen. Das klingt genauso unschuldig wie die Behauptung des .CH-Verwaltungsrates, die Neuausrichtung und Neupositionierung der Gratiszeitung .CH von Anfang Jahr sei mitnichten ein Hinweis auf ein baldiges Ende.

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R.I.P .CH

Manchmal wünscht man sich echt, man würde mit seinen Prognosen nicht derart ins Schwarze treffen. Die Gratiszeitung .CH wird per sofort eingestellt. Bereits heute ist die letzte Ausgabe erschienen. Obwohl wir auch .CH immer wieder inhaltlich kritisiert haben, bedauern wir die Einstellung der Zeitung. Wir schliessen uns der strikten Forderung der Gewerkschaft nach einem Sozialplan für die betroffenen Mitarbeiter an. Es kann nicht sein, dass die Quote der arbeitslosen Journalisten in der Schweiz mittlerweile höher liegt, als in die jeder anderen Berufsgruppe.

Wir betonen noch einmal, dass wir mit diesem Blog nicht zur Reduktion, sondern zur Verbesserung der bereits existierenden Produkte beitragen wollen.

Zickenkrieg

Wir sind nicht unbedingt das, was man als Fans von Michèle Roten bezeichnen möchte. Obwohl wir ihr durchaus Schreibtalent zugestehen, finden wir ihre Inhalte schon seit längerer Zeit banal und empfinden ihre Schreibe als als Libido zerstörerend. Darum lesen wir die Kolumne auch nicht mehr regelmässig. Wie bei anderen Journalisten *hüstel* ist es einfach zu vorhersagbar, um was es gehen wird.
Diesen Samstag allerdings hat uns Michèle-National wieder einmal überrascht. Allerdings nicht grundsätzlich thematisch, sondern mit einer Art Seitenhieb auf Berufskolleginnen in einem Nebensatz.

Ich sass in einem Wartehäuschen und wartete auf den Zug mit mir und meiner schlechten Laune und meinen zwei Unterhosen, und keiner von den vieren war gute Unterhaltung. Auch nicht das Plakat für Joghurts, welche die Verdauung und damit ALLES, die ganze Welt und das ganze Leben gut machen, WAS NICHT STIMMT!, und auch nicht die Gratiszeitungen mit all den unfassbar schlechten selbstreferenziellen Kolumnen von jungen Frauen, die mir jede Lust auf meine eigene selbstreferenzielle Kolumne nehmen und aufs Frau-Sein sein und darauf, jemals wieder einen Buchstaben zu benutzen, den die schon benutzt haben.

Ich könnte mich natürlich täuschen – trotzdem klingt das wie eine heftige Breitseite in Richtung Blick-am-Abend-Kolumnistin Sara Stutz. Ausgerechnet die talentierte Sara Stutz, die wohl würdigste aller Michèle Roten-Followerinnen, wird von Mama verstossen. Das muss weh tun. Schliesslich hat sich Sara Stutz in einem durchaus fiesen User-Rating über Wochen mit Texten in einer Gratiszeitung gegen alle anderen miesen Kolumnenschreiber der Schweiz durchgesetzt und darf sich darum zu Recht Siegerin einer Art Online-Castings schimpfen. Zur Belohnung muss sie nun in einer gewissen Regelmässigkeit den Blick am Abend mit ihren Sex-Single-Kolumnen bereichern.

Fairerweise müsste man noch anfügen, dass Sara’s Texte im direkten Vergleich mit Michèle’s Kolumnen gar nicht mal so mies abschneiden – auch Sara kann schreiben. Und im Vergleich zu Oma Michèle dreht sich auch nicht jeder zweite Text um die eigene Vagina. Überflüssig und langweilig sind sie aber trotzdem alle beide.

Darum – prügelt euch! Dann wird’s vielleicht endlich wieder einmal spannend.